Pommerellen ( selten benutzt, oder Pomerania), auch Weichselpommern () oder Ostpommern im Polnischen Sinne (), einschließlich Danziger Pommern ()Christophorus Hartknoch, De Republica Polonica Libri Duo: Quorum Prior Historiae Polonicae Memorabiliora, Posterior Autem Ius Publicum Reipubl. Polonicae, Lithuanicae Provinciarumque Annexarum Comprehendit, editio tertia altero tanto fere auctior, Königsberg in Preußen: Hallervordius, 1698, S. 441., ist eine historische Landschaft an der Ostseeküste in der heutigen polnischen Woiwodschaft Pommern.

Geographie Sie liegt in der heutigen Woiwodschaft Pommern (Pommerellen), dem nördlichen Teil der Woiwodschaft Kujawien-Pommern und einem kleinen Teil der Woiwodschaft Westpommern.

Die östliche Grenze zum historischen Preußen bilden die Flüsse Nogat-Weichsel und Ossa. Die westliche Abgrenzung zu Hinterpommern hat sich im Laufe der Jahrhunderte mangels natürlicher Hindernisse mehrmals verschoben. Der westlichste Grenzverlauf lag an der Persante, später an der Leba, und der östlichste an der Grenze zur preußischen Provinz Pommern (nach 1772). Im Süden grenzt Pommerellen an die historischen Territorien Großpolen und Kujawien. (In der Frühzeit lag die Südgrenze Pommerns in der Nähe der Netze, seit der Eroberung Pommerellens durch den Deutschordensstaat lag dessen Südgrenze weiter nördlich.)

Geologisch besteht Pommerellen aus der Grund- und Endmoränenlandschaft des Baltischen Landrückens zwischen Persante und der unteren Weichsel. Hier befindet sich auch der östliche Teil der Pommerschen Seenplatte mit dem Weitsee, die südlich in die Tucheler Heide übergeht.

Bezeichnungen Etymologie Das Wort Pommerellen bedeutet Klein-Pommern; es war schon bei den Deutschordensrittern in Gebrauch, die das Land seit 1310 durch Kauf und Eroberung in Besitz nahmen. Die älteste bekannte Urkunde, in der es vorkommt, ist die vom Hochmeister Konrad von Erlichshausen erteilte Pomerellische Handveste (14. September 1441), in der das Land pomerellen und seine Bewohner pomerellern genannt werden.Reinhold Cramer: Ueber den Ursprung des Wortes Pomerellen und die pomerellische Handveste. In: Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, Neue Folge. Organ des Germanischen Museums. Achter Band, Jahrgang 1861, Sp. 6–9 (Google Books). Die Bezeichnung soll sich vom slawischen po und more = am Meer herleiten.Diese Herleitung beruht auf Vermutungen, es gibt dafür keine historischen Nachweise. Sie ist aber plausibel und sehr wahrscheinlich, siehe z. B. Pommersches Landesmuseum

Aufteilung Pommerellen wird traditionell auf vier ethnokulturellen Regionen geteilt: die Bezeichnung Kaschubei () gilt für den nordwestlichen Teil die Bezeichnung Kociewie () gilt für den östlichen Teil die Bezeichnung Tucheler Heide () gilt für den südwestlichen Teil die Bezeichnungen Kulmerland () und Michelauer Land () gelten für den südöstlichen Teil

Die drei erstgenannten Regionen als Ganzes werden in Polen als Danziger Pommern () bezeichnet.

Historische Entwicklung Die lateinische und die polnische Sprache haben nur jeweils ein Wort für das gesamte Gebiet von Rügen bis zur Weichsel, im Deutschen wurde aber meist zwischen Pommern und Pommerellen unterschieden.

Eine der ältesten erhaltene Erwähnungen von Pommerellen war Kdanzc in Pomerania (1148).Max Perlbach: Pommerellisches Urkundenbuch. Danzig 1882, Nr. 2, S. 1. Um 1250 wurde sogar zwischen Pomerania superior (Oberpommer[elle]n) um Danzig und Pomerania inferior (Unterpommer[elle]n) um Stolp unterschieden.Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Band 1, Königsberg 1858, S. 14–15Friedrich Nicolai: Allgemeine Deutsche Bibliothek. Band 57. 1784, S. 511. Eine politische Abgrenzung erfolgte um 1300, als das Land Stolp zur Markgrafschaft Brandenburg kam und dann Teil Hinterpommerns wurde.

Seit 1466 gab es eine Woiwodschaft Pommerellen (lateinisch Palatinatus Pomerania, polnisch Województwo pomorskie) im preußischen Teil des Königreichs Polen. Diese umfasste das Gebiet westlich der Weichsel bis nach Hinterpommern. (Im niederländischen Atlas Theatrum Orbis Terrarum von Abraham Ortelius aus dem späten 16. Jahrhundert wird „Pomerella“ als Provinz des Fürsten von Pommern („Pomoraniae principis“) bezeichnet und der Name irrtümlich auch auf das östliche Weichselufer bezogen. Der Atlas Blaeu von 1645 trennte „Pomerellia“ vom rechts der Weichsel gelegenen „Pomesania“.)

Nachdem Polnisch-Preußen 1772 an das Königreich Preußen kam, lautete die offizielle Bezeichnung Westpreußen für alle diese Woiwodschaften, nun mit Regierungsbezirken. Pommerellen blieb eine historische Bezeichnung für ein Gebiet, ohne offizielle Bedeutung.August von Haxthausen: Die ländliche Verfassung der Provinzen Ost- und Westpreußen. Band 1, Königsberg 1839, S. 152. In einer Verordnung der preußischen Regierung vom 12. Oktober 1854 wird zwischen Nord-Pomerellen und Süd-Pomerellen unterschieden. Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow. Band 1, Königsberg 1858, S. 15, erste Fußnote.

Nach 1919 wurde wieder eine Województwo pomorskie gebildet, die als Woiwodschaft Pommerellen übersetzt wurde. Die gleichnamigen Verwaltungseinheiten nach 1949 wurden von polnischer Seite dann offiziell als Woiwodschaft Pommern übersetzt, was für den deutschen Zuhörer zu Verwirrung führt. So müsste die heutige województwo pomorskie korrekterweise mit Woiwodschaft Pommerellen übersetzt werden und die województwo kujawsko-pomorskie als Woiwodschaft Kujawien-Pommerellen, da sie ziemlich genau dieses historische Territorium umfassen.

Gegenwärtige Sprachgebrauch In der Gegenwart wird in der polnischen Sprache die Bezeichnung Pomorze („Pommern“) mit Zusätzen wie Pomorze Nadwiślańskie („Weichselpommern“) oder Pomorze Wschodnie („Ostpommern“) wiedergegeben. Am häufigsten wird die Bezeichnung Pomorze Gdańskie („Danziger Pommern“) benutzt, die aber im Vergleich mit den ersten zwei Bezeichnungen eine engere Bedeutung hat (d. h. ohne Kulmerland und Michelauer Land zu bedecken).So schrieb beispielsweise der polnische Politiker Julian Ursyn Niemcewicz im frühen 19. Jahrhundert von „unserem Pommern“ in Abgrenzung zum damals deutschen „Hinterpommern“.

Geschichte

Frühgeschichte mini|Siedlungsgebiet „Magna Germania“ vom Rhein bis zur Weichsel um das Jahr 150, nach Angaben von Claudius Ptolemäus (rekonstruierte Karte in einem Atlas des 19. Jahrhunderts). Etwa um 100 nannte der römische Historiker Tacitus in seiner GermaniaTacitus, Germania 45. neben anderen germanischen Völkern auch die Goten als Bewohner des Weichseldeltas. Die archäologische Hinterlassenschaft der Goten und anderer an der Weichsel wohnenden Völker, wurde nach dem nahe der Nogat gelegenen Ort in Ostpreußen Willenberg, nach 1945 Wielbark-Kultur genannt. Etwa um 200 begannen die Germanen, namentlich die Goten und Gepiden, das Weichselgebiet zu verlassen und nach Südosten in die heutige Ukraine zu wandern. Westbaltische Aesten, die Vorfahren der Prußen, wanderten weiter westlich, wo sie vor den Goten schon lebten. Westslawische Stämme verbreiteten sich seit dem Ende des 6. Jahrhunderts und kamen auch nördlich bis an die Ostsee auf das Gebiet des späteren Pommern. Nach der Mitte des 10. Jahrhunderts werden die Polanen in westlichen Quellen erstmals erwähnt, ein mit den slawischen Pommern engverwandter Stamm.

Vom 9. Jahrhundert bis zum 12. Jahrhundert haben auch Wikinger und ihnen folgend Dänen Spuren an der Küste Pommerellens hinterlassen. Namen wie Oxhöft, Rixhöft, Heisternest und Hela (englisch „heel“) bezeugen dauerhafte wikingische Handelssiedlungen. Trotz skandinavischer Stützpunkte an der südlichen Ostseeküste und einer unscharfen Siedlungsgrenze zwischen slawischen Pomoranen und baltischen Prußen war das Gebiet westlich der unteren Weichsel im 10. Jahrhundert zum großen Teil slawisch besiedelt.

Die Lage an der Weichselmündung brachte der Gegend schon zu allen Zeiten intensive Kontakte nach Süden. Die Bernsteinstraße führte seit der Jungsteinzeit vom Samland über das Weichseldelta südwärts bis an die Adria. Zahlreiche arabische Silbermünzen des 8. bis 10. Jahrhunderts, vielfach zu „Hacksilber“ zerkleinert, wurden in Pommerellen gefunden. Sie können durch Handels- oder Beutefahrten der Wikinger wie auch durch slawische und sogar arabische Händler aus dem Mittelmeerraum dorthin gelangt sein.

Pommerellen als Teil des frühpiastisch-polnischen Staates mini|hochkant|Mieszko I., Fürst der Polanen, Herzog von Polen. Die Verfasser der ältesten polnischen Chroniken unterschieden nicht zwischen West- und Ostpommern. Der Gallus Anonymus in Gnesen, Wincenty Kadłubek, Bischof von Krakau und Bogufał II., Bischof von Posen, berichten von den Versuchen der polnischen Herrscher, das benachbarte Volk der Pommern zu unterwerfen oder sich gegen pommersche Angriffe zu verteidigen. Gallus Anonymus nennt die Pommern, die erst Anfang des 12. Jahrhunderts unter militärischem Druck die christliche Lehre annahmen, ein „heidnisches Volk“, vergleichbar den baltischen Prußen. Bogufał kennt auch schon den pommerschen Teilstamm der „Caszubitae“, also die Kaschuben.

Das Gebiet des heutigen Pommerellens wurde gegen Ende des 10. Jahrhunderts von dem pol(a)nischen Herzog Boleslaw I. erobert; nach Richard Roepell soll Danzig im Zeitraum 995–997 unter polnische Hoheit gekommen sein,Richard Roepell: Geschichte Polens. Band 1, Perthes, Hamburg 1840, S. 106–107, Fußnote 3). als Kaiser Otto III. im Heiligen Römischen Reich regierte.

Durch die militärische Unterstützung des polnischen Herrschers Bolesław „der Tapfere“ gelangte der Heilige Adalbert von Prag 997 von Prag über Danzig in das Land der Prußen, wo er am 23. April 997 bei Fischhausen an der Ostseeküste den Märtyrertod fand. Johannes Canaparius, ein Benediktinermönch, bezeichnete in seiner Lebensbeschreibung Adalberts Danzig als „urbs“ (Stadt), wo St. Adalbert viele Pruzzen bekehrt hat.

Als im Jahre 1000, während des Staatsakts von Gnesen, das Erzbistum Gnesen gegründet wurde, wurde für das pommersche Küstenland an der Ostsee (seit 1046 in kaiserlichen Akten als „Pommern“ benannt), ein Bistum in Kolberg gestiftet, das bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal erwähnt wurde. Es liegt an der Mündung der Persante in die Ostsee. Erster Bischof war der Sachse Reinbern, aber das Bistum Kolberg ging sehr bald unter und wurde erst 1972 als Bistum Koszalin-Kołobrzeg erneuert.

Gallus Anonymus spricht von langen und harten Kämpfen der Polen gegen die Pommern. Da die Herrschaft des Königreichs Polen (der Piasten) über Pommern im Verlauf des 11. Jahrhunderts als Tributherrschaft nur nominell war, wurde die Nordgrenze des polnischen Kernlandes von der Weichsel entlang der Netze durch eine Kette von Grenzburgen gesichert. Ende des 11. Jahrhunderts gab es in Santok an der Mündung der Netze in die Warthe zwei Grenzburgen, eine polnische und eine pommersche.

Im 12. Jahrhundert, nach der Christianisierung des Landes unter der Schirmherrschaft römisch-deutschen Kaiser unter Mithilfe von Bolesław III. Schiefmund regierten in Pommern zwei (christliche) Adelsgeschlechter als Landesherren. Im westlichen Teil Pommerns um die Hauptfeste Stettin die Greifen, im östlichen Teil um die Hauptfeste Danzig die Samboriden. Während im westlichen Pommern der Greif zum Wappentier wurde, zeigen mittelalterliche Siegel des östlichen Pommern Herrscherbilder und Adler.. Der westliche Teil wurde im 12. Jahrhundert fester Bestandteil des Heiligen Römischen Reichs und des Königreichs Dänemark. Der östliche Teil (im Deutschen auch Pommerellen genannt) unterstand im 12. Jahrhundert der polnischen Lehns- und Oberhoheit. Durch den Niedergang der Senioratsverfassungsordnung, die 1138 in Polen das Zeitalter des feudalen Partikularismus einleitete, ging viel vom weltlichen Zusammenhang Polens verloren. Kirchlich unterstand das ostpommersche Herzogtum aber weiterhin dem Bistum Włocławek und damit dem polnischen Erzbistum Gnesen.