Der Landkreis Jerichower Land ist ein Landkreis im Nordosten des Landes Sachsen-Anhalt. mini|Elbe bei Ferchland Geographie
Die wichtigsten Gewässer im Landkreis Jerichower Land sind – neben der Elbe – der Elbe-Havel-Kanal, der Mittellandkanal, die Ehle, die Nuthe, die Ihle und der Tucheim-Parchener Bach. Der Landkreis hat Anteile an den eiszeitlich gebildeten Hochflächen Fläming und Karower Platte. Die höchste Erhebung ist mit der Jerusalemberg.
Bis zum Inkrafttreten eines Staatsvertrags über die Änderung der gemeinsamen Landesgrenze zwischen Sachsen-Anhalt und Brandenburg im Oktober 2024 lagen fünf kleine Enklaven, die zu den brandenburgischen Gemeinden Buckautal und Ziesar im Landkreis Potsdam-Mittelmark gehörten, im Stadtgebiet Möckerns, und umgekehrt gab es eine Exklave, die zu Möckern gehörte, in Ziesars Stadtgebiet.
Nachbarkreise
Nachbarkreise sind im Nordwesten und Norden der Landkreis Stendal, im Nordosten der brandenburgische Landkreis Havelland, im Osten der ebenfalls brandenburgische Landkreis Potsdam-Mittelmark, im Süden der Landkreis Anhalt-Bitterfeld, im Südwesten der Salzlandkreis und die kreisfreie Stadt Magdeburg sowie im Westen der Landkreis Börde.
Geschichte Der Landkreis entstand zunächst 1994 durch die Vereinigung der Kreise Burg und Genthin sowie der Gemeinde Mangelsdorf des Kreises Havelberg. Er führte die Tradition der alten preußischen Landkreise Jerichow I und Jerichow II fort. Als Kreisstadt setzte sich in einer Volksabstimmung Burg gegen Genthin durch.
Bei der Kreisreform Sachsen-Anhalt 2007 wurde dieser Landkreis aufgelöst und ein neuer, größerer Landkreis mit gleichem Namen gebildet. Der Süden des neuen Landkreises besteht aus Gemeinden, die zuvor zum Landkreis Anhalt-Zerbst gehörten, früher aber bereits dem alten Landkreis Jerichow I angehört hatten.
Am 27. Juni 2026 wurde in Drewitz (Möckern) in der Hitzewelle in Europa im Juni 2026 mit 41,8 °C die bis dahin höchste je in Deutschland erreichte Lufttemperatur gemessen.
Bevölkerung Jahr Einwohner 2007 99.693 2010 96.251 2015 91.693 2020 89.403 2021 89.118 2022 89.033 2023 88.695 2024 88.509
Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres
Politik Kreistag
Aus dem rechts dargestellten Ergebnis der Kreistagswahl vom 09. Juni 2024 ergab sich folgende Sitzverteilung für den Kreistag:
Ergebnisse vergangener KreistagswahlenErgebnis der Kreistagswahl 2004 Parteien und Wählergemeinschaften Prozent2024 Sitze2024 Prozent2019 Sitze2019 Prozent2014 Sitze2014 Prozent2007 Sitze2007 Prozent2004 Sitze2004 Prozent1999 Sitze1999 Prozent1994 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,7 12 24,2 10 34,1 14 29,8 14 37,0 16 38,2 18 29,8 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 14,6 6 18,3 8 21,2 9 25,5 12 22,7 10 27,0 13 35,7 AfD Alternative für Deutschland 28,8 12 14,6 6 - - - - - - - - - LINKE DIE LINKE 6,5 3 14,2 6 17,5 7 15,8 8 18,8 8 16,1 8 16,0 GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 3,3 1 7,0 3 5,5 2 2,9 2 3,0 1 2,3 1 4,9 FDP Freie Demokratische Partei 4,6 2 6,3 2 4,6 2 6,5 3 8,4 3 7,9 4 7,3 FWG-J Freie Wählergemeinschaft Jerichow 4,7 2 6,0 3 4,4 2 2,5 1 1,7 1 - - - WG Fläming Wählergemeinschaft Fläming 5,6 2 4,9 2 1,3 1 - - - - - - - LWG Ländliche Wählergemeinschaft Jerichower Land 3,6 2 2,7 1 2,5 1 2,6 1 4,2 2 4,0 2 3,9 FWG Endert JL Freie Wählergemeinschaft / Endert Jerichower Land - - 1,8 1 4,9 2 3,6 2 - - - - - FW FREIE WÄHLER - - - - 4,0 2 - - - - - - - Aktiv JL Aktiv für das Jerichower Land - - - - - - 4,6 2 - - - - - NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands - - - - - - 2,3 1 - - - - - FWG Freie Wählergemeinschaft Burg - - - - - - 1,6 1 2,9 1 1,5 1 - Bildung Initiative Schulbildung mit Zukunft Jerichower Land - - - - - - 1,6 1 - - - - - WASG Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit - - - - - - 0,6 - - - - - - NEUES FORUM Neues Forum - - - - - - - - - - 1,7 1 2,1 WG AWV Allgemeiner Wählerverein Genthin e. V. - - - - - - - - - - 0,8 - - EB Einzelbewerber - - - - - - - - 1,1 - 0,5 - - Sonstige Sonstige 1,0 - - - - - - - - - - - 0,3 Gesamt1004210042100481004210048100 Wahlbeteiligung 54,2 % 48,1 % 36,3 % 42,8 % 49,5 % 67,4 %
Die Linke ist bis 2004 als PDS angetreten. EB: Einzelbewerber 2004: Frank Endert; 1999: Roland Richter (0,2 %), Wolfgang Schulze (0,3 %). Die Ergebnisse der Wahlen 1994 bis 2004 beziehen sich auf den Gebietsstand vor 2007. Für die Wahl 1994 liegt keine Sitzverteilung vor.
Landrat 1994–2001: Detlev Lehmann (SPD) 2001–2014: Lothar Finzelberg (bis 2003 PDS) seit 2014: Steffen Burchhardt (SPD)
Burchhardt wurde bei der Landratswahl am 6. Juni 2021 mit 69,9 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt.Ergebnis der Landratswahl am 6. Juni 2021 Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61
Wappen
mini|Flagge des Jerichower Lands Die Wappen der Verwaltungsgemeinschaften, Städte und Gemeinden des Landkreises finden sich in der Liste der Wappen im Landkreis Jerichower Land.
Flagge Die Flagge wurde am 3. April 2008 durch das Ministerium des Innern des Landes Sachsen-Anhalt genehmigt.
Die Flagge ist weiß-blau (1:1) gestreift (Querform: Streifen waagerecht verlaufend, Längsform: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Landkreiswappen belegt.
Wirtschaft Das Jerichower Land ist heute neben dem Saalekreis und dem Landkreis Börde einer der wirtschaftlich stärksten Landkreise von Sachsen-Anhalt. Zum einen profitiert der Landkreis durch seine Nähe zu Magdeburg. Zum anderen hat sich besonders im Raum Burg eine stetig wachsende Wirtschaft entwickelt. Ungeachtet dessen wird das Jerichower Land im Zukunftsatlas 2019 im Vergleich aller deutschen Kommunen auf Rang 399 von 401 gelistet.
Als Schwerpunkte sind zu nennen: Nahrungsmittelindustrie (Bsp.: Burger Knäckeburger-knaecke.de, abgerufen am 13. Februar 2021 seit 2001 Brandt-Gruppe, LFD Holding, Wiesenhof) Stahlverarbeitung (Bsp.: Burger Walzwerk Seit 1. Januar 2009: Edelstahl Service Center Burg GmbHesc-burg.de, abgerufen am 13. Februar 2021) Papierindustrie (Bsp.: Progroupprogroup.ag/de/burg, abgerufen am 13. Februar 2021) Möbelindustrie (Bsp.: Burger Küchenburger-kuechen.de/Historie, abgerufen am 13. Februar 2021)
Verkehr Die Kreisstadt Burg wurde – ebenso wie Genthin – schon 1846 mit dem Bau der Bahnstrecke Berlin–Magdeburg durch die Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahngesellschaft an das Fernbahnnetz angeschlossen. Dieses Unternehmen eröffnete 1874 auch die Bahnstrecke Biederitz–Trebnitz, die sich in Biederitz mit der älteren vereinigte.
Die erste Nebenstrecke wurde von der Preußischen Staatsbahn 1892 erbaut und verlief von Biederitz über Möckern nach Loburg. Dort fand sie Anschluss an das ausgedehnte Schmalspurnetz der Kleinbahnen des Kreises Jerichow I, das 1896 von der Kreisstadt Burg ausgehend auf zwei parallelen Trassen, die sich in Magdeburgerforth vereinigten, nach Ziesar führte. Die Verbindung Groß Lübars–Loburg–Gommern folgte im Jahre 1903. Wegen des Truppenübungsplatzes in Altengrabow wurde die Trasse zur Staatsbahn nach Loburg als Dreischienengleis ausgebaut.
In Ziesar – jetzt zum Land Brandenburg gehörig – schloss sich an die Schmalspurbahnen das normalspurige Kleinbahnnetz der Genthiner Eisenbahn AG an, das aus mehreren selbständigen Betrieben zusammengewachsen ist. Den Kreis Jerichower Land betreffen folgende Teilstrecken (mit Eröffnungsjahr):
1899 Bahnstrecke Genthin–Schönhausen und Bahnstrecke Genthin–Milow 1912 Bahnstrecke Rogäsen–Karow 1917 Bahnstrecke Güsen–Ziesar 1924 Güsen–Jerichow
Damit waren Eisenbahnstrecken in einer Länge von rund 260 Kilometer im heutigen Kreisgebiet vorhanden; davon sind inzwischen über 160 Kilometer für den Personenverkehr stillgelegt worden:
Jahr Strecke Spurweite Länge 1951 Rogäsen–Karow 1435 mm 2 km 1960 Loburg–Kressow–Gommern 750 mm 7 km Burg Klb–Magdeburgerforth–Ziesar Ost 750 mm 34 km 1965 Burg Zerbster Tor–Großlübars 750 mm 28 km Altengrabow–Magdeburgerforth Bf 750 mm 6 km 1967 Genthin–Kuxwinkel–Milow 1435 mm 16 km Loburg–Lübars–Altengrabow 1435 mm 7 km 1999 Güsen–Jerichow 1435 mm 21 km 1999 Güsen–Paplitz–Ziesar 1435 mm 23 km Genthin Klb–Jerichow–Schönhausen–Sandau 1435 mm 20 km
Die Kleinbahn und Kraftwerk Pretzien GmbH war eine Schmalspurbahn, die nur dem Güterverkehr diente.
Durch das Jerichower Land verlaufen außerdem die Bundesautobahn A 2 sowie die Bundesstraßen 1, 107, 184, 246 und 246a.
Schutzgebiete mini|NSG Bucher Brack–Bölsdorfer Haken Im Landkreis befinden sich neun ausgewiesene Naturschutzgebiete (Stand Juli 2022). Des Weiteren liegen vier EU-Vogelschutzgebiete und acht Landschaftsschutzgebiete ganz oder teilweise im Kreisgebiet.
Gemeinden
Einheitsgemeinden(Städte sind fett hervorgehoben)(* Sitz des Landkreises) Wappen Gemeinde Einwohner () Flächein km²regionalstatistik.de Regionaldatenbank des Bundesamtes für Statistik (Stand: 31. Dezember 2016) 40px|zentriert Biederitz 40px|zentriert Burg* 40px|zentriert Elbe-Parey 40px|zentriert Genthin 40px|zentriert Gommern 40px|zentriert Jerichow 40px|zentriert Möckern 40px|zentriert Möser
Gebietsveränderungen Seit 1995 fanden im Landkreis Jerichower Land viele Gebietsveränderungen statt.
Von den ursprünglich zehn Verwaltungsgemeinschaften besteht keine mehr. In der gleichen Zeit verringerte sich die Anzahl der Gemeinden auf acht.
Änderungen bei Verwaltungsgemeinschaften Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Parey – Bildung der Einheitsgemeinde Elbe-Parey aus den Mitgliedsgemeinden (1. September 2001) (Vorläufige) Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Genthin – Eingemeindung der Mitgliedsgemeinden in die Stadt Genthin, die (vorerst) zur Einheitsgemeinde wird (30. April 2002) Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Burg – Eingemeindung der Mitgliedsgemeinden in die Stadt Burg (1. Dezember 2002) Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Möckern-Fläming aus den Verwaltungsgemeinschaften Möckern und Fläming-Fiener (ohne die Gemeinden Gladau, Paplitz und Tucheim) (1. Januar 2005) (Erneute) Bildung der VG Genthin aus den Gemeinden Gladau, Paplitz und Tucheim der aufgelösten VG Fläming-Fiener (1. Januar 2005) Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Stremme-Fiener aus den Verwaltungsgemeinschaften Jerichow und Stremme-Nordfiener (1. Januar 2005) Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Biederitz-Möser aus den Verwaltungsgemeinschaften Biederitz (ohne die Gemeinden Menz, Nedlitz und Wahlitz) und Möser (1. Januar 2005) Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Gommern – Bildung der Stadt Gommern aus den Mitgliedsgemeinden und den Gemeinden Menz, Nedlitz und Wahlitz aus der aufgelösten VG Biederitz sowie den Gemeinden Dornburg, Ladeburg und Leitzkau aus dem Landkreis Anhalt-Zerbst (1. Januar 2005) Auflösung der VG Genthin – Eingliederung der Mitgliedsgemeinden in die Stadt Genthin, die zur Einheitsgemeinde wird (1. Juli 2009) Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Stremme-Fiener (1. Januar 2010) Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Biederitz-Möser (1. Januar 2010) Auflösung der Verwaltungsgemeinschaft Möckern-Loburg-Fläming (1. September 2010)
Änderungen auf Gemeindeebene Gemeindeneugründungen Auflösung der Gemeinden Stadt Jerichow, Brettin, Demsin, Kade, Karow, Klitsche, Nielebock, Redekin, Roßdorf, Schlagenthin, Wulkow und Zabakuck – Neugründung der Stadt Jerichow (1. Januar 2010) Auflösung der Gemeinden Biederitz, Gerwisch, Gübs, Königsborn und Woltersdorf – Neugründung der Gemeinde Biederitz (1. Januar 2010) Auflösung der Gemeinden Hohenwarthe, Körbelitz, Lostau, Möser, Pietzpuhl und Schermen – Neugründung der Gemeinde Möser (1. Januar 2010)
Eingemeindungen Auflösung der Gemeinde Friedensau, Stegelitz und Wörmlitz – Eingemeindung nach Möckern (1. Januar 2002) Auflösung der Gemeinde Ihleburg – Eingemeindung nach Burg (25. Mai 2002) Auflösung der Gemeinde Lübars – Eingemeindung nach Möckern (1. Juli 2002) Auflösung der Gemeinde Mangelsdorf – Eingemeindung nach Jerichow (6. August 2002) Auflösung der Gemeinden Büden und Ziepel – Eingemeindung nach Möckern (1. Januar 2003)