Der 1120 Kilometer lange Gambia (Ba Dimma, auch Fura ‚Fluss‘) ist einer der Hauptströme in Westafrika. Der Staat Gambia ist nach dem Fluss benannt, der zur Hälfte auf dessen Staatsgebiet fließt.

Flusslauf Der Gambia entspringt im Bergland von Fouta Djallon in einem Talschluss an der Nordflanke eines 1200 Meter aufragenden Berggipfels rund zehn Kilometer nördlich von Labé (Nord-Guinea). In diesem Bergland entspringen weiter südlich auch die Flüsse Senegal und Niger.

Der Gambia fließt zunächst in allgemeiner Nordrichtung durch die Region Labé zur Grenze von Senegal. Weiter geht es dann in nordwestlicher Richtung durch die Regionen Kédougou und Tambacounda. Dabei durchquert der Fluss den Nationalpark Niokolo-Koba. Der erste namhafte Nebenfluss, den er aufnimmt, ist von rechts der Niokolo Koba, gefolgt vom Niéri Ko und dem einzigen großen linken Zufluss Koulountou. Bei Barra Kunda verlässt der Gambia das Bergland und tritt mit Stromschnellen, den Barrakunda-Fällen, in die breite und ebene Küstenzone ein, um dieselbe in vielfachen Windungen zu durchziehen.

Das Staatsgebiet von Gambia ist bei Fatoto erreicht. Hier nimmt der Fluss von Norden noch den Sandugu Bolong (in Senegal als Sandougou bekannt) auf. Die Mündung in den Atlantischen Ozean bei Banjul, der Hauptstadt von Gambia, hat die Form eines sogenannten Ästuars (Mündungstrichters). Sie liegt zwischen Cape St. Mary und Jinnak Bolon (Senegal) und hat eine Breite von ungefähr 22 Kilometern.

Gewässerdaten Abfluss Trocken- und Regenzeit Bei Fattatenda hat der Fluss selbst in der Trockenzeit, die von Dezember bis April dauert, bei 100 Metern Breite eine Tiefe von vier bis sechs Metern, während er in der Regenzeit einen zwölf bis 16 Meter höheren Stand erreicht.

In der Trockenzeit dringt das Salzwasser des Atlantiks, ähnlich den Nachbareinzugsgebieten des Casamance, Saloum und früher auch des Senegals, tief in das Land vor, wodurch sich das Flusswasser dann nur bedingt zu Bewässerungszwecken eignet. Dies variiert sehr stark zwischen 75 und 255 km (1973–1986).

In der Regenzeit überschwemmt der Gambia von Barrakunda an das ganze Flachland weit und breit und lässt dabei einen ähnlich befruchtenden Schlamm zurück wie der Nil; dann dringt das Süßwasser des Gambia einige Kilometer weit in den Ozean vor.

Im unteren Diagramm sind die Distanzen für den Zeitraum 1973 bis 1986 (während der Dürre im Sahel) im Mittel angegeben.

Hydrometrie Seine Mündung, ein Ästuar, ist den Gezeiten unterworfen. Es gibt Quellen, die behaupten, dass bei Ebbe-Flut-Wechsel maximal zwischen 30.000 und 45.000 m³/s durch die Mündung fließen.

Die durchschnittliche monatliche Durchströmung des Gambias, gemessen an der hydrologischen Station bei Gouloumbou (Senegal) in m³/s, ist hier exemplarisch (Jahr 1980/81) dargestellt.Transport of carbon, nitrogen, phosphorus, and major solutes in the Gambia River, West Africa

Flusslänge Die Länge des 1120 Kilometer langen Gambia wird in den verschiedensten Nachschlagewerken teils auch auf 1127 oder 1130 Kilometer beziffert.

Einzugsgebiet mini|200px|Klimabedingungen im Einzugsgebiet des Gambia Das Einzugsgebiet des Gambias hat, je nach Quelle, eine Fläche von 69.536 bis 77.054 km². Es nimmt fast den gesamten Staat Gambia auf. Allerdings befindet sich der größte Teil im benachbarten Senegal. Sein meistes Wasser bezieht er aus den Fouta Djallon in Guinea. Das Einzugsgebiet teilt sich wie folgt auf:USAID – Climate Change and Water Resources in West Africa:Transboundary River Basins

Staat Einzugsgebiet der Landesfläche in [km²] Prozent der Fläche des Einzugsgebiets Prozent der Landesfläche Senegal 54.631 70,9 27,8 Guinea 11.866 15,4 4,8 Gambia 10.556 13,7 93,5 Guinea-Bissau 16 0,021 0,04 Gesamt 77.054 100,0

Inwieweit sich das Einzugsgebiet tatsächlich auf Guinea-Bissau erstreckt, ist abhängig vom Messverfahren. In vielen Quellen wird dies nicht bestätigt.

Nebenflüsse mini|Oberlauf des Gambia mini|Unterlauf des Gambia

Viele der Nebenflüsse des Gambia sind saisonal. Insbesondere die aus dem Norden und Osten kommenden Flüsse führen zum Teil nur wenige Monate im Jahr Wasser.

Eine Besonderheit gibt es bei der Einsortierung einiger Seitenarme im Mündungsästuar. Dort gibt es im flachen Gelände Nebenarme, deren Fließbewegung praktisch nur durch die Gezeiten entsteht, so genannte Bolongs. Natürlich haben diese Arme auch ein Einzugsgebiet und somit Abfluss, aber keine Quelle im klassischen Sinn. Dies betrifft einen Teil der Fließgewässer, die nach Elephant Island münden. Allerdings wird der Begriff Bolong auch bei manchen Flüssen verwendet.

Der wasserreichste Zufluss ist der Koulountou. Dieser und weitere Zuflüsse sind in Mündungs-Reihenfolge (Auswahl):

Guinea Senegal Gambia Oundou Litti Tiokoye Diarha (Termesse) Niokolo Koba Niéri Ko Koulountou Niaoulé Sandougou Nianija Bolong Sofaniama Bolong Bao Bolong Bintang Bolong Koular Bolong

Umwelt Fauna Eine Untersuchung der Ichthyofauna, also die Gesamtheit aller Fischarten im Unterlauf des Gambias bis zur Mündung in den Atlantischen Ozean, wurde von 2000 bis 2002 durchgeführt. Deren Ergebnisse wurden 2004 veröffentlicht. Der Untersuchungsraum mit den 44 Entnahmestellen der Proben umfasste den Raum nahe St. Mary’s Island, auf der sich die gambische Hauptstadt Banjul befindet, bis nahe Deer Island. Deer Island befindet sich rund 220 Flusskilometer von der Mündung entfernt.

Dabei wurden 70 Fischarten, die sich in 32 Familien aufteilen, bestimmt. Die Gambia-Mündungsfischfauna wurde von dem Pseudotolithus elongatus aus der Familie der Umberfische (Sciaenidae) dominiert. Die nächsten drei häufigsten Arten waren Ethmalosa fimbriata, Ilisha africana und der Madeira-Sardine (Sardinella maderensis) jeweils aus der Familie der Heringe (Clupeidae).

Legende: Kat.: Bioökologische Kategorie Co: Kontinentalarten, gelegentlich in Flussmündungen Ce: Kontinentalarten, auch in Flussmündungen Ec: Flussmündungsarten aus kontinentaler Herkunft Es: Flussmündungsarten Em: Flussmündungsarten mit Herkunft aus dem Meer ME: Meeres-Flussmündungsarten Ma: Meeresarten auch in Flussmündungen Mo: Meeresarten gelegentlich in Flussmündungen Occ: Anzahl der Proben, in denen die Art vorhanden war %Occ: Anzahl der Proben, in denen die Art vorhanden war in Prozent Anz.: Gesamtzahl der Individuen Biom.: Biomasse in Gramm