mini|Blick von der Kocherbrücke auf das Wehr Oedheim (gesprochen: [], ) ist eine Gemeinde und ein Dorf im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg (Deutschland). Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken (bis 20. Mai 2003 Region Franken) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Oedheim liegt am Unterlauf des Kochers im Norden des Landkreises Heilbronn. Die Gemeinde hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Hohenloher-Haller Ebene.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Die Oedheimer Markung umfasst 1763 Hektar und erstreckt sich über Höhen zwischen 148,60 und 249,50 Metern über Meereshöhe. Die Ortsmitte liegt auf einer Höhe von 166 Metern. Der Großteil der Markungsfläche ist von Löss oder Lösslehm über Lettenkohle und Kalkböden bedeckt und eignet sich daher bestens für Landwirtschaft. Ackerland macht daher mehr als die Hälfte der Markungsfläche aus (1965 waren 1066 von 1763 Hektar Ackerland).
Nachbargemeinden Nachbarstädte sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden): Neckarsulm, Bad Friedrichshall und Neuenstadt am Kocher, die alle zum Landkreis Heilbronn gehören. Mit Bad Friedrichshall und Offenau ist Oedheim eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.
Gemeindegliederung Oedheim besteht aus den Ortsteilen Oedheim und Degmarn. Zu Oedheim selbst gehören der Weiler Falkenstein sowie die Höfe Grollenhof, Lautenbach und Willenbach.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 48–49
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Oedheim.
Geschichte Vorgeschichte und Altertum Die frühesten Siedlungsspuren aus der Umgebung von Oedheim datieren in die Jungsteinzeit (4000 bis 2000 v. Chr.). Auch aus der Bronzezeit und der Zeit der Kelten wurden auf der Oedheimer Gemarkung Funde geborgen. Zur Zeit der Römer bestanden mindestens drei römische Gutshöfe auf der Gemarkung von Oedheim, die von zwei alten Fernwegen, nämlich der Hohen Straße von Wimpfen nach Jagsthausen und der Nibelungenstraße von Wimpfen nach Öhringen, berührt wird. Auch die Dreifaltigkeitskapelle wurde vermutlich auf römischen Grundmauern errichtet.
Mittelalter Der heutige Ort Oedheim wurde aufgrund seiner Lage an einer Talflanke und der Endsilbe -heim vermutlich im Zuge der fränkischen Landnahme gegründet. Der Ortsname bezeichnet den Ort als Sitz des Sippenführers Odo.
Die älteste Siedlung ist der Weiler Willenbach, der bereits 803 urkundlich belegt ist. Willenbach (damals Willenheim) war vermutlich die zunächst bedeutendste Siedlung, könnte aber bei den Ungarneinfällen im 10. Jahrhundert zerstört worden sein, woraufhin das durch seine Talflankenlage besser geschützte Oedheim entstand oder ausgebaut wurde. In Urkunden ist erstmals um 1235 von Odehein die Rede. Bereits damals erschien mit Ruodigerus de Hoedehain (Oedheim) mit dem Beinamen Capplanus ein Vertreter der Familie Capler als Dienstmann der Herren von Weinsberg. Der Ort zählte zur Herrschaft Scheuerberg der Herren von Weinsberg, die die Capler als Dienstmannen auf Schloss Oedheim eingesetzt hatten, von wo aus insbesondere die Furt über den Kocher kontrolliert wurde.
mini|hochkant|Rückseite des Schlosses Oedheim
Die Weinsberger verkauften 1335 die gesamte Herrschaft Scheuerberg mit Oedheim an das Erzstift Mainz. Dieses verpfändete die Herrschaft für 17 Jahre an Hans von Sickingen und tauschte das Gebiet 1484 schließlich mit dem Deutschen Orden gegen ein Gebiet bei Prozelten mit der Henneburg. So kam Oedheim 1484 zum Unteramt Heuchlingen innerhalb der Kommende Horneck der Deutschordensballei Franken. Das Schloss in Oedheim war jedoch nicht Teil des Verkaufs von 1335 gewesen, sondern blieb unter Weinsberger Oberherrschaft, bevor es 1449 zur Herrschaft Neuenstadt und mit dieser 1504 zu Württemberg kam. Das württembergische Lehen der Adelsfamilie Capler (mit dem Beinamen Bautz) inmitten des ansonsten zum Deutschen Orden zählenden Ortes sorgte für jahrhundertelange Streitigkeiten.
Frühe Neuzeit Vom Bauernkrieg 1525 sind keine Auswirkungen auf Oedheim bekannt. Während der Reformation blieb der Ort aufgrund der Zugehörigkeit zum Deutschen Orden katholisch, während sich die württembergischen Lehensleute im Schloss zur Reformation bekannten. Im Schmalkaldischen Krieg 1546 wurde das Schloss daher von kaisertreuen Truppen des Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach geplündert und niedergebrannt. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte Oedheim, vor allem während des Dreißigjährigen Krieges, wie die gesamte Umgebung an den Folgen von Truppendurchzügen und der Pest zu leiden.
Württembergische Zeit Der Ort fiel 1806 durch die Mediatisierung des Ordensgebietes an das Königreich Württemberg und kam zum Oberamt Neckarsulm. 1851 kamen Willenbach und Lautenbach als Teilgemeinden zu Oedheim. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts wanderten zahlreiche Oedheimer von dem rein landwirtschaftlich geprägten Ort ins Ausland aus. Von den 158 zwischen 1846 und 1927 ausgewanderten Personen gingen 148 nach Nordamerika. Ab dem späten 19. Jahrhundert ließ die Auswanderung ins Ausland nach, dafür setzte verstärkt eine Binnenwanderung in die durch die Industrialisierung aufblühenden Städte ein. Aufgrund von Ab- und Auswanderung stagnierte der Bevölkerungsstand des Ortes in der Zeit von 1850 bis 1900 bei etwa 1700 Personen. Beginnend mit einzelnen, in der Zeit ab 1870 errichteten Häusern entwickelte sich auf der rechten Kocherseite die Siedlung Neudorf, die bis in die 1970er Jahre auf rund 1400 Bewohner anwuchs.
1938, im Zuge der württembergischen Gebietsreform während der NS-Zeit, kam Oedheim zum Landkreis Heilbronn.
1937 richtete die Luftwaffe südlich des Orts einen Fliegerhorst ein, von dem aus im Zweiten Weltkrieg Angriffe gegen Frankreich geflogen wurden. In den letzten Kriegstagen wurde der Ort durch Kampfhandlungen zwischen Einheiten der 7. US-Armee und im Ort verschanzter Truppen der Waffen-SS schwer beschädigt. Insgesamt lag der Ort zehn Tage im Artilleriefeuer und erlitt zudem einen Luftangriff. Etwa die Hälfte der Bebauung, etwa 120 Gebäude, wurden dabei zerstört. 35 Einwohner verloren bei den Kämpfen ihr Leben.Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands. R. Oldenbourg Verlag, München 1995, ISBN 3-486-54141-2, Seite 789 Am 14. April 1945 konnten die Amerikaner den Ort besetzen. 1939 wurden 2058 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 2242.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg
Nachkriegszeit Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Oedheim Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Es wurden ab 1946 zwischen 500 und 600 Heimatvertriebene in Oedheim angesiedelt. Außerdem ließen sich auch verstärkt Ausländer am Ort nieder. Oedheim wandelte sich von einem bäuerlich geprägten Ort zu einem Wohnort für Pendler in die umliegenden, von Industrie und Gewerbe geprägten Orte Neckarsulm, Heilbronn und Bad Friedrichshall. In Oedheim selbst haben sich Industrie und Gewerbe nur in sehr beschränktem Maße angesiedelt. Am 1. Juli 1971 wurde Degmarn nach Oedheim eingemeindet.
Demographie Bevölkerungsentwicklung: JahrEinwohner19904.89520015.81320115.86820216.544
Religionen
mini|hochkant|Mauritiuskirche Oedheim
In Oedheim gibt es die katholische Kirchengemeinde St. Mauritius mit der zugehörigen Dreifaltigkeitskapelle und die evangelische Christuskirchen-Gemeinde, die zur Pfarrei Bad Friedrichshall-Kochendorf gehört. In Degmarn gibt es die katholische Kirchengemeinde St. Pankratius.
mini|Grabsteine auf dem jüdischen Friedhof (Feb. 2008) Die Jüdische Gemeinde Oedheim entstand, als Juden in Oedheim durch den Deutschen Orden und die Freiherren Capler ab dem späten 17. Jahrhundert aufgenommen wurden und ab 1705 das Recht erhielten, Schule und Gottesdienst abzuhalten. Die Zahl der jüdischen Familien erhöhte sich bis 1780 auf insgesamt 18 Familien. Nach dem Übergang zu Württemberg wurden 1807 insgesamt 84 Juden am Ort gezählt. 1854 war mit über 100 jüdischen Einwohnern ein Höchststand erreicht, danach nahm die Gemeinde durch Ab- und Auswanderung rasch ab. Nachdem der Gottesdienst zuvor in verschiedenen Häusern abgehalten worden war, erbaute die jüdische Gemeinde im Jahr 1864 die Synagoge Oedheim. 1869 waren noch 63 Juden im Ort, 1900 noch 38 und 1933 noch 16, von denen elf auswandern konnten, während fünf Personen nach Deportationen 1942 den Tod fanden. Beim Novemberpogrom 1938 wurde der Jüdische Friedhof Oedheim von Sprengungen durch SA-Leute verwüstet. Eine noch im Ort lebende jüdische Familie wurde misshandelt, ihre Wohnung demoliert.
Politik mini|Rathaus von Oedheim Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus den gewählten 18 ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands45,90847,559FWVFreie Wählervereinigung39,77740,448SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands14,33312,022gesamt100,018100,019Wahlbeteiligung65,00 %63,53 %
Bürgermeister Matthias Schmitt wurde am 29. November 2015 mit 72,4 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 1. März 2016 an. Am 3. Dezember 2023 wurde er mit 99,1 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
Bürgermeister von Oedheim seit 1897: 1897–1902: A. Rieg 1902–1904: Karl Barth 1904–1920: Ferdinand Kraus 1920–1928: Kohler 1928–1945: Eugen Joos 1945–1946: Amtsverweser Otto Sandel, Josef Last u. Hermann Wolf sen. 1946–1948: Gerhard Seesann 1948–1951: Eugen Joos 1951–1968: Gregor Natterer 1968–1992: Manfred Ley (ab 1971 Bürgermeister für die neugebildete Gemeinde mit Degmarn) 1992–2016: Ulrich Ruoff Seit 2016: Matthias Schmitt
Bürgermeister von Degmarn von 1900 bis zur Eingemeindung 1971:
1885–1903: Josef Vogt 1903–1925: Josef Schiemer 1925–1945: Karl Schiemer 1945–1966: August Horch 1966–1971: Karl Hehn
Wappen und Flagge Die Blasonierung des Oedheimer Wappens lautet: In Silber aus einem mit einem linkshin schwimmenden silbernen Fisch belegten blauen Schildfuß wachsend ein rot bekleideter Mann mit roter Mütze, in jeder Hand einen aufrechten schwarzen Pfeil haltend. Die Flagge der Gemeinde ist Rot-Weiß.