Löwenstein ist eine Stadt 20 km südöstlich von Heilbronn im Landkreis Heilbronn in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Heilbronn-Franken. Die Stadt ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt im Naturraum Schwäbisch-Fränkische WaldbergeNaturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 oberhalb des Sulmtales am Rand der nach ihr benannten Löwensteiner Berge in 220 bis 549 Meter Höhe. Teilweise auf Gemeindegebiet liegt der in den 1970er-Jahren künstlich angelegte Breitenauer See.

Geologie Das hier sehr ausgeprägte treppenförmige Relief der Keuper-Schichtstufe am Nordwestrand der Schwäbisch-Fränkischen Waldberge spiegelt sich in der siedlungsgeschichtlichen Anlage der Stadt wider. Der Nukleus der Siedlung ist die Ende des 11. Jahrhunderts auf in beengter Spornlage auf Stubensandstein errichtete Burg Löwenstein. Die darunter liegende Kieselsandsteinterrasse auf wurde spätestens ab dem 13. Jahrhundert mit der Kernstadt nahezu vollständig überbaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnten Neubaugebiete nur auf dem wiederum eine Stufe tiefer liegenden Schilfsandstein (Teusserbad und Neue Gärten) auf etwa 260–300 m ü. NN oder auf der Stubensandsteinhochfläche beim Ortsteil Hirrweiler angelegt werden. Die aus dem Mittelalter stammenden Gehöfte Beckershof und Breitenauer Hof liegen unterhalb der prägnanten Oberkeuperstufe beidseits der Sulm-Mulde auf zwei Hügeln des intensiv für Wein- und Obstbau genutzten Gipskeupers. Die Hügel tragen obenauf Reste alter Schuttdecken.Geologische Karte des Naturparks Schwäbisch-Fränkischer Wald 1:50 000. 1. Auflage. Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau Baden-Württemberg, Freiburg 2001

Die Stadt Löwenstein ist Namensgeberin der geologischen Löwenstein-Formation, die unter ihrem ursprünglichen Namen Stubensandstein bekannt ist. Der Sand wurde früher abgebaut, wodurch auf der Gemarkung Löwensteins zwei kleine Höhlen entstanden, die Hofackerhöhle und die Lumpenlochhöhle.

Nachbargemeinden Nachbarstädte und -gemeinden Löwensteins sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Süden): Oberstenfeld (Ortsteil Prevorst, Landkreis Ludwigsburg), die Stadt Beilstein, die Stadt Lauffen am Neckar (Exklave Stadtwald Etzlenswenden), Untergruppenbach, Lehrensteinsfeld, Obersulm, Bretzfeld (Hohenlohekreis) und Wüstenrot. Bis auf Oberstenfeld und Bretzfeld gehören alle zum Landkreis Heilbronn. Mit Obersulm ist Löwenstein eine Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft eingegangen.

Stadtgliederung Löwenstein gliedert sich in die Kernstadt Löwenstein und den eingemeindeten Stadtteil Hößlinsülz. Zu Löwenstein selbst gehören noch die Weiler Altenhau, Hirrweiler, Lichtenstern (ehemaliges Kloster und heutige Evangelische Stiftung Lichtenstern), Reisach und Rittelhof, die Höfe Beckershof und Breitenauer Hof sowie die Wohnplätze Bachhäusle, Frankenhof, Gerberhäusle, Klostermühle, Mittelmühle, Obermühle, Sanatorium Löwenstein, Seemühle, Teusserbad, Weingarthaus und Ziegelhütte. Auch die Kuppe auf dem 538,9 m hohen Stocksberg mit dem Stocksberger Jagdhaus gehört als Wohnplatz Stocksberg zu Löwenstein, nicht jedoch der am Nord- und Osthang gelegene gleichnamige Weiler, der zur Nachbarstadt Beilstein gehört. Abgegangene, heute nicht mehr bestehende Orte auf Markung Löwenstein sind Schlagweiler und Spelach.Quelle für den Abschnitt Stadtgliederung: Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1. S. 135–137

Flächenaufteilung

Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Löwenstein.

Geschichte mini|Löwenstein und Umgebung, um 1755 mini|Löwenstein von Norden, bei G. Ebner, um 1820 mini|Löwenstein von Osten Bis zum 18. Jahrhundert Um 1090 wurde die Burg Löwenstein von den Grafen von Calw als Verwaltungsmittelpunkt am Salzhandelsweg von Heilbronn nach Hall erbaut. Eine auf der Burg sitzende Seitenlinie der Calwer Grafen nannte sich Grafen von Löwenstein und wurde 1123 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Der Name Löwenstein geht auf das Wappenbild der Calwer Grafen zurück, das einen auf einem Dreiberg stehenden Löwen zeigt. Nach dem Aussterben der Calwer Hauptlinie verkaufte der ebenfalls ohne männliche Nachkommen gebliebene Graf Gottfried von Löwenstein die Grafschaft Löwenstein mit Burg und Ort Löwenstein 1277 an das Bistum Würzburg. Dieses veräußerte den Besitz 1281 an König Rudolf von Habsburg, der damit seinen ersten Sohn Albrecht von Schenkenberg belehnte und den Ort am 11. November 1287 mit der Verleihung der Rechte der Stadt Weinsberg zur Stadt erhob.

Albrecht von Schenkenberg begründete eine zweite, habsburgische Grafschaft Löwenstein, die um 1300 u. a. durch ihre Lage an der alten Handelsstraße und als Grenzort zum südlich gelegenen Württemberg noch ein bedeutender Machtfaktor in Südwestdeutschland war, jedoch nach dem Tode Albrechts 1304 an Bedeutung verlor und um 1375 einen wirtschaftlichen Niedergang erlebte. 1382 wurde die Hälfte der Grafschaft an die Kurpfalz verpfändet, 1441 schließlich die gesamte Grafschaft an die Kurpfalz verkauft. Graf Ludwig I. von Löwenstein, ein Sohn des Kurfürsten Friedrich der Siegreiche, begründete daraufhin die dritte, wittelsbach-kurpfälzische Dynastie der Grafen von Löwenstein. 1504 wurde Löwenstein im Landshuter Erbfolgekrieg von Herzog Ulrich von Württemberg erobert. Die Grafen von Löwenstein erhielten die Grafschaft 1510 als württembergisches Lehen zurück. Außerdem erlangten sie durch Heirat auch Besitz der Grafschaft Wertheim, wohin sie später umzogen und sich seitdem zu Löwenstein-Wertheim nennen.

Im Dreißigjährigen Krieg hatte auch Löwenstein sehr an Truppendurchzügen, Plünderungen und Seuchen zu leiden. Besondere Notzeiten waren nach der Schlacht bei Nördlingen im September 1634, als bei der Schlacht unterlegene Truppen den Ort durchströmten. Im Folgejahr starben in Löwenstein 314 Personen an der Pest. Viele Güter lagen über Jahrzehnte brach. Die Kriegslasten des späten 17. Jahrhunderts verhinderten eine Beseitigung der Armut. Im 18. Jahrhundert versuchte man durch vielerlei Bestrebungen wie die Wiederbelebung des Kurbads Teusserbad, die Verbesserung des Weinbaus, die Ansiedlung von Krämern, den Ausbau der Straße von Heilbronn nach Hall zur Chaussee und die Errichtung eines Viehmarkts (1790) der Armut in Löwenstein zu begegnen, doch dauerte es noch bis ins frühe 19. Jahrhundert, bis sich eine Besserung der Lebensverhältnisse einstellte.

19. und 20. Jahrhundert Im Jahr 1806 wurde die Stadt durch die Mediatisierung der gleichnamigen Grafschaft Löwenstein dem Königreich Württemberg angegliedert. Zunächst war Löwenstein dem Oberamt Backnang, ab 1810 dem Oberamt Weinsberg zugeordnet, wo die Stadt bis zu dessen Auflösung 1926 verblieb. Nach der Auflösung wurde die Stadt dem Oberamt Heilbronn (ab 1938 nach der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg dem Landkreis Heilbronn) zugeteilt. Im Zweiten Weltkrieg wurde Löwenstein am 14. April 1945 durch drei alliierte Fliegerangriffen, der erste erfolgte gegen 13 Uhr, heimgesucht, weil sich dort noch deutsche Flakgeschütze befanden. Insgesamt wurden 95 von 130 Gebäuden, darunter auch das historische Schloss Löwenstein, zerstört, neun Menschen getötet und 170 Familien obdachlos. Als Luftschutzbunker und Notunterkunft dienten die beiden nahegelegenen Hofacker- und Lumpenlochhöhlen. Drei Tage später besetzten Amerikaner die völlig zerstörte Stadt und zwangen Jungen auf Panzersperren zu laufen, um eine Verminung zu testen, die in Löwenstein nicht gegeben war. Viele Obdachlose kamen vorerst in Lichtenstern oder in den übrigen Häusern unter.

1939 wurden 1257 Einwohner gezählt, Ende 1945 waren es 1425.Mitteilungen des Württ. und Bad. Statistischen Landesamtes Nr. 1: Ergebnisse der Einwohnerzählung am 31. Dezember 1945 in Nordwürttemberg Nach Ende des Krieges erfolgte der Wiederaufbau des Ortes.

Da Löwenstein Teil der Amerikanischen Besatzungszone geworden war, gehörte die Stadt somit seit 1945 zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Religionen mini|Teusserbadkapelle Auf heutigem Löwensteiner Gebiet gab es früher das Zisterzienserinnen-Kloster Lichtenstern, das im Zuge der Reformation 1535 aufgehoben wurde. Anschließend wurde ein Klosteroberamt eingerichtet, das die früheren Liegenschaften des Klosters verwaltete und bis 1807 bestand. Nach Auflösung des Amts und einsetzendem Verfall der Anlagen entstand ab 1835 eine Kinderrettungsanstalt, die 1865 zur Königlichen Stiftung erhoben wurde. Die Stiftung unterhält heute Einrichtungen in Löwenstein, Obersulm, Heilbronn und Eppingen.

Die heutige evangelische Kirchengemeinde LöwensteinWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Löwenstein gehört zum Kirchenbezirk Weinsberg-NeuenstadtWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Für die katholischen Christen ist die römisch-katholische Kirchengemeinde in (Obersulm-)Affaltrach zuständig.

mini|Evangelische Tagungsstätte In Löwenstein befindet sich auch die Evangelische Tagungsstätte Löwenstein (ETL), eine der ältesten kirchlichen Tagungsstätten in Deutschland. Sie wurde am 4. Juli 1971 eingeweiht. Träger der Tagungsstätte ist der Verband der Kirchenbezirke Besigheim Heilbronn-Brackenheim, Marbach und Weinsberg-Neuenstadt.Website des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt Die ETL veranstaltet meditative, kreative, theologische, lebensbegleitende und gesellschaftspolitische Tagungen und Seminare. Sie steht allen Veranstaltern aus Kirche, Wirtschaft und Verwaltung gleichermaßen zur Verfügung.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1971 erfolgte die freiwillige Eingemeindung von Hößlinsülz.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und zusätzlich dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Der Gemeinderat in Löwenstein hat (ohne Bürgermeister) 12 Mitglieder.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in Löwenstein führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen voriger Wahlen):Stadt Löwenstein, Gemeinderatswahl 2024, Amtliches Endergebnis mini|Rathaus Löwenstein

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze 2019 2014 Freie Wähler Löwenstein / Löwenstein 20201 37,8 % 45 Sitze, 41 % 4 Sitze, 35,5 % Pro Löwenstein – – n.k. 4 Sitze, 32,4 % Unabhängige Bürger 23,9 % 3 3 Sitze, 25 % 4 Sitze, 32,1 % Offenes Forum – Für Löwenstein 23,0 % 3 4 Sitze, 33 % n.k. Lebendiges Löwenstein 6,4 % 1 – – Gemeinsam für Löwenstein 8,9 % 1 – – Wahlbeteiligung 64,8 % 61,9 % 54,1 % 1 Seit der Kommunalwahl 2019 zusätzliche Bezeichnung „Löwenstein 2020“

Bürgermeister

1966–1992: Ernst Birk 1992–2000: Birgit Kriegel 2000–2024: Klaus Schifferer 2024–2026: Eberhard Birk seit 2026: Harald Koppenhöfer

Wappen und Flagge mini|120px|Wappen „Loewenstein“ Die Blasonierung des Löwensteiner Wappens lautet: In geteiltem Schild oben von Silber und Blau geweckt, unten in Gold auf blauem Dreiberg ein stehender roter Löwe. Die Stadtfarben sind Blau-Weiß.