Lingenfeld ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Lingenfeld ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Regionaldaten Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz.
Geographie Zu Lingenfeld gehören die Wohnplätze Brünnelberg, Flugplatz, Kattenbuckel, Vorwerk Friedrich und Im Erholungsgebiet.
Geographische Lage Lingenfeld liegt in der Oberrheinebene, in der Südpfalz, zwischen dem Fluss Rhein im Osten und der Deutschen Weinstraße westlich der Gemeinde. Der Ort ist mit 104 Metern höher gelegen als die umliegenden Gemeinden am Rhein, deshalb kann Hochwassergefahr nahezu ausgeschlossen werden. Allerdings verursachte der alte Rheinlauf in den vergangenen Jahrhunderten durch Unterspülung des Hochufers den Verlust von ca. 250 Hektar Land.
Mitten durch den Ort verläuft der Hofgraben, der in den Lingenfelder Altrhein mündet. Kurz vor seiner Mündung in letzteren führt außerdem der Wörthgraben für ein kurzes Stück über die Gemeindegemarkung.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn (beginnend bei 12 Uhr): Schwegenheim, Römerberg (Pfalz), Philippsburg (auf der anderen Rheinseite in Baden-Württemberg), Germersheim, Lustadt und Westheim (Pfalz).
Geschichte mini|Lingenfeld mit Ortslage auf einer Flurkarte von 1838 Der Name Lingenfeld stammt entweder von einer Siedlung „am langen Feld“ oder von „Feld des Lango“ oder Lingo.Georg Heeger: Die germanische Besiedlung der Vorderpfalz an der Hand der Ortsnamen. S. 30. Die erste Erwähnung fand der Ort in einer Urkunde von 1063 als „Lengenveld“.
Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Ort zum Unteramt Landeck, das sich im gemeinschaftlichen Besitz der Kurpfalz und des Hochstift Speyer befand und kurpfälzischerseits dem Oberamt Germersheim unterstand. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Leimersheim bis 1814 in den Kanton Germersheim eingegliedert. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen und kehrte in den Kanton Germersheim zurück. Bereits ein Jahr später wechselte Leimersheim wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde dem Landkommissariat Germersheim an; aus diesem ging das Bezirksamt Germersheim hervor.
Seit 1939 ist der Ort Bestandteil des Landkreises Germersheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Lingenfeld innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.
1969 fanden Bauern in Lingenfeld nahe der alten Straße von Speyer nach Germersheim den Silberschatz von Lingenfeld: Ein irdener Topf im Erdreich war mit silbernen Gefäßen, über 2000 Silbermünzen und Schmuckstücken angefüllt. Durch die Münzen kann der Schatz in die Zeit zwischen 1347 und 1349 datiert werden. Zur gleichen Zeit kam es im Jahre 1348/49 zu den Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes. Die Juden wurden zu Unrecht beschuldigt, durch Brunnenvergiftung die Pestepidemie ausgelöst zu haben. Sie wurden verfolgt, in Pogromen ermordet und ihr Besitz wurde geplündert. Die Silbergefäße und Schmuckstücke von Lingenfeld lassen vermuten, dass es sich hier um Gegenstände aus Pfandgeschäften eines jüdischen Geldverleihers handelt. Als der jüdische Bürger aus Speyer fliehen musste, nahm er sein Bargeld und die wertvollen Pfänder mit. Sein weiteres Schicksal bleibt unbekannt.
Seit dem Jahr 2013 gehören die Lingenfelder Katholiken nicht mehr zu einer eigenständigen Pfarrei, sondern haben sich mit den Katholiken aus Germersheim, Westheim und Schwegenheim zur Projektpfarrei Germersheim zusammengeschlossen. Die Protestanten bilden mit den Westheimer Protestanten die Protestantische Kirchengemeinde Westheim-Lingenfeld. Siehe auch: Protestantische Christuskirche (Lingenfeld).
Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde Lingenfeld 1972 Sitz der neu geschaffenen gleichnamigen Verbandsgemeinde.
Bevölkerung Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Lingenfeld, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1480 ca. 180 1530 ca. 180 1705 ca. 260 1742 ca. 500 1771 ca. 585 1815 1.249 Jahr Einwohner 1835 1.357 1871 1.602 1905 1.833 1939 2.444 1950 2.856 1961 3.518 Jahr Einwohner 1970 3.769 1987 4.084 1997 5.144 2005 5.366 2017 5.805 2021 5.875Ewois
Konfessionsstatistik Gemäß dem Zensus 2022 waren 38,6 % der Einwohner katholisch, 18,9 % evangelisch, und 42,5 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe.Bevölkerung kompakt (Gebietsstand 15.05.2022, Religion), abgerufen am 22. Februar 2026 Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Januar 2026 hatten 32,2 % der Einwohner die katholische Konfession und 17,6 % die evangelische. 50,3 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Lingenfeld Gemeindestatistik, abgerufen am 22. Februar 2026
Nach Ergebnissen der Volkszählung von 1871 waren von insgesamt 1602 Einwohnern 1507 katholisch (94 %), 78 evangelisch (5 %) und 17 jüdisch (1 %).Königlich-Bayerischen Statistischen Bureau (Hrsg.): Ergebnisse Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden (Gemeinde-Verzeichniss), München 1873, S. 65
Politik mini|Lingenfelder Rathausplatz mit Ortsgemeinderathaus, Verbandsgemeinderathaus und Sparkassen-Filiale (v. l.)
Gemeinderat Der Gemeinderat in Lingenfeld besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU Grüne FWG Gesamt 2024 8 6 2 6 22 Sitze 2019 7 7 3 5 22 Sitze 2014 7 9 – 6 22 SitzeKommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz 2009 7 8 – 7 22 Sitze 2004 7 9 – 6 22 Sitze
Bürgermeister Markus Kropfreiter trat sein Amt am 20. August 2019 an, nachdem er sich bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 mit einem Stimmenanteil von 55,55 % gegen seinen Amtsvorgänger durchgesetzt hatte.Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: . Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 wurde er als einziger Bewerber mit 74,9 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt.
Jahr Bürgermeister Partei 1945 Friedrich Rembor 1945–1960 Alfons Detzel CDU 1960–1969 Herbert Dickerhof WG 1969–1981 Hugo Fröhlig CDU 1981–1999 Alban Gutting CDU 1999–2009 Hans-Jürgen Wallat CDU 2009–2019 Erwin Leuthner CDU seit 2019 Markus Kropfreiter SPD
Wappen
Partnerschaften Gemeinde Am 16. April 1972 wurde zwischen den Gemeinden Torcy (Frankreich) und Lingenfeld die Partnerschaftsurkunde unterzeichnet.
Vereine Handballsportverein mit Duffel (Belgien), seit 1965 Kleintierzuchtverein mit Straßburg-Robertsau (Frankreich), seit 1967 Turn- und Sportverein mit Union Sportive Torcy (Frankreich), seit 1964
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Katholische Kirche St. Martin
Kulturdenkmäler In Lingenfeld stehen sieben Objekte unter Denkmalschutz, darunter die katholische Kirche St. Martin.
Natur Das Naturschutzgebiet Schwarzwald erstreckt sich teilweise über das Gemeindegebiet, ebenso das EU-Vogelschutzgebiet Berghausener und Lingenfelder Altrhein mit Insel Flotzgrün. Ein Birnbaum in der Germersheimer Straße ist als ein Naturdenkmal ausgewiesen.
Regelmäßige Veranstaltungen Alljährlich am dritten Wochenende im September wird auf dem Rathausplatz als „Lingenfelder Kerwe“ die Kirchweih gefeiert. Bis 2011 war der Veranstaltungsort über viele Jahre der Kerweplatz außerhalb des alten Ortskerns. Am letzten Wochenende im Juli findet jedes Jahr das „Lingenfelder Straßenfest“ statt.
Vereine Der im Mai 1903 als Turn- und Sportverein gegründete TSV Lingenfeld bietet die Möglichkeit unterschiedlicher sportlicher Betätigung. Außer Fußballmannschaften gibt es eine Gymnastikabteilung, eine Tanzabteilung und eine Turnabteilung. Weitere Vereine sind der Feuerwehrverein St. Florian, der seit 1974 bestehende Gospelchor Lingenfeld mit über 50 Sängerinnen und Sängern in gemischtem Alter, einem Kinder- und Jugendchor und einer Band, der Handballsportverein, der Katholische Kirchenchor St. Martin, der Kleintierzuchtverein 1933, die Lingenfelder Dorfmusikanten, der Männergesangverein „Einigkeit“, der Radfahrerverein „Viktoria 05“ und viele andere.
Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Gemeinde gehört zum Geschäftsgebiet der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz.
Verkehr mini|Ehemaliges Bahnhofsgebäude
Lingenfeld liegt an der Bundesstraße 9. Von hier können über die zwei Lingenfelder Ausfahrten, eine im Norden und eine im Süden des Dorfes, die Städte Speyer, Mannheim, Karlsruhe und Heidelberg innerhalb von etwa 30 Minuten erreicht werden. Mitten durch das Siedlungsgebiet verlaufen die Landesstraße 507 und die Kreisstraße 31.
Vom Bahnhof Lingenfeld erreichen Reisende auf der Schiene in etwa 35 Minuten Mannheim und Ludwigshafen sowie in der entgegengesetzten Richtung Karlsruhe. Seit der Anbindung Lingenfelds an die S-Bahn RheinNeckar können Fahrgäste umsteigefrei nach Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg fahren. Der Haltepunkt Lingenfeld liegt am nordöstlichen Rand der Gemeinde Lingenfeld in der Altspeyerer Straße und der Bahnstrecke Schifferstadt–Wörth. Er entstand 1870 beim Bau des Streckenabschnitts Speyer-Germersheim. Hier verkehrt die S-Bahn RheinNeckar mit den Linien S3 und S4.
Zudem verkehrt die Buslinie 590 über die Gemeinde, die eine Verbindung mit Landau in der Pfalz und Germersheim herstellt und die von Hetzler Busreisen betriebene Linie 596, die eine solche mit Freisbach sowie Germersheim herstellt.
Lingenfeld gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und dem Karlsruher Verkehrsverbund an.
Öffentliche Einrichtungen Die Verbandsgemeinde Lingenfeld hat ihren Sitz im Rathaus an der Hauptstraße 60.
Tourismus Das Lingenfelder Naherholungsgebiet Altrhein mit Baggerseen und ausgedehnten Auenlandschaften bietet Möglichkeiten zum Schwimmen, Paddeln, Fahrradfahren und Spazierengehen. In Lingenfeld befinden sich mehrere Hotels.
Persönlichkeiten Ehrenbürger 1984, Mai: Alfons Detzel (* 19. Mai 1894; † 12. Juli 1990), von 1945 bis 1960 Bürgermeister.Rainer Baumgärtner: Die Ehrenbürger im Landkreis Germersheim, Hekma-Verlag Maikammer 2018. 2001, 16. September: Karl Lösch (* 1. Oktober 1915; † 6. April 2008), Unternehmer und Mäzen, aktiv im Gemeinderat von Lingenfeld und im Wirtschaftsausschuss des Landkreises, seit 1986 Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Er wurde für seine jahrzehntelange Förderung der Ortsgemeinschaft im September 2001 geehrt. 2002, 13. September: Hugo Fröhlig (* 8. August 1921; † 7. November 2007), Rektor der Lingenfelder Grundschule, ab 1956 im Gemeinderat und von 1969 bis 1981 Bürgermeister. Im Jahr 1992 erhielt er die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz. Für seine Verdienste im September 2002 zum Ehrenbürger ernannt. 2013, 11. Januar: Alban Gutting (* 16. Juli 1938), von 1981 bis 1999 Bürgermeister, wurde 2013 zum Ehrenbürger ernannt. In seiner Amtszeit erfolgte u. a. die Realisierung der Ortsumgehung, die Erschließungsmaßnahme In den Heidenäckern, sowie der Bau von Goldberghalle, Kindertagesstätte und Jugendzentrum.
Söhne und Töchter der Gemeinde Josef Bürckel (1895–1944), Politiker (NSDAP), MdR, Gauleiter der Westmark sowie Wien, Reichsstatthalter von Österreich Willi Gutting (1901–1986), Schriftsteller Ludwig Schneider (1902–1944), Politiker (NSDAP) Norbert Steinmetz (* 1949), Mathematiker Nevfel Cumart (* 1964), Autor und Übersetzer
Personen, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen Ludwig Nieder (1880–1922), wirkte zeitweise in Lingenfeld. Georg Otto Angerer (1893–1951), Bürgermeister in Lingenfeld Markus Kropfreiter (* 1972), Landtagsabgeordneter, Ortsbürgermeister seit 2019