Das Wadi el-Hudi liegt im Süden Ägyptens, östlich von Assuan.
Verlauf Das Wadi hat seinen Ursprung etwa 35 km südöstlich von Assuan im arabisch-nubischen Gebirge. Es verläuft in nordwestliche Richtung und mündet am nördlichen Rand von Assuan in den Nil. Die direkte Mündung ist von Infrastruktur überbaut und nicht mehr sichtbar.
Forschungsgeschichte Die Bergbausiedlung wurde 1923 durch den Geologen Labib Nassim entdeckt. 1939 besuchten George William Murray und Ibrahim Abdel 'Al vom ägyptischen topographischen Survey die Fundstelle und ließen drei Stelen (WH143-145) ins Ägyptische Museum in Kairo bringen; mehrere Inschriften kamen in das Museum von Assuan.Ian Shaw, Robert Jameson: Amethyst mining in the Eastern Desert: a preliminary survey at Wadi el-Hudi. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 79, 1993, S. 82. Danach wurden scheinbar mehrere Stelen gestohlen. Ahmed Fakhry führte 1944, 1945 und 1949 Surveys durch und publizierte die Inschriften aus dem Tal.Ahmed Fakhry: The Inscriptions of the Amethyst Quarries at Wadi El Hudi. Kairo 1952. Er unterschied insgesamt 14 Fundstellen. Ab 1992 erforschte eine Mannschaft des Cambridge University Egyptian Quarries Survey unter Ian Shaw den Fundort.Ian Shaw, Robert Jameson: Amethyst mining in the Eastern Desert: a preliminary survey at Wadi el-Hudi. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 79, 1993, S. 81–97. Ab 2015 führte Kate Liszka weitere Untersuchungen durch. 2022 waren im Wadi bereits 41 Fundstellen bekanntMeredith Brand, Kate Liszka, Bryan Kraemer: Living and working at the early Middle Kingdom amethyst mining settlement site 5, Wadi el-Hudi. In: Johanna Sigl (Hrsg.): Daily Life in Ancient Egyptian Settlements. Harrassowitz, Wiesbaden 2022, S. 43..
Geschichte In dieser Region wurden vor allem in der 11. und 12. Dynastien des Mittleren Reiches (ca. 2000 bis 1730 v. Chr.) Amethyste (ḥsmn; Fundstelle 5), aber auch Gold, Baryt (Fundplatz 1 mit einer Inschrift von Sesostris) und andere Rohstoffe abgebaut. Die Bauten datieren vor allem in das Mittlere Reich. Keramikfunde belegen eine Nutzung auch in hellenistischer und römischer Zeit. Auch Keramik der nubischen C-Gruppe wurde gefundenMeredith Brand, Kate Liszka: A desert Middle Nubian amethyst mining camp at Wadi el-Hudi Site 24. In: Sudan & Nubia. Band 27, 2023, S. 26..
Fundstellen Eine Festung (Fundstelle 9) liegt in unmittelbarer Nähe der Amethyst-Bergwerke und ist aus Trockenmauern errichtet. Die Keramik von hier stammt meist aus dem Mittleren Reich, enthält aber auch römische Scherben. Ian Shaw und Robert Jameson vergleichen den Aufbau der Festung mit denen in Aniba und KubbanIan Shaw, Robert Jameson: Amethyst mining in the Eastern Desert: a preliminary survey at Wadi el-Hudi. In: Journal of Egyptian Archaeology Band 79, 1993, S. 92. (eine bedeutende altägyptische Festungsstadt in Unternubien), die ebenfalls aus dem mittleren Reich stammen. Gewöhnlich wurden ägyptische Festungen jedoch aus Lehmziegeln beziehungsweise Stampflehm, nicht aus Trockenmauern erbaut. Allerdings sind die Festungen um Assuan dem Bau des Stausees zum Opfer gefallen, sodass örtliche Vergleiche fehlen.
Tierknochen informieren über die Ernährung der Arbeiter. In den Fundstellen 4, 5 und 9, den Arbeiter-Siedlungen für die staatlich organisierten ägyptischen Expeditionen wurden die Knochen von Rinden, Schafen und Ziegen gefunden. Auch Fische wurden aus dem Niltal hier her gebracht, Gazellen und verschiedene Vögel dagegen eher im Umland gejagt. In Fundstelle 21 fanden sich dagegen viele Kleinsäuger, Vögel und Schlangen. Brand und Liszka nehmen an, dass hier einheimische nubische Bergwerksarbeiter lebtenMeredith Brand, Kate Liszka: A desert Middle Nubian amethyst mining camp at Wadi el-Hudi. In: Sudan & Nubia. Band 27, 2023, S. 32..
Inschriften Historisch wichtig ist eine Reihe von Felsinschriften, meist von Fundplatz 6, die alle in das Mittlere Reich datieren und von Expeditionen in der Regierungszeit von Mentuhotep IV., Sesostris I., Sesostris III., Ammenemes III., Ammenemes IV. und Sobekhotep IV. hinterlassen wurden. Eine undatierte Stele aus ortsfremden Kalkstein von Fundplatz 6 (WH143, Cairo JE7901)WH143 ist die offizielle Registriernummer der Wadi el-Hudi Expedition; Cairo JE7901 ist die Inventarnummer des Ägyptischen Museums in Kairo. wurde von Hor, einem Beamten von Sesostris I. in Auftrag gegeben.Ian Shaw, Robert Jameson: Amethyst mining in the Eastern Desert: a preliminary survey at Wadi el-Hudi. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 79, 1993, S. 95. Auf Fundplatz 9 in wurde eine Inschrift aus dem Regierungsjahr 28 von Senwosret I. gefundenMeredith Brand, Kate Liszka, Bryan Kraemer: Living and working at the early Middle Kingdom amethyst mining settlement site 5, Wadi el-Hudi. In: Johanna Sigl (Hrsg.): Daily Life in Ancient Egyptian Settlements. Wiesbaden, Harrassowitz 2022, S. 43.. Inschrift WH6 belegt, dass im 17. Regierungsjahr von Senwosret I. 1507 Menschen im Tal arbeiteten, außer Arbeitern auch Soldaten und Beamte. Sie stammten aus Theben, Elephantine, Kom Ombo und dem Palast von Itj-TawyMeredith Brand, Kate Liszka, Bryan Kraemer: Living and working at the early Middle Kingdom amethyst mining settlement site 5, Wadi el-Hudi. In: Johanna Sigl (Hrsg.): Daily Life in Ancient Egyptian Settlements. Wiesbaden, Harrassowitz 2022, S. 43..
Heutige Nutzung Heute werden im Wadi Hämatit und Bausteine abgebautIan Shaw, Robert Jameson: Amethyst mining in the Eastern Desert: a preliminary survey at Wadi el-Hudi. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 79, 1993, S. 81., was die archäologischen Denkmäler bedroht. Die Datierung des Glimmer-Abbaus ist unsicher.Ian Shaw, Robert Jameson: Amethyst mining in the Eastern Desert: a preliminary survey at Wadi el-Hudi. In: Journal of Egyptian Archaeology. Band 79, 1993, S. 86.
Literatur Ashraf I. Sadek: The Amethyst Mining Inscriptions of Wadi el-Hudi. Aris & Phillips, Warminster 1980, ISBN 0-85668-162-8. Rosemarie Klemm, Dietrich Klemm: Geo-archäologischer Survey im Wadi el-Hudi. In: Bettina Schmitz (Hrsg.): Festschrift Arne Eggebrecht zum 65. Geburtstag am 12. März 2000 (= Hildesheimer Ägyptologische Beiträge. Band 48). Gerstenberg, Hildesheim 2002, S. 53–66.
Einzelnachweise
Weblinks Ian Shaw: Late Roman Amethyst and Gold Mining in Wadi el-Hudi. Auf: academia.edu; zuletzt abgerufen am 8. September 2026.
Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Ägypten Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Afrika Hudi Kategorie:Bergbau (Ägypten) Kategorie:Goldmine Kategorie:Schmucksteinbergbau Kategorie:Nubien im Altertum