Der FSV Frankfurt (vollständiger Name Fußball-Sport-Verein 1899 Frankfurt) ist ein Sportverein in Frankfurt am Main. Der 1899 gegründete Klub aus dem Stadtteil Bornheim gehört zu den traditionsreichsten Sportvereinen in Hessen. Spielstätte ist die BBBank Arena am Bornheimer Hang. Vor dem Zweiten Weltkrieg nahm der FSV an mehreren Endrunden um die deutsche Meisterschaft teil und erreichte ein Meisterschafts- (1925) sowie ein Pokalfinale (1938). Von 2008 bis 2016 spielte der Verein in der 2. Bundesliga. Seit der Saison 2017/18 spielt der Verein in der Regionalliga Südwest.
Die 2006 aufgelöste Frauenabteilung war dreimal Deutscher Meister und fünfmal DFB-Pokalsieger und macht den FSV damit zu einem der erfolgreichsten Vereine in der Geschichte des deutschen Frauenfußballs, der überdies Spielerinnen wie Katja Bornschein, Birgit Prinz, Sandra Smisek und Saskia Bartusiak hervorgebracht hat.
Neben der Fußballabteilung gibt es beim FSV auch Abteilungen für Tennis, Bowling und Leichtathletik. Für letztere trat einer der bekanntesten Frankfurter Sportler überhaupt an, der Weltrekordler über 100 Meter und Olympiasieger von 1960, Armin Hary.
Gründung und Vereinshistorie Der Verein wurde am 20. August 1899 unter seinem heutigen Namen gegründet. In seiner über 120-jährigen Geschichte hat der FSV Frankfurt – anders als die meisten heute höherklassig spielenden Vereine – nie fusioniert oder seinen Namen geändert. In den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges bildete man mit Eintracht Frankfurt zusammen kurzzeitig eine Kriegsspielgemeinschaft. Nach Kriegsende wurde der FSV Frankfurt wie alle Vereine aufgelöst und musste zu ersten Freundschaftsspielen kurzzeitig als SG Bornheim antreten, kehrte aber noch im Jahr 1945 zum ursprünglichen Vereinsnamen zurück.
Im Gegensatz zu den anderen Frankfurter Pioniervereinen, die in diesen Jahren gegründet wurden, wie etwa Germania 94, der FC Victoria, die Frankfurter Kickers oder der 1. Bockenheimer FC, die im gehobenen Bürgertum verankert waren, stammten die Bornheimer aus dem kleinbürgerlichen Milieu.Grüne: Legendäre Fußballvereine. Hessen. S. 242. Als Spielstätte diente dem FSV in den ersten Jahren der „Prüfling“, eine städtische Spielwiese in Bornheim, 1908 erhielt der FSV einen eigenen Sportplatz an der Seckbacher Landstraße. 1931 wurde das Stadion am Bornheimer Hang errichtet – bis heute die Heimstätte des Vereins.
Weitere Sportarten beim FSV waren zunächst Handball, Leichtathletik, Boxen und Hockey. Die Handballabteilung wurde 1926 gegründet, sie hatte in ihren Anfangsjahren sowie in den 1950er und 1960er Jahren im Feldhandball ihre größten Erfolge. Das offizielle Gründungsdatum der Leichtathletikabteilung ist der 1. Dezember 1926; Laufsport wurde aber schon seit 1902, also wenige Jahre nach der Gründung des Vereins betrieben. Insbesondere die Laufdisziplinen waren es, in denen Sportler des FSV erfolgreich waren. Der spätere Weltrekordler über 100 m, Armin Hary, startete ab 1960 für den Verein. Am 1. Juni 1928 folgte die Hockeyabteilung (bereits 1913 hatte es offenbar einen ersten Anlauf gegeben, diese Sportart im Verein zu etablieren) und wuchs schnell zu einer 130 Mitglieder zählenden und fünf Mannschaften stellenden Abteilung heran.Karl Seeger: 90 Jahre FSV Frankfurt a. M. 1899–1989. (Denkschrift) Selbstverlag des FSV Frankfurt, Frankfurt am Main 1989, ohne ISBN, S. 218 f. Im selben Jahr wurde auch die Boxabteilung aus der Taufe gehoben, 1931 stellte der FSV mit dem Fliegengewichtler Baum Frankfurts ersten deutschen Boxmeister. Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten mit Basketball (1961), Bowling (1977) und Tennis (1979) weitere Sportarten.
Geschichte Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg Die Gründer des FSV Frankfurt waren kaum der Schule entwachsene Jungen aus dem Norden Frankfurts, die im Sommer 1898 den Fußballklub Nordend ins Leben gerufen hatten.Karl Seeger: 90 Jahre FSV Frankfurt a. M. 1899–1989. (Denkschrift) Selbstverlag des FSV Frankfurt, Frankfurt am Main 1989, ohne ISBN, S. 17 f. Dieser war einer von vielen „wilden“ Vereinen, die in diesen Jahren entstanden waren und keinem Verband angehörten. Die Mannschaft spielte unter anderem auf dem Glauburgplatz, das Vereinslokal befand sich an der Ecke Glauburgstraße/Friedberger Landstraße. Im Jahr darauf, am 20. August 1899, wurde die Gründung des „Fußball-Sport-Vereins 1899 Frankfurt/Main“ vollzogen. Der Name spielt auf den Turnsportverein Frankfurt an, in dem nur Leichtathletik betrieben wurde. Fußball war in den meisten Sportvereinen um die Jahrhundertwende verpönt. Als Spielstätte wurde dem Verein von der Stadt die Spielwiese „Im Prüfling“ in Bornheim zugewiesen, so dass sich der Schwerpunkt des Vereins nunmehr in diesen Stadtteil verlagerte.
mini|Mannschaft des FSV Frankfurt im Jahr 1902 auf dem Sportplatz „Im Prüfling“
In den 1890er Jahren hatte es im deutschen Kaiserreich kaum Meisterschaftsrunden gegeben. Erst mit der Gründung erster überregionaler Verbände Ende der 1890er Jahre und schließlich der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes im Jahr 1900 zogen allmählich Strukturen in den Fußballbetrieb ein. Die Frankfurter Vereine gehörten dem Verband Süddeutscher Fußball-Vereine (VSFV, ab 1914 Süddeutscher Fußball-Verband) an, der in etwa die heutigen Bundesländer Hessen, Baden-Württemberg und Bayern umfasste. Der FSV war in seinen ersten Jahren schnell von der untersten in die höchste Spielklasse, also von der C- in die A-Klasse, aufgerückt und erreichte bereits 1902/03 erstmals die Endrunde um die Südmeisterschaft, wo er aber in der zweiten Runde am FC Hanau 93 scheiterte. Neben der „regulären“ Meisterschaft des VSFV gab es in Frankfurt zwischen 1900 und 1908 den Frankfurter Associations Bund, dem der FSV ebenfalls beitrat und in dessen letzter Saison er den Meistertitel erringen konnte.
Der Verein wuchs in den ersten zwei Jahrzehnten seines Bestehens kontinuierlich an. 1908 erwarb der FSV an der Seckbacher Landstraße ein eigenes Vereinsgelände und war 1913 der weitaus größte Verein im Nordmainkreis. Sportliche Erfolge waren trotz der frühzeitigen Zugehörigkeit zur obersten Spielklasse anfangs noch dünn gesät. Man zählte zwar ab 1909/10 zur Spitzengruppe der Nordkreisliga, und mit dem Leipziger Camillo Ugi spielte 1911 für einige Monate ein aktueller deutscher Nationalspieler in den Reihen der Bornheimer.Karl Seeger: 90 Jahre FSV Frankfurt a. M. 1899–1989. (Denkschrift) Selbstverlag des FSV Frankfurt, Frankfurt am Main 1989, ohne ISBN, S. 27.leipziger-fussballverband.de: Artikel über Camilo Ugi, abgerufen am 20. April 2024. Doch erst 1916/17 erkämpfte die Mannschaft erstmals die Meisterschaft im Nordkreis und belegte in der Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft Rang 3.
Aufstieg zum Spitzenverein (1918–1945) Saisondaten 1919–1933 Der FSV Frankfurt in der Kreis- und Bezirksliga Spielklasse Saison Platz Tore Punkte Kreisliga Nordmain 1919/20 2. 33:19 26-10 Kreisliga Nordmain 1920/21 8. 20:26 16-24 Kreisliga Nordmain, Abt. I 1921/22 2. 37:16 20-8 Kreisliga Nordmain 1922/23 1. 28:12 21-7 Bezirksliga Main 1923/24 1. 35:20 20-8 Bezirksliga Main 1924/25 1. 39:10 25-3 Bezirksliga Main 1925/26 1. 41:10 22-6 Bezirksliga Main 1926/27 1. 62:18 31-5 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1927/28 2. 87:25 36-8 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1928/29 2. 72:25 25-11 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1929/30 3. 29:22 16-12 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1930/31 5. 19:16 14-14 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1931/32 2. 50:30 28-12 Bezirksliga Main-Hessen, Gr. Main 1932/33 1. 49:15 31-5 Anfang der 1920er Jahre baute der FSV Frankfurt seine Sportanlage an der Seckbacher Landstraße aus (1921 und 1924) und erweiterte sein Angebot um weitere Sportarten. Der sportliche Erfolg der Fußballmannschaft ging mit diesem Ausbau einher: Von 1923 bis 1927 gab es am Main nur einen Meister, den FSV. Die anschließenden Endrunden um die süddeutsche Meisterschaft schlossen die Bornheimer in diesen Jahren jedoch in der gleichen Regelmäßigkeit mit maximal ausgeglichener Punktebilanz ab. Immerhin konnte sich der FSV damit 1925 als Dritter der Südmeisterschaft für die reichsweite Endrunde qualifizieren. Nach Siegen über den Hamburger SV, Schwarz-Weiß Essen und Hertha BSC stand der FSV Frankfurt im Endspiel um die deutsche Meisterschaft. Erst in der Verlängerung unterlag der Außenseiter dem großen „Club“ mit 0:1. Auch im darauffolgenden Jahr qualifizierten sich die Bornheimer für die Endrunde, mussten sich aber schon im Viertelfinale Hertha BSC geschlagen geben. 1928, 1930 und 1932 verlor der FSV die Entscheidungsspiele um den dritten Teilnehmer an der Endrunde.
Saisondaten 1933–1945 Der FSV Frankfurt in der Gauliga Spielklasse Saison Platz Tore Punkte ⌀ Zuschauer Gauliga Südwest 1933/34 6. 43:48 21-23 5000 Gauliga Südwest 1934/35 4. 43:42 23-17 5000 Gauliga Südwest 1935/36 5. 37:30 19-17 5000 Gauliga Südwest 1936/37 5. 37:31 18-18 5500 Gauliga Südwest 1937/38 5. 33:33 17-19 6000 Gauliga Südwest 1938/39 2. 38:27 23-13 8500 Gauliga Südwest, Gr. Mainhessen 1939/40 3. 33:27 14-10 4000 Gauliga Südwest, Gr. Mainhessen 1940/41 5. 24:33 12-16 2000 Gauliga Hessen-Nassau, Gr. 1 1941/42 3. 34:21 16-8 2000 Gauliga Hessen-Nassau 1942/43 2. 65:24 29-7 1000 Gauliga Hessen-Nassau 1943/44 3. 78:29 23-13 n. b. Gauliga Hessen-Nassau, St. 4 1944/45 –1 23:8 8-0 n. b. 1 Die Saison 1944/45 wurde nicht zu Ende gespielt. Der FSV trat anschließend gemeinsam mit der Eintracht als Kriegssportgemeinschaft in der Staffel 3 an, der Spielbetrieb endete aber wahrscheinlich im Januar 1945.
Im Jahr 1931 wurde der Umzug an den „Bornheimer Hang“, bis heute Spielstätte der Bornheimer, vollzogen. Zwei Jahre darauf folgte mit dem erstmaligen Gewinn der Süddeutschen Meisterschaft 1933 durch ein 1:0 im Endspiel gegen 1860 München am 30. April 1933 ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Im selben Jahr erfolgte eine grundlegende Neuorganisation im deutschen Fußball. Sämtliche bestehenden Regionalverbände lösten sich auf Druck der Nationalsozialisten auf, und die Ligastruktur wurde mit der Schaffung von 16 Gauligen als oberste Spielklassen neu organisiert. Die Spitzenvereine aus dem Rhein-Main-Gebiet wurden in die Gauliga Südwest/Mainhessen eingeteilt. Als Frankfurter Vertreter waren der FSV und die Eintracht Gründungsmitglieder, 1934 stießen Union Niederrad und 1939 Rot-Weiss Frankfurt dazu. Die Bilanz des FSV in der Gauliga war durchwachsen, die Eintracht überholte in diesen Jahren die Bornheimer als Frankfurter Nummer 1, und der FSV belegte am Rundenende meist nur einen Platz im Mittelfeld, als erfolgreichste Platzierung stand ein zweiter Rang in der Saison 1938/39 zu Buche. In dieser Spielzeit erreichte der FSV aber auch zum zweiten Mal in seiner Geschichte ein nationales Endspiel. Im Tschammerpokal, dem Vorläufer des DFB-Pokals, setzten sich die Bornheimer gegen Fortuna Düsseldorf, den VfB Mühlburg sowie im Halbfinale gegen den Wiener Sport-Club durch. Im Endspiel am 8. Januar 1939 war der SK Rapid Wien, gespickt mit zahlreichen aktuellen Nationalspielern, hoher Favorit. Dennoch führten die Bornheimer im Berliner Olympiastadion bis zur 80. Minute mit 1:0, mussten sich dann aber, inzwischen um einen Spieler dezimiert, mit 1:3 geschlagen geben.
Kriegsbedingt wurde die Gauliga ab der Runde 1941/42 neu geordnet, der FSV trat nun in der Gauliga Hessen-Nassau an. 1942/43 landete man nur einen Punkt hinter den Offenbacher Kickers auf Platz zwei, im Jahr darauf auf dem dritten Rang. Mitte 1944 wurde der Spielbetrieb eingestellt.
Mittelmaß in der Oberliga Süd (1945–1962)