Eine Freiwillige Feuerwehr (in Österreich und Deutschland als feststehender Begriff Freiwillige FeuerwehrÖWB Ausg. 40, S. 243; die offizielle Abkürzung in Deutschland, Österreich und Südtirol lautet FF) ist eine öffentliche Feuerwehr, die sich hauptsächlich aus ehrenamtlichen Mitgliedern, mitunter auch einigen hauptamtlichen Kräften (z. B. für den Rettungsdienst oder in Werkstätten) zusammensetzt. Im Gegensatz dazu bestehen in seltenen Fällen einerseits Pflichtfeuerwehren, bei welchen Bewohner der jeweiligen Gemeinde zum Dienst verpflichtet werden, und andererseits Berufsfeuerwehren (BF) aus rein hauptamtlichen Einsatzkräften. Entgegen der weitverbreiteten Meinung, in den meisten Städten Deutschlands gebe es eine Berufsfeuerwehr, wird der abwehrende Brandschutz und die allgemeine Hilfe in Deutschland hauptsächlich durch ehrenamtliche Kräfte sichergestellt. Bei einer Gesamtzahl von 2054 Städten in Deutschland existieren lediglich in rund 100 dieser Städte Berufsfeuerwehren. In allen diesen Städten gibt es zur Verstärkung der Berufsfeuerwehr auch Freiwillige Feuerwehren. In Österreich gibt es nur in sechs Landeshauptstädten Berufsfeuerwehren. In Österreich führen auch zahlreiche Betriebsfeuerwehren den Zusatz Freiwillig, um darzustellen, dass die Betriebsfeuerwehr aus ehrenamtlichen Feuerwehrleuten besteht.Als Beispiel: Freiwillige Betriebsfeuerwehr Norske Skog Bruck, abgerufen am 13. April 2017. Andererseits können Feuerwehren zwar freiwillig sein, aber im Namen dieses nicht anführen, wie in Vorarlberg, wo diese als Orts- oder Stadtfeuerwehr bezeichnet werden.
Die Organisation, den abwehrenden Brandschutz und die allgemeine Hilfe größtenteils mit Freiwilligen Feuerwehren abzudecken, hat sich vor allem in Österreich, Deutschland, Polen, Slowenien, Tschechien, in der Schweiz und in den Niederlanden durchgesetzt, während in den meisten anderen europäischen Ländern andere Organisationsformen vorherrschen. Geschichtlich bedingt bestehen auch im Gegensatz zum übrigen Italien in Südtirol, Trentino und dem Aostatal fast nur Freiwillige Feuerwehren. In manchen Ländern gibt es jedoch Bestrebungen, ein freiwilliges System zu etablieren. Ein Beispiel hierfür ist die ESEPA in Griechenland.
Geschichte mini|Die Saug- und Druckspritze der Freiwilligen Feuerwehr Kronach von 1882 (nachgestelltes Bild von 2003) mini|Feuerwehrhaus einer kleinen Freiwilligen Feuerwehr in ländlichem Raum, FF Philippsthal, Brandenburg mini|Kühlen eines Kraftstofftanks bei einer Einsatzgroßübung der Freiwilligen Feuerwehren im Landkreis Tübingen Versuche, eine Freiwillige Feuerwehr dauerhaft zu unterhalten, gab es bereits in Barmen im Jahr 1745 und in Dortmund „freiwillige Rettungsgesellschaft Dortmund“ im Jahr 1802.
Eine der ältesten dauerhaft bestehenden Freiwilligen Feuerwehren auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik Deutschland ist die Freiwillige Feuerwehr der Kreisstadt Saarlouis im heutigen Saarland.Freiwillige Feuerwehr Saarlouis: Ehrenamtlich – Helfen Sie mit!. Sie wurde 1811 von der damaligen französischen Regierung gegründet. Zu dieser Zeit gehörte die Stadt Saarlouis zu Frankreich. Am 16. September 1811, kurz nach einem im Nachbardorf Fraulautern ausgebrochenen großen Brand, wurde auf Beschluss des Magistrats der Stadt Saarlouis die bestehende Feuerlöscher-Kompanie unter Genehmigung des Präfekten von Metz Vincent-Marie Viénot de Vaublanc durch den Oberbürgermeister Renauld neu organisiert. Diese Neubildung geschah zu einer Zeit, als Napoleon ein Dekret für die Pariser Feuerwehr erlassen hatte, dessen Kerngedanken Freiwilligkeit der Rekrutierung der Mannschaft, militärisch straffe Organisation und unbezahlter Dienst, also Ehrenamtlichkeit, waren. Obwohl dieses Dekret ausdrücklich nur für Paris galt, die Brandschutzproblematik aber überall die gleiche war, erließen in der Folge auch die Präfekturen in Frankreich für ihre Verantwortungsbereiche vergleichbare Dekrete (z. B. der Präfekt Vaublanc für die Stadt Metz 1812). Nachdem am 1. Dezember 1815 die Preußen in Saarlouis eingezogen waren (Ergebnis aus dem Wiener Kongress), wurde die Feuerwehr preußisch bzw. deutsch.
Am 17. Juli 1841 erfolgte mit der Aufstellung des Freiwilligen Feuerlösch- und RettungskorpsFachausschuss Feuerwehrhistorik der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes: Merkblatt für die Vorlage notwendiger Unterlagen zur Anerkennung als Freiwillige Feuerwehr, S. 2 erstmals die Gründung einer deutschen Freiwilligen Feuerwehr nach heutigem Verständnis im sächsischen Meißen. An diesem Tag konnte die Verpflichtung der 136 Mitglieder des Feuerlösch- und Rettungskorps auf dem Rathaus zu Meißen stattfinden. Sie war uniformiert und übte nach militärischen Grundsätzen.Älteste … oder nicht älteste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands, abgerufen am 20. Juni 2010. Der österreichische Schriftsteller Hans Gustl Kernmayr behauptete in seinem Buch Der goldene Helm: Werden, Wachsen und Wirken der Feuerwehren aus dem Jahr 1956, dass die von Christian Hengst fünf Jahre später im Jahr 1846 gegründete Pomier-Gruppe in Durlach landesweit die erste Freiwillige Feuerwehr wäre.Hans G. Kernmayr: Christian Hengst, Durlach – Erste Freiwillige Feuerwehr Deutschlands. In: Der Goldene Helm. ecomed, 3. Auflage, Landsberg/Lech 2000, ISBN 3-609-66981-0, S. 71 ff.
Nachdem sich im Jahr 1846 in Durlach und in Leipzig deutsche Freiwillige Feuerwehren gegründet hatten, entstanden im Jahr 1847 Freiwillige Feuerwehren in Baden-Baden, Heidelberg, Heilbronn, Karlsruhe und Ulm. Andere Gründungen folgten, sodass im Jahr 1851 in Deutschland 29 Freiwillige Feuerwehren bestanden. Meist sind sie aus politisch revolutionär eingestellten Turnvereinen hervorgegangen (siehe Badische Revolution). Die Freiwilligen Feuerwehren verwendeten damals neuartige und leistungsfähigere Spritzen, die vom Heidelberger Ingenieur Carl Metz gefertigt wurden. Da diese Spritzen noch muskelbetrieben waren, war ihre Bedienung anstrengend und erforderte besondere Fitness.
Zu den ersten Einsätzen wurde die Heidelberger Freiwillige Feuerwehr gar nicht gerufen. Sie beeindruckte den Stadtrat aber dadurch, dass sie sehr schnell und erfolgreich mit bisher in der Brandbekämpfung nicht gekannter Organisation und Logistik arbeitete. Die Idee setzte sich schnell durch, und schon wenige Jahre später gab es in der Region zahlreiche weitere ähnliche Organisationen.
Der Begriff Feuerwehr wurde im Jahr 1847 das erste Mal in einer Karlsruher Zeitung verwendet. Christian Hengst hatte am 27. Juli 1846 in Durlach eines der ersten freiwilligen Pompiers-Corps gegründet und setzte bei einem Großbrand des Großherzoglichen Hoftheaters in Karlsruhe die Stadtspritze Nr. 2 von Metz ein. Dies brachte die neuen Methoden der Brandbekämpfung tagelang in die überregionale Presse.
Auch in Österreich entstanden in den 1860er Jahren die ersten Freiwilligen Feuerwehren, die ebenso oftmals den Rettungsdienst übernahmen. Aus den Reihen der vorher unorganisierten Bürger wurden Feuerwehrvereine gegründet, die dadurch auch leichter Geldmittel erhielten. Die erste freiwillige Betriebsfeuerwehr hatte bereits 1831 die Kaiserlich-Königliche Tabakfabrik in Schwaz in Tirol.
Die erste Freiwillige Feuerwehr auf Ortsebene im heutigen Österreich war die im Jahr 1857 gegründete Freiwillige Feuerwehr Innsbruck.Christoph Rella: Gott zur Ehr', dem Nächsten zur Wehr, Wiener Zeitung vom 29. Mai 2023, www.wienerzeitung.at/nachrichten/chronik/oesterreich/2190274-Gott-zur-Ehr-dem-Naechsten-zur-Wehr.html In der österreichisch-ungarischen Monarchie wurde bereits 1851 ein freiwilliges Pompiers-Corps in Reichstadt durch Ferdinand Leitenberger in Böhmen gegründet, der auch Instruktionen für die Organisation und Ausrüstung schrieb und damit zum Vorbild in Böhmen wurde.Ferdinand Leitenberger: Das freiwillige Pompiers-Corps oder Anleitung wie in jeder Provinzial-Stadt oder in jedem größeren Dorfe mit unbeträchtlichen Auslagen eine Feuerwehr oder Feuer-, Lebensrettungs-Löschanstalt gegründet werden kann. Bereits ausgeführt in Reichstadt zu Böhmen. Ehrlich, Prag 1855. Die beispielhafte Entwicklung nach dem Muster Leitenbergers erfolgte rasant, sodass es um die Jahrhundertwende allein im österreichischen Teil Österreich-Ungarns bereits etwa 8.500 Freiwillige Feuerwehren gab.
Heutzutage sind die meisten Freiwilligen Feuerwehren mit modernen Geräten ausgestattet, um im Ernstfall schnelle und professionelle Hilfe leisten zu können. Es bestehen auch Freiwillige Feuerwehren, die mit einer umfangreicheren Ausrüstung andere Freiwillige Feuerwehren ihrer Umgebung bei speziellen Einsätzen unterstützen können. Mancherorts werden diese als Stützpunktfeuerwehren bezeichnet.
In Großbritannien bestehen keine Freiwillige Feuerwehren oder unbezahlte Feuerwehrleute. In früherer Zeit existierten sie zwar in verschiedenen Dörfern und hatten nur eine geringe oder gar keine Ausstattung. Sie waren ganz oder teilweise auf die Unterstützung der Stadtfeuerwehren mit haupt- oder nebenberuflichen Kräften angewiesen und wurden im Jahr 1938 völlig aufgelöst. Ein Jahr später fasste die damalige britische Regierung alle Feuerwehren und Brandschutzstellen zu einer einzigen Organisation, „National Fire Service“, zusammen, die ihr direkt unterstellt wurde.
Mitgliedschaft und Werdegang in der Freiwilligen Feuerwehr Die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr steht grundsätzlich jedem offen. Um in die Einsatzabteilung einer Freiwilligen Feuerwehr eintreten zu können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Dazu können zählen:Feuerwehrgesetz Baden-Württemberg, § 11, auf landesrecht-bw.de
das Erreichen eines Mindestalters, in Deutschland je nach Bundesland zwischen 16 und 18 Jahren,Gesetz über den Brandschutz und die Hilfeleistungen der Feuerwehren (Schleswig-Holstein), § 9, abgerufen von gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de/ in Österreich teilweise 15 Jahre, die körperliche Eignung, wobei die genauen Anforderungen nur selten durch Gesetze oder Vorschriften festgelegt sind, so z. B. für Hamburg durch die Feuerwehr-Dienstvorschrift 300 „Gesundheitliche Anforderungen“. Ein von der Deutschen Feuerwehr-Sportföderation e. V. entwickelter Eignungstest hat nur empfehlenden Charakter. der AG GMS der DSF e. V., abgerufen am 13. Mai 2013. die geistige und charakterliche Eignung, die in der Regel ebenfalls nicht genau definiert wird, sowie die Freiheit von gewissen Vorstrafen oder Maßregeln; seltener wird ein Führungszeugnis gefordert.
Allein für Bayern werden im Jahr 2022 ca. 305.000 aktive Mitglieder ausgewiesen.Matthias Wiedmann: Befragung aller Aktiven in den Freiwilligen Feuerwehren in Bayern, Pressemitteilung der TH Nürnberg vom 11. Oktober 2022, www.th-nuernberg.de/pressemitteilung/4724-befragung-aller-aktiven-i/ Es soll vermehrt um Frauen in der Freiwilligen Feuerwehr geworben werden, mit einem mittelfristigen Ziel von 15 bis 20 Prozent Anteil.Claudia Grimme: Frauen in der Feuerwehr – „Ziel ist Anteil von 15 bis 20 Prozent“, Beitrag vom 7. Februar 2023 im Bayerischen Rundfunk, www.br.de/nachrichten/bayern/frauen-in-der-feuerwehr-ziel-ist-anteil-von-15-bis-20-prozent,TV0B48q
Die Nationalität der Bewerber wird selten spezifiziert. Ein Beispiel ist die Steiermark, in der eine EU-Staatsbürgerschaft gefordert wird, auch wenn diese Bedingung weniger strikt gehandhabt wird.Migranten dürfen zur Feuerwehr in der Kleinen Zeitung vom 31. Januar 2012, abgerufen am 23. Dezember 2015.