mini|Unkel, Luftaufnahme (2016)
Unkel ist eine Stadt im Landkreis Neuwied im Norden von Rheinland-Pfalz und Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde. Die Stadt liegt etwa 20 Kilometer südlich von Bonn am unteren Mittelrhein und hat Anteil am Naturpark Rhein-Westerwald.
Bekannt ist sie sowohl durch ihren Ruf als Rotweinstadt als auch als Wohnsitz vieler bekannter Persönlichkeiten wie etwa Willy Brandt, Stefan Andres, Ferdinand Freiligrath, Leonhard Reinirkens, Konrad Adenauer oder Annette von Droste-Hülshoff.Unkel-Kulturtadt.de - Berühmte Persönlichkeiten
Geographie + Flächennutzung Nutzung Fläche in ha Wohn- und Verkehrsfläche 198 Landwirtschaftsfläche 105 Waldfläche 441 Wasserfläche 57 Sonstige Flächen 14
Unkel liegt am östlichen Ufer des Rheins, jeweils etwa fünf Kilometer südlich (rheinaufwärts) der Stadt Bad Honnef und nördlich (rheinabwärts) der Stadt Linz am Rhein. In einem Seitental auf der anderen Rheinseite befindet sich der Ortsbezirk Unkelbach der Stadt Remagen. Die Stadt gehört zum äußeren Einzugsgebiet der Bundesstadt Bonn.
Naturräumlich lässt sich der südliche Abschnitt des Unkeler Talbereichs mit der Altstadt noch der hier gut ein Kilometer breiten Linz-Hönninger Talweitung zuordnen, während nördlich bereits die Honnefer Talweitung beginnt. Ein mittlerer Abschnitt des Gemeindegebiets erstreckt sich bei Bruchhausen auf die weiträumigen Linzer Terrassen, das nordöstlich davon liegende, unbewohnte Gebiet ist ein 300–500 m breiter Streifen und gehört zum sich südlich an das Siebengebirge anschließenden Rheinwesterwälder Vulkanrücken. Hier erreicht das Stadtgebiet mit dem Asberg () seine höchste Erhebung, der tiefste Punkt befindet sich am Rheinufer. Von Bruchhausen nach Unkel hinab führt das Tal des Hähnerbachs.
Geologie Am Stux (142 m), einer markanten Anhöhe am Hang des Rheintals oberhalb des Stadtkerns, treten Verwerfungen des Sedimentgesteins sichtbar hervor. Im Rhein befinden sich auf der Höhe von Unkel, aber schon auf der linken Remagener Hälfte, die Unkelsteine, ein Basaltaufschluss und in früheren Zeiten gefährliche Untiefe für die Schifffahrt. Die Gesteinsformationen Unkels erregten auch die Aufmerksamkeit Alexander von Humboldts. Sowohl auf seiner Reise mit dem holländischen Mediziner Steven Jan van Geuns im Herbst 1789 als auch mit Georg Forster im März 1790 besuchte Humboldt Unkel.Andreas W. Daum, Alexander von Humboldt am Rhein. Zur regionalen Grundlage von Humboldts Wissenschaft, Reisen und Politikverständnis 1789–1848. In: Rheinische Vierteljahresblätter 85 (2021), 148–184, hier S. 155–162. Noch im gleichen Jahr veröffentlichte er seine Beobachtungen, basierend auf seinem damaligen Bekenntnis zum sogenannten Neptunismus, d. h. der Theorie vom Ursprung der Gesteine als Sedimenten aus Wasser, in seinem ersten Buch (Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein).Alexander von Humboldt: Mineralogische Beobachtungen über einige Basalte am Rhein. Mit vorangeschickten, zerstreuten Bemerkungen über den Basalt der ältern und neuern Schriftsteller. Schulbuchhandlung, Braunschweig, 1790, Digitalisat
Stadtgliederung und Nachbargemeinden Das Stadtgebiet gliedert sich in den Stadtkern und die beiden Ortsteile Scheuren und Heister, die nord- bzw. südöstlich der B 42 liegen. Zu Unkel gehören auch die Wohnplätze Gut Hohenunkel und Gut Haanhof (beide auf der Rheinterrasse bei Bruchhausen) sowie Burg Vilzelt und Stuxhöhe.
Unkel grenzt – von Norden im Uhrzeigersinn – an Rheinbreitbach, Windhagen, Erpel, Bruchhausen und Remagen.
Hochwasser mini|Die Rheinpromenade bei Hochwasser mini|Die Unkeler Rheinpromenade Wie viele Orte am Rhein ist Unkel öfter vom Hochwasser betroffen. Da der alte Ortskern auf einer Anhöhe liegt, treten in der Innenstadt nur selten größere Schäden auf. Sobald der Pegelstand in Koblenz über 8,40 m steigt, nimmt der Rhein seinen ursprünglichen Verlauf ein. Er verlässt bei Erpel sein Flussbett, fließt durch die Felder und den Rand des Stadtteils Heister und gelangt nördlich von Unkel zurück zum Hauptstrom. Solche Hochwasser traten 1784, 1845, 1920, 1926, 1947, 1955, 1970, 1983, 1988, 1993 und 1995 ein. Eines dieser Hochwasser bedrohte im Jahre 1926 Heister. Am Damm, der zur Burg Vilzelt führte, staute sich das hinter Erpel fließende Rheinwasser und drohte, Heister zu überfluten. Eine Katastrophe konnte nur verhindert werden, indem der Damm durchstochen wurde. Nach dem Hochwasser wurde der Damm durch die Flutbrücke ersetzt, die heute als dringend sanierungsbedürftig gilt. Da die Finanzierung einer solchen Sanierung durch die betroffenen Gemeinden bislang nicht geklärt werden konnte, wurde auch ein Abriss diskutiert.
Klima Die Stadt befindet sich in der gemäßigten Klimazone. Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 9,4 °C, die mittlere jährliche Niederschlagsmenge 701 mm.
Die wärmsten Monate sind Juni bis August mit durchschnittlich 17,9–16,8 °C und die kältesten Dezember bis Februar mit 2,3–3,2 °C im Mittel.
Der meiste Niederschlag fällt von Juni bis August mit durchschnittlich 72–70 mm, der geringste von Februar bis April mit 40–53 mm im Mittel.
Geschichte mini|Der Rhein in Richtung Süden Der Name Unkel stammt wahrscheinlich aus dem Lateinischen (uncus = Bogen, Haken) beziehungsweise aus dem Fränkischen (angel = Bogen, Krümmung). Da der Rhein bei Unkel einen großen Bogen macht, wurde zunächst das ganze Gebiet rechts und links des Rheinbogens uncus genannt. Später wurden auch die anliegenden Siedlungen Unkel und Unkelbach so bezeichnet.
Fränkische Grabbeigaben aus dem 7. Jahrhundert, die 1900 und 1923 in Unkel entdeckt wurden, belegen, dass Unkel schon um 600 n. Chr. besiedelt war. Die erstmalige urkundliche Erwähnung als Oncale im Goldenen Buch der Abtei Prüm fand am 26. Februar 886 statt. 943 wurde Unkel letztmals als Prümer Besitz erwähnt.
Kölner Zeit (1000–1803) mini|Angriff auf Unkel 1583, von Frans Hogenberg, 16. Jahrhundert mini|hochkant|Unkeler Gefängnisturm Mitte des 11. Jahrhunderts ging Unkel in den Besitz Kurkölns über. Der Kölner Erzbischof Anno II. (1056–1075) schloss mit der ehemaligen Königin Polens, Richeza, einen Vertrag, wonach sich Unkel auf Lebzeiten in ihrem Besitz befinden sollte. Nach ihrem Tod 1063 fiel Unkel wieder an Kurköln zurück. Erzbischof Anno II. gab Unkel dann an das neugestiftete Stift Maria ad Gradus in Köln, in dessen Besitz es bis 1803 verblieb. Die Schenkung wurde offiziell 1075 bestätigt. Das Stift war sehr bedeutend für die Entwicklung der Stadt.
Da die Orte der Umgebung für den Kölner Erzbischof und Kurfürsten Ruprecht und gegen den Landgrafen Hermann von Hessen gerichtet waren, wurde Unkel am 13. Januar 1475 von kaiserlichen Truppen eingenommen. Ruprecht starb 1480 in Gefangenschaft und Hermann von Hessen wurde neuer Erzbischof von Köln.
Als Folge der Kölner Stiftsfehde verbanden sich 1475 verschiedene Städte am Rhein unter der Führung der Stadt Linz zur Linzer Eintracht. 1535 gehörten dieser schon Linz am Rhein, Remagen, Unkel, Erpel, Honnef (jetzt Bad Honnef), Königswinter und viele weitere Städte der Umgebung an. 1597 traten noch Leutesdorf, Ober- und Niederhammerstein, (Rhein)Brohl und Hönningen bei. Inhalt des Linzer Abkommens waren unter anderem die gegenseitige Hilfeleistung, wenn ein Ort des Bündnisses überfallen werden würde, die gegenseitige Erstattung der durch Angriffe entstandenen Kosten und die gegenseitige Anerkennung der Gerichtsurteile. Die Linzer Eintracht bestand den Unterlagen zufolge bis 1640 und geriet bald danach in Vergessenheit.
Unkel erhielt seine Stadtbefestigung im Jahre 1553. Die Rheinseite erhielt die stärkste Mauer, sie wurde vom Gefängnisturm und dem Turm des Fronhofs geschützt. Beide sind nicht mehr im Original erhalten; der Turm des Fronhofs wurde 1803 im neu-gotischen Stil komplett umgebaut, der Gefängnisturm erhielt um 1700 ein neues Dach im barocken Stil. Eine aus Mauern und Wassergraben bestehende Festungsanlage führte durch den Stadtkern, der Graben wurde vom Hähnerbach (damals Ursbach) gespeist. Der Zugang zur Stadt wurde von zwei Stadttoren und mehreren Rheintoren geschützt. Die Stadttore blieben bis in das 19. Jahrhundert erhalten, wurden jedoch 1823 abgerissen und versteigert, weil sie den Durchgangsverkehr behinderten. Die Stadtmauer ist am Rhein im Bereich der Kirche und in der Straße „Am Graben“ (Grabenmauer) in großen Teilen erhalten und wurde 1802 renoviert. Der Graben selbst wurde zugeschüttet und als Straße bebaut.
Im Jahre 1578 wurde Unkel erstmals in der Liste der kurkölnischen Städte aufgeführt. Eine förmliche Verleihung der Stadtrechte fand nie statt, deshalb wird dieses Datum als Stadtwerdung Unkels angesehen. Als Stadt war Unkel auch Mitglied des kurkölnischen Landtags, in den es einen Vertreter entsandte.
1583 war Unkel vom Kölner Krieg betroffen, überstand ihn aber ohne größere Schäden. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Unkel stark beschädigt, vor allem durch einen schwedischen Angriff im Jahre 1633. Außerdem gab es in Unkel viele Einquartierungs- und Kontributionskosten. Ein deshalb erbetener Pachtnachlass wurde jedoch abgelehnt.
Nassauische Zeit (1803–1815) mini|Ansicht von Unkel im Jahre 1805 Das Fürstentum Nassau-Usingen hatte einige linksrheinische Besitztümer an Frankreich verloren und sollte nach dem Reichsdeputationshauptschluss vom 27. April 1803 als Entschädigung die rechtsrheinischen kurkölnischen Besitzungen erhalten. Der nassauische Fürst hatte jedoch schon im September 1802 von diesen Gebieten Besitz ergriffen. Unter der nassauischen Herrschaft, von 1806 an Herzogtum Nassau, waren die Rechte der Unkeler Bürger sehr eingeschränkt, so wurde Unkel die Gerichtsbarkeit entzogen, die Landstände wurden abgeschafft und die Heiratserlaubnis durfte nur noch das Linzer Oberamt erteilen.
Preußische Zeit (1815–1948) Nach der Vertreibung Napoleons wurde nach den auf dem Wiener Kongress abgeschlossenen Verträgen das Rheinland am 9. Juli 1815 dem Königreich Preußen zugesprochen. Das katholisch geprägte Gebiet stand dem protestantischen Preußen zunächst ablehnend gegenüber. Unkel verlor seine Stadtrechte und wurde Sitz einer Bürgermeisterei. Es gehörte von 1816 an dem Kreis Linz im Regierungsbezirk Coblenz an, der Kreis Linz wurde aber schon 1822 mit dem Kreis Neuwied zusammengeschlossen. Preußen empfahl nach einer wirtschaftlichen Bestandsaufnahme, die Weinberge in Getreidefelder umzuwandeln. Die Unkeler standen diesem Ratschlag erst misstrauisch gegenüber, folgten dann jedoch den Empfehlungen. Durch seine romantische Lage zog Unkel viele Kölner Adelsfamilien, Dichter und Schriftsteller an.
Am 21. Oktober 1923 wurde in Aachen die Rheinische Republik ausgerufen. Ziel der Freien und unabhängigen Republik Rheinland war die Bildung eines an Frankreich grenzenden Reiches, das unabhängig vom Deutschen Reich sein sollte. Die ersten Separatisten rückten am 12. November 1923 in Unkel ein. Sie errichteten ihr Hauptquartier im Rathaus und durchsuchten das ganze Gebäude nach verwertbaren Gegenständen. Sie stellten Wachen auf und verhängten eine Ausgangssperre nach 19:00 Uhr. Einige Jugendliche leisteten aktiven Widerstand, wurden aber ergriffen und teils schwer misshandelt. Kurz danach organisierte die rheinische Bevölkerung ihren Widerstand gegen die Separatisten. Es kam zur Abwehrschlacht im Siebengebirge, bei der die Separatisten völlig besiegt wurden.
Erster Weltkrieg (1914–1918) mini|Das Christinenstift ist jetzt ein Altenheim Der Erste Weltkrieg wurde in Unkel wie in vielen anderen deutschen Städten zunächst mit patriotischer Begeisterung begrüßt.