mini|hochkant=1.3|Künzelsau vom Lindle (Aussichtspunkt oberhalb des Südhangs) aus gesehen (Juni 2006) mini|Offizielles Logo der Stadt Künzelsau Künzelsau (standarddeutsche Aussprache: [], in der lokalen ostfränkischen Mundart: , auch kurz: , entsprechend einer schriftsprachlichen Verkürzung Kü-au) ist die Kreisstadt des Hohenlohekreises im fränkisch geprägten Nordosten Baden-Württembergs. Sie ist ein Mittelzentrum im Regionalverband Heilbronn-Franken. Ihr wurde zum 1. Oktober 2022 der Namenszusatz Hochschulstadt verliehen.Bekanntmachungen des Ministeriums des Inneren, für Digitalisierung und Kommunen Baden-Württemberg über die Genehmigung von sonstigen Bezeichnungen vom 1. September 2022 – Az.: IM2-2200-6/1, GABl. BW (2022), S. 819.
Geografie Geografische Lage Die Stadt Künzelsau liegt auf 210 bis Höhe am unteren Kocher, einem rechten Nebenfluss des Neckars, circa 40 km östlich von Heilbronn. Die Stadt ist nach Öhringen die zweitgrößte Stadt des Hohenlohekreises und dessen Kreisstadt.
Kreissitz/Kreisstadt Der Hohenlohekreis wurde im Rahmen der Kreisreform zum 1. Januar 1973 durch Zusammenlegung der Altkreise Künzelsau (KÜN) und Öhringen (ÖHR) gebildet. Die Stadt Künzelsau behielt den Kreissitz und das Kfz-Kennzeichen lautete KÜN, wie bisher für den Altkreis. Per Kreistagsbeschluss vom 3. November 2014 wurde das alte Kfz-Kennzeichen ÖHR wieder zugelassen. Die Stadt ist eines der sieben Zentren des Regionalverbands Heilbronn-Franken innerhalb des Regierungsbezirks Stuttgart.
Stadtgliederung Vor der das Stadtgebiet stark erweiternden Gebietsreform der 1970er-Jahre gehörten zu Künzelsau nur die Stadt Künzelsau, die Dörfer Garnberg und Nagelsberg und die Wohnplätze Gaisbacher Rank und Hofratsmühle.
Künzelsau besteht heute aus 12 Stadtteilen: Der Kernstadt sowie den Stadtteilen Garnberg, Nagelsberg und Taläcker sowie den im Rahmen der Gemeindereform eingemeindeten Stadtteilen Amrichshausen, Belsenberg, Gaisbach, Kocherstetten, Laßbach, Morsbach, Nitzenhausen und Steinbach. Diese acht letztgenannten Stadtteile bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben je einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat sowie einen Ortsvorsteher als Vorsitzenden. mini|ohne|520px|alternativtext=Grafik mit einer Karte der Stadtteile von Künzelsau|Stadtteile von Künzelsau
Zu den genannten Stadtteilen gehören oftmals zusätzlich noch weitere Dörfer, Weiler und Wohnplätze.
Die Kernstadt liegt im Tal () des tief in die Hohenloher Ebene eingegrabenen Kochers, der Altstadtteil steht am linken Flussufer in einem südlichen Talverbreiterungskeil vor dem Zulauf des Künsbachs aus dem Südosten; jüngere Teile der Kernstadt füllen diesen Keil oder ziehen sich in Siedlungszeilen halb den nördlichen Gegenhang hoch.
Mit dem Gemeinderatsbeschluss von 19. Januar 2021 wurde der teilweise mit mehrgeschossigen Wohnhäusern bebaute Wohnplatz Taläcker als Stadtteil in die Hauptsatzung mit aufgenommen. Er liegt südwestlich auf der flachen Hangschulter oberhalb der Talweitung. Dieses Neubaugebiet entstand Anfang der 1990er Jahre im Rahmen des Wohnungsbauprogramms des Landes. Es ist durch eine Standseilbahn mit der ca. 180 m tiefer liegenden Kernstadt verbunden.. In: kuenzelsau.de, abgerufen am 17. Juni 2012.
Etwa zweieinhalb Kilometer südlich der Stadtmitte liegt der Stadtteil Gaisbach () auf der Hochebene, umgeben von seinen Weilern Haag, Kemmeten und Weckhof und dem Gehöft Schnaihof. Der ebenfalls zugehörige Weiler Etzlinsweiler liegt weiter östlich jenseits des Künsbacheinschnittes.
Die Kernstadt in ihrem kleinen Kessel grenzt fast an die westliche Stadtgrenze. Östlich kocheraufwärts von ihr liegen nacheinander im Flusstal die Stadtteile Morsbach () und Kocherstetten () mit dem Weiler Schloss Stetten (über ) auf einem Seitensporn sowie den Gehöften Bienenhof auf der rechten Hochebene und Buchenmühle im Tal.
Kocherabwärts der Kernstadt sitzt Nagelsberg () auf dem unteren und mittleren Mündungssporn des rechten Seitenbaches Deubach, nördlich in seinem Untertal liegt Belsenberg (). Zu ihm gehören die auf der Höhe liegenden Siedlungsplätze Rodachshof und Siegelhof.
Auf der oberen Hangkante des Flusstals im Norden steht Garnberg (), etwas zurückgesetzt in der flachen oberen Deubach-Mulde Amrichshausen (); die Stadtteile Steinbach () (mit den Weilern Büttelbronn, Ohrenbach () und Wolfsölden), Nitzenhausen () (mit den Weilern Berndshausen und Sonnhofen) und Laßbach (mit den Dörfern Mäusdorf und Vogelsberg und den Höfen Falkenhof, Kügelhof und Rappoldsweiler Hof) () liegen fast alle in weiterer Entfernung rechts des Kochertals auf der Hochebene.
Im Stadtgebiet Künzelsaus liegen die abgegangenen Ortschaften (jeweils den ehemaligen Gemeinden zugeordnet) Neugreut zu Amrichshausen, eine Kapelle zum heiligen Kreuz zu Belsenberg, Hefenhofen, Herborten, Steinbach, Gackstatt und Schupperg zu Gaisbach, Baldehofen, Kronhofen, Webern, Wartturm, die abgegangene Burg Zarge zu Künzelsau, Alosweiler, Bole oder Bohel, Hitels (in Vogelsberg aufgegangen), Schätzlinshof und Schlothof zu Laßbach, das sogenannte Heidenschlößchen zu Morsbach sowie Holderbach, Dörrenhof, Klingen und Wilhelmshaus zu Steinbach.
Die Gemarkungsfläche der Gesamtstadt Künzelsau einschließlich aller Stadtteile umfasst 75,17 km2.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Künzelsau.
Geschichte Mittelalter mini|hochkant=1.2|Künzelsau um 1880, Lithografie aus der Oberamtsbeschreibung. mini|hochkant|Altes Künzelsauer Rathaus Das erste Mal urkundlich erwähnt wurde Künzelsau im Jahre 1098. Der Ort liegt am Künsbach in der Talaue, in der Conzles-Aue.Rudolf Schlauch: Hohenlohe Franken: Landschaft, Geschichte, Kultur, Kunst, Glock und Lutz, Nürnberg 1964 S. 369. Der Ortsname geht auf den deutschen Vornamen Konrad bzw. auf dessen „Koseform Cunzilo“ zurück. Demnach entstand der Ort auf der Aue des Konz. Der Ort gilt auch als „hohenlohisches Klein-Nürnberg“.
Neuzeit mini|In Künzelsau herrschten sechs Reichsstände als Ganerben. Bis 1802 war die Stadt ein Kondominium und unterstand einer Ganerbengemeinschaft, die aus einer wechselnden Zahl von Mitgliedern bestand. 1806 kam Künzelsau mit dem Fürstentum Hohenlohe zum Königreich Württemberg. 1811 wurde Künzelsau Sitz des gleichnamigen Oberamtes (seit 1938: Landkreis Künzelsau).
1892 wurde der Bahnhof Künzelsau eingeweiht, als mit der Kochertalbahn der Anschluss an das Netz der Württembergischen Eisenbahn erfolgte.
Mit der Kreisreform wurde die frühere Kreisstadt des Landkreises Künzelsau 1973 Kreisstadt des neuen Hohenlohekreises, der den Altkreis Öhringen und einen kleinen Teil des Altkreises Buchen einschließt.
Religionen Die Reformation wurde 1556 in Künzelsau eingeführt. Die Stadt ist daher überwiegend evangelisch geprägt. Sie ist seit 1824/25 Sitz des von Ingelfingen hierher verlegten Dekanats der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (siehe Kirchenbezirk Künzelsau). Evangelische Kirchengemeinden gibt es in Belsenberg, Kocherstetten, Künzelsau und Morsbach. Zu ihnen gehören die meisten Protestanten der anderen Stadtteile. Lediglich die Protestanten der Stadtteile Berndshausen, Nitzenhausen und Wolfsölden gehören zur Kirchengemeinde Buchenbach (Gemeinde Mulfingen).
Die früher eigenständigen katholischen Pfarreien Künzelsau, Nagelsberg, Kupferzell und Amrichshausen sind zur Seelsorgeeinheit Künzelsau zusammengefasst und Teil des Dekanats Hohenlohe im Bistum Rottenburg-Stuttgart.
Neben den beiden großen Kirchen sind in Künzelsau eine neuapostolische Gemeinde (mit Kirchen in Künzelsau und Gaisbach), eine Gemeinde der Zeugen Jehovas (Königreichssaal in Gaisbach), eine griechisch-orthodoxe Gemeinde, die pfingstlich-charismatische Christengemeinde Arche vom Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden sowie weitere christliche Glaubensgemeinschaften vertreten.
Nach der Nennung von Juden im 14. Jahrhundert, der vom Chronisten Augustin Faust überlieferten Existenz einer Synagoge in der Scharfengasse sowie eines Friedhofs im Gewann Holderrain, wurden die Juden 1580/81 vertrieben. Eine neuzeitliche jüdische Gemeinde in Künzelsau entstand erst im späten 19. Jahrhundert, insbesondere durch den Zuzug von Juden aus Nagelsberg. Die israelitische Gemeinde hieß zunächst Nagelsberg-Künzelsau, dann Künzelsau-Nagelsberg und schließlich ab 1900 Künzelsau, womit auch der Name die Wanderung von Nagelsberg nach Künzelsau dokumentiert. Im Jahre 1907 wurde die Künzelsauer Synagoge eingeweiht, die bei den Novemberpogromen 1938 zerstört wurde.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0. S. 53 f. Die Gemeinde erlosch im Zuge der Judenverfolgung zur Zeit des Nationalsozialismus. Einige Gemeindemitglieder konnten auswandern, die Mehrzahl wurde jedoch im Verlauf der Deportation deutscher Juden ermordet. Einzig der Großkaufmann Sigbert Baer überlebte die Zeit des Dritten Reiches in Künzelsau.
Einwohnerentwicklung
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Künzelsau von 1800 bis 2017
Jahr Einwohner 1800 2000 1830 2500 1910 3067 1939 3950 1951 5250 1960 7605 1970 8537 1981 11.565 Jahr Einwohner 1991 12.497 1995 14.411 2000 14.819 2005 15.032 2010 14.822 2015 15.127 2017 15.349
Eingemeindungen 1. April 1912: Garnberg 1. Oktober 1937: Nagelsberg 1. Januar 1972: Amrichshausen, Belsenberg, Kocherstetten, Laßbach, Nitzenhausen und Steinbach 1. April 1972: Gaisbach 1. Januar 1973: Morsbach 1. Januar 1977: Sonnhofen (Umgliederung von Mulfingen)
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Künzelsau hat 22 Mitglieder, er besteht aus den gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,63 6 29,0 6 FFK Fraktion für Künzelsau 21,02 5 17,2 4 Freie Die Freien 17,54 4 12,6 3 SPD/GRÜNE Sozialdemokratische Partei Deutschlands/Bündnis 90/Die Grünen 16,06 3 22,9 5 UBK Unabhängige Bürger Künzelsau 15,15 3 18,4 4 PARTEI Die Partei 2,61 1 – –Gesamt 100 % 22 100 % 22Wahlbeteiligung 56,8 % 53,4 % mini|hochkant=0.9|Rathaus von Künzelsau
Bürgermeister Der Bürgermeister wird für acht Jahre direkt gewählt. Seit 2010 ist Stefan Neumann Bürgermeister.
Siehe auch: Liste der Bürgermeister der Stadt Künzelsau
Wappen und Flagge mini|hochkant=0.6|Motiv des Stadtwappens als Fassadenschmuck
Die Stadtflagge ist Blau-Weiß.
Städtepartnerschaft seit 1992
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr
Straßenverkehr Wichtigste Verkehrsader Künzelsaus ist die Bundesstraße 19, die vom nördlich gelegenen Bad Mergentheim kommt. Im Künzelsauer Stadtteil Nagelsberg erreicht sie das Kochertal, durchquert Künzelsau und verlässt über eine dreispurig ausgebaute Steige das Tal wieder. Anschließend führt sie über Künzelsau-Gaisbach nach Süden in Richtung Schwäbisch Hall und Gaildorf.
In der südlichen Nachbargemeinde Kupferzell hat die B 19 Anschluss an die Bundesautobahn 6 nach Heilbronn im Westen und Nürnberg im Osten.
Mit den Orten im Kochertal und auf den umgebenden Hochflächen ist Künzelsau durch Landes- und Kreisstraßen verbunden.
Standseilbahn Seit 1999 verbindet innerörtlich die Künzelsauer Bergbahn den Wohnbauschwerpunkt Taläcker auf der Hohenloher Ebene mit der Kernstadt im Kochertal.
Eisenbahn mini|Alter Bahnhof von Künzelsau