Feuerwehr rahmenlos|zentriert Feuerwehr im Einsatz internationale Notrufnummer25px|klasse=noviewer Euronotruf112 nationale Notrufnummernzur Feuerwehr Belgien112 oder 100 Brasilien193 Chile13211218 oder 112199 oder 112102115 oder 112112 Liechtenstein118 Luxemburg112122 Polen112 oder 998118 oder 112 Slowakei150 oder 112 Spanien080 oder 112150 oder 112105 oder 112 Vereinigtes Königreich999 oder 112911Diese Tabelle ist nur eine Übersicht einiger Länder.Weitere findet man im Artikel Notruf.
Die Feuerwehr ist entweder eine berufsmäßige oder freiwillige Organisation, die in der Regel von der betreffenden Gemeinde unterhalten wird, mit der Aufgabe, bei Bränden, Unfällen, Überschwemmungen und ähnlichen Ereignissen Hilfe zu leisten, d. h. Menschen, Tiere und Sachwerte zu retten sowie die Umwelt zu schützen, zu löschen und zu bergen, wobei der Menschenrettung Priorität zukommt.Vgl. § 3 Abs. 1 und § 7 Gesetz über den Brandschutz, die Hilfeleistung und den Katastrophenschutz (BHKG) NRW
Da in den letzten Jahrzehnten die Zahl der Brände stark zurückgegangen ist, übernimmt die Feuerwehr zunehmend Aufgaben, die über die traditionelle Brandbekämpfung hinausgehen. Die Art der neu übernommenen Aufgaben und die Strukturen der Feuerwehren sind regional sehr unterschiedlich. So kann auch die Verhinderung von Umweltschäden Auslöser für einen Feuerwehreinsatz sein. Aber auch bei Verkehrsunfällen steht die Feuerwehr zur Verfügung und leistet Hilfe. Hier werden zum Beispiel Personen aus Autowracks befreit oder auslaufende Betriebsstoffe abgestreut, sodass sich diese nicht auf der Straße oder in das Grundwasser bzw. Kanalisation verteilen können.
Verständigung Üblicherweise hat jeder Staat eine einheitliche Notrufnummer, mit der die Feuerwehr telefonisch verständigt werden kann.
In der Europäischen Union wurde zusätzlich im Jahr 1991 der gemeinsame Euronotruf 112, eine einheitliche Notrufnummer für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei, beschlossen, der sich im Rahmen der damals die EU umfassenden Staaten in der Regel durchgesetzt hat. In der Zwischenzeit wurde diese Notrufnummer auch in den neuen Mitgliedsländern eingeführt. Seit Dezember 2008 ist in jedem Mitgliedsland der EU die Feuerwehr auch unter 112 erreichbar. Auch weitere Staaten außerhalb der EU, wie die Schweiz und Norwegen, haben sich dem Euronotruf angeschlossen. Zudem gilt in den meisten Staaten auch die alte Notrufnummer weiterhin. Welche Organisation oder Behörde den Euronotruf entgegennimmt, ist länderspezifisch geregelt. Auch inwieweit der Euronotruf bereits die alte Notrufnummer ersetzt hat oder ob dieser vor allem für fremdsprachige Benachrichtigungen zur Verfügung steht, unterscheidet sich von Land zu Land.
Organisationsformen Eine Feuerwehr kann: eine technische bzw. organisatorische Einrichtung der Kommune sein, eine betriebliche Einrichtung (Werk- und Betriebsfeuerwehr) sein, ein privates Unternehmen sein, das im Auftrag der Kommune oder des Betriebes die Aufgaben einer Feuerwehr wahrnimmt (beispielsweise Falck in Dänemark), eine Truppengattung des Militärs sein oder, wie in Deutschland, zivil aufgestellt und ausschließlich für das Militär zuständig sein (Bundeswehrfeuerwehr).
Falls eine Freiwillige Feuerwehr in einer Gemeinde nicht zustande kommen sollte, kann in Deutschland auch eine in der Geschichte häufiger vorkommende Pflichtfeuerwehr eingeführt werden. Je nach Bevölkerungsstruktur und -dichte sind auch die Strukturen der Feuerwehrorganisationen unterschiedlich. Während in Deutschland, in Österreich oder in Südtirol die Freiwilligen Feuerwehren flächenmäßig den größten Teil des Brandschutzes abdecken, setzen andere Länder auf Stützpunktfeuerwehren mit hauptamtlichem Personal. In den meisten Ländern existiert auch ein Brand- oder Katastrophenschutz aufgrund vorhandener militärischer Strukturen. Zugleich gibt es Länder, in denen mehrere dieser Strukturen vermischt oder parallel existieren.
In der Schweiz existierten Ende 2024 insgesamt 1137 Feuerwehr-Organisationen mit rund 77.000 Feuerwehrleuten. Nur 17 der Organisationen waren Berufsfeuerwehren, bei welchen 1376 Angehörige als Berufsleute arbeiteten; zu 98 Prozent bestehen die Schweizer Feuerwehren aus Milizangehörigen.Sabrina Bundi: «Ein Totes Kind liegen lassen, um ein anderes zu retten: Darauf bereitet einen keine Übung vor», Tages-Anzeiger, 27. Januar 2026, S. 3 152 der Organisationen sind Betriebsfeuerwehren. (Alle Zahlen mit Liechtenstein) Die Schweiz kennt in vielen Gemeinden die allgemeine Feuerwehrpflicht für Männer und Frauen.
Geschichte mini|hochkant|Dampfspritze von 1910 mini|Spritzenhäusle in Geyerbad bei Obernheim (2019)
Bereits im Alten Ägypten gab es organisierte Feuerlöscheinheiten.
Im Römischen Reich entstanden Millionenstädte wie Rom. Die Häuser waren meist mehrstöckig und standen sehr dicht aneinander, auch die Gassen waren sehr eng. Vielfach wurden hölzerne An- und Vorbauten an den Häusern errichtet. Etliche Male vernichteten Feuersbrünste ganze Stadtteile von Rom. Im Jahr 21 v. Chr. wurde eine erste Feuerlöschtruppe mit 600 Sklaven gegründet.
Schon im Mittelalter waren die Gemeinden verpflichtet, den Brandschutz aufzubauen. Für Feuermeldungen waren zunächst Türmer und Nachtwächter zuständig (Ruf: „Feurio!“). Zuerst wurden die Innungen und Zünfte verpflichtet, im Notfall einzugreifen. Da sehr viele Gebäude Fachwerkbauten aus Holz waren und oft innerhalb der Stadtmauern auf engstem Raum errichtet wurden, kam es sehr oft zu Großbränden, bei denen ganze Stadtviertel abbrannten. Es wurden auch erstmals Feuerknechte in den Feuerlöschverordnungen verankert, sodass von den ersten Berufsfeuerwehren gesprochen werden kann, wie die Berufsfeuerwehr Wien, als deren Gründungsjahr 1686 angenommen wird.
Die feuerwehrtechnische Ausrüstung war in der vorindustriellen Zeit auf einfache Hilfsmittel wie Eimer, Leitern oder Einreißhaken beschränkt. Im 17. Jahrhundert wurde der Schlauch erfunden, der zuerst aus genähtem Leder angefertigt wurde; später wurde das Leder vernietet. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurden noch Handpumpen, sogenannte Feuerspritzen, verwendet, die von Pferden oder der Löschmannschaft an die Einsatzstelle gezogen wurden.
In den USA wurden erst Mitte des 19. Jahrhunderts die ersten privatwirtschaftlich organisierten Berufsfeuerwehren gegründet. Teilweise wurden nur Häuser gelöscht, welche die Plakette eines solchen Unternehmens trugen.
Mitte des 19. Jahrhunderts setzte im deutschsprachigen und darüber hinaus im gesamten Donauraum die Entwicklung eines flächendeckenden Feuerlöschsystems auf freiwilliger Basis ein.Ausführlich: Blazek, Matthias: Unter dem Hakenkreuz: Die deutschen Feuerwehren 1933–1945. ibidem, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-89821-997-6, S. 9 f. Mehrere Feuerwehren beanspruchen den Titel der ältesten Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland für sich. Bis auf wenige Unterbrechungen, etwa die Feuerschutzpolizei während der Zeit des Nationalsozialismus, stellt seither das System der Freiwilligen Feuerwehr neben der Pflicht-, Berufs- und Werkfeuerwehr den Hauptanteil zur Sicherstellung des abwehrenden Brandschutzes Deutschlands.
Mit Einsetzen der Industrialisierung zum Anfang des 20. Jahrhunderts erhöhte sich die Technikvorhaltung der Feuerwehren bedeutend. Mit verbrennungsmotorgetriebenen Fahrzeugen war nun ein Ausrüsten aller Feuerwehren mit leistungsfähigen Fahrzeugen und Feuerlöschpumpen möglich.
Aufgaben mini|Rettung von Verletzten bei einer Einsatzübung mini|hochkant|Löschhydrant in der Schweiz mini|Straßenmarkierung in Berlin mini|In einigen Ländern gehört der Rettungsdienst zu den Aufgaben der Feuerwehr. Hier ein Rettungswagen der Feuerwehr Frankfurt am Main Die Aufgaben der Feuerwehr werden in den Gesetzen jedes Staates geregelt. International weit verbreitet ist die Zusammenfassung der Aufgaben mit den Schlagworten „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“.
Da in der deutschen Sprache der Begriff Bergen im Genfer Abkommen zum Schutze der Opfer des Krieges so definiert wird, dass unter Bergen auch das Befreien von Menschen und Tieren aus einer Gefahrenlage im Sinne von „Retten“ verstanden wird,Anmerkung in der ÖNORM F 1000 werden damit oftmals die beiden Begriffe Retten und Bergen gleichwertig eingesetzt. Für den Feuerwehrbereich im deutschsprachigen Raum gilt dagegen, dass sich das Retten nur auf lebendige Lebewesen bezieht. Geregelt ist dies beispielsweise in den beiden Normen DIN 14011 (für Deutschland) und ÖNORM F 1000 (für Österreich), in denen die Begriffe im Feuerwehrwesen definiert sind.
Retten Das Retten ist die Abwendung einer Lebensgefahr von Menschen durch Sofortmaßnahmen (Erste Hilfe), die der Erhaltung oder Wiederherstellung von Atmung, Kreislauf oder Herztätigkeit dienen. Aber auch das Befreien von Menschen und Tieren aus einer Zwangslage durch technische Rettungsmaßnahmen gehört zum Retten. Tätigkeitsfelder hierfür sind Brände, Überschwemmungen oder Verkehrsunfälle. Historisch bildete sich der Rettungsdienst oft aus den Feuerwehren heraus, wie in Österreich-Ungarn. Während er sich einerseits in vielen Ländern von der Feuerwehr gelöst hat und in anderen Organisationen aufging bzw. sich selbstständig entwickelte, verblieb er z. B. in Teilen von Deutschland und in Teilen der USA innerhalb der Feuerwehr. In den meisten deutschen Städten mit Berufsfeuerwehren oder Freiwilligen Feuerwehren mit hauptamtlichen Kräften übernehmen diese auch ganz oder teilweise die Aufgaben des Rettungsdienstes, während in ländlichen Gebieten überwiegend die Hilfsorganisationen die rettungsdienstliche Versorgung sicherstellen. Kann bei einem Rettungsdiensteinsatz die Hilfsfrist nicht eingehalten werden, können auch Einheiten der Feuerwehr als First Responder alarmiert werden, um die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken und diesen auch nach dem Eintreffen zu unterstützen. Beispielsweise werden die wichtigsten Informationen zum Zustand der Patienten gesammelt und an den Rettungsdienst weitergeleitet. Mancherorts werden hierzu in den Feuerwehren organisierte Einheiten gebildet, die oft durch rettungsdienstlich oder medizinisch ausgebildetes Personal sowie entsprechend ausgestattete Fahrzeuge verfügen und ein wesentliches Bindeglied in der Rettungskette darstellen.
Löschen Das Löschen ist die älteste Aufgabe der Feuerwehr. Bei diesem sogenannten abwehrenden Brandschutz werden unterschiedlichste Brände mithilfe spezieller Ausrüstung bekämpft.
Im Laufe der Zeit ist jedoch die Anzahl der Brandbekämpfungen weltweit zurückgegangen. Aufgrund der zunehmenden Aufgabenvielfalt der Feuerwehr nehmen die technischen Hilfeleistungen stark zu – die Feuerwehr hat sich zur Hilfeleistungsorganisation entwickelt.
Bergen Die Feuerwehr kann das Bergen von Sachgütern, toten Menschen oder Tieren übernehmen.
Schützen mini|Die Cessna 206H Stationair des Feuerwehrflugdienstes Niedersachsen zur Waldbrandbeobachtung und Koordination aus der Luft Vorbeugende Maßnahmen (das Schützen) beinhalten im Wesentlichen Elemente des vorbeugenden Brandschutzes. Diese dienen der Vermeidung von Entstehungsbränden, z. B. durch Brandsicherheitswachen bei öffentlichen Veranstaltungen oder konsequente Brandschutzerziehung in der Bevölkerung, um auf Gefahren aufmerksam zu machen und richtiges Verhalten in Notsituationen aufzuzeigen.
Besonders in Industrienationen wird dem Betriebsbrandschutz immer mehr Augenmerk geschenkt, sei es durch eigene betriebliche oder durch öffentliche Feuerwehren.
Darüber hinaus wird die Feuerwehr im Rahmen behördlicher Baugenehmigungsverfahren größerer Bauvorhaben hinzugezogen und um Stellungnahme gebeten. Weiterhin arbeitet die Feuerwehr in verschiedenen Fachgebieten bei der Erstellung von Standards mit.
Außerdem betreibt die Feuerwehr aktiven Umweltschutz, etwa durch die Eindämmung bei Ölunfällen, das Binden von Ölspuren oder Kfz-Flüssigkeiten auf Straßen als Gefahrenabwehr, die Aufnahme von Kfz-Flüssigkeiten als Amtshilfe und den Schutz vor chemischen, biologischen sowie atomaren Gefahren.