Valeriu Marcu (* 8. März 1899 in Bukarest; † 4. Juli 1942 in New York City) war ein rumänischer Schriftsteller und Historiker. Die meisten seiner Werke schrieb er in deutscher Sprache.

Leben Marcu entstammte einer jüdischen Familie aus der Bukowina. Mit nur 16 oder 17 Jahren besuchte er Lenin in dessen Zürcher Exil und bot ihm seine Mitarbeit an; er war damals ein überzeugter Kommunist. Seit 1920 lebte Marcu in Berlin, sein seit 1929 wiederholt gestellter Einbürgerungsantrag wurde von den preußischen Behörden abgelehnt.

1926 löste er sich vom Kommunismus und wandte sich der Konservativen Revolution zu. Ernst Jünger war begeistert von Marcus Scharnhorst-Biografie und kam mit ihm über Arnolt Bronnen in Kontakt.Ernst Jünger: Sämtliche Werke, Band 3. Tagebücher III: Strahlungen II Klett-Cotta Verlag, Stuttgart, S. 458–460. General von Seeckt hat sich mehrfach mit Marcu in seiner Berliner Wohnung getroffen, um über militärische Fragen zu philosophieren.Karl Retzlaw: Spartakus. Verlag Neue Kritik, Frankfurt 1971, S. 321, ISBN 3-8015-0096-9 Marcu schrieb für Zeitschriften, die nach 1933 von den Nationalsozialisten verboten wurden, in der Weltbühne, im Tage-Buch und in der Literarischen Welt. An Klaus Manns Die Sammlung wirkte er mit.

Marcu flüchtete vor den Nationalsozialisten in die Schweiz und nach Frankreich. 1941 gelangte er mit Hilfe des Emergency Rescue Committee (Varian Fry) in die USA. Dabei hat ihm der rumänische Konsul in Béziers einen echten rumänischen Pass ausgestellt.Andrei Corbea-Hoișie: Valeriu Marcu, 2000, S. 342, Fn. 80.

In einem Brief an Gottfried Treviranus schrieb Marcu am 18. November 1938:

Über den gemeinsamen Verkehr in Berliner Intellektuellenkreisen Anfang der 1930er Jahre begründete sich eine Freundschaft mit dem Schriftsteller Ernst Jünger, der Marcu am 10. Mai 1945 rückblickend in seinem Tagebuch charakterisierte:

Marcu war verheiratet mit Eva Dorothea Gerson (1908–2004). Die Tochter Tu Miki (* 1934 in Nizza) lebt in Manhattan.

Rezeption In seiner Autobiographie Die wenigen und die vielen. Roman einer Zeit (1959, 1991) hat Hans Sahl mit „Ignazio Morton“ wohl Valeriu Marcu gemeint.

Schriften (Auswahl) mini|Gedenktafel für die deutschen und österreichischen Flüchtlinge in Sanary-sur-Mer, unter ihnen Valeriu Marcu Imperialismus und Frieden, Raubkrieg und Revolution. Unter dem Pseudonym Gracchus, Neuer Deutscher Verlag F. L. Halle & Co., Berlin 1924 Die weiße und rote Armee. Verlag der Jugend-Internationale (St. Petersburg) 1921 Imperialismus und Friede. Berlin 1924 Schatten der Geschichte: 15 europäische Profile. Hoffmann und Campe, Berlin 1926 Wilhelm Liebknecht 1823-26: März 1926. Ein Bild der Deutschen Arbeiterbewegung. Berlin 1926 Der Rebell und die Demokratie: Zur Krise d. Sozialismus. E. LAub’sche Verlagsbuchhandlung, Berlin 1927 Lenin, 30 Jahre Russland: Mit zahlr., teilw. unveröff. Bildern. Paul List, Leipzig 1927. Nach dem Krieg Das grosse Kommando Scharnhorsts. Die Geburt einer Militärmacht in Europa. Paul List, Leipzig 1928 Die Geburt der Nationen: Von der Einheit des Glaubens zur Demokratie des Geldes. S. Fischer Verlag, Berlin 1930 Männer und Mächte der Gegenwart. Gustaf Kiepenheuer, Berlin 1930 Die Vertreibung der Juden aus Spanien. Querido Verlag, Amsterdam 1934. Nach dem Krieg neu aufgelegt Matthes & Seitz, München 1991, ISBN 3-88221-795-2 Machiavelli: Die Schule der Macht. Allert de Lange, Amsterdam 1937. Übersetzungen in verschiedenen Sprachen. Nach dem Krieg Matthes & Seitz, München 1994, ISBN 3-88221-795-2, + S. Fischer Taschenbuch 1999 Ein Kopf ist mehr als vierhundert Kehlköpfe. Gesammelte Essays: Im 60. Todesjahr Valeriu Marcu zum Gedenken. Herausgegeben von A. Corbea-Hoișie

Literatur Der linke Stammtisch. In: Die Linkskurve. 1. Jg. Nr. 3, Oktober 1929, S. 28. Andrei Corbea-Hoișie: Nachwort. In: Valeriu Marcu, Die Vertreibung der Juden aus Spanien, München 1991, S. 219–285 Marcu, Valeriu. In: Lexikon deutsch-jüdischer Autoren. Band 16: Lewi–Mehr. Hrsg. vom Archiv Bibliographia Judaica. Saur, München 2008, ISBN 978-3-598-22696-0, S. 280–285. Andrei Corbea-Hoișie: Valeriu Marcu, in: John M. Spalek, Konrad Feilchenfeldt, Sandra H. Hawrylchak (Hrsg.): Deutschsprachige Exilliteratur seit 1933. Band 3. USA : Teil 1. Bern : K. G. Saur, 2000, ISBN 3-908255-16-3, S. 323–343

Weblinks

Andrei Corbea-Hoisie: Valeriu Marcu: Ein Rumäne im literarischen Berlin, Germanica 2006, S. 25–46

Einzelnachweise

Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Neuzeithistoriker Kategorie:Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus Kategorie:Rumäne Kategorie:Staatenloser Kategorie:Geboren 1899 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann