mini|hochkant=1.35|Quadratischer Marktplatz mit acht sternförmig abgehenden Straßen mini|hochkant=1.35|Ufer des Zierker Sees

Neustrelitz [] (plattdeutsch Niegenstrelitz) ist eine Mittelstadt im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte im Land Mecklenburg-Vorpommern. Die frühere Residenzstadt mecklenburgischer Herzöge und einstige Landeshauptstadt von Mecklenburg-Strelitz ist heute eines der 18 Mittelzentren des Landes. Sie liegt 30 km südlich des Oberzentrums Neubrandenburg. Durch die zentrale Lage im Mecklenburger Seenland, an der B 96 sowie Berliner Nordbahn und Lloydbahn, die schiffbare Verbindung mit überregionalen Gewässern, Kulturveranstaltungen wie die Festspiele im Schlossgarten und das Immergut Festival sowie die vielen Baudenkmale in der Stadt wurde Neustrelitz zu einem der bekannten Urlaubsziele in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2022 ist Neustrelitz „staatlich anerkannter Erholungsort“.

Touristisch interessant sind der als Wasserwanderrastplatz ausgebaute Stadthafen am Zierker See, der vollständig sanierte Neustrelitzer Schlosspark mit einer im Baumbestand rekonstruierten barocken Sichtachse, die Neustrelitzer Orangerie, sowie der Tiergarten Neustrelitz mit rund 450 Tieren, darunter 40 vorwiegend heimische Tierarten.

Das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum (DFD) – ein Institut des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) – betreibt im Stadtteil Strelitz-Alt am Rande der Kalkhorst eine Bodenstation, die Fernerkundungsdaten von Erdbeobachtungssatelliten empfängt und analysiert.

Das Gymnasium Carolinum ist eine der größten Schulen in Mecklenburg-Vorpommern.

Im Kulturquartier Mecklenburg-Strelitz befinden sich mehrere kulturelle Einrichtungen der Stadt, wie die Stadtbibliothek und das Karbe-Wagner-Archiv. Es beherbergt aber auch das Stadtmuseum mit Exponaten aus der Zeit zwischen 1733 und 1918, in der Neustrelitz Residenzstadt der Herzöge und Großherzöge von Mecklenburg-Strelitz war.

Im Sport sind insbesondere die Vereine TSG Neustrelitz (hauptsächlich Fußball) und PSV Neustrelitz (im Wesentlichen Volleyball) in der Region aber auch überregional bekannt.

Residenzschloss, Stadtgründung und Stadt zwischen 1731 und 2019 mini|hochkant=1.4| Neustrelitzer Schloss. Lithographie von 1843.

Neustrelitz wurde 1733 als Planstadt nahe der 1931 eingemeindeten Stadt Strelitz angelegt, nachdem das Strelitzer Wasserschloss des in Mecklenburg-Strelitz regierenden Herzogs, Adolf Friedrich III., 1712 abgebrannt war und er und seine Ehefrau 1731 bereits das im nahen Glienecke gelegene neue Residenzschloss bezogen hatten. Es folgte der Bau einer Siedlung für Hofstaat und Landesverwaltung nach den Plänen von Hofbaumeister Julius Löwe. Nach dem Aufruf des Herzogs zur Ansiedlung von Neubürgern vom 20. Mai 1733Gründungsurkunde der Stadt Neustrelitz vom 20. Mai 1733 (Digitalisat) In: Carolinum, Jg. 46, Nr. 88, S. 8–19, Göttingen 1982/83, Hrsg.: Altschülerschaft des Gymnasiums Carolinum., der heute als Gründungsurkunde der Stadt gilt, wurde die Siedlung zu einer herzoglichen Residenzstadt erweitert.

mini|hochkant=1.35|Der erste Stadtplan von 1837 (ohne Bebauung der Hinterhöfe) Die europaweit einzigartige Stadtanlage von Neustrelitz entspricht der einer barocken Idealstadt. Von einem quadratischen 120 m × 120 m großen Platz im Stadtzentrum – dem Neustrelitzer Marktplatz – führen geradlinig vom gedachten Mittelpunkt eines Straßenfächers ausgehend acht Straßen sternförmig in alle Himmelsrichtungen. 1866 wurde der Platz nach Plänen von Friedrich Wilhelm Buttel in der Mitte um ein Rondell erweitert. Die Neugestaltung fand 2003/04 statt. Das Rondell wurde gepflastert und 32 kleinblättrige Eschen wurden angepflanzt. Die Platzmitte belebt nun ein Wasserspiel mit 36 Fontänen.

mini|hochkant=1.35|Residenzschloss (um 1910) Zwischen 1905 und 1909 wurden drei weitere Gebäudeteile an den Westflügel des Residenzschlosses angefügt und so ein geschlossener Hof geschaffen; die Grundfläche des Schlosses wurde durch den Erweiterungsbau nahezu verdoppelt.Gerlinde Kienitz: Neustrelitz. Die neue Residenzstadt. In: Neustrelitz 1733–1983. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Neustrelitz 1983, S. 9. In dieser Bauphase wurde auch der durch den Turm des Schlosses Charlottenburg inspirierte Schlossturm errichtet. Dieser war neben dem Schloss selbst, der Neustrelitzer Stadtkirche und dem Rathaus ein wichtiger baulicher Bezugspunkt der Stadt und eine weithin sichtbare Landmarke.

Nach dem Ende der Monarchie in Deutschland (1918) war das Schloss im neu konstituierten Freistaat Mecklenburg-Strelitz bis 1934 Sitz des Landtags. Weitere Räumlichkeiten des vormaligen Residenzschlosses wurden von März 1921 bis 1945 vom Mecklenburg-Strelitzschen Landesmuseum, von 1921 bis 1933 von der Mecklenburg-Strelitzsche Landesbücherei sowie von 1925 bis 1934 vom Mecklenburg-Strelitzschen Hauptarchiv genutzt.

In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland (1933–1945) wurden im Erweiterungsbau des Neustrelitzer Schlosses von 1934 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Sportlehrer und Sportlehrerinnen ausgebildet. Während des Krieges war dort außerdem ein Lazarett untergebracht.

mini|hochkant=1.35|Ruinen des Neustrelitzer Schlosses (1949) Am Ende des Zweiten Weltkriegs brannte das Neustrelitzer Schloss 1945 infolge von Brandstiftung aus; die Schlossruine wurde abgerissen und das Schloss auch nach der politischen Wende in Ostdeutschland (1990) nicht wieder aufgebaut. Erhalten blieben der Neustrelitzer Schlosspark und eine Reihe sehenswerter Gebäude im Neustrelitzer Residenzviertel.

mini|hochkant=1.1|Schlossturms des Residenzschlosses in einem Winter um 1940 Im Oktober 2019 vereinbarten die Stadt Neustrelitz und das Land Mecklenburg-Vorpommern, den 51 Meter hohen zerstörten Schlossturm seinem früheren Äußeren entsprechend wieder aufzubauen, die denkmalgeschützten Kellerräume zu beräumen, begehbar zu machen und mit einer nutzbaren Betondecke zu überspannen. Außerdem wurde das ehemalige Residenzschloss in die Liste: Orte der Demokratiegeschichte aufgenommen. Am Anfang des Jahres 2024 wurden die Kosten für den Bau des Turms auf etwa 9,5 Millionen Euro geschätzt. Der Bund und das Land Mecklenburg-Vorpommern hatten 6,5 Millionen Euro Fördergeld zugesagt. Die verbleibende Finanzierungslücke von mindestens 3 Millionen Euro war zu diesem Zeitpunkt von der Kommune, der Stadt Neustrelitz, als dem für die Errichtung des Bauwerks infragekommenden Bauherren, noch nicht zu schließen. Auch seien nach Aussage des Neustrelitzer Bürgermeisters die zukünftigen Unterhaltskosten nicht gegenzufinanzieren. Nach wie vor fehlte auch zu Beginn des Jahres 2025 der finale Aufstellungsbeschluss der Neustrelitzer Stadtvertretung zum Bau des Turms, sodass mit den Bauarbeiten bislang noch nicht begonnen werden konnte.

Geographie Lage Naturräumlich ist Neustrelitz Teil des Neustrelitzer Kleinseenlandes in der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Stadt liegt am Zierker See, der über den Kammerkanal und den Woblitzsee mit der Oberen Havel-Wasserstraße verbunden ist. Innerhalb oder nahe der Stadt liegen 29 größere und kleinere Seen, wie der an die Innenstadt grenzende Zierker See mit Stadthafen, Glambecker See, Domjüchsee, Großer Fürstenseer See, Großer Prälanksee, Langer See, Krebssee, Kluger See und Buttersee.

Das Mittelzentrum Neustrelitz ist vom nächsten Mittelzentrum, der Stadt Waren (Müritz), knapp 45 km entfernt. Das nächste Oberzentrum von Neustrelitz aus ist die 28 km entfernte Stadt Neubrandenburg. Grundzentren im Umkreis von 40 km sind Wesenberg, Penzlin, Mirow, Burg Stargard, Rechlin und Feldberger Seenlandschaft. Die nächstgelegenen Ballungsräume sind Berlin im Süden, Stettin im Osten, die Regiopole Rostock im Nordwesten und Hamburg im Westen.Landesraumentwicklungsprogramm MV 2015, abgerufen am 8. Juli 2015.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet von Neustrelitz umfasst eine Fläche von 13.815 ha und ist in sechs Stadtteile untergliedert: Innenstadt Kiefernheide Strelitz-Alt (am 10. September 1931 eingemeindet) Zierke mit den Ortslagen Wiesenthal und Prälank (Ende des 19. Jh. eingemeindet), des Weiteren die Ortschaften und Wohnplätze Rudow, Tannenhof, Wiesenthal, Sophienhof, KiebitzbruchZur Residenzstadt Neustrelitz gehören die Stadt- und Ortsteile: Innenstadt, Zierke mit Rudow, Tannenhof, Wiesenthal, Sophienhof, Kiebitzbruch, Kiefernheide, Strelitz-Alt, Fürstensee, Klein Trebbow mit Drewin, Groß Trebbow, Prälank-Dorf mit Prälank-Siedlung, Prälank-Kalkofen, Langhagen, Hohenlanke., Hrsg. Stadt Neustrelitz, 2023. Fürstensee (am 30. Januar 1992 eingemeindet), Klein Trebbow mit den Ortslagen Groß Trebbow und Drewin (am 30. Januar 1992 eingemeindet)

Geschichte Zur Geschichte der bis 1931 und von 1945 bis 1946 selbstständigen Stadt Strelitz-Alt siehe dort.

Name Der Name Neustrelitz (in älteren Schriften auch: Neu-Strelitz, N. Strelitz oder missverständlich einfach nur Strelitz) wurde vom Namen der Mutterstadt Strelitz abgeleitet, welche erst 1931 eingemeindet wurde. Der Ortsname der Mutterstadt Strelitz geht auf altslawisch strělci (Schützen) zurück und war möglicherweise die Bezeichnung einer Dienstsiedlung, wie es sie im Mittelalter in Ostmitteleuropa mehrfach gab. Strelitz bedeutet damit „Ort der Schützen“ bzw. „Ort, wo die Schützen wohnen“.Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 448. Als Neuenstrelitz erscheint der Ort bereits am 20. März 1732 in einer Quittung, die der Hofgärtner und herzogliche Baumeister Julius Löwe einem Arbeiter ausstellte.Annalise Wagner: Aus dem alten Neustrelitz. S. 7 Seit dem Entstehen der sich entwickelnden neuen Residenz Neustrelitz wurde die alte Mutterstadt Strelitz zur besseren Unterscheidung umgangssprachlich immer häufiger als Alt-Strelitz bezeichnet, ohne dass es jedoch zu einer offiziellen Umbenennung gekommen wäre.Museum der Stadt Neustrelitz (Hrsg.): Neustrelitz. Eine Stadtgründung des 18. Jahrhunderts. 1978. Strelitz trägt seit 1994 offiziell den Stadtteilnamen Strelitz-Alt.Verlagsbeilage: 650 Jahre Strelitz-Alt. In: Nordkurier, 1999Künftig heißt es Strelitz-Alt. In: Amtsblatt der Stadt Neustrelitz 94/03, 9. Februar 1994.

Vorgeschichte (1701–1733) mini|hochkant=1|Das „Fürstliche Haus“ in Glieneke – Ursprung der Stadt Neustrelitz (Ausschnitt aus einer Infotafel des Neustrelitzer Schlossverein e. V. zur Geschichte des Neustrelitzer Schlosses)