mini|hochkant|Äbtissin Elisabeth von Herford

Elisabeth von der Pfalz (auch Elisabeth von Böhmen, Elisabeth von Herford; * 26. Dezember 1618 in Heidelberg; † 8. Februar 1680 in Herford) war die älteste Tochter des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz und seiner Gemahlin Elisabeth Stuart, Prinzessin von England, Schottland und Irland, und wurde ab 1667 als Elisabeth III. Äbtissin des reichsunmittelbaren Frauenstifts Herford. Sie war Philosophin, Mathematikerin und Wissenschaftlerin. Sie hat mit vielen Intellektuellen ihrer Zeit korrespondiert, besonders ihre Kritik an René Descartes hat seine Arbeit maßgeblich geprägt.

Leben mini|hochkant|Elisabeth im Alter von 12 Jahren mini|hochkant|Porträt von Elisabeth aus der Nationalgalerie. mini|hochkant|Elisabeth von der Pfalz mini|hochkant|Büste der Elisabeth von der Pfalz in Herford Geburt (1618) und Familie Elisabeth von der Pfalz wurde am 26. Dezember 1618 in Heidelberg geboren. Sie war das dritte von dreizehn Kindern des Pfälzer Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, der von 1619 bis 1620 als böhmischer Winterkönig beim Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges eine tragische Rolle spielte, und seiner Frau Elisabeth Prinzessin von England, Schottland und Irland, einer Tochter von Jakob I. von England und Schwester von Karl I. Ihr Vater wurde ein Jahr nach ihrer Geburt von den Böhmen zum König gewählt und verlor am 8. November 1620 sein Königreich und sein angestammtes Kurfürstentum, die Pfalz. Elisabeth wurde zunächst von ihrer Großmutter, Kurfürstin Luise Juliane, eine Tochter Wilhelms von Oranien, in Heidelberg erzogen, welche sie dann aber nach der Schlacht am Weißen Berg bei Prag am 8. November 1620 zu ihren nach Berlin geflüchteten Eltern brachte. Damit beginnen für die junge Prinzessin von der Pfalz die Wanderjahre von Hof zu Hof, von Land zu Land.

Geschwister Heinrich Friedrich (1614–1629) Karl Ludwig (1617–1680), Kurprinz und nachmaliger Kurfürst von der Pfalz Ruprecht (1619–1682), seit 1643 Duke of Cumberland, britischer Admiral, Gouverneur von Windsor ⚭ morganatisch Lady Bellamont und später mit Margarete Hewes Moritz (* 6. Januar 1621 in Küstrin; † September 1652), verschollen Luise-Hollandine (1622–1709), seit 1664 Äbtissin zu Maubuisson Ludwig (1623–1623) Eduard (1625–1663) ⚭ 1645 Anna Gonzaga (1616–1684), Prinzessin von Nevers, Mantua und Monferrat Henriette Marie (1626–1651) ⚭ Mai 1651 Sigismund II. Rákóczi Graf von Mongatsch Philipp (1627–1650), lothringischer Reiterobers Charlotte (1628–1631) Sophie (1630–1714) ⚭ Oktober 1658 Ernst August, Kurfürst von Hannover Gustav Adolf (1632–1641)

Wanderjahre (1620–1667) mini|Heidelberg 1670, von Gerrit Berckheyde Die Eltern zogen von dort bald weiter in die Niederlande ins Exil und ließen Elisabeth zunächst in der Obhut des kurfürstlich-brandenburgischen Hofes. Ihre Großmutter, die Kurfürstin Luise Juliane von der Pfalz floh mit dem Kleinkind an den Hof ihres Schwiegersohnes, des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg. Elisabeth verbrachte acht Jahre in Berlin und Crossen an der Oder. Unter der Aufsicht ihrer geistvollen Großmutter und ihrer frommen Tante Katherina erhielt sie eine vorbildliche Erziehung, in deren Verlauf die Grundlagen ihrer stark calvinistisch geprägten Frömmigkeit gelegt wurden. Ab 1627 lebte sie dann bei ihren Eltern in Den Haag. Nach dem Tod des Vaters 1632 wurde sie von ihrer Mutter erzogen.

Im Alter von neun oder zehn Jahren wurde sie, wie auch ihre Geschwister, von ihrer Mutter an eine Adelsfamilie in Leiden in den Niederlanden zur Erziehung übergeben. Diese Praxis war in Königshäusern des 17. Jahrhunderts weit verbreitet, wie z. B. auch die Mutter selbst einst in Schottland aufgezogen worden war.

Elisabeths Ausbildung am Prinsenhof in Leiden ist nur lückenhaft überliefert, doch es ist bekannt, dass sie und ihre Geschwister Sprachen wie Griechisch, Latein, Französisch, Englisch und Deutsch sowie eventuell weitere Sprachen erlernten. Zudem ist davon auszugehen, dass sie in Logik, Mathematik, Politik, Philosophie und Naturwissenschaften unterwiesen wurde. Aufgrund ihrer herausragenden intellektuellen Fähigkeiten wurde sie von ihren Geschwistern „La Greque“ (die Griechin) genannt. Darüber hinaus erhielt sie Unterricht in Malerei, Musik und Tanz. Bereits in jungen Jahren zeigte sie eine ausgeprägte Begabung für Wissenschaft und ihre Ausbildung, insbesondere in Mathematik, legte den Grundstein für ihre späteren Arbeiten. Sie kannte den aktuellen Stand der Forschung in vielen wissenschaftlichen Bereichen und korrespondierte mit zahlreichen Intellektuellen.

Als Elisabeth knapp fünfzehn Jahre alt war, bewarb sich Władysław IV. Wasa, König von Polen und Großfürst von Litauen, um ihre Hand. Die Verhandlungen zogen sich über Jahre hin. Trotz der leidenschaftlichen Anträge des polnischen Königs konnte sich Elisabeth nicht zu einer Heirat entschließen, denn die polnische Geistlichkeit und der Reichstag bestand auf ihrem Übertritt zum katholischen Glauben. Als überzeugte Calvinistin war Elisabeth jedoch nicht bereit, diesen Schritt zu gehen.

Sie stand unter anderem mit Anna Maria von Schürmann und mit René Descartes in Verbindung. Über einen Zeitraum von sechs Jahren führten sie einen intensiven Gedankenaustausch, der die Bereiche Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften umfasste. Aus diesem Briefwechsel entstand unter anderem sein Traktat Les Passions de l’âme (deutsch: Die Leidenschaften der Seele). Descartes widmete ihr später sein naturphilosophisches Hauptwerk, die Principia Philosophiae (deutsch: Die Prinzipien der Philosophie) von 1644.In der französischen Fassung neu herausgegeben in C. Adam, P. Tannery (Hrsg.): Oeuvres des Descartes, t. IX: Meditations et Principes. Paris 1904; ab Seite 294. Online: Neben Descartes und von Schürmann korrespondierte Elisabeth mit vielen anderen, darunter mit dem Presbyterianer und Puritaner Edward Reynolds und verschiedenen Quäkern. Zu ihnen gehörten vor allem der Cartesianer Nicholas Malebranche, Gottfried Wilhelm Leibniz, Robert Barclay und der Gründer von Pennsylvania, William Penn. Während sie das Ziel zu haben schienen, sie zu ihrem Glauben zu bekehren, schien Elisabeth das intellektuelle Interesse an ihren Idealen und Überzeugungen zu interessieren.

Nachdem sie längere Zeit am Hof ihres Vetters, des Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg, und dann in Kassel bei ihrer Cousine Hedwig Sophie, der Landgräfin von Hessen-Kassel, gelebt hatte, wurde sie 1661 zur Vertreterin der Äbtissin (Koadjutor) in der Reichsabtei Herford gewählt und 1667 Äbtissin.

Äbtissin (1667–1680) Prinzessin Elisabeth von der Pfalz wurde am 30. April 1667 feierlich als neue Fürstäbtissin des Reichsstiftes Herford inthronisiert. Um standesgemäß in Herford einziehen zu können, hatte ihr Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg eine Karosse mit einem Sechsergespann geschenkt. Damit war die jahrelange Irrfahrt der Prinzessin von Hof zu Hof beendet.

Elisabeth zeichnete sich durch ihre Genauigkeit bei der Erfüllung ihrer Pflichten, ihre Bescheidenheit und Philanthropie sowie insbesondere durch ihre Gastfreundschaft gegenüber den aus Gewissensgründen Verfolgten aus.

Im Jahr 1670 nahm die Äbtissin, die sich zunehmend einer mystischen christlichen Strömung zuwandte, Labadisten und Quäker in Herford auf. Die lutherische Bevölkerung reagierte auf deren mystisches, von der Norm abweichendes Verhalten mit großem Unmut. Ihre Freundin Anna Maria von Schürmann hatte sich im Alter von 62 Jahren der Gemeinde der Labadisten angeschlossen. Die Gruppe, der auch die niederländische Labadistin Anna van Aerssen van Sommelsdijk und ihre Schwestern Maria und Lucia angehörten, gelangte 1670 über Middelburg und Amsterdam nach Herford, wo die Fürstäbtissin der Gemeinde für eine gewisse Zeit Zuflucht gewähren konnte. Sie lebten nicht in der Abtei, wohl aber unter deren Schutz, bis sie 1672 durch ein Edikt des Reichskammergerichts zu Speyer aus Herford vertrieben wurden.

Die Quäker Robert Barclay und William Penn besuchten Elisabeth, die sogar Quäkerandachten in ihrer Abtei gestattete und sich beim König von England aktiv für deren Duldung einsetzte. nach Herford.

Als Äbtissin war sie sehr erfolgreich.

Tod (1680) Gegen Ende des Jahres 1679 wurde die Äbtissin bettlägerig. Sie litt an Wassersucht und seit ihrer Jugend an Rheumatismus. Zu ihrer Freude erlebte sie auf ihrem Krankenlager die Aussöhnung mit ihrem Bruder Karl Ludwig. Der Pfalzgraf schickte seinen Leibarzt nach Herford, aber auch er konnte nicht mehr helfen. Unter den bedeutenden Persönlichkeiten, die nach Herford reisten, um die Äbtissin noch einmal zu sehen, befand sich um den Jahreswechsel 1679/80 auch der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz. Am 8. oder 11. Februar 1680 starb sie in der Abtei Herford.

Elisabeth wurde im Herforder Münster begraben. Sie bestimmte in ihrem Testament, dass sie zu nächtlicher Stunde und in aller Stille ohne Gefolge, Grabgesang, Glockengeläut und Leichenpredigt bestattet werden wollte. Ihre Grabplatte befindet sich vor dem hohen Altar der Münsterkirche.

Briefwechsel mit Descartes mini|René Descartes (rechts) im Gespräch mit Königin Christina (mit dem schwarzen Haar links) und Elisabeth in der Mitte. Gemälde von Pierre Louis Dumesnil (1698–1781) von einer Begegnung, die nie stattgefunden hat. Elisabeth war eine konstruktive Korrespondentin von Descartes und er widmete ihr ein Jahr nach ihrem ersten Briefwechsel sein naturphilosophisches Hauptwerk, die Principia Philosophiae von 1644. Sie war eine der wenigen Personen, deren Kritik Descartes ernst nahm und mit der er stets den Austausch pflegte. Er sagte selbst, dass sie die einzige Person sei, die seine Arbeit komplett verstehen würde. Angeregt durch ihre Kritik schrieb er, nach ihrer Aufforderung, sein Traktat Les Passions de l’âme. Ihre Meinung war von ihm so hoch angesehen, dass sie das Werk vor der Veröffentlichung verbessern musste. Sie stand bis zu seinem Tod mit ihm in lebhaftem Briefwechsel.

Descartes wollte den für seine philosophische Arbeit wertvollen Briefwechsel veröffentlichen. Elisabeth weigerte sich jedoch bis zu ihrem Tod, ihre Briefe freizugeben. Der Briefwechsel wird mittlerweile in der Descartes-Forschung als eine der wichtigsten Quellen angesehen. Man erkennt ihren großen Einfluss auf Descartes an, der zu seiner Zeit wenig Kritik von anderen Philosophen als Elisabeth annahm.

Beiträge zur Philosophie Das Interaktionsproblem mini|René Descartes’ Illustration der Interaktion zwischen Geist und Körper über die Epiphyse Die philosophische Frage nach der ursächlichen Wechselbeziehung (lateinisch: influxus physicus) zwischen materiellem Körper und dem nicht materiellen Geist wurde bereits früh als Problem für den Dualismus erkannt. René Descartes widmete sich in einem Briefwechsel mit Elisabeth der Frage, wie der Geist mit dem Körper interagiert.Brief: Elisabeth von Herford an René Descartes vom 16. Mai 1643

Elisabeth traf Descartes bei einem seiner Besuche in Den Haag. Descartes reiste nach Den Haag, um mit einigen der führenden intellektuellen Persönlichkeiten der Niederlande zu konferieren, die seine Philosophie unterstützen könnten. Den Haag war oft ein Treffpunkt für einflussreiche Persönlichkeiten.

Definition von Descartes Nach Auffassung von Descartes ist die Schnittstelle zwischen Körper und Geist eine zentrale Drüse des Gehirns, über die durch minimale Bewegungen feinster und sehr beweglicher Teile des Blutes (Spiritus) sowohl die Seele durch die Eindrücke des Körpers wie auch der Körper durch die Seele bewegt werden könne:

Kritik von Elisabeth