mini|Angelika Kauffmann, Selbstbildnis mit Büste der Minerva, 1780–1781,Inventarnummer GKS922, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung im Bündner Kunstmuseum, ChurSelbstbildnis, 1780–1781, von Angelika Kauffmann (1741–1807). In: Schweizerische Eidgenossenschaft, Eidgenössisches Departement des Innern EDI, Bundesamt für Kultur BAK, Museen und Sammlungen des Bundes, Sammlung Gottfried Keller-Stiftung, Inventarnummer GKS922, Depositum der Gottfried Keller-Stiftung im Bündner Kunstmuseum. Abgerufen am 5. Mai 2025.rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Angelika Kauffmannrahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Angelika Kauffmann mini|Angelika Kauffmanns Monogramm Angelika Kauffmann RA (eigentlich Maria Anna Angelica Catharina Kauffmann) (* 30. Oktober 1741 in Chur, Freistaat der Drei Bünde; † 5. November 1807 in Rom) war eine bekannte schweizerisch-österreichische Malerin des empfindsamen Klassizismus. Laut der Einschätzung der Gottfried Keller-Stiftung war sie in ihrer Zeit das, was man heute einen Superstar nennen würde.
Biografie Kindheit und Jugend mini|hochkant|Angelika Kauffmann: Selbstporträt als Sängerin mit Notenblatt, 1753 mini|hochkant|Angelika Kauffmann: Porträt von Johann Friedrich Bause, um 1801 mini|links|hochkant|Geburtshaus von Angelika Kauffmann an der Reichsgasse 57 in Chur mini|links|hochkant|Gedenktafel am Geburtshaus
Angelika Kauffmann wurde 1741 als Tochter des Porträt- und Freskenmalers Joseph Johann Kauffmann und seiner Frau, der Hebamme Cleophea Lutz, in der Reichsgasse 57 der Gotteshausbund-Stadt Chur, wo ihr Vater zu diesem Zeitpunkt am bischöflichen Schloss arbeitete, geboren. Im Jahr 1752 zog die Familie nach Como, wo die größten Auftraggeber des Vaters – wie später auch Angelika Kauffmanns – die Grafen von Salis sie weiter beschäftigten. Das Mädchen wuchs am Comer See auf, galt mit sechs Jahren bereits als zeichnerisches Wunderkind und wurde von ihrem Vater und verschiedenen Lehrern in Como und Mailand in Malerei und Musik unterrichtet, da es damals für Mädchen keine reguläre Schulbildung gab. Deshalb brachte ihr der Vater Lesen und Schreiben bei, und die Mutter unterrichtete sie in Sprachen, zuerst in Deutsch und Italienisch, dann in den Fächern Englisch und Französisch.
Im Jahr 1753 malte sie ihr erstes Selbstbildnis, nachdem sie der Vater in Malerei unterwiesen hatte. Angelika Kauffmann selbst beschrieb ihre Jugendzeit als geprägt durch herrliche Paläste, schöne Villen, elegante Boote und prächtige Theater. Von 1754 bis 1757 bereiste die Familie erstmals Italien. In Mailand waren sie Gäste am Hof des österreichischen Gouverneurs, Francesco III. d’Este, Herzog von Modena und Reggio. Als Gegenleistung hinterliessen sie Zeichnungen und Gemälde auf ihren Reisen.
mini|hochkant|Angelika Kauffmanns Bildnis des Vaters Joseph Johann Kauffmann, um 1761–1764
Nach dem Tod der Mutter am 1. März 1757 in Mailand zog sie mit ihrem Vater ins väterliche Haus nach Schwarzenberg im Bregenzerwald. Dort entstanden weitere Jugendwerke. Nach einem verheerenden Brand in der örtlichen Kirche übernahm ihr Vater die innere Neugestaltung des wieder aufgebauten Gotteshauses. Angelika malte dreizehn Halbfiguren der Apostel nach den Vorlagen von Giovanni Battista Piazzetta und spendete mit ihrer Kunst zu einem späteren Zeitpunkt auch noch das Bild des Hochaltars. Diese Fresken blieben ihr einziges Werk auf dem Gebiet der Wandmalerei.
Karriere mini|hochkant|Bildnis Johann Joachim Winckelmann, 1764 mini|hochkant|Bildnis David Garrick, 1764, Stamford, Burghley House
In den Jahren 1757–1759 führten sie Auftragsreisen nach Meersburg und Tettnang, bei denen sie neben anderen den Fürstbischof von Konstanz, Franz Konrad von Rodt, sowie Mitglieder der gräflichen Familie von Montfort porträtierte. In der ihr zunächst ungewohnten Umgebung entwickelte sie sich weiter, ehe sie 1760 mit dem Vater wieder nach Italien aufbrach, um dort die Kunst der Antike und der Renaissance zu studieren. Unterwegs verdienten sie sich das Reisegeld, indem sie in Graubünden und im Veltlin Einheimische porträtierten.
In den Jahren 1760–1762 hielt sie sich für längere Zeit mit dem Vater in Mailand, Modena und Parma auf. Am 9. Juni 1762 erreichten sie Florenz, wo sie die Künstler der Renaissance studierte, indem sie Kopien deren Bilder anfertigte. Am 5. Oktober wurde Kauffmann zum Ehrenmitglied der Accademia Clementina di Bologna gewählt und fünf Tage später erhielt sie das Diplom der Accademia del Disegno. Ab Januar 1763 war sie mit ihrem Vater in Rom ansässig, wo sie bis 1766 blieb. Dort malte sie zahlreiche Zeitgenossen. Schlagartig bekannt wurde sie 1764 mit dem Bildnis des Begründers der modernen Kunstwissenschaften und der Klassischen Archäologie Johann Joachim Winckelmann.
Vom 6. Juli 1763 bis zum 12. April 1764 besuchten sie Neapel und Ischia, wo Angelika Kauffmann im Palazzo Capodimonte einige Kopien anfertigen durfte und sich anschließend beim König von Neapel für den Studienaufenthalt bedankte. Dann spezialisierte sie sich auf Porträts berühmter Italienreisender, vorwiegend Engländer. Das Bildnis des bekannten Schauspielers David Garrick gelang ihr so gut, dass es ihr Vater nach London zur Ausstellung der Society of Artists schickte. Dieses Werk machte sie auch in England berühmt. Mit ihrem Aufnahmestück „Die Hoffnung“ wurde Kauffmann am 5. Mai 1765 Mitglied der Accademia di San Luca in Rom. Am 1. Juli 1765 reisten sie über Bologna nach Venedig.
Auf Empfehlung einer Lady Wentworth übersiedelten Vater und Tochter im Frühjahr 1766 von Italien nach London, wo sie am 22. Juni ankamen und sich vorübergehend in einer Wohnung in der Suffolk Street in Charing Cross einrichteten. Kauffmann besuchte dort unter anderem am 30. Juni den berühmten englischen Maler Joshua Reynolds in seinem Atelier. Am 20. Oktober 1766 porträtierte sie ihn schließlich auf Leinwand. Seinen Heiratsantrag soll sie abgelehnt haben, er förderte aber dennoch weiter ihre Karriere in England. Kauffmann und Reynolds porträtierten sich gegenseitig, Kauffmanns Reynolds-Bildnis ist neben drei anderen ihrer Werke im Saltram House in Plympton bei Plymouth zu sehen.
Am 22. November 1767 heiratete Kauffmann den angeblichen schwedischen Grafen Frederick de Horn. Diese kurze erste Ehe verlief für sie unglücklich. Horn, der, wie herauskam, ein Heiratsschwindler war, verschwand plötzlich mit all ihren Ersparnissen. Am 10. Februar 1768 wurde ihre Ehe durch ein Gericht der anglikanischen Staatskirche für ungültig erklärt.
Kauffmann war neben Mary Moser die einzige Frau unter den 34 vom König ernannten Gründungsmitgliedern der Royal Academy (1768).Whitney Chadwick: Women, Art, and Society. Thames And Hundson, London 1994, S. 7. Fortan stellte sie ihre Bilder immer wieder in den Räumlichkeiten der Academy in London aus. Als die Royal Academy nach Somerset House übersiedelte, durfte sie dort vier ovale allegorische Deckengemälde gestalten.
mini|hochkant|Angelika Kaufmanns Bild des Ehemanns Antonio Zucchi, 1781 Kauffmanns zweiter, auf Wunsch des Vaters gewählter Ehemann war der 15 Jahre ältere venezianische Maler Antonio Zucchi (1726–1795), den sie im Juli 1781 in London heiratete und der in der Folge auch als ihr „Manager“ fungierte. Kurz darauf reiste das frischvermählte Paar mit Kauffmanns Vater nach Flandern, Schwarzenberg, Verona und Padua und erreichte im Oktober Venedig. Im Januar 1782 starb Kauffmanns Vater.
mini|hochkant|Selbstporträt von 1784,Neue Pinakothek, München
Im November desselben Jahres richtete sich das Ehepaar ein Haus und Atelier bei Santa Trinità dei Monti auf dem Pincio in Rom ein. Das frühere Haus des Malers Anton Raphael Mengs in der Via Sistina 72 wurde zum Treffpunkt der Künstler der Stadt, aber auch der Hocharistokratie. Kaiser Joseph II. war dort zu Gast, der bayerische Kronprinz, Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach, Johann Wolfgang von Goethe (1787) und Johann Gottfried Herder (1788/1789). Letzterer nannte Kauffmann die „kultivierteste Frau Europas“. Eine enge Freundschaft verband sie mit dem Kunstagenten Johann Friedrich Reiffenstein (1719–1793) bis zu dessen Tod.
Im Jahr 1791 bis 1792 malte Kauffmann ihr wohl wichtigstes Selbstporträt, das Selbstbildnis am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, das im Moskauer Puschkin-Museum zu sehen ist.2010 wird in Moskau im Puschkin-Museum die Sammlung der Malerei des 18. Jahrhunderts mit Gemälden von Angelika Kauffmann eröffnet (Abb. 41)., auf Angelika Kauffmann Research Projekt, von Bettina Baumgärtel, abgerufen am 20. Februar 2020 Eine weitere Version, signiert 1794, befindet sich heute im Nostell Priory.Oil painting on canvas, Self-portrait the Artist hesitating between the Arts of Music and Painting by Angelica Kauffman RA (Chur 1741 – Rome 1807), signed on the artist's sash: Angelica Kauffn Sc. & P. Pinxit, Rome 1794. […] This painting, which is a very fine example of her work, was executed in Rome, where she lived with her husband, Antonio Zucchi, from 1781 until her death in 1807. It presents the artist as a kind of female Hercules, choosing not between Virtue and Vice, but between her profession as a painter, which was traditionally a male dominated field (the figure of Painting points to a far away temple, symbolising the difficulty of her journey), and a career devoted to the easier, more traditionally feminine, Art of Music. In recent years, this self-portrait has become an icon of the feminist interpretation of art history. It was acquired by the 2nd Baron St Oswald in 1908, from the collection of Mrs Strickland at Cokethorpe, to serve as a pendant to the Lockey, at the opposite end of the Top Hall (once the organ, installed in the 1820s, had been removed to Wragby Church). The 2nd Baron may have been attracted to the painting because it was thought at the time that Kauffman, rather than Zucchi, had worked with Adam on the decoration at Nostell. It remained in the Top Hall until 1939. Though it came relatively late to the collection, it is now a well known picture at Nostell. Another version, dated 1792, is in the Pushkin Museum, Moscow. 1795 starb Antonio Zucchi, und in der Folge lebte sie zurückgezogener. In ihrer Malerei widmete sie sich immer häufiger religiösen Themen. Von einer schweren Erkrankung 1802 konnte sie sich nie mehr richtig erholen. Angelika Kauffmann starb am 5. November 1807 und wurde in der Kirche Sant’Andrea delle Fratte bestattet. Noch im selben Jahr wurde eine Büste von ihr im Pantheon in Rom aufgestellt.
Goethe Goethe, der ab Juni 1787 mit Johann Heinrich Wilhelm Tischbein und einer Reihe weiterer deutschsprachiger Künstler fast ein Jahr lang in einer Art Wohngemeinschaft in der Via del Corso Nr. 18 lebte, heute als Museum Casa di Goethe bekannt, notiert in seinem Buch Italienische Reise über Angelika Kauffmann:
Goethe lernte Angelika Kauffmann in ihren Blütejahren kennen und schätzen. Er las ihr die eben vollendete neue Fassung der Iphigenie vor und freute sich über ihre positive Meinung. Kauffmann fertigte Illustrationen für das Schauspiel an. Goethe revanchierte sich mit einer Werkausgabe.
mini|Selbstbildnis am Scheideweg zwischen Musik und Malerei, 1794 mini|Drei Sängerinnen, 1795
In seiner Farbenlehre berichtete Goethe von seinen Diskussionen mit Angelika Kauffmann und lobte ihre Experimentierfreudigkeit. Zur Unterstützung ihrer Argumente habe sie „Landschaften ganz ohne blaue Farbe“ gemalt.
Ihr Goethe-Porträt kritisierte er jedoch:
Nach Goethes Abreise schrieb ihm Kauffmann:
In Eckermanns „Gesprächen mit Goethe“ vermerkte Eckermann unter dem 5. Dezember 1823:
Tod und Nachruhm mini|Grabstätte in der Kirche Sant’Andrea delle Fratte, Rom