mini|Teilansicht Hochspeyers von Norden mit Humberg Hochspeyer ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz. Sie gehört seit dem 1. Juli 2014 der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn an. Hochspeyer ist in der Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Geographie Lage Hochspeyer liegt auf einer Höhe von etwa am nördlichen Rand des Pfälzerwalds im Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Fischbach, Frankenstein, Waldleiningen und Kaiserslautern.

Erhebungen und Gewässer Der Ort ist nach allen Seiten umgeben von bewaldeten Höhen wie dem Heiligenberg im Westen und dem Humberg im Süden, wo sich die Frankenweide anschließt. Im Osten an der Grenze zu Frankenstein erhebt sich der rund 422 Meter messende Hohe Kopf. Mitten im Hochspeyerer Siedlungsgebiet entspringt der Hochspeyerbach, der in West-Ost-Richtung fließt. Der Fischbach verläuft lediglich ein kurzes Stück vor seiner Mündung in den Hochspeyerbach auf dem Gebiet der Gemeinde. Im Südosten bildet der Leinbach die Grenze zu Waldleiningen.

Gemarkungsgrenze Die Gemarkungsgrenze der Ortsgemeinde Hochspeyer verläuft auf der Nordseite zwischen Fischbach und Hochspeyer etwa entlang der Trasse der Umgehungsstraße B37, westwärts bis zum Hochspeyerer Stich an der Grenze zu Kaiserslautern. Von dort aus bildet sie nach Süden über den Heiligenberg-Tunnel und den Heiligenberg und entlang der B48 bis zum historischen Stall (Abzweig der L504 nach Kaiserslautern) verlaufend die Westgrenze der Gemarkung. Vom Stall aus verläuft die (Süd-)Grenze entlang der L504 nach Waldleiningen, weiter entlang des Ortsrands, und folgt dann dem Leinbachtal zwei Drittel des Weges nach Frankenstein bis etwa auf Höhe des Mönchhoferfelsens. Von dort aus verläuft die (Ost-)Grenze über den Hohen Kopf nach Norden zum Hochspeyerbach im Neustadter Tal, dann entlang des Bachs, vorbei am ehemaligen Franzosenwoog bis kurz vor Hochspeyer, wo sie erneut auf die B37 trifft.

Geschichte Entwicklung bis zum 18. Jahrhundert

Der Name Hochspeyer leitet sich vom Namen des Hochspeyerbachs ab. Der mittelalterliche Name Hospira des Hochspeyerbachs ist bereits im 10. Jahrhundert nachgewiesen und leitete sich wiederum vom Speyerbach (Spira) ab.Wilhelm Ludt: Hochspeyer – Die Geschichte eines Dorfes, S. 18 f. (s. Literatur)

Der älteste Teil des heutigen Dorfes Hochspeyer ist der Münchhof aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, der bis etwa 1800 unabhängig war. Hochspeyer selbst wurde möglicherweise erst nach der Jahrtausendwende gegründet. Manche Quellen sprechen die Gründung den Leiningern zuWilhelm Ludt: Hochspeyer – Die Geschichte eines Dorfes, (s. Literatur), andere den Grafen von Saarbrücken.

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes findet sich in einer Urkunde von 1195 des Klosters Otterberg. In dieser Urkunde bestätigte Kaiser Heinrich Vl. den Mönchen ihren Besitzanspruch am Münchhof (damals: Hof Sendelborn).Wilhelm Ludt: Hochspeyer – Die Geschichte eines Dorfes, S. 30 (s. Literatur); Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).

Hochspeyer war ab 1317 für die Dauer von 480 Jahren als Kondominium. Um 1500 zählte Hochspeyer 18 Haushaltungen. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde der Ort vernichtet und blieb 15 Jahre lang menschenleer. Ursache für die komplizierten Herrschaftsverhältnisse war das frühe Aussterben der männlichen Linie der Leininger im Jahre 1217 und die anschließenden Teilungen des Erbes des Leiniger Hauses in den Jahren 1237 und 1317. In den nachfolgenden Jahrhunderten wurden immer wieder Gebiete getauscht zwischen verschiedenen Besitzern von Teilen Hochspeyers. Hochspeyer ist dabei allerdings als Dorf nie wirklich geteilt gewesen, sondern von den jeweiligen Herren gemeinsam verwaltet worden, denn die Abgaben wurden aufgeteilt. Das überregional dominierende Herrschaftshaus der Kurpfalz spielte als Besitzer von Hochspeyer nur zeitweise eine Rolle, da die Kurpfalz von 1706 bis 1797 lediglich 91 Jahre lang mit einem Sechstel an Hochspeyer beteiligt war.

Ab dem 19. Jahrhundert Erst mit der Annektierung der Pfalz durch französische Revolutionstruppen im Jahr 1797 endete das Kondominium, und Hochspeyer gehörte zum ersten Mal in seiner Geschichte zum Gebiet eines Nationalstaats. Die Region wurde 1798 dem Département Donnersberg zugeschlagen, der Münchhof wird mit Hochspeyer vereinigt. Bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Hochspeier – so die damalige Schreibweise – in den Kanton Kaiserslautern eingegliedert und bildete mit dem benachbarten Fischbach eine Gemeinde. Zudem war der Ort Sitz einer Mairie, die zusätzlich Waldleiningen sowie die Gemeinde Frankenstein und Diemerstein umfasste. 1815 wurde der Ort Österreich zugeschlagen. Bereits ein Jahr später wechselte der Ort wie die gesamte Pfalz in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte die Gemeinde „Hochspeyer und Fischbach“ dem Landkommissariat Kaiserslautern an; aus diesem ging das Bezirksamt Kaiserslautern hervor.

Die Industrialisierung führte unter anderem zur Ansiedlung einer chemischen Fabrik (1880–1924) zur Rohstoffgewinnung aus der Verkohlung von Buchenholz.

Während des Ersten Weltkriegs, der von 1914 bis 1918 dauerte, diente die Bahnlinie den Truppentransporten. In Hochspeyer wird in der alten Schule zeitweise ein Lazarett eingerichtet. Die Nahrungsmittelknappheit der Jahre 1916/17 können die Bürger durch Intensivierung der Selbstversorgung abmildern.Wilhelm Ludt: Hochspeyer – Die Geschichte eines Dorfes, S. 291 f. (s. Literatur)

Seit 1939 ist Hochspeyer Teil des Landkreises Kaiserslautern.

Zweiter Weltkrieg (1939–1945): Der Verkehrsknotenpunkt Hochspeyer dient als Durchgangslager für Flüchtlinge, Arbeiter (Westwall) und Truppen. Ende 1944 wird die Bahnlinie in Hochspeyer das Ziel von Bombenangriffen. Am 19. März 1945 marschieren die Amerikaner ohne Widerstand in Hochspeyer ein.Wilhelm Ludt: Hochspeyer – Die Geschichte eines Dorfes, S. 306 ff. (s. Literatur) Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Gemeinde 1972 Sitz der neu gebildeten gleichnamigen Verbandsgemeinde. Am 4. September 1976 wurde außerdem ein Teil der Gemeinde Hochspeyer mit 59 Einwohnern nach Waldleiningen umgemeindet.Während der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs Hochspeyer zudem beträchtlich, beispielsweise entstanden mehrere Neubaugebiete. Seit 2014 ist die Gemeinde Bestandteil der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn.

Übersicht über die Herrschaftsverhältnisse

Jahr Ereignis 12. Jh. 1195 Erste urkundliche Erwähnung, das Dorf Hochspeyer gehörte zur Herrschaft Frankenstein und damit den Leininger Grafen. 13. Jh. 1237 Die Erben Friedrich III. und Emich IV. vereinbaren die gemeinschaftliche Verwaltung der Herrschaft Frankenstein. 14. Jh. 1317 Die Teilung der Leininger in die Linien Leiningen-Dagsburg und Leiningen-Hardenburg führt zur Aufteilung des Besitzes an Hochspeyer in zwei Hälften:¹/₂Leiningen-Dagsburg¹/₂Herrschaft Frankenstein (Leiningen-Hardenburg) 15. Jh. 1416 Nach jahrelangen Verpfändungen wird die Herrschaft Frankenstein schließlich folgenden Grafen und Rittern verkauft:¹/₂Leiningen-Dagsburg¹/₆ L.-Hardenburg¹/₆ Ritter Inseltheim¹/₆ Nassau-Saarbr. 1467 Leiningen-Dagsburg stirbt aus, das Erbe wird geteilt. U.a. fällt Hochspeyer an die Grafen Leiningen-Westerburg, Dagsburg an Leiningen-Hardenburg:Leiningen-WesterburgL.-H.-DagsburgRitter InseltheimNassau-Saarbr. 16. Jh. 1550 Das Rittergeschlecht von Inseltheim stirbt aus, Erben sind die Freiherren von Wallbronn mit Sitz in Gauersheim (Nordpfalz):Leiningen-WesterburgL.-H.-DagsburgFreih.WallbronnNassau-Saarbr. 17. Jh. 1680 Gebietstausch der Grafen Leiningen-Westerburg mit den Grafen Leiningen-Hardenburg:⁴/₆Leiningen-Hardenburg-Dagsburg¹/₆ Freih.Wallbronn¹/₆ Nassau-Saarbr. 18. Jh. 1706 Gebietstausch der Grafen Nassau-Saarbrücken (Nassau-Weilburg) mit der Kurpfalz:Leiningen-Hardenburg-DagsburgFreih.WallbronnKurpfalz 1792 Aufwändiger Gebietstausch der Grafen Leiningen-Hardenburg, Wallbrunn (Wallbronn) und der Kurpfalz:⁵/₆Leiningen-Hardenburg-Dagsburg¹/₆Kurpfalz 1794 Eroberung der linksrheinischen Gebiete, und damit Hochspeyers, durch die Französische Revolutionstruppen:¹/₁Departement Donnersberg (Frankreich) 19. Jh. 1816 Nach dem Wiener Kongress wird das Gebiet der heutigen Pfalz, und damit Hochspeyer, Bayern zugesprochen:Rheinkreis (Königreich Bayern) 20. Jh. 1947 Nach dem Zweiten Weltkrieg entsteht während der Französischen Besatzungszeit das neue Land Rheinland-Pfalz:Rheinland-Pfalz (Bundesrepublik Deutschland)

Die einst vor Ort ansässige jüdische Gemeinde besaß eine Synagoge, deren Inneneinrichtung 1938 bei den Novemberpogromen zerstört wurde. Seit 1927 existiert zudem vor Ort ein Jüdischer Friedhof.

Konfessionsstatistik Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung wird immer kleiner. Mit Stand Juli 2026 waren 32,0 % der Einwohner katholisch, 22,0 % evangelisch und 44,0 % gehörten entweder einer anderen oder keiner Glaubensgemeinschaft an.Gemeindestatistik

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Hochspeyer besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 7 6 7 20 Sitze 2019 7 8 5 20 Sitze 2014 11 4 4 20 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 9 6 5 20 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Hochspeyer e. V.

Bürgermeister Michael Haberer wurde am 9. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Hochspeyer. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 65,1 % gegen einen Mitbewerber durchgesetzt.

Haberers Vorgänger Dominic Jonas (CDU) hatte das Amt 2019 von Hans Norbert Anspach (SPD) übernommen, der nicht erneut angetreten war. Jonas kandidierte bei der Wahl 2024 aus zeitlichen Gründen nicht für eine Wiederwahl.

Wappen

Ortspartnerschaft Die Ortsgemeinde Hochspeyer hat eine Partnerschaft mit der Gemeinde Leutenberg/Thüringen.

Bürgerschaftliches Engagement Im Jahr 2008 wurde zur Förderung der Familien und des bürgerschaftlichen Engagements in Zusammenarbeit mit Verbandsgemeindeverwaltung, Bürgern, Bildungseinrichtungen und Vereinen ein Lokales Bündnis für Familie gegründet.

In den 1990er Jahren gab es in Hochspeyer die Bürgerinitiative Neustadter Tal, die sich ohne Erfolg gegen den Bau der geplanten Umgehungsstraße zur Wehr setzte.

Kultur Bauwerke

Der Friedhof und der jüdische Friedhof sind als Denkmalzonen ausgewiesen. Hinzu kommen insgesamt 17 Einzeldenkmäler, darunter der Münchhof.

Naturdenkmale

Mit dem Mönchhoferfels und dem Schreinerbrunnen existieren auf der Gemeindegemarkung insgesamt zwei Naturdenkmale.

Veranstaltungen Der Fremdenverkehrs- und Kulturverein der Verbandsgemeinde Hochspeyer organisiert jährlich die Kulturwoche mit Konzerten, Kabarett, Revuedarbietungen, Kunsthandwerkermarkt und Kinderprogramm.

Weitere regelmäßige Veranstaltungen sind das Triftfest im Leinbachtal (gemeinsam mit den Nachbargemeinden) und der Hochspeyerer Weihnachtsmarkt.

Die örtliche Kerwe findet im August auf dem Platz vor dem Schwimmbad statt.

Bis Ende der 2010er Jahre fand zusätzlich das Straßenfest Deichfest im September statt.

Bildung und Erziehung