La Cassaria ist eine Komödie von Ludovico Ariosto in fünf Akten, die am 5. März 1508 am Hof von Ferrara uraufgeführt wurde. Es handelt sich dabei um die erste bedeutende Komödie in italienischer Sprache und sollte spätere italienische Komödien, wie z. B. Bernardo Dovizi da Bibbienas La Calandria (1513), Pietro Aretinos erste Fassung von La Cortigiana (1525) oder Ruzantes Piovana (1532?) entscheidend beeinflussen.
Inhalt Der folgende Inhalt bezieht sich auf die Version von 1508.
Prolog Der Prolog ist inhaltlich in zwei Abschnitte einteilbar. Im ersten Abschnitt verteidigt Ludovico Ariosto La Cassaria gegen voreilige Kritiker, im zweiten Abschnitt führt er die Zuschauer in die Handlung ein.
Zunächst formuliert Ariosto den Anspruch, nicht nur inhaltlich gegenüber lateinischen und griechischen Vorbildern innovativ zu sein, sondern auch sprachlich: es soll eine dem volgare eigene Klassik geschaffen werden. Den Anspruch des Neuen verteidigt er gegen konservative Zuschauer, die ausschließlich in der Antike die Vollendung des Dramas sähen. Zwar stimme es, dass das volgare mit der Sprache der Antike nicht vergleichbar sei, doch bedeute dies nicht, dass deshalb die Autoren der Gegenwart denen der Antike notwendig unterlegen seien. Ariosto begründet dies mit der Gleichheit der Menschen vor Gott. Das mit dem Lateinischen gemischte volgare hält er zwar für barbarisch, dem könne man jedoch durch sprachliche Tricks abhelfen.
Um im Prolog alles Nötige gesagt zu haben, führt Ariosto den Zuschauer schließlich in die Handlung ein, stellt sein Theaterstück als Cassaria vor und nennt den Ort der Handlung: Metellino (heute Mitilini, Stadt auf der griechischen Insel Lesbos).
Erster Akt Der sehr wohlhabende Geschäftsmann Crisobolo hat sein Haus verlassen, um sich in Negroponte (dem heutigen Euböa) um seine Geschäfte zu kümmern. Er hat seine Dienerschaft und seinen Sohn Erofilo zurückgelassen. Einem seiner Diener, Nebbia, hat er die Schlüssel zu seinem Zimmer anvertraut, in dem sich neben anderen Reichtümern die titelgebende Truhe befindet. Erofilo hat lange auf diesen Moment gewartet, denn er hat sich in Eulalia, eine der Sklavinnen des vor kurzem in der Nachbarschaft niedergelassenen Kupplers, Lucranio, verliebt. Ähnlich geht es seinem Freund und Sohn des lokalen Herrschers bzw. Paschas, Coridoro. Dieser hat sich wiederum in ein anderes der vom Kuppler versklavten und zum Verkauf angebotenen Mädchen, Corisca, verliebt. Da Erofilo und Coridoro äußerst geizige Eltern haben, waren sie bisher nicht in der Lage, ihre Angebeteten käuflich zu erwerben. Nun, da sie den Vater Erofilos auf Reisen wähnen, wollen sie einen seit langem gehegten Plan ausführen. Die Zeit drängt, da Lucranio durch das lange Warten auf lukrative Kunden allmählich in Geldnöte gerät. Zunächst erwägt er seine Sklavinnen zu prostituieren, wodurch sie allerdings für die Ehe untauglich und damit unrentabel würden. Deshalb entschließt er sich, seine Abreise vorzutäuschen und damit Erofilo und Caridoro unter Druck zu setzen.
Zweiter Akt Einer der Diener Erofilos, Volpino, ist der Urheber des Plans. Der Plan besteht drin, Nebbia die Schlüssel zu dem Zimmer des Vaters zu entwenden oder zu entreißen und diesen zusammen mit den restlichen Dienern wegzuschicken, damit es keine Zeugen gebe, wenn die Truhe entwendet würde. Des Weiteren sollen zwei weitere Diener, die mit Volpino bekannt sind, aber einem anderen, in der Ferne lebenden Herrn dienen, am Plan beteiligt werden, zumal diese am nächsten Morgen in ihre Heimat aufbrechen müssen. Einer dieser beiden, Trappola, soll mit den kostbaren Gewändern Crisobolos als reicher Geschäftsmann verkleidet Lucranio aufsuchen und ihm die kostbare Truhe aus Crisbolos Zimmer als Pfand für Eulalia anbieten. Der andere Diener, Brusco, soll ihn begleiten und die Truhe tragen. Nach der Übergabe der Truhe solle Erofilo den Kuppler beim Pascha anzeigen und behaupten, Lucranio habe ihm die Truhe gestohlen. Befände sich Lucranio einmal in der Gewalt des Pascha, könne Coridoro ihn dazu erpressen, ihm Corisca zu überlassen.
Dritter Akt Damit der Plan nicht auffliegt, soll Eulalia nach der Verpfändung der Truhe nicht zu Erofilo, sondern zu einer gewissen Lena (wird später nicht mehr erwähnt) gebracht werden. Der Plan misslingt, da Trappola nach dem Handel von Brusco im Stich gelassen und hinterher allein mit Eulalia von den Dienern Erofilos überfallen wird. Es handelt sich dabei um die Diener Erofilos, die im ersten Akt weggeschickt wurden, damit bei der Entwendung der Truhe kein Zeuge zugegen sei. Auf ihrem Heimweg beobachten sie wie Trappola Lucranio Eulalia abkauft. Da sie nicht in die Pläne Volpinos eingeweiht sind, jedoch von der heftigen Liebe Erofilos zu Eulalia wissen, glauben sie im Sinne Erofilos zu handeln, als sie Eulalia rauben. Um nicht als Diener Erofilos erkannt zu werden, gedenken sie Eulalia bei einem Bekannten Erofilos unterzubringen. Nach dem Überfall stoßen Erofilo und Volpino auf Trappola, der ihnen von dem Vorgefallenen erzählt. Während sich Erofilo einzig für den Verbleib Eulalias interessiert, macht sich Volpino Sorgen um die Truhe. Währenddessen gedenkt der nun wieder zu Reichtum gelangte Lucranio tatsächlich noch in derselben Nacht abzureisen, um einem eventuellen Betrugsvorwurf des unbekannten Käufers Eulalias (Trappolas) zuvorzukommen.
Vierter Akt Volpinos Sorge um die Truhe nimmt zu, zumal Erofilo sich auf die Suche nach Eulalia gemacht hat, statt, wie geplant, den vermeintlichen Diebstahl der Truhe beim Pascha anzuzeigen. Überdies hat er zwischenzeitlich von einem Bekannten erfahren, dass Crisobolo es für unnötig befunden habe, in Negroponte nach dem Rechten zu sehen, da er von ebendort Post erhalten habe, durch die er sich in Gänze über seine dortigen Geschäfte habe unterrichten können. Crisobolo, der sich die ganze Zeit über bei einem Schuldner aufgehalten hatte, kehrt nun nach Hause zurück und trifft dort Volpino vor, der eine neue List bzw. Lüge ersonnen hat, um Erofilo und sich aus der Affäre zu ziehen (nicht aus Sympathie zu Erofilo, sondern aus Eigennutz, da Erofilo der Nachfolger Crisobolos ist): Nebbia (siehe Erster Akt) habe in seiner (vermeintlichen) Nachlässigkeit Crisobolos Zimmer nicht, wie ihm aufgetragen wurde, abgeschlossen, weshalb der Kuppler unbemerkt dort habe eindringen und die Truhe entwenden können. Als Nebbia den Verlust der Truhe bemerkt habe, habe er Erofilo die Schlüssel ausgehändigt und sei unter irgendeinem Vorwand von dannen gegangen, um auf diese Weise Erofilo die Schuld am Diebstahl in die Schuhe schieben zu können. Während der Abwesenheit Nebbias hätten er (Volpino) und Erofilo sich über die Jagd unterhalten. Erofilo sei dabei eingefallen, dass sich sein Jagdhorn im Zimmer des Vaters befinden müsse. Bei der Suche des Horns sei dann allen der Verlust der Truhe ruchbar geworden. Nun sei es an Crisobolo den Diebstahl beim Pascha anzuzeigen, doch Crisobolo weigert sich, da er den Pascha für korrupt hält. Stattdessen lässt er ein paar Freunde herbeirufen, die ihm helfen sollen, Lucranio zu überwältigen, die Truhe an sich zu reißen und zugleich als Zeugen für den Fund der Truhe zu dienen. Indessen gelingt es Volpino nicht, handfeste Beweise für den Diebstahl der Truhe durch den Kuppler anzuführen. Sein Plan scheitert endgültig als Crisobolo Trappola in seinem Haus seine Gewänder tragend vorfindet und sich an die Version erinnert, die ihm vor kurzem der Kuppler während der Überwältigung durch ihn (Crisobolo) und seine Freunde erzählt hat: ein wohlhabender Händler habe ihm die Truhe zum Pfand für Eulalia gegeben. Crisobolo lässt Trappola festnehmen, der ihm darauf die Wahrheit (siehe dritter Akt) erzählt, worauf Crisobolo wiederum Volpino festnehmen lässt. Nun sieht Fulcio, ein Diener Caridoros bzw. des Paschas, der die ganze Zeit über an den Plänen Volpinos beteiligt war, aber bisher eine eher untergeordnete Rolle spielte, seine Stunde gekommen, Volpino den Rang des Erzschwindlers und -intrigenstifters abzulaufen und begibt sich zu Lucranio.
Fünfter Akt Fulcio erzählt, was sich in der Zwischenzeit ereignet hat: Er habe Lucranio eingeredet, der Pascha ließe nach ihm suchen, und wolle ihn verurteilen und hinrichten lassen. Da Fulcio der Diener Caridoros ist, habe Lucranio bei Caridoro Zuflucht gesucht. Dieser habe jedoch abgelehnt, da er bei seinem Vater, der doch der Pascha von Metellino ist, nicht in Ungnade fallen wolle. Fulcio habe Lucranio daraufhin geraten, Caridoro mit Corisca zu bestechen. Lucranio weile nun bei Caridoro, müsse aber fortgeschafft bzw. vor dem vermeintlichen Zorn des Paschas zur Flucht verholfen werden, wozu Geld nötig sei. Da Erofilo sich weigert, das Geld aufzutreiben, muss Fulcio diese Aufgabe übernehmen. Er ersinnt eine letzte List, begibt sich zu Crisobolo und behauptet ihm gegenüber, Lucranio habe Crisobolo beim Pascha angezeigt. Crisobolo habe die Verpfändung der Truhe durch einen Dritten veranlasst, um ihn daraufhin des Diebstahls beschuldigen zu können. Crisobolo stünden nun zwei Alternativen zur Wahl, um den Kuppler zum Schweigen zu bringen: entweder er gebe ihm Eulalia zurück oder bezahle ihm eine angemessene Summe. Da Crisobolo nichts über den Verbleib Eulalias weiß, bleibt ihm nichts weiter übrig als der zweiten Alternative zuzustimmen. Fulcio gelingt es überdies, Crisobolo dazu zu überreden, Erofilo und Volpino als Geldboten auszusenden und auf diese Weise Ersteren Crisobolos Aufsicht zu entziehen und Letzteren von der Gefangenschaft zu befreien. Von dem Geld, das Fulcio Crisobolo entlocken kann, wird Erofilo Eulalia die nächsten Jahre versorgen können. Die Zuschauer werden scherzhaft gebeten, die Ränge zu verlassen, da Corisca nicht dabei gesehen werden wolle, wenn sie abgeholt werde und Lucranio keine Zeugen für seine Flucht gebrauchen könne.
Unterschiede der Version von 1529 zu der Version von 1508 (Auswahl) Die Komödie spielt nicht mehr in Metellino, sondern in Sibari. Die in der Komödie erwähnten Orte Negroponte bzw. Euböa und Kairo heißen dementsprechend nun Procida und Neapel. Des Weiteren finden sich in der Version von 1529 Bezüge auf Genua, Trapani und Sizilien. Der in der Prosa-Version (1508) erwähnte Pascha wird in der Vers-Version (1529) als capitan di giustizia (dt.: ~oberster Richter) bezeichnet. Es wird nicht weiter in saraceni, aspri und sarafi, d. h. dem Orient zugeschriebenen Währungen gezahlt, sondern in becci und ducati, d. h. auf der Apenninhalbinsel vorherrschende Währungen. Der Diener Brusco, der in der Prosa-Fassung (1508) eine untergeordnete Rolle spielt, ist in der Vers-Fassung (1529) ein Bauer, der zwei längere Monologe (Vers 1090-1139, 1338-1363) hält. Eine neu hinzugedichtete Person ist die Magd Stamma Es finden sich in der Vers-Fassung (1529) gegenüber der Prosa-Fassung (weitere) misogyne Elemente, wie die Verhöhnung der Putzsucht der Frauen als Laster.
Personen Crisobolo, wohlhabender Geschäftsmann Erofilo, Sohn Crisobolos Caridoro, Sohn des Pascha, Freund Erofilos Fulcio, Diener Caridoros und des Pascha Lucrano, Kuppler Eulalia, Sklavin Lucranos, Geliebte Erofilos Corisca, Sklavin Lucranos, Geliebte Caridoros Nebbia, Diener Crisobolos und Erofilos Volpino, Diener Crisobolos und Erofilos Trappola, Diener; Freund bzw. Bekannter Volpinos Brusco, Diener; Freund bzw. Bekannter Trappolas weitere Personen: Critone, Aristippo, Furba, Gianda, Corbacchio, Morione, Gallo, Marso
Trivia Vorbilder sind die Komödien Terenz’ und Plautus’ sowie Boccaccios Dekameron (~1349-1353) und P.F. Mantovanos Formicone (1503) 1528/29 hat Ariosto eine Version derselben Komödie in Versen geschrieben. Der Titel La Cassaria bezieht sich auf Intrigen, die sich um eine Truhe (ital.: "cassa") ranken. Ort der Handlung ist Mitilini auf der Insel Lesbos unter der Herrschaft der Osmanen, d. h. zwischen 1462 und 1508.
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