Zu den Religionen in Albanien mit den meisten Anhängern zählt der Islam, die größte Minderheit ist das Christentum. Die Hälfte (51 %) der Bevölkerung ist muslimisch mit einer Mehrheit von Sunniten und den Angehörigen des Sufiordens der Bektaschi. Unter den insgesamt etwa 16 % Christen gibt es Orthodoxe, Katholiken und wenige Protestanten. Aufgrund der Unterdrückung der Religionsausübung in der Zeit des Kommunismus praktizieren die meisten Albaner ihre Religion jedoch nicht mehr, und viele bekennen sich nicht zu einer Religion, so dass die Sunniten heute erstmals seit 200 Jahren weniger als die Hälfte der Bevölkerung stellen. mini|Eine Moschee neben einer orthodoxen Kirche in Südalbanien
Hintergrund Die Partei der Arbeit Albaniens hatte von 1967 bis 1990 Albanien zum atheistischen Staat erklärt und jegliche Religionsausübung verboten. Nach wie vor hat die Mehrheit der Albaner kein offizielles Bekenntnis abgelegt. Sie erinnern sich aber, ob die eigene Familie der muslimischen, der orthodoxen oder katholischen Tradition entstammt. Die Ausübung der Religion ist bei den wenigsten Albanern ausgeprägt.
mini|Vertreter der Muslime, der Orthodoxen, der Bektaschi und der Katholiken Albaniens in Paris bei der Kundgebung zu Ehren der Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo im Januar 2015 Gemäß der Südosteuropaforscherin Nathalie Clayer kennt die Geschichte Albaniens keinen religiösen Extremismus. Religiöse Toleranz bestimme den Alltag der Albaner, die stolz sind auf die Harmonie, die zwischen den Anhängern der Religionen besteht. Religiöser Pragmatismus als ein kennzeichnender Charakterzug der albanischen Gesellschaft führte im Laufe der Jahrhunderte zu zahlreichen interreligiösen Ehen. Es entstand eine starke vereinigende kulturelle Identität. Sie ist historisch auch dadurch bedingt, dass die Notwendigkeit bestand, die eigene Kultur vor Eroberungs- und Unterwerfungsversuchen anderer Völker und Länder zu schützen. Noch heute ist ein Zitat von Pashko Vasa (1825–1892), das später vom totalitären kommunistischen Regime übernommen wurde, oft zu hören:
Im ganzen Land und bei allen Religionen sind Aberglaube und heidnische Bräuche als Bestandteil der gemeinsamen albanischen Kultur weit verbreitet. Amulette wie Knoblauch, Puppen und Stofftiere, Flaggen und gemalte Augen, die den bösen Blick () abwenden sollen, sind allgegenwärtig. Besonders in den nördlichen Bergregionen der Albanischen Alpen vermischten sich vorchristliche mit katholischen Bräuchen.
Pilgerstätten wie das katholische, dem heiligen Antonius von Padua gewidmete Kloster bei Laç werden von Anhängern aller Religionen aufgesucht. Auch Feiertage werden oft zusammen gefeiert. Dabei spielen heidnische Elemente, um die christliche Heilige bereichert wurden, eine über Religionen hinweg verbindende Rolle, sind doch heidnische Glaubensvorstellungen, Mythen und Aberglaube noch heute verbreitet.
Religiöse Zusammensetzung Vor dem Zweiten Weltkrieg bekannten sich etwa 70 % der Bevölkerung zum sunnitischen Islam. 20 % waren orthodoxe Christen, darunter praktisch alle Angehörigen der ethnischen Minderheiten (Mazedonier, Aromunen, Griechen und Roma). Etwa 10 % gehörten der römisch-katholischen Kirche an. Orthodoxe Albaner lebten vor allem im Süden, Katholiken im Nordwesten, Muslime waren, abgesehen von einigen Bergregionen, überall vertreten.
Volkszählung 2023 Die Volkszählung von 2023 ermittelte folgende Religionszugehörigkeiten:
+Religionen in Albanien 2023 Islam Muslime Bektaschi 1.217.362 1.101.718 115.644 50,68 % 45,86 % 4,81 % Christen katholisch orthodox protestantisch/evangelikal 384.833 201.530 173.645 9.658 16,02 % 8,39 % 7,23 % 0,40 %Andere Religionen 3.670 0,15 % Gläubige ohne Denomination 332.155 13,83 % Atheismus 85.311 3,55 % Keine Antwort abgegeben 244.331 10,17 % nicht konstatiert 134.451 5,60 %
Zum ersten Mal seit über 200 Jahren sind die Sunniten nicht mehr in der absoluten Mehrheit. Nur noch zwei Drittel bekennen sich zu einer Religionsgemeinschaft. Mit fehlenden Angaben zu 15 % der Bevölkerung ist die Ungenauigkeit auch bei dieser Volkszählung recht groß.
Volkszählung 2011 mini|Religiöse Mehrheit nach Gemeinde (Volkszählung 2011) Die Volkszählung von 2011 ermittelte folgende Religionszugehörigkeiten:
+ Religion in Albanien 2011 ReligionEinwohnerAnteil Islam Muslime Bektaschi 1.646.236 1.587.608 58.628 58,79 % 56,70 % 2,09 % Christen katholisch orthodox protestantisch/evangelikal andere Christen 475.629 280.921 188.992 3.797 1.919 16,99 % 10,03 % 6,75 % 0,14 % 0,07 % Gläubige ohne Denomination 153.630 5,49 % Atheismus 69.995 2,50 % Keine Antwort abgegeben 386.024 13,79 % nicht relevant/nicht konstatiert 68.022 2,43 %
Die Ergebnisse dieser 2011 durchgeführten Volkszählung sind umstritten. Die Autokephale orthodoxe Kirche von Albanien gab offiziell bekannt, die Zensusergebnisse nicht anzuerkennen. Aus ihrer Sicht sind insbesondere die orthodoxen Christen unterrepräsentiert, was sie auf Fehler bei der Durchführung von Personenbefragungen sowie auf bewussten Boykott der entsprechenden Fragen zurückführt. Gemäß eigener Erhebungen, basierend auf Tauf- und Pfarreiregistern, übertrifft der Anteil der orthodoxen Christen in Albanien 24 %.
Weitere Untersuchungen Weitere Untersuchungen aus den letzten Jahren nennen sehr unterschiedliche Zahlen. Gemäß Erhebungen der Albanischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahre 2003 zählten sich ungefähr 40 % der Albaner zu den Sunniten, 20 % zum Bektaschi-Orden, weitere 20 % zur orthodoxen Kirche und etwa 10 % zur katholischen Kirche. Die restlichen 10 % bezeichneten sich als Atheisten oder gehören anderen Religionen und Konfessionen an, insbesondere evangelischen oder evangelikalen Freikirchen., vgl. Universität Potsdam: Bevölkerungsgeographischer Atlas von Albanien Eine Studie des albanischen nationalen Statistikamts Instituti i Statistikës von 2005 stellte einen Anteil von 79,9 % Muslime an der Gesamtbevölkerung Albaniens fest. Schätzungen der 2018 veröffentlichten Swiss Metadatabase of Religious Affiliation (SMRE) gehen für den Zeitraum 2000 (1996–2005) von 8 % Katholiken, 15 % Orthodoxen, 65,9 % Muslimen und 10,9 % Personen ohne Religionszugehörigkeit aus, für den Zeitraum 2010 (2006–2015) geht die Schätzung der SMRE von 8,7 % Katholiken, 9,1 % Orthodoxen, 52,5 % Muslimen und 29,5 % Personen ohne Religionszugehörigkeit aus.
Die jüdische Glaubensgemeinschaft hat etwa hundert Mitglieder, obwohl es schon seit 2000 Jahren Juden in Albanien gibt. In Tirana wurde 2010 eine Synagoge eröffnet, aber bald wieder geschlossen. Fast alle der verbliebenen Juden der nie großen Gemeinschaft wanderten nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft nach Israel aus.
Insgesamt gab es im Jahre 2008 in Albanien 1757 Kultstätten und Gotteshäuser. Obwohl die Muslime die relative und absolute Mehrheit bilden, verfügen sie über weniger Glaubenshäuser. Es existierten nur 568 Moscheen und 70 Tekken, aber 1119 Kirchen. Von den Kirchen waren 694 katholisch und 425 orthodox.
Rechtsstatus
Die albanische Verfassung von 1998 bestimmt in der Einleitung und detailliert in den Artikeln 10 und 24 das Recht auf Religionsfreiheit und die Gleichbehandlung aller Religionen durch den Staat, der auch ihren rechtlichen Status anerkennt. Er selber bezeichnet sich als laizistisch. Herzliche Beziehungen zwischen den verschiedenen religiösen Glaubensrichtungen haben zu einer generell positiven Atmosphäre in diesem Land beigetragen. In Albanien gibt es keine ausdrückliche Staatsreligion, alle Religionen sind in den Augen der staatlichen Behörden gleich. Die staatliche Neutralität in Sachen Religion führt so weit, dass es an öffentlichen Schulen keinen Religionsunterricht gibt.
Religiöse Gruppen müssen sich nicht registrieren lassen, und die vorherrschenden Religionen (Christlich-Orthodoxe, Katholiken, sunnitische Muslime und die Bektaschi-Gemeinschaft) genießen viele offizielle Privilegien.
Geschichte Antike Die Mythologie und Religion der Illyrer (den angenommenen Vorfahren der Albaner) sind nur durch die Erwähnung von illyrischen Gottheiten auf Denkmälern, die aus der Zeit des römischen Reiches stammen, überliefert.Wilkes 1995, S. 245: "…Illyrian deities are named on monuments of the Roman era, some in equation with gods of the classical pantheon (see figure 34)." Es scheint keinen Hauptgott gegeben zu haben. Auch zeigen sich Unterschiede zwischen den einzelnen Stämmen. Dem britischen Schriftsteller John Wilkes zufolge entwickelten die Illyrer keine gleichförmige Kosmologie, auf die sie ihre religiösen Praktiken konzentriert hätten.Wilkes 1995, S. 244: "Unlike Celts, Dacians, Thracians or Scythians, there is no indication that Illyrians developed a uniform cosmology on which their religious practice was centered. An etymology of the Illyrian name linked with serpent would, if it is true, fit with the many representations of…"
Das Christentum verbreitete sich auf dem Gebiet Albaniens (damals größtenteils zusammengesetzt aus Epirus nova und einem Teil des südlichen Illyricums) wie im gesamten römischen Reich ausgehend von den städtischen Zentren. Das unveränderliche Wachstum der christlichen Gemeinschaft in Dyrrhachium (der römische Name für Epidamnos, heute Durrës) führte zur Entwicklung eines lokalen Bistums im Jahre 58 n. Chr. Später wurden Episkopalsitze in Apollonia, Buthrotum und Scodra gegründet.
Spätantike und Mittelalter Ab dem ersten und dem zweiten Jahrhundert n. Chr. war das Christentum in der Region die vorherrschende Religion, das die heidnische Vielgötterei verdrängte und größtenteils die humanistische Weltanschauung und Institutionen der Griechen und Römer geerbt hatte. Im späten 5. oder im 6. Jahrhundert entstand bei Saranda das sehr große Kloster der vierzig Märtyrer, eine bedeutende Pilgerstätte. Obwohl das albanische Gebiet zu Byzanz gehörte, blieben die Christen bis 732 unter der Rechtsprechung des römischen Papstes, als der byzantinische Kaiser Leon der Isaurier – verärgert durch die lokalen Geistlichen, die im byzantinischen Bilderstreit mehrheitlich Rom unterstützt hatten – die Kirche der Provinz vom Papst abtrennte und dem Patriarchen von Konstantinopel unterordnete. Nach der Kirchenspaltung im Jahr 1054 blieb der südliche Teil Albaniens im Einflussbereich Konstantinopels, während der Norden zur päpstlichen Rechtsprechung zurückkehrte. Das Schisma war die erste bedeutende religiöse Teilung in dieser Region.
Der Islam hielt erstmals im 9. Jahrhundert Einzug in das Gebiet des heutigen Albanien.
Osmanische Ära
Als das albanische Sprachgebiet rund um das 15. Jahrhundert dem osmanischen Reich einverleibt wurde, begann allmählich die Islamisierung der Region. Anfangs siedelten sich türkische Einwanderer – vor allem Kaufleute, Handwerker und Soldaten und später Tımarioten – an. Die Islamisierung war begleitet von dem Phänomen des sogenannten Kryptochristentums.
Im osmanischen Reich wurde die Identität einzig aufgrund des religiösen Bekenntnisses festgelegt. Deswegen waren religiöse Fragen auch nach dem Abzug der Osmanen in den aufkeimenden nationalen und kulturellen Bekenntnissen von Bedeutung. In Ostalbanien, dem Kosovo und Mazedonien war die muslimische Bevölkerung besonders stark. Sunnitische Muslime lebten traditionell in den Städten Albaniens, während Bektaschiten hauptsächlich in abgelegenen Gebieten verbreitet waren. Orthodoxe Christen konzentrierten sich hauptsächlich im Süden, die Katholiken im Norden des Landes. Diese regionale Verteilung gilt heutzutage jedoch nicht mehr ganz.
Zeit des Realsozialismus mini|Sockel des zerstörten Minaretts der Meçite-Moschee in Gjirokastra