mini|hochkant|Johannisturm bei Nacht mini|hochkant|Rathausturm von Aschersleben Aschersleben () ist eine Stadt am Nordostrand des Harzes im Tal der Eine in Sachsen-Anhalt. Sie ist die drittgrößte Stadt des Salzlandkreises und die älteste urkundlich erwähnte Stadt in Sachsen-Anhalt. Aufgrund der geografischen Lage wird Aschersleben auch als das „Tor zum Harz“ bezeichnet.
Aschersleben war der Sitz der Askanier, die ihren Namen von Ascania (auch Ascharia), dem latinisierten Namen ihres Burgbesitzes ableiteten. Im 12. Jahrhundert wurde es unter dem Askanier Albrecht dem Bären zum Mittelpunkt des späteren Fürstentums Anhalt. Im späten Mittelalter war die Stadt Mitglied der Hanse. Als eine von wenigen Städten Deutschlands besitzt sie eine sehr gut erhaltene Stadtbefestigungsanlage und eine weitgehend intakte Innenstadt aus dem Mittelalter.
Die Stadt befindet sich im Umbau und war Teil der Internationalen Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010. 2010 war sie Gastgeberin der Landesgartenschau Sachsen-Anhalt. Aschersleben hat den Rang eines Mittelzentrums. Bedingt durch eine günstige klimatische Lage im Regenschatten des Harzes wurde die Stadt zum Zentrum des Majorananbaus in Deutschland.
Geographie Lage Aschersleben liegt zwischen dem Harz und der Magdeburger Börde, etwa 50 Kilometer südwestlich von Magdeburg, sowie etwa 50 Kilometer nordwestlich von Halle (Saale). Die Stadt liegt in einer schmalen Flussniederung der Eine, die im Süden und Südwesten vom Wolfsberg begrenzt wird und südöstlich der Stadt in die Wipper fließt. Ein in Nordwest-Südost-Richtung verlaufender, etwa zwei Kilometer langer Muschelkalkrücken, der als Alte Burg bezeichnet wird, erhebt sich im Mittel etwa 40 Meter über der Stadt und erreicht an der Westdorfer Warte seinen höchsten Punkt ().
Die Umgebung der Stadt ist von hügeligem Ackerland geprägt. Nordwestlich liegen mit dem Concordiasee und dem Königsauer See zwei große geflutete Tagebauflächen. Westlich der Stadt existiert noch ein Rest des einst bis Gatersleben reichenden Ascherslebener Sees.
Südlich von Aschersleben verläuft die Sprachgrenze zwischen den deutschen Dialekten Ostfälisch und Thüringisch, die sogenannte Benrather Linie.
Stadtgliederung mini|hochkant|Steinernes Wappen von Aschersleben mini|hochkant|Rondell Die mittelalterliche Stadt um das Jahr 1000 entwickelte sich zunächst aus zwei voneinander unabhängigen Stadtteilen, der Bischofsstadt und der Grafenstadt der askanischen Grafen. Die Bischofsstadt war im Besitz des Halberstädter Bischofs und umfasste das Gebiet zwischen Breiter Straße im Norden und Hopfenmarkt im Süden. Sie beinhaltete die erste romanische Stephanikirche und einen relativ großen Marktplatz um diese Kirche herum. Sie wurde deshalb auch Stephansstadt genannt. Im 12. Jahrhundert war es Albrecht dem Bären gelungen, sich 3.000 Lehnshufen des Klosters Fulda anzueignen, wozu auch der Aschersleber Besitz Fuldas gehörte. Er befand sich südwestlich der Bischofsstadt. Später kamen Erweiterungen hinzu, die bis zum heutigen Schuhstieg reichten und somit an die Bischofsstadt grenzten. Zu den askanischen Besitzungen gehörten weiterhin die sogenannte Neustadt und die Ortsteile Über dem Wasser und Über den Steinen sowie der Bereich des Kiethofes in der späteren Wasservorstadt am Apothekergraben.
Während das Suburbium überwiegend dörflichen Charakter trug, hatte der Markt um die romanische Kirche in der Civitas durch die Ansiedlung von Handwerkern und Kaufleuten schon städtischen Charakter. Diese verwaltungsmäßige Besonderheit Ascherslebens mit zwei Stadtherren hatte bis zum Jahr 1262 Bestand und führte zu jahrzehntelangen Reibereien zwischen den Halberstädter Bischöfen und den askanischen Grafen. Erst in diesem Jahr bekam Heinrich II. von Aschersleben die Civitas nach einem Vergleich zugesprochen, und Aschersleben stand nun unter einheitlicher Verwaltung. 1263 wurde die Aschersleber Bischofsstadt als bischöfliches Lehen unter askanischer Herrschaft bezeichnet.
Die nächste Erweiterung nach dem Aussterben der Askanier in Aschersleben erfolgte im östlichen Bereich und umfasste die heutigen Straßen Ritterstraße und Badstuben. Dieser Erweiterung schloss sich dann etwa bis zum Bau der Stadtbefestigungsanlage im Jahre 1322 die nördliche Bebauung der Tie-Vorstadt an. In diesem Bereich ist auch der heutige Markt als großer Platz angelegt worden. Als letzte Erweiterungen der Altstadt sind die Bereiche von Vorder- und Hinterbreite sowie des Holzmarktes zu nennen.
Ortschaften Die Stadt Aschersleben besteht aus der Kernstadt und elf weiteren Ortschaften: Ortschaft Einwohner Die Ortschaften von Aschersleben (anklickbare Karte) Drohndorf 514 Freckleben 714 Groß Schierstedt 602 Klein Schierstedt 395 Mehringen 1098 Neu Königsaue 343 Schackenthal 327 Schackstedt 441 Westdorf 905 Wilsleben 529 Winningen 842
Nachbargemeinden Aschersleben grenzt an zehn sachsen-anhaltische Städte und Gemeinden. Beginnend im Norden sind das im Uhrzeigersinn: die Stadt Hecklingen, die Gemeinde Giersleben und die Stadt Güsten, im Osten die Gemeinde Plötzkau und die Stadt Alsleben (Saale), im Südosten die Stadt Könnern, im Süden die Stadt Arnstein, im Westen die Stadt Falkenstein/Harz sowie im Nordwesten die Stadt Seeland.
Geologie
Als Ascherslebener Sattel wird die herzynisch streichende sattelförmige Aufwölbung des Zechsteins und der Trias bezeichnet, welche sich in der Subherzynen Senke von Sandersleben unter Mehringen und Aschersleben nach Nordwesten erstreckt.
Entstanden ist dieser Sattel gemeinsam mit dem Höhenzug Alte Burg durch gebirgsbildende Vorgänge, wie Faltung und Heraushebung in der ausgehenden Kreidezeit vor etwa 80 Millionen Jahren. Der sogenannte Aschersleber Sattel und der Staßfurt-Egelner Sattel sind Randstrukturen der Aschersleben-Staßfurter Schrägscholle. Die seitlichen Ausdehnungen des Hauptsattels in erzgebirgischer Richtung fallen besonders auf, so dass der Bereich von Aschersleben als Breitsattel bezeichnet wird.
Die Nordostflanke wird von Mittlerem Buntsandstein überlagert, und auf seiner Südwestflanke stehen Mittlerer und Oberer Buntsandstein und der gesamte Muschelkalk an, dessen südliche Erhebung der Muschelkalkrücken der Alten Burg darstellt. Der Mittlere Buntsandstein streicht im Bereich von Schadeleben unter tertiären und quartären Schichten umlaufend und geht nach Westen in die Winninger Buntsandsteinfläche über. Das tektonisch aktivierte Zechstein- und Keupersalinar bildete über tektonischen Schwächezonen Salzkissen aus Kalisalz. Der Anschnitt der Zechsteinbildungen des aufsteigenden Sattels durch Erosion erfolgte für den Aschersleber Salzsattel im Mitteleozän.Geologie der Stadt Aschersleben (PDF; 2,0 MB).
In den absinkenden Randsenken des aufsteigenden Salzstockes von Aschersleben kam es im Eozän (vor 49–37 Millionen Jahren) zur Bildung eines ausgedehnten Moores. Die größeren Braunkohlenlagerstätten bei Frose, Nachterstedt und ein kleineres Flöz nördlich von Aschersleben konnten so entstehen.
Klima Die Stadt liegt in der gemäßigten Klimazone und im Regenschatten des Harzes. Die relativ hohen Sommertemperaturen haben eine starke Verdunstung und damit eine verstärkte Austrocknung zur Folge. Man spricht vom Herzynischen oder Mitteldeutschen Trockengebiet.
Aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen und geeigneten Biotopen kommen im Stadtgebiet wärmeliebende südeuropäische Faunenelemente, wie die Mauereidechse (Podarcis muralis muralis) und die Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa) vor.
Geschichte mini|Entstehungsgeschichte der Altstadt von Aschersleben.Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen. 25. Heft. Verlag von Otto Haendel, Aschersleben 1904, S. 12 ff.
Frühgeschichte Die klimatisch günstige Lage im Regenschatten des Harzes zog bereits in der Frühzeit Menschen in die Gegend des heutigen Ascherslebens. Das Einetal, das hier aus dem Vorharz tritt, und der sehr fruchtbare Boden spielten eine bedeutende Rolle für eine frühe Besiedlung der Gegend.
Die ältesten Funde eines Jagdlagers stammen vom Bruchsberg bei Königsaue, etwa fünf Kilometer vom Stadtgebiet Aschersleben entfernt und stammen aus der Zeit vor über 55.800 Jahren.1250 Jahre Aschersleben. Broschüre der Stadt Aschersleben, 2003, S. 6. Der Ascherslebener See, der bis zu seiner Trockenlegung zur Zeit Friedrichs des Großen weitgehend als zwölf Kilometer langer Flächensee bestand, war an seinen Ufern immer wieder von Jägern und Sammlern aufgesucht worden. Zahlreiche Funde von Flach- und Höckergräbern sowie Grabbeigaben aus der Jungsteinzeit belegen dies.
Zur Zeit der Völkerwanderung ließen sich die Warnen in der Gegend nieder. Ortschaften mit der Endung leben deuten darauf hin. Der Name Aschersleben setzt sich aus dem Personennamen Asceger (Escherner Wurfspeer ger = Speer) und -leben (lev = Erbe, Hinterlassenschaft) zusammen.
Aufstrebende Stadt im Mittelalter mini|hochkant=.65|Siegel Albrechts des Bären Im Mitte des 12. Jahrhunderts zusammengestellten Codex Eberhardi wurde eine Ortschaft in Thüringen namens Ascegereslebe angeblich zum Jahr 748 erstmals erwähnt. Die Vorlage soll auf einer Schenkungsurkunde des Passauer Chorbischofs Madalwin (gestorben nach 903) beruhen, der seine Besitzung in Aschersleben „samt den Hörigen“ dem Heiligen Bonifatius (Kloster Fulda) übertrug. Die Nennung Aschersleben folgte dabei jedoch nicht einer zeitlichen, sondern einer geographischen Ordnung und befand sich somit an jener geographisch bestimmten Stelle, an welcher die Schenkung lag. Durch die fehlende zeitliche Angabe entstand die Vermutung, dass jene Ersterwähnung auch in das 9. Jahrhundert fallen könnte. Für eine Nennung im 8. Jahrhundert sprach die Erwähnung eines Ortes „Aschershausen“ im Zuge der 748, in der Auseinandersetzung zwischen Pippin und seinem Halbbruder Grifo, verwüsteten Dörfer. Diese Urkunde, welche über die Verwüstungen berichtete, wurde aber vom Marburger Historiker Edmund Ernst Stengel 1960 in das dritte Viertel des 9. Jahrhunderts datiert, was eine Erstnennung Ascherslebens in den Jahren zwischen 850 und 875 mit sich bringt.
Im 11. Jahrhundert ging die Stadt in den Besitz des Geschlechtes der Askanier über. Deren Name rührte von Ascania oder Ascharia her, der latinisierten Form der Burg Aschersleben, wobei die Endung -leben weggelassen wurde. Albrecht der Bär stand an der Spitze des Hauses Askanien-Anhalt. Er ging als Markgraf der Nordmark und noch mehr als Gründer der Mark Brandenburg in die deutsche Geschichte ein und verwendete als Erster beide Namen. Die Nebenlinie der Anhaltiner entstand 1212.Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang. Böhlau Verlag, Köln / Weimar / Wien 2007, ISBN 978-3-412-17106-3, Die frühen Askanier und die ersten Schritte zur Rückgewinnung des Hevellergebiets und Wiedererrichtung des Bistums Brandenburg. Ursprung und Name des Hauses Askanien-Anhalt, S. 53–56. Unter Albrecht I. wurde Aschersleben der Mittelpunkt des umgebenden Verwaltungs- und Gerichtssprengels. Quellen der Zeit künden von zahlreichen Gerichten in der und um die Stadt. So fand die gravescap to aschersleve im mittelalterlichen Rechtsbuch Sachsenspiegel Erwähnung.
mini|hochkant|links|Heinrich I., Fürst von Anhalt Dass Aschersleben für Albrecht den Bären besondere Bedeutung hatte, zeigt die Tatsache, dass erstmals eigene Münzen in Umlauf gebracht wurden. Um 1860 wurden bei Freckleben zahlreiche Brakteaten gefunden, die das Bildnis Albrecht des Bären zeigen. Diese Brakteaten und Denare waren die ersten anhaltischen Münzen. 1120 begann man mit dem Bau der Askanierburg. Die Lage der Burg ist bis heute umstritten, wahrscheinlich aber ist die Lage in Aschersleben dort, wo heute ein Platz davon kündet, am Burgplatz. Erwähnenswert ist die Erschlagung Udos von Freckleben 1130 durch die Anhänger Albrechts des Bären während einer Fehde.