Der Bergpark Wilhelmshöhe in der nordhessischen Großstadt Kassel ist mit einer Fläche von 2,4 Quadratkilometern der größte Bergpark in Europa und ein Landschaftspark von Weltgeltung. Am 23. Juni 2013 wurde er als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt, und er wird von der Deutschen Zentrale für Tourismus unter den Top-100-Sehenswürdigkeiten in Deutschland geführt.

Der Park ist insbesondere durch die darin befindlichen Wasserspiele, den Herkules mit gleichnamiger Statue, das Schloss Wilhelmshöhe und die künstliche Ruine Löwenburg bekannt.

Überblick mini|hochkant=1.2|Karte des Bergparks Wilhelmshöhe (um 1810) Der Bergpark Wilhelmshöhe befindet sich im Kasseler Stadtteil Bad Wilhelmshöhe. Die Landgrafen und Kurfürsten von Hessen-Kassel ließen den Park ab 1696 anlegen. In den folgenden 150 Jahren wurde er erweitert. Seinen Namen verdankt er Landgraf Wilhelms IX., des späteren Kurfürsten Wilhelm I. (1743–1821).

Der Bergpark ist einmalig in der Geschichte der europäischen Gartenkunst: Italienische Gärten des Barock waren auch an Berghängen, in Terrassenform, angelegt, umfassten jedoch nie ein so großes Areal, und französische Barockparks erstreckten sich lediglich in der Ebene. Die heutige Parkform, besonders im unteren Bereich, ist jedoch kein Barockgarten, sondern folgt den Ideen des Englischen Landschaftsgartens.

Bekannt ist der Bergpark insbesondere aufgrund der Wasserspiele, die sich im Park vom Herkules über die Kaskaden in Richtung Osten bzw. Schloss Wilhelmshöhe ergießen, und durch die aufwendig gestaltete Gartenkunst. Der Schlosspark ist ein Abbild der europäischen Kunst- und Kulturgeschichte durch mehrere Epochen. Georg Dehio, Nestor der modernen Denkmalpflege, sagte über den Park: „… vielleicht das Grandioseste, was irgendwo der Barock in Verbindung von Architektur und Landschaft gewagt hat.“

Das Land Hessen stellte im Januar 2012 beim Welterbezentrum der UNESCO den Antrag, den Bergpark in die Liste des UNESCO-Welterbes aufzunehmen. Am 23. Juni 2013 wurde dem Antrag auf der 37. Sitzung des UNESCO-Welterbekomitees in Phnom Penh stattgegeben. Die Anlage ist Deutschlands 38. Weltkulturerbe. Seit 2009 gehört der Park zum European Garden Heritage Network. Der Park wird seit 2006 von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) betreut, die seit 2023 Hessen Kassel Heritage (HKH) heißt.

Geographische Lage Der Bergpark Wilhelmshöhe erstreckt sich im Gebiet des westlichsten Kasseler Stadtteils, Bad Wilhelmshöhe, und hinauf in den Hohen Habichtswald. Er ist 2,4 km² groß. Die Größenangaben reichen teils bis zu 3,0 km². Zum Habichtswald gehört der Karlsberg () mit dem Herkules auf Höhe. Östlich begrenzt wird der Park durch den Westrand des bebauten Kasseler Stadtgebiets, wo sich das Schloss Wilhelmshöhe auf etwa Höhe befindet. Der Bergpark ist einer der östlichsten Bestandteile des Naturparks Habichtswald.

Geschichte und Bauphasen mini|Der von 1701 bis 1717 gebaute Herkules mit der Herkules-Statue auf der Spitze einer Pyramide, die auf dem Riesenschloss, einem Oktogon, steht.

Am Ort des heutigen Bergparks befand sich im 17. Jahrhundert ein bewaldeter Hang des Habichtswaldes, mehr als fünf Kilometer westlich – und damit weit außerhalb – der damaligen Kasseler Stadtgrenze. An der Stelle des jetzigen Schlosses Wilhelmshöhe war im Jahr 1143 von Mainz aus das Kloster Weißenstein der Augustiner-Chorherren gegründet worden. Es bestand ab 1193 als Frauenkloster und wurde nach der Reformation in Hessen (um 1517/1518) aufgelöst. Die verbliebenen Gebäude nutzte Landgraf Philipp I. als Jagdsitz. 1606 bis 1610 erbaute Landgraf Moritz von Hessen-Kassel dort ein Jagdschloss, das weiterhin den Namen Weißenstein trug.

Baubeginn Der Bergpark entstand ab 1696 in barocker Form unter Landgraf Karl, als mit den Bauarbeiten des Kleinen Herkules (auch Alter Winterkasten genannt) begonnen wurde. Dessen Bauort, an dem noch einige Mauer- und Fundamentreste vorhanden sind, war der Hüttenberg (). Man beschloss aber, diesen Berg, der sich etwa 400 Meter südsüdöstlich des heutigen Herkules befindet, als Blickpunkt der Parkanlage und damit als Bauort aufzugeben, so dass die Arbeiten eingestellt wurden.

Landgraf Karl engagierte 1696 den französischen Erfinder Denis Papin, der eine Dampfpumpe zum Betrieb einer Wasserfontäne konstruierte und damit nebst Thomas Savery zu den ersten Erfindern einer Dampfmaschine gehörte – die Pumpe funktionierte freilich nie richtig. Karl war nicht bereit, die Entwicklung weiter zu finanzieren, und ein Versuch, zu diesem Zwecke mit Gottfried Wilhelm Leibniz zusammenzuarbeiten, der gleichzeitig an den Herrenhäuser Gärten in Hannover arbeitete, scheiterte am Desinteresse Leibniz’.

Bis weit in das 19. Jahrhundert wurde die Parkanlage nach den jeweils aktuellen Vorstellungen fortentwickelt. Dabei waren insbesondere zwei Bauphasen wichtig, die den Park heute prägen:

Der barocke Karlsberg ab 1700 mini|In der Regierungszeit von Landgraf Friedrich II. war der Garten viel kleinteiliger ausstaffiert. Im Jahr 1701 wurde mit dem Bau des Riesenschlosses, eines Oktogons, und der vorgelagerten Kaskade begonnen. Landgraf Karl und sein italienischer Architekt Giovanni Francesco Guerniero schufen eine Wasserachse nach dem feudalen Zeitgeschmack des Barock; am 3. Juni 1714, dem ersten Sonntag des Monats, wurden die Kasseler Wasserspiele erstmals öffentlich präsentiert. Die Herkules-Statue auf der Dachpyramide wurde erst 1717 aufgestellt. Die Gesamtlänge der Anlage von der Vexierwassergrotte unterhalb des Oktogons bis zum Neptunbecken, das sich am Ende der 250 Meter langen Kaskade befindet, beträgt ungefähr 320 Meter. Ursprüngliche Planungen, dieses Bauwerk bis hinunter zum Schloss weiterzuführen, wurden nicht umgesetzt, und der untere Bereich, also Dreiviertel des Hanges des Karlsbergs, wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts zunächst nur geringfügig umgestaltet.

Der reife Landschaftspark ab 1785 mini|Blick zum Schloss Wilhelmshöhe, gemalt von Johann Erdmann Hummel um 1800

Unter Landgraf Wilhelm IX. (später Kurfürst Wilhelm I. von Hessen-Kassel) begann nach dessen Regierungsantritt im Jahr 1785 eine große Umbau- und Erweiterungsphase in dem Bereich zwischen den Kaskaden und dem Schloss. Gleichzeitig wurde Schloss Weißenstein ab 1786 abgerissen und als Schloss Wilhelmshöhe nach den klassizistischen Entwürfen von Simon Louis du Ry neu gebaut. In der Gartengestaltung hatten sich die Ideale inzwischen von „französischer Strenge“ zu „englischer Natürlichkeit“ verlagert: statt gerader barocker Achsen spielten überraschende Wegeführung und Aussichtspunkte die neue Hauptrolle. Im Rahmen der Umgestaltungs- und Erweiterungsmaßnahmen ab 1785 entstanden die Bauten von Heinrich Christoph Jussow, die das Gelände bis heute prägen. Von Jussow, dem Gartenarchitekten des Landgrafen, stammt mit der als künstliche Ruine erbauten Löwenburg (1793–1800) eines der wichtigsten Gebäude im Bergpark. Er entwickelte den Schlossteich (1785–1791), auch Lac genannt, und erweiterte die Wasserspiele durch Bauwerke wie den Fontänenteich (1789/1790) und die Teufelsbrücke mit dem Höllenteich (1792/1793). Jussow entwarf auch den faszinierenden Aquädukt (1788–1792), das architektonische Zitat einer verfallenen römischen Wasserleitung, von deren Höhe das Wasser in ein 34 Meter tiefer gelegenes Tal stürzt. Eine wichtige Rolle als Gestalter von Park und Wasserspielen hatte auch der „Brunneninspektor“ Karl Steinhöfer (1747–1829), auf ihn geht der heutige Steinhöfer Wasserfall (früher Waldwasserfall, 1793) und der Neue Wasserfall zurück. Hofgärtner dieser Jahre war Daniel August Schwarzkopf, er drückte die Ziele der Parkneugestaltung so aus:

1806–1866 mini|Löwenburg vom Schloss gesehen

1806 erreichten die europäischen Umwälzungen den Bergpark Wilhelmshöhe: Die Truppen Napoleons standen vor Kassel und vertrieben Kurfürst Wilhelm I. Napoleons jüngster Bruder, Jérôme Bonaparte, regierte von Schloss und Bergpark aus das neugeschaffene Königreich Westphalen. Von den Chronisten der Wilhelmshöhe – jetzt in Napoleonshöhe umbenannt – wird diese Episode als Zeit zahlreicher öffentlicher Festivitäten beschrieben und von Jérôme der Beiname König Lustik überliefert. Baumaßnahmen dieser Jahre waren die Erweiterung des Schlosses – die bisherigen drei Einzelflügel wurden durch Zwischenbauten verbunden – sowie der Neubau eines Hoftheaters, des späteren Ballhauses, unmittelbar neben dem Schloss.

Im Jahr 1813, nach der Niederlage Napoleons, kehrte der geflüchtete Kurfürst Wilhelm I. zurück nach Kassel und in den Bergpark. Sein Nachfolger Wilhelm II. ließ 1826 mit dem Neuen Wasserfall das letzte große Bauwerk der Wasserspiele anlegen. Der auf ihn folgende Friedrich Wilhelm I. sympathisierte im Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 mit Österreich. Da nutzten auch die verwandtschaftlichen Beziehungen zum preußischen Hof nichts mehr: Nach dem militärischen Sieg Preußens wurde er inhaftiert, und die Jahrhunderte währende Geschichte des Herrscherhauses von Hessen-Kassel, der Bauherren des Bergparks, war abgeschlossen.

1866–1918 mini|Das Kaiserpaar beim Ausritt im Bergpark 1906 mini|Mitglieder des „Großen Hauptquartiers“ im November 1918 vor der Schlosswache

Kassel wurde preußische Provinzhauptstadt und der Ausbau des Bergparks Wilhelmshöhe damit endgültig beendet. Das Schloss Wilhelmshöhe wurde 1870 kurzzeitig zum Staatsgefängnis des neuen Deutschen Reiches: Der im Deutsch-Französischen Krieg unterlegene Kaiser Napoleon III. war als Gefangener im Schloss Wilhelmshöhe.

Ab 1899 nutzte der deutsche Kaiser Wilhelm II. Schloss Wilhelmshöhe als jährliche Sommerresidenz. Schloss und Park bildeten damit in den folgenden Jahren wieder einen Handlungsort der europäischen Politik. Nach dem Waffenstillstand von Compiègne im November 1918 war das Schloss Sitz des Großen Hauptquartiers bis Februar 1919. Von einem Nebengebäude des Schlosses aus organisierte und leitete Paul von Hindenburg nach dem Ende des Ersten Weltkriegs den Rückzug und die Demobilisierung des Deutschen Heeres.

20. Jahrhundert Im 20. Jahrhundert erfolgten keine zeitgenössischen Ausbauten oder Erweiterungen der eigentlichen Parkanlage. Lediglich von 1950 bis 1955 bestand die erfolglose Waldbühne Wilhelmshöhe im nördlichen Teil des Gartens. Es fanden ausschließlich konservatorische Maßnahmen statt, welche die vorhandene Substanz des 18. und 19. Jahrhunderts bewahren sollten. Zusätzlich kam es zu Infrastrukturbauten in Form von Straßen und Parkplätzen, die eine problematische Beeinträchtigung des Bergparks darstellen. So führen heute teils mehr als sechs Meter breite, asphaltierte Nebenstraßen durch die Kernbereiche des Parks, die sich kaum mit Schwarzkopfs „Garten Wegen“ (s. o.) vereinbaren lassen.

In den Jahren 1923 bis 1927 fuhren bekannte Rennfahrer wie Caracciola, Jörns, Kappler oder Rosenberger im Bergpark Autorennen um den Bergpreis von Kassel. 1951 bis 1954 belebten Motorradrennen diese Tradition kurzzeitig wieder. Seit 2005 wird das Bergparkrennen mit historischen Autos und Motorrädern alle 2 Jahre veranstaltet.

Heute In den frühen 2000ern wurden seitens der Landesregierung von Hessen Pläne zur Neustrukturierung der Museen in Kassel vorangetrieben, um deren Attraktivität für Besucher zu steigern. Aus dieser Neustrukturierung ging im Jahr 2006 die Museumslandschaft Hessen Kassel (mhk) hervor, die auch die Kasseler Liegenschaften der Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen übernahm. Davon war auch der Bergpark betroffen, wobei unter anderem die seit 1986 geplante Bewerbung zum Weltkulturerbe gefördert wurde. Die Bewerbung musste jedoch lange Zeit aus politischen Gründen ruhen, da nach 1990 die Bundesrepublik zunächst mehr Natur- und Kulturdenkmäler aus den neuen Bundesländern zur Aufnahme vorschlug. Am 23. Juni 2013 wurde der Bergpark zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Der Park mini|Blick von Süden auf den Lac; im Hintergrund Schloss Wilhelmshöhe.

Landschaftsbild