mini|Biobauernhof Schloßbauer Hafning bei Trofaiach in Österreich|278x278px Der Begriff ökologische Landwirtschaft (auch biologische Landwirtschaft, Ökolandbau, alternative Landwirtschaft) bezeichnet die Herstellung von Nahrungsmitteln und anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen auf der Grundlage bestimmter Produktionsmethoden, die eine umweltschonende und an geschlossenen Stoffkreisläufen orientierte Produktion sowie eine artgerechte Haltung von Tieren ermöglichen sollen.
Grundlegendes zu alternativen Landwirtschaftsformen Die Europäische Kommission reguliert die ökologische Erzeugung seit 1991 und unterhält ein Kontrollsystem, um einen fairen Wettbewerb für Landwirte und das Vertrauen der Verbraucher in ökologische Erzeugnisse zu gewährleisten. Ab dem 1. Januar 2022 gilt die Verordnung (EU) 2018/848 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 30. Mai 2018 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 des Rates sowie der dazugehörigen delegierten Verordnungen und Durchführungsverordnungen.
Abgrenzung Im Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft ist die ökologische Landwirtschaft rechtlich verpflichtet, im Ackerbau unter anderem auf synthetisch hergestellte Pflanzenschutzmittel, Mineraldünger und Grüne Gentechnik weitgehend zu verzichten. Den Erzeugnissen der ökologischen Landwirtschaft dürfen vor dem Verkauf als Bio-Lebensmittel keine Geschmacksverstärker, künstliche Aromen, künstliche Farb- oder künstliche Konservierungsstoffe zugefügt werden. Die ökologische Viehzucht unterliegt strengeren Auflagen als die konventionelle, wie dem Verbot einzelner Futtermittel und höheren Mindestanforderungen im Platzangebot für Tiere. Die integrierte Landwirtschaft hat wie die ökologische einen gegenüber der konventionellen Produktion erhöhten Anspruch, umweltschonend zu wirtschaften, allerdings gelten dafür andere rechtliche Grundlagen.
Ein Begriff mit ähnlicher Bedeutung ist organische Landwirtschaft.
Weiterhin ist die biologisch-dynamische Landwirtschaft, auch biodynamische Landwirtschaft genannt, von der ökologischen Landwirtschaft zu unterscheiden. Sie beruht auf anthroposophischen Ideen von Rudolf Steiner.
Bioprodukte Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft werden Bio-Lebensmittel genannt; in der Europäischen Union ist die Bezeichnung „Bio-Lebensmittel“ gesetzlich definiert. Nur Produkte, die die gesetzlichen Kriterien erfüllen, dürfen als „Bio“ bezeichnet und mit einem Bio-Siegel versehen werden. Gekennzeichnet werden Bio-Lebensmittel in Deutschland verpflichtend durch Angabe der zuständigen Öko-Kontrollstelle, zusätzlich immer durch ein Bio-Siegel und häufig durch die Aufschrift aus kontrolliert biologischem Anbau, abgekürzt kbA, oder kbT für kontrolliert biologische Tierhaltung. International ist die englische Bezeichnung organic üblich.
Unterschiede im Genusswert und in gesundheitlichen Wirkungen zwischen konventionell hergestellten und Bio-Lebensmitteln waren Gegenstand zahlreicher Studien. Untersuchungen über den Genusswert kamen zu keinen eindeutigen Ergebnissen – in manchen Fällen erhielten ökologische, in anderen konventionelle Produkte bessere durchschnittliche Geschmacksbeurteilung. Meist wiesen Bio-Lebensmittel weniger Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Cadmium und höhere Gehalte von einigen potentiell gesundheitsfördernden sekundären Pflanzeninhaltsstoffen, zum Beispiel Antioxidantien, auf. Für eine tatsächliche Gesundheitswirkung und damit gesundheitliche Vorteile des Konsums von Bio-Lebensmitteln gibt es bislang keine klaren Belege. Das österreichische Bundesministerium für Familie und Jugend behauptet in einer Broschüre zum ersten Babyjahr, dass Bioprodukte eine höhere Qualität hätten, da Biobauern auf eine geringere Schadstoffbelastung achten würden, sowie dass ihre Produkte einen intensiveren Geschmack hätten. Bundesministerium für Familie und Jugend, Wien 2016, S. 5. Manchmal wird auch Naturkosmetik im Zusammenhang mit „ökologischer Landwirtschaft“ genannt, doch bezieht sich dieser Begriff nur auf die Zusammensetzung und nicht auf die Herkunft oder das Anbauverfahren.
Produkte mit Zutaten aus ökologischem Anbau werden ohne Stoffe, die nach Gesetz als Geschmacksverstärker gelten, hergestellt. Es dürfen jedoch Zutaten verwendet werden, die von Natur aus reich an Geschmacksverstärkern sind. So kann Hefeextrakt mit einem hohen Anteil an Glutamat in einem Bio-Produkt verarbeitet werden.Schrot & Korn. 7/2008, S. 40. Der Zusatz von Aromastoffen ist erlaubt, wenn es sich um natürliche Aromen handelt.
Allgemeine Ziele Gemäß Art. 4 der Verordnung (EU) 2018/848 des Europäischen Parlaments und des Rates verfolgt die ökologische/biologische Produktion die folgenden allgemeinen Ziele:
Beitrag zum Schutz der Umwelt und des Klimas; Erhaltung der langfristigen Bodenfruchtbarkeit; Beitrag zu einem hohen Niveau der biologischen Vielfalt; einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung einer ungiftigen Umwelt; Beitrag zu hohen Tierschutzstandards und insbesondere zur Befriedigung der spezifischen Verhaltensbedürfnisse der einzelnen Tierarten; Förderung kurzer Versorgungsketten und der lokalen Erzeugung in den verschiedenen Gebieten der Union; Förderung der Erhaltung seltener Rassen oder lokaler Rassen, die vom Aussterben bedroht sind; Beitrag zur Entwicklung eines pflanzengenetischen Angebots, das den besonderen Bedürfnissen und Zwecken des ökologischen Landbaus entspricht; Beitrag zu einem hohen Maß an biologischer Vielfalt, insbesondere durch die Verwendung von diversifiziertem pflanzengenetischem Material, wie z. B. heterogenes ökologisches Material und für die ökologische Erzeugung geeignete ökologische Sorten; Förderung der Entwicklung der ökologischen Pflanzenzüchtung, um zu günstigen wirtschaftlichen Aussichten für den ökologischen Sektor beizutragen.
In Artikel 5 der Verordnung (EU) 2018/848 des Europäischen Parlaments und des Rates heißt es: „Die ökologische/biologische Produktion ist ein nachhaltiges Bewirtschaftungssystem, das auf allgemeinen Grundsätzen beruht wie:
Achtung der natürlichen Systeme und Kreisläufe sowie die Erhaltung und Verbesserung von Boden, Wasser und Luft, der Gesundheit von Pflanzen und Tieren und des Gleichgewichts zwischen ihnen; Schutz von Elementen der natürlichen Landschaft; verantwortungsvoller Umgang mit Energie und natürlichen Ressourcen wie Wasser, Boden, organischen Stoffen und Luft; Erzeugung eines breiten Spektrums hochwertiger Lebensmittel und anderer Erzeugnisse der Landwirtschaft und der Aquakultur, die der Nachfrage der Verbraucher nach Waren entsprechen, die mit Verfahren hergestellt wurden, die keine Gefahr für die Umwelt, die menschliche Gesundheit, die Pflanzengesundheit oder die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere darstellen.“ Bei der ökologischen Pflanzenproduktion werden Anbaupraktiken angewandt, die zur Erhaltung oder Erhöhung der organischen Substanz des Bodens beitragen, die Bodenstabilität und die biologische Vielfalt verbessern und Bodenverdichtung und Erosion verhindern. Zu diesem Zweck werden mehrjährige Fruchtfolgen angewandt, die Verwendung biodynamischer Präparate ist erlaubt, und alle angewandten Anbautechniken verhindern oder minimieren die Umweltverschmutzung.
Die Vorbeugung von Schäden durch Schädlinge und Krankheiten beruht in erster Linie auf dem Schutz durch natürliche Feinde (wilde Nutzinsekten, Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere), der Auswahl von Arten und Sorten, der Fruchtfolge und geeigneten Anbautechniken. Um den Unkrautbefall zu verringern, sollte Saatgut von guter Qualität verwendet (das nicht mit Unkrautsamen verunreinigt ist), eine geeignete Fruchtfolge eingehalten werden, mechanischer Anbau und thermische Bekämpfung von Unkraut verwendet werden.
Das Sammeln von Wildpflanzen und Teilen davon, die in natürlichen Gebieten, Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen natürlich wachsen, gilt als ökologische/biologische Produktionsmethode, sofern:
die Flächen während eines Zeitraums von mindestens drei Jahren vor der Sammlung nicht mit anderen als den gemäß Art. 9 Abs. 3 Unterabsatz 1 der Verordnung (EU) 2018/848 über die ökologische/biologische Produktion und die Kennzeichnung von ökologischen/biologischen Erzeugnissen (…) zugelassenen Erzeugnissen behandelt wurden; die Sammlung das Gleichgewicht des natürlichen Lebensraums oder die Erhaltung der Arten im Sammelgebiet nicht beeinträchtigt.
Bei der Verarbeitung ökologischer Lebensmittel (sowie ökologischer Futtermittel) sind ökologische Zutaten zu verwenden, die Verwendung von Zusatzstoffen mit hauptsächlich technologischen und sensorischen Funktionen ist zu begrenzen, Stoffe und Methoden, die über die wahre Beschaffenheit des Erzeugnisses hinwegtäuschen können, sind auszuschließen. Die Verwendung von GVO, aus GVO hergestellten Erzeugnissen und unter Verwendung von GVO hergestellten Erzeugnissen ist in der ökologischen/biologischen Produktion nicht zulässig, mit Ausnahme von Tierarzneimitteln.
Globale Bedeutung mini|hochkant=1.2|Öko-Anbaufläche nach Weltregionen 2000–2008 + Öko/Bio-Anbaufläche 2023 in Hektar, und Anteil an der Landwirtschaftsfläche Land ha % Argentinien 4.048.203 3,4 Australien 53.016.058 14,6 Ägypten 116.000 2,9 Äthiopien 438.745 1,1 Belgien 102.359 7,5 Brasilien 1.023.089 0,4 Bulgarien 147.798 2,9 China 3.420.457 0,7 Dänemark 303.430 11,6 Deutschland 1.888.999 11,3 Dominikanische Republik 185.959 7,7 Estland 225.256 22,9 Färöer 251 k. A. Finnland 311.498 13,7 Frankreich 2.767.447 9,6 Griechenland 924.853 17,6 Indien 4.475.837 2,5 Irland 178.653 4,0 Israel 5.091 0,8 Italien 2.455.586 18,7 Japan 18.837 0,4 Kanada 1.288.514 2,3 Kasachstan 191.283 0,1 Kroatien 119.873 8,0 Lettland 297.111 15,1 Liechtenstein 1.612 44,6 Litauen 249.122 8,5 Luxemburg 8.262 6,3 Malta 66 0,6 Mexiko 277.333 0,3 Niederlande 87.416 4,8 Norwegen 46.063 4,7 Osttimor 31.447 9,2 Österreich 701.161 27,3 Peru 247.216 1,0 Philippinen 187.425 1,5 Polen 636.021 4,4 Portugal 860.878 21,7 Russland 96.576 0,04 Rumänien 693.998 5,1 Samoa 41.307 14,6 São Tomé und Príncipe 9.281 22,1 Schweden 549.941 18,3 Schweiz 190.007 18,2 Slowakei 261.060 13,7 Slowenien 54.603 11,3 Spanien 2.991.881 12,2 Sri Lanka 69.812 2,5 Tansania 223.067 0,6 Tschechien 595.190 16,9 Tunesien 196.222 0,8 Türkei 312.010 0,8 Uganda 505.308 3,5 Ukraine 471.176 1,1 Ungarn 320.251 6,4 Uruguay 3.572.286 25,4 Vanuatu 6.431 3,4 USA 2.060.741 0,5 Vereinigtes Königreich 497.900 2,8
Laut dem IFOAM-Jahrbuch The World of Organic Agriculture 2015 ist die ökologisch bewirtschaftete Nutzfläche (Organic agricultural land) im Zeitraum 1999 bis 2013 von 11 auf 43,1 Mio Hektar angestiegen. 2013 wurde 1 % der weltweiten landwirtschaftlichen Nutzfläche von 2 Millionen Erzeugern ökologisch bewirtschaftet. Rund zwei Drittel der Fläche ist Grasland (27 Mio. ha), und auf knapp einem Fünftel werden Feldfrüchte angebaut (7,7 Mio. ha).H. Willer, J. Lernoud (Hrsg.): Forschungsinstitut für biologischen Landbau, Frick, und Internationale Vereinigung der Ökologischen Landbaubewegungen, Bonn 2015 (englisch; PDF, fibl.org). 2016 wurden weltweit 57,8 Millionen Hektar, etwas mehr als 1 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche, ökologisch bewirtschaftet, dies sind fast 7,5 % mehr als noch 2015. In 15 Ländern werden mindestens 10 % der Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet, was einem neuen Rekord entspricht. Ende 2016 gab es über 2,7 Millionen Bioproduzenten weltweit. Wie in den Vorjahren sind die Länder mit den meisten Produzenten Indien (835.200), Uganda (210.352) und Mexiko (210.000). 57,8 Mio Hektar Landwirtschaftsfläche wurden biologisch bewirtschaftet. Das sind fast 7,5 Mio Hektar mehr als 2015, das größte Wachstum, das je verzeichnet wurde. Australien ist das Land mit der größten Biolandbaufläche (27,2 Mio Hektar), gefolgt von Argentinien (3 Mio Hektar) und China (2,3 Mio Hektar). In: fibl.org. 14. Februar 2018, abgerufen am 14. Februar 2018.