Genthin ist eine Einheitsgemeinde und Kleinstadt im Landkreis Jerichower Land in Sachsen-Anhalt. mini|Marktplatz in Genthin

Geographie Lage Genthin liegt östlich der Elbe zwischen Berlin und Magdeburg am Elbe-Havel-Kanal. Die Stadt lag ursprünglich an der Stremme, deren Oberlauf in dem zwischen 1743 und 1745 gebauten Plauer Kanal aufging.

Ortschaften und Ortsteile

Ortschaft Einwohner Ortsteil Einwohner Fienerode 58 Genthin 10878 Hagen35 Gladau 313 Dretzel 254 Schattberge 56 Mützel 543 Hüttermühle 79 Paplitz 306 Gehlsdorf 10 Parchen 791 Wiechenberg 34 Schopsdorf 232 Tucheim 1146 Wülpen 10 Holzhaus 17 Ringelsdorf 66

Die Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember 2016. Die bei Ortschaft eingetragenen Einwohnerzahl beinhalten nicht die Einwohner der Ortsteile.

Wohnplätze Dreibachen Genthin-Wald Mollenberg Königsrode

Parks und Schutzgebiete Das Fiener Bruch ist eines von nur noch drei Brutgebieten der in Deutschland vom Aussterben bedrohten Großtrappen, des schwersten flugfähigen Vogels. Bereits 1979 wurde im Gebiet der Gemeinden Tucheim, Karow und Paplitz das Großtrappenschongebiet Karow im damaligen Bezirk Magdeburg mit einer Größe von 5.780 Hektar eingerichtet. In den 1990er Jahren wurde die Niederung im Rahmen des Natura-2000-Netzes als EU-Vogelschutzgebiet Fiener Bruch ausgewiesen. Innerhalb des sachsen-anhaltischen Teilgebietes erfolgte 1997 die Ausweisung des 143 Hektar großen Naturschutzgebietes Fiener Bruch.Kerstin Mammen, Ubbo Mammen, Gunthard Dornbusch, Stefan Fischer: EU SPA Vogelschutzgebiet Fiener Bruch. In: Die Europäischen Vogelschutzgebiete des Landes Sachsen-Anhalt. Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt. Oktober 2013. . Mitten im Fiener Bruch befindet sich beim zu Tucheim gehörenden Vorwerk Königsrode die Vogelwarte, der Beobachtungsturm Königsroder Hof. Im Königsroder Hof betreibt der Förderverein Großtrappenschutz e. V. ein Informationszentrum, in dem regelmäßige Veranstaltungen rund um den Großtrappenschutz stattfinden.Museum. Eingesehen am 13. Mai 2015.

Der Volkspark in Altenplathow wurde 1839 von Lenné als Gutspark für den Unternehmer Pieschel geplant.

Geschichte Mittelalter mini|Grabstein des 1170 gestorbenen Burgherrn Hermann von Plotho in Altenplathow

Im Jahr 1144 wurde erstmals eine Burg urkundlich erwähnt. Von dieser Burg aus verwaltete die Adelsfamilie von Plotho das umliegende Gebiet. Urkundlich genannt wurde Genthin erstmals 1171, war aber in der Folge ein unbedeutender Ort, denn erst für 1459 lässt sich eine Nennung als Oppidum (stadtartige Siedlung) nachweisen.

Neuzeit mini|hochkant|Zichorienturm in Altenplathow

Das Marktrecht erlangte die Stadt im Jahr 1539. Die Stadt erhob an ihren vier Toren, dem Mühlen-, Parchen-, Berg- und Brandenburger Tor einen Zoll. Nachdem der Administrator des Erzbistums Magdeburg, August von Sachsen-Weißenfels 1680 gestorben war, trat eine Bestimmung des Westfälischen Friedens von 1648 ein und das Gebiet fiel an den Kurfürsten von Brandenburg. Damit gehörte die Stadt zum Herzogtum Magdeburg und lag im damaligen Jerichower Kreis.

In den Jahren 1682 und 1683 wütete eine Pestepidemie in der Stadt, bei der 147 Einwohner starben, 1704 zerstörte ein Feuer große Teile Genthins. Von 1707 bis 1722 wurde die dreischiffige, barocke Pfarrkirche nach Entwürfen des Magdeburgers Georg Preußer gebaut, 1720 öffnete das Postamt mit der Inbetriebnahme der Postverbindung Magdeburg–Genthin. Genthin wurde 1727 mit dem Einzug einer Kompanie der Gelben Reiter unter dem Kommando des Rittmeisters von Schmeling Garnisonsstadt.

Von 1743 bis 1745 wurde der Plauer Kanal gebaut. Dieser war der erste Teil des heutigen Elbe-Havel-Kanals und verband zunächst die untere Havel bei Plaue über eine Strecke von 15 km mit der Stremme und der Ihle. Beide Flussläufe wurden zusätzlich für die Schifffahrt ausgebaut. Dieses Bauvorhaben brachte für die Stadt einen Entwicklungsschub. Der Kanal verkürzte den Weg von Berlin nach Magdeburg um 150 Kilometer. Zusätzlich zum Kanalbau fanden umfangreiche Erschließungsarbeiten statt, die es ermöglichten, das Umfeld der Stadt zu besiedeln. Es entstand ein sieben Kilometer langer Kanal, auf dem Torf aus den Torfstichen Genthins zum Plauer Kanal gebracht werden konnte. Dieser Kanal geriet später in Vergessenheit. Reste davon kann man heute im Mühlgraben erkennen. In Altenplathow wurde 1808 eine Zichorienfabrik errichtet.

Bis 1808 unterstand Genthin dem königlichen Amt Altenplathow. Erst nach Reformen in Preußen wurde Genthin als Stadt eigenständig und wählte 1809 erstmals einen Stadtrat. Die Stadt wurde 1816 Verwaltungssitz des Landkreises Jerichow II. Am 7. Juni 1848 trafen sich Prinz Wilhelm von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., und Otto von Bismarck, der spätere Reichskanzler, erstmalig auf dem Bahnhof von Genthin. 1853 erschien erstmals das „Genthiner Wochenblatt“. 1888 wurde die Gemeinde Berg-Genthin eingemeindet.

Industrialisierung Das Zeitalter der Industrialisierung setzte in Genthin mit der Gründung einer Fabrik zur Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte durch den Magdeburger Kaufmann Pieschel ein. Dieser baute seine Fabrik 1808 auf einem Gelände in Altenplathow und ließ einen 14 Hektar großen Gutspark nach Anregungen von Peter Joseph Lenné anlegen. Er wurde durch König Friedrich Wilhelm III. für seine Verdienste später in den Adelsstand erhoben. Die Infrastruktur wurde durch die Anlage von Verkehrswegen den wirtschaftlichen Erfordernissen angepasst. Es entstanden Chausseen und Landstraßen. Von 1837 bis 1846 wurde die Eisenbahnstrecke Berlin–Potsdam–Magdeburg gebaut, die später bis Hannover verlängert wurde. Im Jahr 1898 erfolgte die Gründung der Kleinbahn AG. Es entstanden zahlreiche Industriebetriebe, wie Ziegeleien, holzverarbeitende Fabriken und Werften,volksstimme.de/1885 Erste Werft in Genthin, abgerufen am 28. Januar 2021. die Schiffbau oder Schiffsreparaturen betrieben. Großbetriebe waren die 1902 in Betrieb genommene Zuckerraffinerie und das Waschmittelwerk des Henkel-Konzerns, das auf Initiative des ehemaligen Bürgermeisters Struss von 1921 bis 1923 gebaut wurde.

Mit der Industrialisierung kamen auch wieder Katholiken nach Genthin, für die 1902 eine katholische Kirche geweiht wurde. Im Jahr 1923 wurde Altenplathow eingemeindet, 1928 wurde Hagen ein Vorort von Genthin. Ein 48 m hoher Wasserturm wurde 1935 in Betrieb genommen.

Zweiter Weltkrieg mini|Eisenbahnunfall im Bahnhof Genthin 1939

Am 22. Dezember 1939 kam es im Bereich des Bahnhofs zum Eisenbahnunfall von Genthin, dem bis heute schwersten Eisenbahnunglück in Deutschland. Dabei starben 278 Menschen, 453 weitere wurden verletzt.

In Genthin wurde 1943 ein Außenlager des KZ Ravensbrück errichtet. Dessen weibliche Häftlinge sowie Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter (insgesamt 1.000) wurden zur Arbeit in der Munitionsfabrik Silva-Metallwerke GmbH eingesetzt und mussten Flak-Munition herstellen. 68 Frauen, die gegen ihre miserablen Arbeitsbedingungen revoltiert haben sollen, wurden von der SS erschossen. Weitere 1.000 nach Deutschland Verschleppte, darunter zahlreiche polnische Kinder, mussten in einer Zweigstelle der Henkel-Werke unter besonders gesundheitsschädigenden Bedingungen arbeiten. Im April 1945 wurde im Wald von Genthin auch ein SS-Arbeits- und Erziehungslager errichtet. In den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 kam es in der Umgebung der Stadt zu vereinzelten Kampfhandlungen. Die Elbe war dabei das Ziel der deutschen, von Berlin kommenden Armee. Durch das Queren des Flusses wollte man die Gefangennahme durch die US-Armee erreichen.

Nach dem Krieg wuchs die Einwohnerzahl der Stadt durch den Zuzug vieler Vertriebener.

Nach 1945 Von 1950 bis 1994 war Genthin als ehemalige Kreisstadt des 1816 gebildeten Landkreises Jerichow II Sitz des Kreises Genthin im DDR-Bezirk Magdeburg, dann im Land Sachsen-Anhalt. Der Kreis wurde durch die Kreisreform 1994 Teil des Landkreises Jerichower Land, der Kreissitz ging an die Stadt Burg.

Eingemeindungen Am 1. Juni 1909 wurde der Gutsbezirk Fienerode mit der Landgemeinde Fienerode vereinigt. Altenplathow wurde 1923 gegen den Willen der Bevölkerung des Ortes zwangseingemeindet. Am 1. November 1928 wurde der Gutsbezirk Hagen mit der Stadtgemeinde Genthin vereinigt.

Am 20. Juli 1950 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Brettin, Fienerode, Mützel und Roßdorf nach Genthin eingemeindet.

Am 1. Januar 1957 wurden die Ortsteile Brettin, Mützel und Roßdorf wieder aus der Stadt Genthin ausgegliedert und entstanden als politisch selbstständige Gemeinde neu.Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 1. Januar 1948 in den neuen Ländern. Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt. Parchen wurde am 30. April 2002 eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002 Am 1. Juli 2009 wurden die bis dahin eigenständigen Gemeinden Gladau, Paplitz und Tucheim nach Genthin eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009 Damit verbunden war die Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Genthin. Genthin ist seither eine Einheitsgemeinde. Am 1. Juli 2012 wurde Schopsdorf mit den Ortsteilen Gottesforth und Sandforth eingemeindet.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1990 21.054 2000 18.829 2005 17.126 2010 15.498 2015 14.610 2020 13.582 Jahr Einwohner 2021 13.402 2022 13.609 2023 13.578 2024 13.416 2025 13.392

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Religion mini|St.-Marien-Kirche (rechts) und St.-Trinitatis-Kirche (links im Hintergrund) Der evangelisch-lutherische Pfarrbereich Genthin gehört zum Kirchenkreis Elbe-Fläming der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Zum Pfarrbereich Genthin gehören neben der Kirchengemeinde Genthin mit der St.-Trinitatis-Kirche am Marktplatz auch die Kirchengemeinden in Altenplathow, Kade, Karow, Mützel und Parchen.Gemeinden & Kirchen. Evangelisches Kirchspiel Genthin, abgerufen am 12. Februar 2022.

Genthin ist Sitz der römisch-katholischen Pfarrei Sankt Marien, die gehört zum Dekanat Stendal im Bistum Magdeburg gehört. Zu ihr gehört ebenfalls die Maria-Rosenkranzkönigin-Kirche in Genthin, auch kurz St.-Marien-Kirche genannt, an der Mühlenstraße.

Die Evangelisch-methodistische Kirche ist in Genthin an der Seminarstraße ansässig.Evangelisch-Methodistische Kirche Genthin. Stadt Genthin, abgerufen am 12. Februar 2022.

Die Siebenten-Tags-Adventisten verfügen in Genthin über einen Kirchsaal an der Brandenburger Straße. Nachdem sich ab 1947 Adventisten in Genthin zunächst in Privatwohnungen getroffen hatten, wurde 1948 die Genthiner Adventgemeinde gegründet. Nach Treffen in verschiedenen angemieteten Räumen verfügt die Gemeinde seit 1981 über ein eigenes Gebäude, das nach Umbaumaßnahmen 1986 eröffnet wurde.Von den Anfängen in Genthin bis in die Gegenwart. Adventgemeinde Genthin, abgerufen am 12. Februar 2022.

Die neuapostolische Gemeinde Genthin gehört zum Kirchenbezirk Stendal der Neuapostolischen Kirche in Nord- und Ostdeutschland, sie verfügt über ein Kirchengebäude an der Dürerstraße.Gemeinde Genthin. Neuapostolische Kirche, Gemeinde Genthin, abgerufen am 12. Februar 2022.

Politik mini|Rathaus am Marktplatz

Stadtrat Der Stadtrat von Genthin besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 28 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 60,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024