Bad Hönningen ist eine Stadt und ein Heilbad im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz, am rechten Ufer des Mittelrheins gelegen. Sie ist Verwaltungssitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde, der sie auch angehört. Bad Hönningen ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.

Geographie mini|Bad Hönningen vom gegenüberliegenden Rheinufer (2022)

Lage Der Bade- und Weinort liegt rechtsrheinisch zwischen Koblenz im Süden und Bonn im Norden im Naturpark Rhein-Westerwald. Die Kreisstadt Neuwied liegt rund 10 Kilometer südöstlich von Bad Hönningen. Die Uferpromenade entlang des Rheins ist 1,5 Kilometer lang, der Stadtwald bietet 60 Kilometer Wanderwege. Der Hönninger Schlossberg ist mit neun Hektar der größte zusammenhängende Weinberg am Mittelrhein.

Stadtgliederung Zu Bad Hönningen gehören noch die Stadtteile Ariendorf, Girgenrath und Reidenbruch.

Geschichte Römerzeit

Beim Bau von Gebäuden wurden im 19. und 20. Jahrhundert Relikte aus der Römerzeit und aus der Frankenzeit gefunden. Die heutige Stadt Bad Hönningen lag nördlich, in unmittelbarer Nähe des Limes. Aufgrund der Funde aus der Römerzeit kann davon ausgegangen werden, dass hier bereits vor rund 1.800 Jahren gesiedelt wurde.

Mittelalter und frühe Neuzeit mini|hochkant|Das Hohe Haus. Rückseite mit Anbau

In einer Schenkungsurkunde von Kaiser Heinrich II. und seiner Gemahlin Kunigunde an das Bamberger Domkapitel wurde Hönningen erstmals im Jahr 1019 als Besitztum „Hohingen im Ingerisgowe“ (Engersgau) urkundlich erwähnt. Bis Anfang des 15. Jahrhunderts wurde dieses Besitztum „St. Georgenhof“, nach anderen Quellen „sand (Sankt) Jürgenhoff“, genannt. Dieser Hof stand an der Stelle, an der später das „Hohe Haus“ errichtet wurde. Im Jahre 1422 (nach anderen Quellen 1424) verkaufte das Bamberger Domkapitel diesen Besitz an Erzbischof Otto von Trier für 1500 Gulden. Ein zweites Hofgut zu „Hoinga“ schenkte 1041 die Witwe Gerbrich, eine Schwester des Gaugrafen Otto von Hammerstein, dem Trierer Erzbischof Poppo. Dieser schenkte es dem damals neu gegründeten St. Simeonsstift in Trier.

Der Ortsname geht auf den althochdeutschen Personennamen Hoho mit -ing-Suffix zurück und bedeutet ‚Siedlung des Hoho‘.

1204 wurde erstmals die „Pfarrei Hönningen“ genannt, die eine gemeinsame Gründung des Hochstifts Bamberg und des Trierer Simeonsstifts war. Bereits vorher, 1135, war es zwischen Bamberg und Trier zu Streitigkeiten über die Verteilung des Zehnten gekommen. Papst Hadrian IV. bestätigte 1155 dem Simeonsstift den Zehnten zu „Hoinga“. Die Pfarrei Hönningen erstreckte sich am Rhein vom Bach in Ariendorf im Norden bis zum früheren Verlauf des Limes an der Grenze nach Rheinbrohl. Auf den ersten Höhen des Westerwaldes gehörten zur Pfarrei der Hof Reidenbruch und jenseits der Wasserscheide zur Wied hin der Hof Girgenrath. Bis auf eine geringfügige Grenzkorrektur im 20. Jahrhundert entspricht der Pfarrbezirk dem heutigen Stadtgebiet von Bad Hönningen.

Im Jahre 1209 wurde der heute noch zum Teil existierende Mönchshof gebaut.

Der Trierer Kurfürst und Erzbischof Raban von Helmstatt ließ um das Jahr 1438 das „Hohe Haus“ errichten. Hönningen gehörte zu der Zeit zur Herrschaft Arenfels. Eigentümer des Hauses ist seit 1996 der Heimatverein Hönningen, der das Hohe Haus nach Vorgaben des Denkmalschutzes saniert und den Keller um Sanitärräume erweitert. Im Jahr 2000 wurde in dem Gebäude ein Museum eingerichtet. Im Herbst 2025 begann der Verein unter der Leitung seines Vorstandsmitglieds, des Malers, Bildhauers und Architekten Thomas Kesseler, Außenputz und Fenster des Hohen Hauses zu sanieren.

Schloss Arenfels

Das heutige Schloss Arenfels geht auf die in den Jahren 1258 und 1259 (Westflügel und Bergfried) durch Gerlach von Isenburg erbaute Burg zurück. 1670 ging das Lehen Arenfels mit allen Besitztümern und Rechten auf das Haus von der Leyen über. 1848 erwarb Reichsgraf Ludolf Friedrich von Westerholt das Schloss und ließ es durch den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner neugotisch umbauen.

Heute ist es im Besitz von Antonius Freiherr Geyr von Schweppenburg.Bernd Willscheid: Schloss Arenfels und seine Bewohner. Zur 750-Jahrfeier am 4. September 2009. In: Heimat-Jahrbuch des Landkreises Neuwied 2011. ISBN 3-9809797-8-4, S. 79–89. Es wird als Hotel genutzt und kann als Eventlocation gemietet werden.

Neuzeit Während der Reformation blieb Hönningen im Gegensatz zu seinen Nachbargemeinden katholisch. Im Dreißigjährigen Krieg brannte die Ortschaft im Jahr 1632 bis auf zwölf Häuser ab. Hönningen wurde von schwedischen Truppen eingenommen und war wiederholt von Einquartierungen und Seuchen betroffen. Mit der Säkularisation von 1803 endete die Grundherrschaft des Kurbistums Trier und Hönningen ging vorübergehend an Nassau über, bevor es 1815 an Preußen gelangte. 1844 erfolgte der Anschluss ans Post- und 1870 ans Eisenbahnnetz.

Der Erste Weltkrieg forderte in Hönningen 97 Tote und hatte bis 1920 eine Besatzung durch US-amerikanische Truppen zur Folge. In den 1920er-Jahren wurde der Ort wiederholt von zerstörerischen Rheinhochwassern betroffen (1920, 1924 und 1926). 1935 gefasste Ratsbeschlüsse hatten das Ziel, den jüdischen Bevölkerungsteil vom sozialen und ökonomischen Leben des Ortes auszuschließen. 1941 schließlich erfolgte die Deportation der jüdischen Bürger. Während des Zweiten Weltkrieges fielen insgesamt 110 Hönninger an den verschiedenen Fronten. In der Endphase des Zweiten Weltkrieges kam es wiederholt zu alliierten Bombenangriffen.Sarah Schrade: Zur Geschichte von Bad Hönningen auf regionalgeschichte.net, einer Webpräsenz des Instituts für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz, abgerufen am 15. Mai 2021.

Entwicklung zur Kur- und Badestadt Im Jahr 1894 wurde die erste Kohlensäurequelle erbohrt. Weitere Quellen folgten, und im Jahre 1895 wurde das erste Badehaus erbaut. 1950 erhielt die Gemeinde von der Landesregierung Rheinland-Pfalz den Titel „Bad“. Am 12. Juli 1969 erhielt Bad Hönningen die Stadtrechte.

Artus Mineralbrunnen Der Artus Mineralbrunnen GmbH war ein Unternehmen, das aus den 1896/97 gegründeten Firmen Hubertus Sprudel und Arienheller Kohlensäurewerk entstand. Die Quellen wurden 1894 von dem Breisiger Bürger Peter Lang erbohrt. Die Hubertusquelle hat eine Tiefe von 294, die Arienheller Quelle eine Tiefe von 380 Metern.

Anfang der 1970er-Jahre übernahm die Firma auch den Brunnen in Bornheim-Roisdorf. Dort soll bereits seit Römerzeit Mineralwasser gefördert worden sein. Seit 2002 befand sich Artus im Insolvenzverfahren. Das Unternehmen wurde am 31. Mai 2008 geschlossen.

Sprachgrenze Die unweit der Stadt den moselfränkischen Sprachraum in einen nordwestlichen und einen südöstlichen Bereich teilende Bad Hönninger Linie des Rheinischen Fächers wurde deswegen nach der Stadt benannt, weil sie hier den Rhein überquert. Nördlich werden niederdeutsche, südlich oberdeutsche Formen des Wortes „auf“ in der jeweiligen westmitteldeutschen Mundart verwendet, was auf unterschiedliches Vollziehen der zweiten deutschen Lautverschiebung und die Besiedlungsstruktur des Rheinlandes zurückzuführen ist.

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Bad Hönningen, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1682 868 1752 1.141 1782 1.398 1815 1.336 1835 1.507 1871 1.794 Jahr Einwohner 1905 3.080 1939 4.312 1950 4.902 1961 5.671 1970 5.732 1987 5.454 Jahr Einwohner 2005 5.733 2011 5.785 2017 5.896 2022 6.133

Konfessionsstatistik Der Anteil der christlichen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung sinkt seit vielen Jahren in Bad Hönningen.Gemeindestatistik Stadt Bad Hönningen Stand 30. Mai 2005 In Bad Hönningen stellt mit 53 % (Stand März 2026) die Gruppe derjenigen die Mehrheit, die einer sonstigen oder keiner öffentlich-rechtlichen Glaubensgemeinschaft angehört.Gemeindestatistik Stadt Bad Hönningen, abgerufen am 7. April 2026.

Politik

Stadtrat Der Stadtrat in Bad Hönningen besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU Grüne FW WGR Gesamt 2024 7 10 2 3 – 22 Sitze 2019 10 9 3 – – 22 Sitze 2014 10 10 2 – – 22 SitzeWahlband Kommunalwahlen 2014 (wahlen.rlp.de) 2009 12 8 – – 2 22 Sitze 2004 11 9 – – 2 22 Sitze 1999 12 9 – – 1 22 Sitze

Stadtbürgermeister Stadtbürgermeister von Bad Hönningen ist Mark Geimer (parteilos). Er setzte sich in einer Stichwahl am 26. April 2026 gegen seinen Mitbewerber Volker Risse (CDU) durch. Geimer erhielt nach vorläufigem Endergebnis 62,5 Prozent, Risse 37,5 Prozent der Stimmen. Die Wahl war nötig geworden, nachdem der Vorgänger, René Achten (CDU), Ende 2025 zurückgetreten war. Achten hatte das Amt am 3. Juli 2024 übernommen. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit 66,7 % der Stimmen gegen seinen Vorgänger durchgesetzt.

Achtens Vorgänger Reiner W. Schmitz (SPD) hatte das Amt am 31. Oktober 2020 übernommen. Bei der Direktwahl am 25. Oktober 2020 war er mit einem Stimmenanteil von 62,7 % gewählt worden. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,2 %.

Guido Job war seit 1997 Stadtbürgermeister gewesen, zuletzt war er im Mai 2014 im Amt bestätigt worden. Am 26. Mai 2019 wurde Ulrich Elberskirch (parteilos) mit 52,06 % zu seinem Nachfolger gewählt. Dieser trat jedoch im Sommer 2020 aus gesundheitlichen Gründen zurück, die Amtsgeschäfte wurden seitdem kommissarisch durch die 1. Beigeordnete Diana Göttes ausgeübt.

Wappen

Städtepartnerschaften Die Städtepartnerschaft zwischen Bad Hönningen und Saint-Pierre-lès-Nemours in Frankreich wurde im Jahre 1980 begründet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke Schloss Arenfels: 1849–1855 vom Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner erbaut. Das Schloss entstand aus einer 1259 von Gerlach von Isenburg gebauten Burg Arenfels. Burg Ariendorf im Stadtteil Ariendorf: 1840 ließ Ludwig von Loch den neugotischen Bau vom Kölner Dombaumeister Zwirner errichten (an Stelle eines abgerissenen mittelalterlichen Hofhauses, welches 1706 durch den Trierer Kurfürsten Johann Hugo von Orsbeck vom Kloster Nivellen erworben wurde). Das „Hohe Haus“, ein spätgotischer Wohnturm aus einheimischem Bruchstein: 1438 durch den Trierer Erzbischof Raban von Helmstatt erbaut, 1617 unter dem Grafen Ernst von Isenburg Umbau und Einbau einer Spindeltreppe und der „Kölner Decke“, 1996 vom Heimatverein erworben, seit Mai 2000 Heimatmuseum. Laut einiger Sagen soll es einen geheimen Tunnel vom oben genannten Schloss zum Hohen Haus gegeben haben. Tempelhof: 1225 im Besitz des Templerordens, 1317 vom Johanniterorden übernommen, nach der Säkularisation ab 1817 wechselnde Besitzer (Freiherr von Salis, Marquis von Villers, Freiherren Geyr von Schweppenburg). Burghaus am Rhein: Anfang des 17. Jahrhunderts im Renaissancestil vom kurkölnischen Vizekanzler Christoph von Wintzler erbaut, enthielt 1844 die erste Hönninger Poststation. Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul aus dem 18. Jahrhundert Altes Stadtweingut (ehemals Wirtschaftsgebäude des 1888 gegründeten Winzervereins). Am Rhein, in unmittelbarer Nähe der Stadtgrenze, liegt der Beginn des Obergermanisch-Raetischen Limes, der von der Nachbargemeinde Rheinbrohl aus nach Regensburg verläuft und im 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. zum Schutz des Römischen Reiches gegen germanische Übergriffe errichtet wurde. Am 15. Juli 2005 wurde dieses Bodendenkmal durch die UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

„Geologischer Informationsweg des Rheinlaufes“: 17 große Steine von Gebirgen entlang des Rheinlaufes in den Rheinanlagen der Stadt.

Regelmäßige Veranstaltungen „SchlossLeuchten“ – Januar bis Februar im Schloss Arenfels. Veranstaltung, der der das gesamte Schlossgelände in bunten Lichtern erstrahlt und Lichtkunst ausgestellt wird.