mini|Papier-Fahrkarte der Deutschen Bahn für die Fahrten München Hbf ↔ Frankfurt am Main Hbf, 2. Wagenklasse (2003) mini|Historischer Netzbildfahrschein der Straßenbahn Ulm, hierbei markiert der Schaffner Anfang und Endpunkt der Fahrt auf dem schematischen Streckenetzplan mini|Mehrfahrtenkarte der VEB Erfurter Verkehrsbetriebe (DDR 1983)

Die Fahrkarte (auch Fahrausweis, Fahrtausweis oder Fahrschein; Schweiz Billett; Anglizismus Ticket, in der Anfangszeit der Eisenbahn FahrzettelDie Bahnsteig-Revolution. In: Der Spiegel, Ausgabe Nr. 17, 22. April 2023, S. 51.) ist ein Wertzeichen, das gegen Entrichtung des Fahrpreises (Beförderungsentgelt) zur Benutzung eines öffentlichen Verkehrsmittels berechtigt (beispielsweise für die Eisenbahn, die Straßenbahn, den Oberleitungsbus, den Omnibus oder Passagierflugzeuge). Wird die Fahrkarte kostenlos abgegeben, spricht man von einem Freifahrtschein.

Für jeden Verkehrsträger gibt es unterschiedliche Fahrkarten, je nachdem, welche Beförderungsklasse, Verkehrsart (Nah- oder Fernverkehr, Linien- oder Charterverkehr) oder welcher Beförderungszeitraum (Einzelfahrkarte, Zeitkarte) gewählt wird.

Geschichte mini|hochkant|Kartonfahrkarte Deutschen Reichsbahn von 1965 mini|hochkant|Kartonfahr­karte der Deutschen Reichsbahn mit Schnellzug­zuschlag von 1969 mini|hochkant|Edmondson­sche Sonntags­rück­fahrkarte der Deutschen Reichsbahn von 1965 mini|hochkant|Fahrschein der Wiener Verkehrsbetriebe von 1949 mini|links|Deutsche Bundesbahn (1964), Raumbegrenzungstafel enthaltend die Raumbegrenzungen für Grundentfernungen und die Bestimmungen über die wahlfreie Gültigkeit der Fahrausweise mini|links|Fahrkartenschalter (innen) mit Fahrkartendruckmaschine (DDR 1985) mini|links|Fahrkarte aus einem Automaten in Saarlouis Hauptbahnhof der damaligen Deutschen Bundesbahn (1988) mini|links|Einzelfahrschein von Südtirol Mobil (2024) mit aufgedrucktem QR-Code mini|Argentinische Fahrkarten vor 1925 mini|Straßenbahnmünze der Städtischen Straßenbahnen Solingen, ausgegeben anstatt einer klassischen Fahrkarte aus Papier oder Karton

Fahrkarten wurden aus dem ursprünglichen Zettelfahrschein entwickelt und ermöglichten eine einfachere Abrechnung durch fortlaufende Seriennummern. Thomas Edmondson stellte um 1836 die ersten Fahrkarten aus Karton her. Die Entwertung durch eine einfache Lochung oder Stempelung war unauslöschbar; bei der Ausgabe wurden sie üblicherweise mit dem Tagesdatum sowie der Ausgabestelle (durch Nummer oder Buchstabe) versehen, wozu eine Fahrkartenstempelpresse verwendet wurde.

Bei den deutschen Eisenbahnen war früher die Benennung Billett gebräuchlich, in der Schweiz gilt sie noch heute. Klassische edmondsonsche Kartonfahrkarten werden immer seltener verwendet, sie wurden durch Fahrscheine aus Fahrscheindruckern oder Fahrkartenautomaten auf Spezialpapieren mit mehreren Sicherheitsmerkmalen, ähnlich wie bei Banknoten, ersetzt.

Der Einsatz von Fahrkarten lief 1832 bei der Liverpool and Manchester Railway folgendermaßen ab:

Durchgangsfahrkarte Ein Durchgangsfahrkarte ist ein einziger Beförderungsvertrag für eine (Bahn)fahrt, unabhängig von der Anzahl der Anschlüsse während der Fahrt.

Fahrkarten nach Ländern Deutschland Geschichte Bei der DB wurden, wenn das Fahrtziel über verschiedene Strecken zu erreichen war, Raumbegrenzungen auf den Fahrkarten eingetragen. Eine Fahrkarte von Hamburg nach Basel wurde so ausgestellt: Hamburg – R (Nummer) – Basel. Diese Fahrkarte konnte über Hannover – Kassel – Frankfurt am Main oder über Bremen – Münster – Mönchengladbach – Mainz benutzt werden. Kreuz- und Querfahrten in Richtung auf das Reiseziel waren dabei erlaubt. Raumbegrenzungen gab es auch im Nahverkehr. Teils waren in diese auch Bahnbus-Strecken mit einbezogen.

Zu den am einfachsten gestalteten Fahrkarten zählten die vorgedruckten Zahlbox-Fahrscheine bei städtischen Verkehrsbetrieben der DDR. Sie wurden vom Fahrgast von einer Rolle abgerissen und bestanden lediglich aus einigen Betriebszeichen und dem Aufdruck: „Gültig für eine Fahrt … (laufende Nummer) … laut Tarif“.Bild eines Zahlboxfahrscheins unter

Rechtsfragen Rechtlich ist die Fahrkarte ein so genanntes „kleines Inhaberpapier“ nach  BGB. Fahrkartenkontrollen finden entweder regelmäßig beim Einsteigen durch den Fahrer, inzwischen sehr selten durch Schaffner und sporadisch (bei der Eisenbahn regelmäßig) mit zivilen oder uniformierten Angestellten der Verkehrsgesellschaft statt. Fahrgäste, die das Verkehrsmittel ohne Fahrkarte nutzen, können sich gemäß StGB des Straftatbestands der Erschleichung von Leistungen schuldig machen; diese sogenannte Beförderungserschleichung gilt als ein kriminologisches Massenphänomen.

Fahrkartenarten mini|hochkant|Personalfahrkarte, DB, 1975 mini|Bundeswehr Militärdienstrückfahrkarte von 1978 Neben den Einzelfahrkarten, die zu einer Fahrt in einer Richtung berechtigen oder als Rückfahrkarte zu einer einzelnen Hin- und Rückfahrt, gibt es Zeitkarten. Diese ermöglichen in einem bestimmten Zeitraum (einen Tag, eine Woche, einen Monat oder ein Jahr) beliebig viele Fahrten innerhalb eines räumlichen Geltungsbereiches oder auf einer bestimmten Strecke. Zeitkarten werden gezielt für bestimmte Personengruppen, beispielsweise Auszubildende, Schüler, Studenten und Senioren angeboten oder als sogenannte „Jobtickets“ für Berufstätige. Im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wurden sie zur dominierenden Form der Fahrkarte. Außerdem gibt es Zusatztickets, beispielsweise als Anschlussfahrkarte in Verbindung mit einer Zeitkarte, als Zuschlag für Fahrten in der 1. Klasse oder für Gepäck (siehe auch Fahrradkarte), Hunde etc. mini|hochkant|Karte für den Feldversuch von Oktober 1999 bis 30. April 2000, BVG, S-Bahn, VBB, 1999/2000

Im Bahnverkehr verkaufen bestimmte Automaten auch die sogenannte Fahrkarte Anfangsstrecke, in Großbritannien Permit to travel genannt. Diese ist zu kaufen, wenn keine Möglichkeit besteht, eine Fahrkarte zum eigentlichen Ziel zu erwerben, etwa bei DB-Nahverkehrs-Automaten älterer Bauart. Sie muss bei der nächsten Möglichkeit (z. B. Fahrkartenkontrolle oder Reisezentrum), ggf. gegen Zahlung eines Differenzbetrags eingewechselt werden. Auch werden bei Störung von Automaten teilweise Notfahrkarten ausgegeben.

Für den internationalen Eisenbahnverkehr werden Fahrscheine nach TCV-Tarif (Tarif commun international pour le transport des voyageurs) oder auch sogenannte Globalpreis-Fahrscheine ausgegeben.

Im Luft- und Schiffsverkehr wird seit langem vom Ticket gesprochen; diese Benennung wurde in den letzten Jahren auch von einigen Eisenbahnverkehrsunternehmen und Verkehrsverbünden übernommen.

Personalfahrkarten Als Personalfahrkarten werden verbilligte Fahrkarten für aktive und ehemalige Beschäftigte der DB AG sowie für deren Familienmitglieder bezeichnet.

Zangenabdruck mini|links|Zangenabdrücke auf einem Fernverkehrs-Fahrschein der Deutschen Bahn Im Eisenbahnverkehr werden Fahrkarten oftmals durch einen mit einer Schaffnerzange vorgenommenen Zangenabdruck des Zugbegleiters entwertet. Die Zange versieht dabei die Fahrkarte mit einem kleinen Loch (nur bei Fernzügen) und einem Stempelabdruck. Diesem können beispielsweise Zugnummer, Datum, Einsatzstelle und Zangennummer entnommen werden. Die Zahlen auf dem Zangenabdruck der Deutschen Bahn bedeuten im Einzelnen: 1. registrierte Nr. der Zange; 2. Datum; 3. Regionalbereich der Einsatzstelle; 4. Zugnummer (die kleineren ersten und dritten Zahlen stehen quer auf dem Zangenabdruck). Mit dem Abdruck kann ein Fahrgast auch den Nachweis erbringen, mit einem bestimmten Zug gefahren zu sein − beispielsweise bei Entschädigungsansprüchen aus Verspätungen.

Im Bereich der Deutschen Bahn AG werden Zeitkarten in der Regel bei der ersten Fahrscheinkontrolle einfach entwertet. Fahrscheine innerhalb von Verkehrsverbünden sind oftmals vom Fahrgast vor Fahrtantritt an Entwertern zu stempeln. Mitunter werden auch derartige Fahrkarten mit einer sehr kurzen zeitlichen Gültigkeit zum sofortigen Fahrtantritt ausgegeben; sie sind also schon beim Kauf aus dem Automaten mit einem Entwertungsmerkmal versehen. Auf diese Vorab-Entwertung, die es auch bei Automaten in ÖPNV-Fahrzeugen (Straßenbahn/Bus) gibt, wird der Fahrgast zur Vermeidung unbeabsichtigter Entwertung i. d. R. am Automaten hingewiesen.

Moderne Fahrkartentypen mini|hochkant|Fahrkartenentwerter an Münchner S-Bahn-Haltestelle mini|hochkant|links|Ein Online-Ticket der Deutschen Bahn

Beim Kauf eines Online-Tickets druckt der Kunde seinen Fahrschein selbst (siehe dazu auch print@home). Außerdem muss er beim Kauf angeben, durch welche BahnCard, Bank- oder Kreditkarte er sich während der Fahrt ausweisen will. So können nicht mehrere Personen mit mehreren Ausdrucken desselben Fahrscheins fahren. Der Fahrschein kann in der Regel übers Internet storniert werden; Druck und Lastschrift beweisen also noch nicht den Kauf. Erst ein Zangenabdruck des Zugbegleiters belegt, dass der Fahrschein benutzt wurde. Der Fahrschein enthält neben dem Klartext typischerweise mehrere Codes, mit denen der Zugbegleiter die Gültigkeit der Fahrkarte überprüfen kann. Darunter fallen zum Beispiel: ein Code aus wenigen Buchstaben oder Zahlen für die Fahrkarte als ganze und für jede Zugbindung, der vom Zugbegleiter einzutippen ist ein zweidimensionaler Code (Aztec-Code), der (passende Lesegeräte vorausgesetzt) die manuelle Eingabe erspart

Bei einer Variante des Online-Tickets erhält der Kunde nur einen Code, der ihn zur Fahrt berechtigt.

Das E-Ticket ist keine Fahrkarte im engeren Sinn. Dabei wird beim Verkauf der Fahrkarte nur die Identität des Kunden registriert. Beim Reiseantritt muss der Kunde dann nur seine Identität nachweisen, z. B. anhand seiner Kreditkarte, und erhält dann den eigentlichen Fahr- oder Flugschein ausgehändigt.

Eine gänzlich papierlose Version des Online-Tickets ist das SMS-Ticket, das per Kurzmitteilung an das Mobiltelefon des Fahrgastes übertragen wird. Die Abrechnung erfolgt entweder über die Telefonrechnung oder nach vorheriger Anmeldung per Rechnungsstellung. SMS-Tickets sind hauptsächlich im öffentlichen Personennahverkehr im Einsatz.

mini|Wochenendfahrkarte der belgischen SNCB mini|Busfahrkarte Kambodscha (2012) Estland In den estnischen Städten Tallinn und Tartu ist es möglich, sich mit dem Personalausweis mit Chip und der zuvor im Internet gekauften Zeitkarte zu bestücken; dies ist billiger als die Papierversion. Vorteil dieser Regelung ist, dass man im Verlustfalle eines normalen Tickets während der Gültigkeit ein neues kaufen müsste. Der alte Personalausweis wird von der Passbehörde als ungültig vermerkt und man kann mit seinem neu ausgestellten Dokument für den Zeitraum der restlichen Gültigkeitsdauer die Fahrkarte weiternutzen. Nach ähnlichem Prinzip werden Smartcards im öffentlichen Nahverkehr vieler Städte eingesetzt (z. B. Oyster Card in London oder „Octopus“ in Hongkong).

Russland mini|Russisches kontaktloses Ticket für zehn Fahrten mit Straßenbahn, Oberleitungsbus oder Omnibus In der Sowjetunion und in der Anfangszeit des modernen Russland wurden auf Papier gedruckte Dokumente als Fahrkarten genutzt. Solche Dokumente waren nur von dem ersten bis letzten Tag eines Monats gültig. Als Einzelpassierscheine galten gewöhnliche Fünf-Kopeken-Münzen, die wegen der ständigen Inflation später durch Jetons ersetzt wurden.

In der modernen Russischen Föderation setzen sich allmählich vorausbezahlte Fahrkarten in Form von elektronischen Plastik- oder kontaktlosen Papierkarten durch.

Moskau In der Moskauer U-Bahn kommen Papierfahrkarten mit RFID-Chip zum Einsatz.

Sankt Petersburg