mini|300px|Schlat mit Hohenstaufen im Hintergrund Schlat ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Göppingen. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geographie Geographische Lage Schlat liegt in Luftlinie etwa sieben Kilometer südöstlich von Göppingen und gehört zur Randzone der Metropolregion Stuttgart. Das Gemeindegebiet liegt unter dem Albtrauf in der von Fränkel () im Osten, Wasserberg () im Süden und Fuchseck () im Südwesten gesäumten Stufenrandbucht des Fils-Zuflusses Weilerbachs, der auf etwa die Gemeinde verlässt. Der höchste Punkt der Gemeinde am Spornknick des Fuchsecks etwas unter dessen Gipfel erreicht etwa , während die Gemeindegrenze über den wenig niedrigeren Gipfel des Wasserbergs zieht.

Nachbargemeinden

Alle Nachbarkommunen liegen im eigenen Landkreis Göppingen.

Gemeindegliederung Zu Schlat gehören das Dorf Schlat, die Weiler Rommental und Ursenwang, das Gehöft Fuchseckhof sowie die abgegangenen Ortschaften Zillenhart (Burg Zillenhart) und Dollenkirchle.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 330–331.

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2022.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Schlat.

Schutzgebiete Naturdenkmäler Auf dem Gebiet der Gemeinde Schlat sind 1 flächenhaftes und 3 Einzel-Naturdenkmäler ausgewiesen.

Europäische Vogelschutzgebiete 290,68 ha des europäischen Vogelschutzgebietes Mittlere Schwäbische Alb (Schutzgebietskennung DE-7422-441) liegen auf der Gemarkung der Gemeinde Schlat. Dieses Vogelschutzgebiet wurde 2007 eingerichtet. 270,45 ha (= 1,59 % der Gesamtfläche) des europäischen Vogelschutzgebietes Vorland der mittleren Schwäbischen Alb (Schutzgebietskennung DE-7323-441) liegen auf der Gemarkung der Gemeinde Schlat. Dieses Vogelschutzgebiet wurde 2007 eingerichtet. FFH-Gebiet Das FFH-Gebiet Filsalb liegt mit einer Fläche von 164,87 ha (= 3 % der Gesamtfläche) auf der Gemarkung der Gemeinde Schlat. Zum 11. Januar 2019 ist dieses Schutzgebiet in Kraft getreten.

Geschichte mini|Schlat 1683/1685 im Kieserschen Forstlagerbuch mini|Blick auf Schlat, Zeichnung von Margret Hofheinz-Döring, 1978 mini|Skulptur in der Ortsmitte Frühe Geschichte Mehrere Grabhügel in der Umgebung lassen auf eine erste Besiedlung während der Eisenzeit schließen. Im Ortsbereich liegt ein Gräberfeld der Merowingerzeit, aus dem angeblich auch das Fragment eines ungarischen Steigbügels stammt. Urkundlich wurde Schlat erstmals 1139 erwähnt. Damals lag es im Herzogtum Schwaben.

Im Spätmittelalter hatten mehrere Grundherren, u. a. die Niederadligen von Schlat, Anteile am Ort. Allmählich gewann das Kloster Adelberg den größten Anteil von etwa zwei Dritteln, wohingegen etwa ein Drittel bei den Herren von Liebenstein verblieb. Siehe auch: Burg Oberrommental, Burg Zillenhart, Burg Schlat

Neuzeit Durch die Reformation gelangte das Herzogtum Württemberg in den Besitz des nun evangelischen Klosters Adelberg, so dass auch dessen Anteile am Ort Schlat nun zum württembergischen Klosteramt Adelberg gehörten. Während des Dreißigjährigen Kriegs hatte der Ort wie das ganze Land Württemberg unter den katastrophalen Folgen der für die Protestanten verlorenen Schlacht bei Nördlingen zu leiden. Den verheerenden Plünderungen und Verwüstungen folgten Hungersnöte und Seuchen. Diesen fielen in Schlat im Jahre 1635 etwa 400 Einwohner zum Opfer.

Den Anteil der Herren von Liebenstein am Ort Schlat erwarb Württemberg 1789 und unterstellte diesen dem Amt Göppingen. Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg wurde der ganze Ort Schlat dem Oberamt Göppingen zugeordnet.

Durch die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg 1938 wurde aus dem Oberamt der neu umrissene Landkreis Göppingen, in welchem Schlat sich seither befindet.

Von 1945 bis 1952 gehörte die Gemeinde zum Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war, ab 1952 zum neuen Bundesland Baden-Württemberg.

Religionen Seit der Reformation ist Schlat evangelisch geprägt, doch dürfen die römisch-katholischen Gläubigen, die im Ort über keine eigene Gemeinde verfügen, seit den 1950er Jahren die Andreaskirche mitbenutzen. Die evangelische Emmauskirchengemeinde Holzheim-Schlat gehört zum Kirchenbezirk Göppingen der Württembergischen Landeskirche, die Katholiken werden von der Kirchengemeinde Heilig Geist in Göppingen-Ursenwang betreut, welche zur Seelsorgeeinheit 11 “Profectio 2002” Göppingen Süd-Ost im Dekanat Göppingen-Geislingen zählt.

Einwohnerentwicklung Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1970

Datum Einwohner 1837 761 1907 831 17. Mai 1939 809 13. September 1950 1133 27. Mai 1970 1465 31. Dezember 1983 1589 25. Mai 1987 1634 31. Dezember 1991 1723 31. Dezember 1995 1699 31. Dezember 2005 1775 31. Dezember 2010 1727 31. Dezember 2015 1682 31. Dezember 2020 1694

Politik

Gemeinderat

mini|160px|Rathaus in Schlat Kreis GöppingenDer Gemeinderat in Schlat besteht aus zehn Mitgliedern. Bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 wurde der Gemeinderat durch Mehrheitswahl gewählt. Mehrheitswahl findet statt, wenn kein oder nur ein Wahlvorschlag eingereicht wurde. Die Bewerber mit den höchsten Stimmenzahlen sind dann gewählt. Der Gemeinderat besteht aus den ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Wahlbeteiligung betrug 72,07 %.

Bürgermeister 1868–1886: Johann Leonh. Wittlinger 1886–1901: Johannes Mayer 1901–1907: Friedrich Wilhelm Binder 1907–1919: Ernst Zänglein 1919–1939: Karl Sihler 1939–1944: während der Ortsabwesenheit von Bürgermeister Sihler führte der 2. Beigeordnete Werner die Geschäfte des Bürgermeisters 1944–1956: Albert Mayer (kommissarischer Bürgermeister) 1945–1948: Otto Retter 1948–1982: Georg Mühlhäuser 1982–1998: Roland Schmid 1998–2010: Bernd Welser 2010–2022: Gudrun Flogaus seit 2023: Karin Gansloser

Wappen

mini|hochkant|Gemeindebrunnen mit Wappen Die Blasonierung des Gemeindewappens von Schlat lautet: In Gold unter einem rechtshin liegenden grünen Apfelzweig mit einem roten Apfel ein weidendes rotes Schaf.

Das Wappen spiegelt die traditionellen Erwerbszweige, den Obstbau und die Viehzucht, wider. Das Wappen und die rot-gelbe Gemeindeflagge wurden am 30. Juni 1959 vom Innenministerium verliehen.

Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde Schlat gehört mit Wäschenbeuren und Wangen einer Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft mit der Stadt Göppingen an.

Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Straßenverkehr Schlat ist durch die Landesstraße L1218 mit den Göppinger Stadtteilen Ursenwang, Manzen und Holzheim sowie über den hohen Gairenbuckel-Pass mit Reichenbach i.T. verbunden. Die Kreisstraße K1426 führt in das benachbarte Süßen. Darüber hinaus gibt es eine Gemeindeverbindungsstraße nach Eschenbach. Busverkehr Seit der Integration in den VVS im Januar 2021 verkehrt die Buslinie 980 (ehemals Linie 3) von Schlat über Ursenwang und Holzheim nach Göppingen. Die Buslinie 984 verbindet Schlat mit Süßen sowie in der Gegenrichtung mit Ursenwang, Eschenbach und Heiningen. Schienenverkehr An der Bahnstrecke der Voralbbahn gab es den Bahnhof Göppingen-Schlat. Dieser befand sich jedoch weit entfernt vom Ort auf der Gemarkung von Göppingen. In direkter Nähe des Schlater Bahnhofs entstand ab 1962 die Siedlung Ursenwang. Radverkehr Der Schwäbische-Alb-Radweg führt als Fernradweg durch Schlat. Er führt vom Bodensee nach Donauwörth und dabei von Bad Boll über Eschenbach kommend in die Gemeinde und weiter über Süßen nach Donzdorf.

Geschäfte Im Ort befinden sich einige Hofläden, eine Fruchtsaftkellerei und ein Frisör. Die ehemals vorhandenen 2 Bäckereien, 2 Metzgereien, 2 Lebensmittelläden, 2 Banken, ein Fotogeschäft und das Postamt sind (teilweise schon lange) geschlossen. Kindergarten und Schule Der einzige Kindergarten in Schlat hat den Namen „Sonnenschein“. Der Träger ist die bürgerliche Gemeinde. Schlat verfügt über eine eigene Grundschule (Klassen 1 bis 4). Eine weiterführende Realschule gibt es in der Nachbarstadt Süßen. Alle Arten von weiterführenden Schulen sind in der benachbarten Kreisstadt Göppingen vorhanden. Feuerwehr Die Gemeinde Schlat unterhält eine Freiwillige Feuerwehr, welche aus einer aktiven Abteilung, einer Altersabteilung sowie einer Jugendfeuerwehr besteht. Das Feuerwehrmagazin verfügt über 3 Fahrzeugstellplätze und weitere Räumlichkeiten (Umkleide-, Schulungs- und Führungsraum sowie sanitären Räumen). Als Fahrzeuge stehen ein LF 8/6 (Baujahr 2002) und ein LF 8 (Baujahr 1985) im Einsatz. Ver- und Entsorgung Wasserversorgung Schlat wird mit Wasser aus Quellen unterhalb des Wasserbergs versorgt. Weiterhin kann bei nicht ausreichender Schüttung der eigenen Quellen Wasser vom Zweckverband Kornberggruppe bezogen werden. Abwasser Die Abwässer von Schlat werden im Klärwerk Göppingen, welches sich auf Uhinger Gemarkung befindet, gereinigt. Hierzu befindet sich auch ein Regenrückhaltebecken zwischen Schlat und Ursenwang, um kurzfristig anfallende großen Mengen Niederschlagswasser zu speichern und später verlangsamt in den Abwasserkanal abzugeben. Abfallentsorgung Die Abfallentsorgung erfolgt durch den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Göppingen. Der Restmüll wird im Müllheizkraftwerk Göppingen verbrannt.

Grüngutplatz alt=Grüngutplatz des Landkreises Göppingen in Schlat|mini|Grüngutplatz In Schlat befindet sich ein Grüngutplatz des Landkreises Göppingen. Dort werden Baum-, Hecken- und Strauchschnitt, Laub, Gras, sonstige Gartenabfälle, Wurzelstöcke und Fallobst angenommen.

Nahwärmenetz In Schlat befindet sich ein Nahwärmenetz, welches öffentliche Gebäude (Rathaus, Feuerwehrmagazin, Schule und Kindergarten) sowie etliche Häuser entlang der Schul- und Eschenbacherstrasse mit Wärme zum Zwecke der Gebäudeheizung versorgt. Die Anlage hat eine installierte Leistung von 500 kW und wird mit Hackschnitzeln betrieben. Landwirtschaft Traditionell spielt die Landwirtschaft in Schlat eine große Rolle. Sie war und ist von Ackerbau, Viehzucht und dem Obstbau geprägt. Da der Ort historisch gesehen zum Realteilungsgebiet gehört, sind die landwirtschaftlichen Flächen bis heute klein strukturiert. Nahezu in jeder Familie gab es in der Vergangenheit eine kleine Landwirtschaft mit einigen Kühen, Schweinen und Hühnern. Mit dem Aufkommen des Strukturwandels, ab den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts, sank die Zahl dieser Betriebe stark. Waren in den vierziger Jahren noch 100 Familien Lieferanten der Milchsammelstelle im Dorf, so sind heute nur noch 3 Milchviehbetriebe vorhanden. Eine bedeutende Rolle spielt der Obstanbau. Durch die dafür besonders gut geeignete und geschützte Lage am Albtrauf konnte sich der Anbau von Äpfeln, Birnen, Zwetschgen und Kirschen gut entwickeln. Stand früher die Selbstversorgung und die Verarbeitung im Mittelpunkt, so ist es heute in erster Linie die Direktvermarktung in Hofläden und über Wochenmärkte. Darüber hinaus gibt es zwei Obstverwertungsbetriebe im Ort und eine Reihe von kleinen Brennereien. Unternehmen In Schlat gibt es ein Gewerbegebiet mit verschiedenen Handwerksbetrieben. Überregional bekannt ist die Manufaktur Jörg Geiger, welche Destillate, Schaumweine und alkoholfreie PriSeccos herstellt. Die Verwendung des Begriffs „Champagner“ für den in Schlat aus der Champagner Bratbirne hergestellten Birnenschaumwein beschäftigte 2005 den Bundesgerichtshof. Außerhalb des Ortes in Richtung Manzen gelegen befindet sich ein größeres Asphaltmischwerk der Leonhard Weiss-Gruppe. Im Ort selbst gibt es noch mehrere Gaststätten sowie eine Pension.

Hochwasserrückhaltebecken