mini|255px|Voigtländer, Brennweite 42 cm, Seriennummer 79862 20px|verweis=:Commons:File:Historic Camera 06.jpg Voigtländer ist ein 1756 in Wien gegründetes Unternehmen der Fotoindustrie, das eigene Kameras produziert und seit 1982 eine Handelsmarke für Festbrennweiten-Objektive ist. Seit 2001 befindet sich der Firmensitz in Fürth.
Geschichte mini|Ehemalige Voigtländer-Fabrik in Braunschweig in der Campe-Straße mini|Aktie über 100 RM der Voigtländer & Sohn AG vom September 1925 Das Unternehmen Voigtländer wurde im Jahre 1756 in Wien von Johann Christoph Voigtländer gegründet. Es stellte zunächst optische Instrumente her, darunter optische Messgeräte und Operngläser. Ab 1839, dem Jahr, als die Erfindung der Fotografie veröffentlicht wurde, kamen Objektive und ab 1840 vollständige Kameras für die Fotografie dazu. Die Objektive Voigtländers waren revolutionär, denn sie waren die ersten mathematisch berechneten Präzisionsobjektive der Photographiegeschichte, konstruiert von dem Mathematikprofessor Jozef Maximilián Petzval. Sie haben eine zuvor ungekannt hohe Lichtstärke von 1/3,5 und wurden deshalb zur Verkürzung der damals noch nötigen langen Belichtungszeiten vor allem auch für Porträtaufnahmen eingesetzt.
Wegen Streitigkeiten mit Petzval, der Peter Wilhelm Friedrich von Voigtländer das Objektiv ohne Vertrag oder Patentierung für eine Einmalzahlung von nur 2000 Gulden überlassen hatte, entstand 1849 in Braunschweig das Zweigwerk Voigtländer & Sohn, Optische Anstalt. Später wurde die Firmenzentrale nach Braunschweig verlegt (Campe-Straße / Ecke Adolfstraße). Das Familienunternehmen Voigtländer wurde 1898 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, an der 1925 die Schering AG die Mehrheit erwarb. 1915 machten steigende Absatzzahlen einen Neubau der Fabrik und Umzug in den Stadtteil Gliesmarode (Petzvalstraße) erforderlich. 1929 wurde die Produktionskapazität erweitert. 1956 verkaufte die Schering AG die Voigtländer AG an die Carl-Zeiss-Stiftung, in der gleichzeitig auch Zeiss-Ikon und das Braunschweiger Zett-Werk aufgingen. 1957 wurde für die optische Fertigung ein Neubau bezogen, und die Verwaltung ebenfalls nach Gliesmarode verlegt. 1965 wurde die Zeiss-Ikon/Voigtländer-Vertriebsgesellschaft gegründet. Ab Mitte der 1960er Jahre geriet Voigtländer zusammen mit der Muttergesellschaft Zeiss-Ikon in eine immer größere Absatzkrise, die am 4. August 1971 zur Schließung des Voigtländer-Werks (2037 Mitarbeiter) führte.
Anschließend ging das Unternehmen in die Auffanggesellschaft Optische Werke Voigtländer über, an der sich Carl Zeiss, das Land Niedersachsen und der Braunschweiger Kamerahersteller Rollei zu je einem Drittel beteiligten; später übernahm Rollei alle Anteile. Die Auffanggesellschaft fertigte noch ein Jahr lang Objektive für Zeiss-Ikon und Rollei. 1974 wurden die Optischen Werke Voigtländer aufgelöst und die Voigtländer Vertriebsgesellschaft mbH gegründet, die Rollei-Kameras Made in Singapore unter dem Namen Voigtländer vertrieb.
Mit dem Konkurs und der Aufsplittung von Rollei im Jahr 1982 wurden die Rechte an dem Namen Voigtländer für 100.000 DM 1983 an die Plusfoto GmbH & Co verkauft, die wiederum 1997 mit der Ringfoto-Gruppe fusionierte.lippisches-kameramuseum.de, Voigtländer, abgerufen am 25. Oktober 2020. Unter der Leitung von Thilo Röhrig ist die Voigtländer GmbH mit Sitz in Fürth eine Tochtergesellschaft der Vertriebsgesellschaft RINGFOTO GmbH & Co. KG. Das Unternehmen bietet hochwertige Objektive (Festbrennweiten) für alle gängigen Kamerahersteller sowie seit 2025 auch Ferngläser an.
Produktgeschichte Bis 1945 Beliebt auch bei Amateuren waren um 1905 Plattenkameras wie die Alpin, und ab etwa 1910 die schon in größeren Stückzahlen produzierten Platten- und Rollfilmkameras Bergheil und Avus.
Berühmte Objektive, die auch mit Wechselanschlüssen verkauft wurden, waren im frühen 20. Jahrhundert das fünflinsige Heliar von 1900 und das Skopar (ein Tessar-Typ).
Universal-Heliar mini|rechts|Optischer Aufbau des Voigtländer Universal-Heliar. Die gestrichelte Darstellung zeigt eine alternative Stellung der verschiebbaren Mittellinse zur Erzeugung des Weichzeichnungseffekts.
Das Universal-Heliar war eine 1926 eingeführte Weichzeichnungsvariante des Heliar mit einer Lichtstärke von 1:4,5. Es basiert auf der ursprünglichen fünflinsigen Heliar-Konstruktion in drei Gruppen. Im Unterschied zum normalen Heliar lässt sich die bikonkave Mittellinse entlang der optischen Achse verschieben. Dadurch verändert sich die sphärische Aberration und damit der Weichzeichnungseffekt. Die Verstellung erfolgt über einen Ring an der Vorderseite des Objektivs; die Skala reicht von 0 bis 5. In Stellung 0 ist keine zusätzliche Weichzeichnung wirksam, mit zunehmender Zahl wird der Effekt stärker.
Ein Voigtländer-Katalog von 1931 führt das Universal-Heliar 1:4,5 in den Brennweiten 300, 360, 420 und 480 mm auf. Bei voller Öffnung waren dafür Aufnahmeformate von 16 × 21, 18 × 24, 21 × 27 beziehungsweise 26 × 31 cm angegeben. Der Hersteller beschrieb das Objektiv als für Porträts, Akt- und Kostümstudien geeignet und hob hervor, dass sich der Grad der Weichzeichnung reproduzierbar über die Skala einstellen ließ.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Universal-Heliar mit 300, 360 und 420 mm weitergeführt; die 480-mm-Ausführung entfiel. Die Nachkriegsversionen wurden vergütet und ausschließlich als Fassungsobjektive ohne eingebauten Verschluss angeboten. Der Blendenbereich reichte von 1:4,5 bis 1:32. Bei stärkster Weichzeichnung verringerte sich die effektive Brennweite der drei Versionen auf etwa 250, 300 beziehungsweise 350 mm; zugleich änderte sich der Bildwinkel von etwa 45° auf 54°. Die Bildkreise bei Unendlich werden für die drei Ausführungen mit etwa 250, 300 und 350 mm angegeben. Vor- und Nachkriegsausführungen lassen sich außerdem an den Bedienhebeln unterscheiden: Vorkriegsversionen besitzen gerändelte, zylindrische und vernickelte Griffe, während die Nachkriegsversionen glatte, verchromte Griffe mit kugelförmigem Ende aufweisen.
Kameras der 1930er Jahre Zu den bedeutendsten traditionellen Produkten von Voigtländer zählen die Mittelformatkameras Bessa aus den 1930er Jahren und die Voigtländer Brillant aus der gleichen Zeit. Dem Kleinbildformat wandte sich Voigtländer mit der Vito 1939 verhältnismäßig spät zu.
1945–1982 mini|Vitomatic I Prontor SKL-V (1957) Nach dem Krieg verkauften sich Kleinbild-Sucherkameras, Modelle wie der Vitessa von 1953, Dynamatic (1960) und Vitrona (1964) sehr erfolgreich, auch im Export. Die Vitrona war die erste Kamera mit eingebautem Blitz.kleinbildkamera.ch, 1964: Voigtländer Vitrona, abgerufen am 27. Oktober 2020. Die Voigtländer-Werbung zielte nicht zuletzt auf die überlegene optische Qualität ab: „Voigtländer – weil das Objektiv so gut ist“.
Voigtländer stellte 1952 das erste apochromatisch korrigierte Objektiv für Mittelformatkameras normaler Lichtstärke her, das 4.5/105 mm Apo-Lanthar. Mit dem Ultron 2.0/50 mm (Gauß-Typ) hatte man eines der besten Kleinbildobjektive seiner Zeit im Programm, das als Vorlage für die Weiterentwicklung vieler anderer Hersteller diente. Das Nokton 1.5/50 mm, ebenfalls berechnet von A. W. Tronnier, gehörte 1951 zu den lichtstärksten Objektiven.kamerakult.de 30. Mai 2020, Voigtländer 50mm/1.5 Nokton VM Test / Review, abgerufen am 24. Oktober 2020.
1959 stellte die Firma mit dem Zoomar 2,8/36–82 das erste Zoom-Wechselobjektiv für Kleinbildkameras der Welt vor. mini|hochkant|Voigtländer Zoomar 36–82, Lichtstärke durchgehend 2,8, Filtergewinde 95 mmkleinbildkamera.ch, 1959: Voigtländer Zoomar 1:2.8 / 36-82 mm, abgerufen am 18. Oktober 2020. In den 1950er Jahren baute Voigtländer im gehobenen Marktsegment Mittelformat-Faltkameras (Bessa-II), Messsucher-Kleinbildkameras mit wechselbaren Objektiven (Prominent) und Spiegelreflexkameras mit Zentralverschluss (Bessamatic bis 1957). 1959 und 1963 wurden SLR-Prototypen mit Schlitzverschluss entwickelt (interne Bezeichnung Typ 132), die beide vom Konzernvorstand verworfen wurden. Stattdessen wurden die Zentralverschluss-SLRs weiter produziert, obwohl deren sinkende Verkaufszahlen bereits das nahende Ende dieser Kameragattung signalisierten. Die letzte in Braunschweig gebaute Voigtländer-SLR war die Bessamatic-CS (1966). Neben der Bessamatic-Serie bestand ab 1961 auch noch die Ultramatic-Serie. Dabei handelte es sich zwar um den gleichen Typ SLR-Kameras, jedoch war die Ultramatic viel schwerer und wuchtiger als die Bessamatic. Die erste Serie der Ultramatic besaß einen Rückschwingspiegel, der das Sucherbild nach dem Auslösen wieder öffnete. Dieser wurde durch eine zusätzliche Platine im Kameraboden ermöglicht. Leider war die Ultramatic auch sehr fehleranfällig.klassik-cameras.de (vom 18. November 2011), Der letzte Saurier von Voigtländer – die Ultramatic-CS, abgerufen am 26. Oktober 2020. Dies lag an einem nicht vollständig ablaufenden Hemmwerk, das schließlich zu einer vollständig blockierten Kamera führte. Die zweite Ultramatic-Serie, die nun aufgrund der CDS-Belichtungsmessung Ultramatic CS hieß, besaß keinen Rückschwingspiegel, jedoch die zuvor in keinem deutschen Kameramodell vorhandene TTL-Belichtungsmessung. Außerdem fand die Verstellung der Filmempfindlichkeit nun an einem weiteren Ring am Verschluss der Kamera statt. Die Wechselobjektive für Zentralverschluss waren lichtschwächer als die Konkurrenz – z. B. konnte das Nokton nicht eingebaut werden. Während etwa Pentax den sehr erfolgreichen „offenen Standard“ des M42-Objektivgewindes unterstützte, verließ sich Voigtländer auf sein eigenes, markenrechtlich geschütztes, aber inkompatibles System. Das Angebot an Wechselobjektiven blieb klein. Die Ultramatic verkaufte sich schlecht und wurde 1968 eingestellt. mini|Spiegelreflexkamera Ultramatic CS mit Septon (1966) mini|Spiegelreflex VSL 1 (ab 1971) Ein Prototyp von 1963 mit Schlitzverschluss (Bessaflex) wurde drei Jahre später schließlich leicht verändert unter dem Logo Zeiss-Ikon bzw. als Zeiss-Ikon-Voigtländer Icarex gebaut. Der Icarex fehlte jedoch die inzwischen marktübliche TTL-Belichtungsmessung. Die Icarex ist die einzige bekannte SLR, die parallel mit zwei verschiedenen Objektivanschlüssen gefertigt wurde: mit einem markenspezifischen Bajonettanschluss und mit dem Gewinde M42. Erfolgreich waren beide nicht, obwohl die eingesetzten Objektive Carl-Zeiss-Konstruktionen waren. Verglichen mit der japanischen Konkurrenz war das Produktprogramm von Voigtländer ab Mitte der sechziger Jahre veraltet und zu teuer. Die technologische Führerschaft hatten Firmen wie Pentax und Nikon übernommen.
In den Jahren nach 1971 lag die Marken-Inhaberschaft bei Rollei. Die Voigtländer-Kameras waren entweder größtenteils mit Rollei-Kameras identisch oder wichtige Baugruppen wurden gemeinsam verwendet. Die Produktion fand damals im Rollei-Werk Singapur statt. Die Voigtländer-Kameras wurden gegenüber Rollei niedriger am Markt positioniert, u. a. durch eine in Details sparsamere Ausstattung. Wichtigste Kameras dieser Ära waren die mit dem QBM-Bajonett ausgestatteten Rollei- und Voigtländer-Parallelmodelle VSL 1/Rollei SL 35 M, VSL 2/Rollei SL 35 ME und VSL 3/Rollei SL 35 E sowie zuvor die Voigtländer-VSL 1 mit M42-Schraubgewinde, Drehlage-sicherndem Anschlag und einer axialen mechanischen Übertragung des Blendenwertes vom Objektiv an die Kamera für die Offenblendmessung.
Diese Kameras konnten sich ebenfalls am Markt nicht behaupten. Nach der Schließung des Singapur-Werkes und dem Konkurs von Rollei 1981 gab es bis 1997 keine Kameras unter dem Namen Voigtländer mehr.
Seit 1999 Ringfoto GmbH & Co.KG Im Jahr 1997 übernahm die Ringfoto Gruppe durch die Fusion mit Plusfoto die Firma Voigtländer.heise.de vom 28. März 2016, Hintergrund: Das Zoom und seine Herkunft, abgerufen am 25. Oktober 2020. Es wurden unterschiedliche analoge und digitale Kompaktkameras, Speicherkarten, Filme, digitale Bilderrahmen und vor allem Objektive vertrieben.