Staßfurt ist eine Stadt im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt. Seit 2026 trägt sie den Zusatznamen Salzstadt.

Staßfurt wurde am 31. Januar 1852 Geburtsort und Wiege des weltweiten Kalibergbaus.Frank Kowolik: Das alte Staßfurt. Eine mitteldeutsche Industriestadt in alten und seltenen Bildern. Oschersleben 1992, ISBN 3-928703-06-4, S. 150. Dort war das einstige Königlich Preußische Salzbergwerk mit den beiden Schächten von der Heydt und von Manteuffel das erste Kalibergwerk der Erde.

Geographie Lage Staßfurt liegt am Südrand der Magdeburger Börde südlich der Landeshauptstadt Magdeburg. Die Stadt wird von der Bode durchflossen.

Nachbargemeinden

mini|Bodebrücke mini|Stadtsee im Zentrum Staßfurts

Stadtgliederung Die Stadt Staßfurt ist eine Einheitsgemeinde und gliedert sich in folgende Ortsteile: Wappen Ortsteil Postleitzahl VorwahlEinwohner(31. Dez. 2025)Fläche(km²)BevölkerungsdichteEinwohner/km²Eingemeindungnach Staßfurt20px|class=noviewer Alt-Staßfurt 394180392511680,771517186820px|class=noviewer Neu Staßfurt 39418039259812,008196920px|class=noviewer Staßfurt-Mitte 39418039259332,2840920px|class=noviewer Staßfurt-Nord 394180392568972,14322320px|class=noviewer Leopoldshall 394180392548655,65861194620px|class=noviewer Athensleben 394460392651192,3551200320px|class=noviewer Atzendorf 39443039266121921,1058200420px|class=noviewer Brumby 394430392918421,43589201120px|class=noviewer Förderstedt 39443039266168713,55125200920px|class=noviewer Glöthe394430392665342,54210200920px|class=noviewer Hohenerxleben394430392568510,1667200320px|class=noviewer Löbnitz39443039251921,92100200420px|class=noviewer Löderburg39446039265216112,95167200320px|class=noviewer Lust39446039265471,6029200320px|class=noviewer Neundorf3941803925188714,93126200920px|class=noviewer Rathmannsdorf394180392625246,7478200420px|class=noviewer Rothenförde39446039265927,500200320px|class=noviewer Üllnitz394430392662531,172162009

Geschichte Ab 806 mini|Karl der Große beim Überqueren der Bode, auf einem Notgeldschein aus Staßfurt, von 1921. Im Jahre 806 erfolgte die erstmalige (gesicherte) urkundliche Erwähnung von Staßfurt (im frühen Mittelalter hieß das Dorf Alt-Staßfurt nur Staßfurt) im Zusammenhang mit einer Einladung durch Kaiser Karl den Großen an den Abt Fulrad von St. Quentin zur Abhaltung einer Heeresversammlung in Starasfurt an der Bode. Die Deutung des Namens geht mit großer Wahrscheinlichkeit von einer Zusammensetzung aus dem altslawischen Wort für alt (staraja) mit dem althochdeutschen Wort Furt (Überfahrtsstelle) aus. Die Bedeutung Staßfurts im Mittelalter war durch seine Lage an dieser Furt durch die Bode bedingt. Hier führte die alte Handels- und Salzstraße von Lüneburg kommend nach Halle/Saale entlang. Das Dorf Alt-Staßfurt nördlich der Bode unterstand weltlich und geistlich dem Erzstift Magdeburg. Im 11. Jahrhundert wurde die Burg (Wehranlage) südlich der Bode errichtet. Bereits 1180 wurde dem Staßfurter Siedlungsbereich südlich der Bode innerhalb der Wehrmauern das Stadtrecht verliehen. Die Stadt Staßfurt stand bis 1277 weltlich im Besitz anhaltischer Grafen. Die Nachkommen Albrecht des Bären und Herzöge von Sachsen, Johann I. und Albrecht II., hatten bei der Feier ihres Ritterschlages einen so bedeutenden Aufwand betrieben, dass sie zur Begleichung der Schulden auch die in ihrem Besitz befindliche Stadt Staßfurt am 8. Juli 1276 an den Erzbischof Konrad II. von Magdeburg verpfänden mussten. Da die Herzöge in Jahresfrist die hohe Schuldsumme von 6.000 Silbermark nicht bezahlen konnten, fiel Staßfurt ab 1277 an das Erzstift Magdeburg. Seit 1680 war Staßfurt als sogenannte Immediatstadt direkt dem brandenburg-preußischen Herzogtum Magdeburg unterstellt und lag bis 1807 im Holzkreis. Ab 1815 gehörten Alt-Staßfurt und die Stadt Staßfurt im Regierungsbezirk Magdeburg zur Provinz Sachsen und blieb damit bis zur Auflösung des preußischen Staates 1947 auf preußischem Hoheitsgebiet.

Ab 1851: Kali-Aufschwung, -Niedergang und die Folgen Aufgrund der Entdeckung der Staßfurter Kalisalzlagerstätte 1851 und deren industrieller Ausbeutung gewann Staßfurt enorm an Wirtschaftskraft. Doch die Blütezeit währte nur wenige Jahrzehnte: Das Absaufen der Kalischächte durch Grubenwasser führte nach zahlreichen vergeblichen Rettungsversuchen zur Stilllegung beider Schächte. Am 9. Oktober 1900 wurde die Wasserhaltung endgültig eingestellt.

Bergsenkungen und städtebaulicher Kahlschlag Die dramatischste Folge des Kalibergbaus war die beispiellos großflächige Bergsenkung in Staßfurt: Der Ort hatte ein für die damalige Zeit typisches Zentrum mit Rathaus, Schule, Kirche und Marktplatz. Die Innenstadt war ein latentes Senkungsgebiet. Daher begannen sich viele Häuser zu neigen, bekamen bedrohliche Risse und drohten zusammenzustürzen. Seit 1905 wurden deshalb im Ortskern etwa 800 Häuser und Gebäude wie Rathaus, Schule und St.-Johannis-Kirche abgerissen. Der Grund, auf dem die Johanniskirche (welche nicht mit der nach wie vor bestehenden, gleichnamigen Kirche in Leopoldshall zu verwechseln ist) stand, sackte um bis zu 7 m ab. Das Gebäude geriet so in Schieflage, dass seine Nutzung 1884 erstmals vorläufig eingestellt wurde. Am 9. September 1906 fand der endgültig letzte Gottesdienst dort statt.Zeittafel der SFT Geschichte - Staßfurter Geschichtsverein. In: stassfurter-geschichtsverein.de, abgerufen am 10. Juni 2022 Ein Brand von 1948 destabilisierte das Kirchenschiff weiter und führte zu seinem Teileinsturz, so dass es ganz abgerissen wurde.https://mengewein.lima-city.de/schiefer_turm.php Der danach noch stehende, 60 m hohe Turm des 500-jährigen Wahrzeichens der Stadt kippte immer weiter, war zuletzt 4,65 Meter aus dem Lot geraten und als Schiefer Turm von Staßfurt bekannt. Wegen Sicherheitsbedenken wurde auch er 1964/65 abgerissen.Staßfurt – Altstadt - Staßfurter Geschichtsverein. In: stassfurter-geschichtsverein.de, abgerufen am 10. Juni 2022 Die Auswirkungen der Bergsenkungen prägen das Ortsbild von Staßfurt bis heute: Von einem weiteren, das Stadtbild prägenden Bauwerk, dem Eulenturm, wurde wegen des labilen Untergrundes 1961 zunächst die Spitze abgetragen, zehn Jahre später der gesamte Turm. Auch das aus gleichem Grund 1977 abgerissene, stattliche Bahnhofsgebäude von 1884 ist bis heute nicht ersetzt worden.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegsjahre Während des Zweiten Weltkrieges wurde am 13. September 1944 zwischen Löderburg-Lust und Atzendorf das Außenlager des KZ Buchenwald Staßfurt I/Neustaßfurt (Deckname „Reh“) errichtet, in dem 459 Häftlinge, überwiegend aus Frankreich, an der unterirdischen Verlagerung der Ernst Heinkel AG zusammen mit polnischen KZ-Häftlingen unter extrem schlechten Bedingungen arbeiten mussten, wobei zwischen 300 und 380 ihr Leben verloren. Ein weiteres Außenlager bestand ab dem 28. Dezember 1944 in Leopoldshall. Beide Lager wurden am 11. April 1945 mit einem Todesmarsch evakuiert. Am 12. April 1945 nahmen die Amerikaner Staßfurt kampflos ein. Die am 6. August über Hiroshima zur Explosion gebrachte Atombombe Little Boy enthielt 64 Kilogramm Uran. Zumindest ein Teil des Urans stammte angeblich aus den etwa 1.100 Tonnen Uranerz und Uranoxid, das US-Amerikaner in der zweiten Aprilhälfte 1945 in Staßfurt sichergestellt hatten.Richard Rhodes (1996), Dark Sun: The making of the Hydrogen Bomb, Touchstone, Seiten 160 und 161.

Am 1. Juli 1945 gerieten Staßfurt und der damals noch eigenständige Ort Leopoldshall unter sowjetische Besatzung. Am 1. April 1946 wurde Leopoldshall der Stadt Staßfurt angegliedert.

DDR-Zeit mini|120x120px|alternativtext=|Altes Wappen Staßfurt (1960–1990) Von 1952 bis 1994 war Staßfurt Kreisstadt des Kreises Staßfurt im DDR-Bezirk und später Regierungsbezirk Magdeburg. Mit der Kreisgebietsreform 1994 wurde durch die Zusammenlegung der Kreise Aschersleben und Staßfurt der neue Landkreis Aschersleben-Staßfurt mit der neuen Kreisstadt Aschersleben gebildet. Im Zuge der Kreisgebietsreform 2007 wechselte Staßfurt in den neu gebildeten Salzlandkreis.

Die SWAPO schickte während der Unabhängigkeitskämpfe in Südwestafrika in den 1980er Jahren Kinder zur Erziehung und Ausbildung in die DDR. So befanden sich Anfang 1990 auf der Schule der Freundschaft in Staßfurt 291 solcher Kinder. Sie wurden im August 1990 – zusammen mit 134 Kleinkindern aus Bellin – in das inzwischen unabhängige und von der SWAPO regierte Namibia zurückgebracht.18. Dezember 1979: Ossis aus Namibia. In: Jan Eik, Klaus Behling: Verschlusssache. Die größten Geheimnisse der DDR Verlag Neues Berlin, Berlin 2008, ISBN 978-3-360-01944-8.

Zu DDR-Zeiten entstanden der Friedrich-Engels-Ring und die beiden Plattenbau-Siedlungen „Leninring“ (heute „Nord“) und „Am Tierpark“, während die Bausubstanz der Innenstadt – sofern sie nicht wegen Bergschäden abgerissen werden musste – zunehmend verfiel. Erst die Stadtsanierung seit 1991 führte zu einer Trendwende.

Eingemeindungen Das Dorf Alt-Staßfurt am linken (nördlichen) Bodeufer ist älter als die Stadt Staßfurt am rechten Bodeufer und wurde am 21. Dezember 1868 in die Stadt Staßfurt eingemeindet.

Am 1. April 1946 wurde die benachbarte anhaltische Stadt Leopoldshall, die 1873 auf dem Gebiet der Gemeinde Neundorf (Anhalt) entstanden war, nach Staßfurt zwangseingemeindet. Der 1873 auf anhaltischem Gebiet direkt bei Staßfurt gegründete Ort hatte seit dem 29. Januar 1919 das Stadtrecht inne.Das Stadt- und Bergbaumuseum Staßfurt würdigte mit der Sonderausstellung 100 Jahre Stadtrecht Leopoldshall vom 27. Januar bis 29. Mai 2019 dieses Jubiläum. Veranstaltungsplakat, abgerufen am 12. Februar 2019.

Im Jahr 2003 wurden die Orte Löderburg (mit den Ortsteilen Rothenförde, Lust und Athensleben als Ortschaft) und Hohenerxleben eingegliedert.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003 Anfang 2004 folgte Rathmannsdorf.StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2004 Am 1. Januar 2009 kamen die Gemeinden Neundorf (Anhalt) und Förderstedt hinzu.StBA: Gebietsänderungen am 1. Januar 2009

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkungen Alt-Staßfurt 21. Dezember 1868 Eingemeindung in die Stadt Staßfurt Athensleben 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Löderburg Atzendorf 10. März 2004 Eingemeindung nach Förderstedt Brumby 18. Mai 2006 Eingemeindung nach Förderstedt Förderstedt 1. Januar 2009 Glöthe 18. Mai 2006 Eingemeindung nach Förderstedt Hohenerxleben 1. März 2003 Leopoldshall 18731. April 1946 Ausgliederung aus Neundorf (Anhalt),Eingemeindung nach Staßfurt Löbnitz (Bode) 29. Januar 2004 Eingemeindung nach Förderstedt Löderburg 1. März 2003 Ortsteil Neu Staßfurt bereits 1969 nach Staßfurt eingemeindet Neundorf (Anhalt) 1. Januar 2009 Rathmannsdorf 1. Januar 2004 Üllnitz 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Glöthe

Bevölkerung

(ab 1955 jeweils zum 31. Dezember, ab 2007 einschließlich der Ortsteile)

Jahr Einwohner 1583 945 1720 935 1736 1.837 1803 1.512 1829 1.778Friedrich Wilhelm Geiss und Theobald Weise: Chronik der Stadt Staßfurt. Mit Berücksichtigung der Umgegend vom Beginne historischer Nachrichten. 1875 11.263 1880 12.194 1890 19.104 1925 16.144 Jahr Einwohner 1933 15.299 1939 15.753 1946 29.762 1950 27.877 1955 26.815 1970 26.153 1981 26.502 1988 26.8331875 bis 1988: 1990 25.514 Jahr Einwohner 2005 23.318 2010 28.605 2015 26.634 2020 24.618 2021 24.265 2022 23.781 2023 23.458 2024 23.181 2025 22.900

ab 1990: Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Die Zunahme der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Staßfurt besteht entsprechend der Einwohnerzahl der Stadt aus 36 Mitgliedern und dem Oberbürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 52,6 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024