Das Wiehengebirge ist ein bis hohes Mittelgebirge im Südwesten von Niedersachsen und im Nordosten von Nordrhein-Westfalen. Das zu den Nordausläufern der deutschen Mittelgebirge zählende Gebirge wird zum Weserbergland und im weiteren Sinne zum Weser-Leine-Bergland gerechnet. Es liegt am Südrand des Norddeutschen Tieflands, beginnt bei Bramsche im Westen und zieht sich bis zum rund 95 km entfernten Weserdurchbruch an der Porta Westfalica im Osten. Das Kammgebirge bildet mit dem östlich anschließenden Wesergebirge eine geologische Einheit.

Das dicht bewaldete Wiehengebirge ist ein Teilraum des Natur- und Geoparks TERRA.vita.

Lage und geographischer Charakter mini|Höhenschichtung

Das Wiehengebirge ist ein langgestrecktes, in der Hauptrichtung von Westnordwest nach Ostsüdost verlaufendes Gebirge und bildet einen Teil des nördlichen Randes der deutschen zusammenhängenden Mittelgebirgsschwelle. Nördlich davon bereitet sich das Norddeutsche Tiefland aus. Administrativ liegt es im niedersächsischen Landkreis Osnabrück und den Kreisen Minden-Lübbecke und Herford in Nordrhein-Westfalen.

Das Ostende ist mit der Porta Westfalica östlich des Wittekindsbergs klar definiert. Nach Westen wird das Gebirge kontinuierlich flacher, entwickelt sich von einem kammartigen Höhenzug zu einer Hügelkette und geht beinahe unmerklich in die Tiefebene über. Den westlichen Abschluss bildet der Gehn westlich der Senke, durch die der Mittellandkanal am Abzweig des Stichkanals Osnabrück durchs Wiehengebirge geführt wird.

Nördlich des Wiehengebirges schließt sich mit dem Lübbecker Lößland das Norddeutsche Tiefland an. An der Porta Westfalica wird das Wiehengebirge in östlicher Richtung vom Wesergebirge fortgesetzt und stellt mit diesem eine geomorphologische Einheit dar.Geologischer Dienst Nordrhein-Westfalen: Bedeutendste Geotope – Weserdurchbruch an der Porta Westfalica. Es ist geologisch ähnlich aufgebaut und schließt bei Hessisch Oldendorf zum Süntel an. Südöstlich des Wiehengebirges befinden sich das Lipper Bergland, südlich das Ravensberger Hügelland, südwestlich im Bereich des Tecklenburger Lands die nördlichen Ausläufer des Teutoburger Walds sowie im Osnabrücker Land das Osnabrücker Hügelland, und nordwestlich der Gehn und die Ankumer Höhe, die Dammer Berge und der Stemweder Berg. Nördlich des Westlichen Wiehengebirges liegt das Große Moor, nördlich des Östlichen Wiehengebirges liegt das Große Torfmoor, beides Folgen der Glazialen Serie.

mini|Bergkirchen auf dem Hauptkamm des östlichen Wiehengebirges (Blick nach Osten): Reliefasymmetrie mini|Ansicht nach Süden bei Lübbecke Zusammen mit der Ankumer Höhe, dem Wesergebirge und dem Süntel bildet das Wiehengebirge einen beinahe geschlossenen bewaldeten Höhenzug von 143 km Länge. Die Breite des schmalen Hauptkamms schwankt beträchtlich, liegt jedoch durchschnittlich nur bei etwa 1 km. Das Wiehengebirge erreicht mit seinen höchsten Erhebungen kaum mehr als , meist lediglich 250 m. Dagegen steigt es über die Sohle des Wesertals und das benachbarte Niederungsland etwa 200 bis Höhe empor.

Das Wiehengebirge ist Teil des von Schichtstufen und Schichtkämmen geprägten Weser-Leine-Berglands und ist selbst ein typischer Schichtkamm. Im Querschnitt ist diese Art von Höhenzug durch zwei gegenüberliegende Hänge mit relativ steilen Böschungswinkeln geprägt; statt einer Gipfelverebnung ist meist eine langgestreckte Kammlinie ausgebildet.Jürgen Spönemann: Geomorphologische Untersuchungen an Schichtkämmen des Niedersächsischen Berglandes. (= Göttinger Geographische Abhandlungen. Heft 36) Göttingen 1966. Im Längsschnitt setzt sich das Wiehengebirge aus schmalen, bewaldeten Höhenrücken („Egge“) zusammen, die durch Pässe und Durchbruchstäler (Dören) voneinander getrennt werden.

Das Wiehengebirge ist ein Teil der durch Laub- und Nadelwald, Moore, Heideflächen, weite Felder und Wiesen geprägten Landschaft. Zahlreiche Bäche entspringen in feuchten Quellmulden und fließen zunächst in Kerbtälern die Hänge hinab, um dann durch die breiteren Sohlentäler zu mäandrieren, die hier regional Sieke genannt werden. Manche Bäche sind nicht ganzjährig wasserführend, die vergleichsweise sehr breiten Täler sind Ergebnis größerer abfließender Wassermengen während der letzten Kaltzeit. Die Bäche erreichen nach längstens rund 1,5 Kilometern das Vorland; entsprechend klein ist das jeweilige Einzugsgebiet. Nach Süden hin entspringen die Bäche meist in einem Quellhorizont am Fuße des Gebirges.

Das Gebiet ist Teil des Natur- und Geoparks TERRA.vita.

Name mini|An der Porta Westfalica trennt die Weser das Wiehen- (links) und Wesergebirge (rechts) In älterer Zeit wurde der Höhenzug von Wiehengebirge, Wesergebirge und Süntel gemeinsam als Süntel bezeichnet;, S. 45.

Das Wiehengebirge ist lokal unter Wiehen bekannt. Die früheren Bezeichnungen Mindensche Bergkette oder westliche Weserkette, bestehend aus den Lübbecker Bergen und den Kappeler Bergen,Meyers Konversations-Lexikon aus dem Jahre 1888, peter-hug.chLexikon aus dem Jahre 1888 peter-hug.ch sind nicht mehr gebräuchlich.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde nur das östliche Drittel des heutigen Wiehengebirges als solches bezeichnet.Pierers Universal Lexikon von 1857 zeno.org Der Begriff Wiehen dehnte sich erst im Laufe des ausgehenden 19. Jahrhunderts auf den westlichen Teil des Gebirges aus und verdrängte die ältere Bezeichnung. In älterer Literatur wurden das (östliche) Wiehen- und Wesergebirge zusammen bisweilen als Weserkette bezeichnet. Für den gesamten Höhenzug wurde auch die lateinische Bezeichnung Silva Herculi Sacra verwendet.

Aus den Bezeichnungen Lübbeckesche Berge/Lübbensche Berge wurde der Lübbecker Berg, der heute den Gebirgsteil beiderseits der Bundesstraße 239 auf dem Gebiet der Lübbecker Kernstadt bezeichnet.

Vorherrschend bei den Namen der einzelnen Erhebungen des Wiehengebirges sind „Berg“ (mit Zusatz eines nahe gelegenen Ortsnamens wie Schnathorster Berg), „-brink“ (z. B. Heidbrink), „Kopf“ (Elfter Kopf) und „Egge“ (Venner Egge). Einige wenige Erhebungen fallen mit dem Namen ganz aus der Reihe (Nonnenstein, Altes Verbrenn usw.).

Naturräumliche Gliederung mini|Das Wiehengebirge als nördliche Begrenzung des Unteren Weserberglands (D 53) Nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands wird das Wiehengebirge in die beiden Regionen Westliches Wiehengebirge und Östliches Wiehengebirge unterteilt; die Grenze liegt östlich der Gemeinde Ostercappeln.Verschiedene Autoren: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten in Einzelblättern 1:200.000 – Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1959–1970 → Online-Karten Blatt 83/84: Osnabrück/Bentheim (Sofie Meisel 1961) Blatt 85: Minden (Sofie Meisel 1959)

(zu 53 Unteres Weserbergland) 536/532 Wiehengebirge 536 Westliches Wiehengebirge 536.1 Kalkrieser Höhen (Norden) 536.0 Schleptruper Eggen 532 Östliches Wiehengebirge (W) 532.1 Oldendorfer Berge (532.0 im östlichen Norden horstartig aufgesetzt) 532.0 Bad Essener Höhen (Westen) 532.2 Lübbecker Egge (Mitte) 532.3 Bergkirchener Eggen (Osten)

Westliches Wiehengebirge mini|Gliederung des Wiehengebirges in einen östlichen und einen westlichen Teil Das Westliche Wiehengebirge gehört als Teil des Osnabrücker Landes bis auf den östlichsten Zipfel zu Niedersachsen. Westlich von Rödinghausen fächert das Gebirge auf, hier sind dem 39 km langen Hauptkamm die Egge, die Meller Berge und der Kalkrieser Berg als Höhenzüge vorgelagert, wodurch das Westliche Wiehengebirge eine Breite von mehr als zehn Kilometer erhält.

Von Ost nach West wird das Westliche Wiehengebirge niedriger, südlich von Bramsche verliert es sich schließlich in der Norddeutschen Tiefebene mit dem Gehn als letztem Ausläufer. Die größeren Gebirgstäler sind überwiegend waldfrei und besiedelt. Im Westlichen Wiehengebirge dominiert der Nadelwald.

Östliches Wiehengebirge mini|alt=Östliches Wiehengebirge mit Weserdurchbruch bei Porta Westfalica aus der Luft|Schrägluftbild des östlichen Wiehengebirges mit Blick nach Westen. Im Vordergrund der Weserdurchbruch bei Porta Westfalica. Die Große Aue ist nicht zu erkennen, jedoch zeichnet sich die nordwestlich vorgelagerte Egge deutlich nahe dem oberen Bildrand ab.

Das 28 km lange Östliche Wiehengebirge liegt vollständig in Nordrhein-Westfalen zwischen der Porta Westfalica und dem Durchbruch der Großen Aue. Die Breite nimmt von Osten nach Westen von durchschnittlich 1 km auf bis zu 2,5 km zu. Nur im breiteren Westteil zwischen Lübbecke und Neue Mühle lagern dem Hauptkamm Erhebungen vor. In diesem Teil spaltet sich der Höhenzug in zwei Schichtkämme auf. Südlich von Lübbecke verläuft der Höhenzug in einem nach Norden gerichteten Bogen; dort übersteigt er fast durchweg Höhe mit höchsten Erhebungen von über 300 m.

Nach Norden fällt das Östliche Wiehengebirge relativ sanft zum Lübbecker Lößland ab, während der Südhang zur Ravensberger Mulde meist deutlich steiler ist. Im äußersten Osten stellt sich der Südhang bisweilen als Steilklippe dar, wie zum Beispiel die Felsenklippe Silberblick unweit des Kaiser-Wilhelm-Denkmals.

Das Östliche Wiehengebirge bildet eine fast geschlossene Waldfläche, die nur bei Wallücke und Bergkirchen, der einzigen Ortschaft auf dem Gebirgskamm, im Passbereich unterbrochen ist. Dadurch ist es möglich, auf dem Kammweg den Kreis Minden-Lübbecke weitestgehend im Wald zu durchwandern. Im Osten dominiert Laubwald, weiter zum Westen hin nimmt der Anteil an Nadelwald kontinuierlich zu. Die Waldfläche beträgt rund 3.600 Hektar und beginnt auf der Nordseite meist auf Höhen zwischen 100 und 120 m; auf der Südseite reicht das Kulturland hingegen höher, teilweise bis auf Höhe.

Klima mini|Jahresmitteltemperatur in Ostwestfalen-Lippe mini|Jahresniederschläge in Ostwestfalen-Lippe mini|Wiehengebirge mit geschlossener Schneefläche am schattigen Nordhang

In der Region Wiehengebirge herrscht ein gemäßigtes Atlantisches Klima, das durch ganzjährige, relativ gleich übers Jahr verteilte Niederschläge, relativ milde Temperaturen und das Fehlen von regelmäßigen Wetterextremen gekennzeichnet ist. Von Westen nach Osten vergrößert sich die jährliche Temperaturamplitude geringfügig. Bei ebenfalls nach Osten tendenziell zunehmender Höhenlage nimmt die Höhe und Dauer der Schneeauflage zu. Die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur liegt im Wiehengebirge etwa 1 °C niedriger als im umgebenden Tiefland.

Im Wiehengebirge fallen deutlich höhere Niederschlagsmengen als im Umland. Bei Windrichtung aus Südwest treten im Norden des Ravensberger Hügellandes, also an der Südabdachung des Wiehengebirges, ausgeprägte Steigungsregen auf, während das Gebirge vom Lübbecker Lößland Regen abhält und in Lübbecke Jahresniederschläge von nur 650 mm auftreten.Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen: Landwirtschaft in der Region der Kreisstelle Minden-Lübbecke Das Mindener Land unmittelbar nördlich des Wiehengebirges ist das Gebiet mit den geringsten Frühjahrsniederschlägen in ganz Nordrhein-Westfalen. Hier fallen im Frühling weniger als 150 mm Niederschlag im langjährigen Mittel.

Kalte, schneereiche Winter treten im Wiehengebirge seltener auf als in höheren und küstenferneren deutschen Mittelgebirgen. Gelegentlich kommen im Wiehengebirge Schneehöhen von mehr als 50 cm vor, wie zum Beispiel 1979 oder Anfang 2010.

Das Wiehengebirge als Kammgebirge bildet unterschiedliche Wettersituationen zwischen der Nord- und Südseite aus. Sie zeigen sich im unterschiedlichen Höhenprofil der Temperatur und der daraus resultierenden Bewölkung. Man spricht deshalb von einer Wetterscheide.