Clementine Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, mit vollem Namen Clementine Erika Hedwig Mechtilde Ottilie Marka Martina Helene Gräfin zu Castell-Rüdenhausen, verehelichte Clementine Utermann, (* 30. Januar 1912 in München; † 12. Oktober 2008 in Roggersdorf, Gemeinde Holzkirchen) war eine BDM-Funktionärin in der Reichsjugendführung der NSDAP und die erste Beauftragte für das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“.

Leben Als drittes von vier Kindern von Hermann Graf zu Castell-Rüdenhausen (1872–1941) und Freda Gräfin zu Solms-Sonnenwalde (1882–1980) gehörte sie dem fränkischen Hochadel (Geschlecht Castell-Rüdenhausen) an. Nach der späteren Darstellung ihres älteren Bruders Hubertus (1909–1995) war die Familie jedoch infolge der Inflation in den frühen 1920er Jahren verarmt.Dag Henrichsen: Hubertus Graf zu Castell-Rüdenhausen (1909–1995): Teilnachlass & Manuskripte zu Namibia. Typoprint (Pty), Windhoek 2002, S. IX (Basler Afrika Bibliographien).

Zum 1. Mai 1933, im Alter von 21 Jahren und am gleichen Tag wie ihre Mutter Freda und mehrere hochrangige Mitglieder der Familie Castell-Castell, trat Clementine zu Castell der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.133.869),Bundesarchiv, R 9361-VIII KARTEI/5050268. nachdem ihr Bruder Hubertus der Partei schon am 1. August des Vorjahres beigetreten war.Jonathan Petropoulos: Royals and the Reich: the princes von Hessen in Nazi Germany. Oxford University Press, Oxford 2006, S. 381. 1933 wurde sie Führerin des BDM-Gaues Unterfranken, im November 1934 avancierte sie zur Führerin des BDM-Obergaues Franken. Im Februar 1938 wurde sie von Reichsjugendführer Baldur von Schirach in den Stab der Reichsjugendführung berufen und zur Beauftragten für das am 19. Januar 1938 gegründete BDM-Werk „Glaube und Schönheit“ ernannt,Amtliches Nachrichtenblatt des Jugendführers des Deutschen Reichs und der Reichsjugendführung der NSDAP, VI/6 vom 11. März 1938, S. 94. Zitiert bei: Hering, Schilde: Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“. 2004, S. 41. wobei in einer Pressemitteilung im Zusammenhang mit dieser Ernennung ihre besonderen Verdienste als Obergauführerin in der Organisation von „vorbildlich große[n] Sportveranstaltungen für die weibliche Jugend“ hervorgehoben wurden.Führerinnenwechsel im Obergau Franken. In: Reichs-Jugend-Pressedienst, Nr. 56, 8. März 1938, S. 4. Zitiert bei: Hering, Schilde: Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“. 2004, S. 41. Als Beauftragte unterstand sie der BDM-Reichsreferentin Jutta Rüdiger, mit der sie auch eine persönliche Freundschaft verband und zeitweise gemeinsam ein Haus in Berlin-Frohnau bewohnte.Jutta Rüdiger: Ein Leben für die Jugend: Mädelführerin im Dritten Reich. Das Wirken der Reichsreferentin des BDM. Deutsche Verlagsgesellschaft, Preußisch Oldendorf 1999, S. 56; nach: Hering, Schilde: Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“. 2004, S. 42 Anm. 36, gehörte Castell auch 2001 noch zu den Mitunterzeichnern einer Todesanzeige für Jutta Rüdiger in der FAZ, 17. März 2001, S. 49.

Am 26. Oktober 1939 heiratete sie Wilhelm Utermann, genannt „Utz“, der als Hauptschriftleiter der Reichsjugendführung für die Jugendzeitschriften verantwortlich war und nach dem Krieg unter dem Namen Utz Utermann einer der einflussreichsten Filmproduzenten der Bundesrepublik Deutschland wurde. Da es zwar zu den Zielen des BDM gehörte, die weibliche Jugend zu Ehe und Mutterschaft hinzuführen (vgl. Frauen im Nationalsozialismus), BDM-Führerinnen aber nach der Verheiratung aus dem aktiven Dienst auszuscheiden hatten, wurde Castell von ihren Aufgaben als Beauftragte des BDM-Werks 1939 „entlastet“. Reichsjugendführer Schirach gab hierzu bekannt:Hering, Schilde: Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“. 2004, S. 42.

Zu diesen besonderen Aufgaben gehörte offenbar die Herausgabe des Bildbandes Glaube und Schönheit mit dem Untertitel Ein Bildbuch von den 17-21jährigen Mädeln, der 1940 mit einem Geleitwort Schirachs im Druck erschien und heute zu den wichtigen Quellen für die Selbstdarstellung dieses BDM-Werks zählt. Noch während ihrer Zeit als Beauftragte soll sie außerdem an der Entstehung des Propagandafilms Glaube und Schönheit (1940) von Leni Riefenstahls Kameramann Hans Ertl beteiligt gewesen sein. Verlagsmitteilung des ZeitReisen Verlags.

Die Ehe mit Wilhelm Utermann, aus der drei Söhne hervorgingen, wurde am 27. Oktober 1954 geschieden, am 24. Januar 1967 heirateten die beiden ein zweites Mal.

Literatur Michael Buddrus: Totale Erziehung für den totalen Krieg: Hitlerjugend und nationalsozialistische Jugendpolitik. Band 2. In: Texte und Materialien zur Zeitgeschichte, 13/2; K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-11615-2, S. 1131. Sabine Hering, Kurt Schilde: Das BDM-Werk „Glaube und Schönheit“: die Organisation junger Frauen im Nationalsozialismus. Leske und Budrich, 2. überarb. Auflage. Opladen 2004, ISBN 3-8100-3559-9. Castell-Rüdenhausen, Freda Gräfin zu, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 95 f. Gottfried Graf Finck von Finckenstein, Christoph Franke: Gothaisches Genealogisches Handbuch der Fürstlichen Häuser I. Band 1 der Gesamtreihe GGH, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv. Selbstverlag, Marburg 2015, ISBN 978-3-9817243-0-1, S. 294–295.

Einzelnachweise

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