mini|Befundplan des Kastells mini|Steilufer der Iller bei Kellmünz um 1910, Ansicht aus Südwest mini|Plateau mit der St. Martinskirche, Ansicht aus Ost mini|Konservierte Grundmauern des Turm 9 (NW-Seite) nahe dem Museumsturm (T7) mini|Pflastersteinmarkierung des Hallenbaus (Apsis) bei der Pfarrkirche mini|Spolie aus den Fundamenten des Kastells, Gewandstatue einer sitzenden Frau mit Hund (Replik im Turmmuseum) mini|Befundplan des Osttores von 1913 mini|Mauerkonglomerat des Osttores mini|Rekonstruktionsversuch des Osttores, Zustand im 4. Jahrhundert n. Chr., Ansicht aus SO mini|Granitwürfel im Straßenpflaster markieren den Verlauf von Mauern und Türmen (T8 und T9) mini|Konservierte Überreste des Turm 9 mini|Konservierte Grundmauern des Kastells

Caelius Mons war ein spätantikes Kohortenkastell auf dem Gebiet der Gemeinde Kellmünz an der Iller, Landkreis Neu-Ulm, Bundesland Bayern, Deutschland.

Im späten 3. Jahrhundert n. Chr. erbauten die Römer auf dem Kellmünzer Plateau am Illerhochufer ein Kastell. Die Besatzung war für die Kontrolle und Sicherung des Donau-Iller-Rhein-Limes (DIRL) (Limes) im Unteren Illertal zuständig, der zum Schutz der Provinz vor Überfällen der Germanen und Alamannen errichtet worden war. Vor der Errichtung des Militärstützpunktes befand sich hier eine kleine Siedlung aus Fachwerkbauten, aufgrund ihrer Größe handelte es sich dabei wahrscheinlich um ein Baulager. Zwischen 1986 und 1993 wurden die Überreste der Kastellbauten im Rahmen einer Grabungskampagne wissenschaftlich erforscht. Von der Festungsanlage sind nur noch die Fundamente der Mauer und einiger Türme im Westen und Norden erhalten. Ein hallenartiges Gebäude im Kastell diente während der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts wohl der staatlichen Repräsentation während der Anwesenheit hochrangiger Amts- und Würdenträger der Zivil- und Militärverwaltung sowie zum Empfang alamannischer Gesandtschaften und zur Rechtsprechung. Sein Areal ist heute Teil des Archäologischen Parks Kellmünz.

Lage Kellmünz lag etwa auf halber Strecke des ca. 70 km langen Illerabschnitts zwischen Cambodunum/Kempten und Guntia/Günzburg, im Nordwesten der Provinz Raetia secunda. Das Kastell stand auf einem 35 m hoch über der Iller (Hilaria) auf einem durch die natürlichen Gegebenheiten geschützten, aus tertiären Sanden bestehenden Plateau. Es überragt das Tal um 35 m (572 ü NN.) Nach Westen und Südwesten fällt es steil zum Flusstal hin ab. Durch zwei tiefe – erst in jüngster Zeit verfüllte – Erosionsrinnen war es im Norden vom Johannesberg, dem Hennental und im Süden vom Heiligen Garten abgeschnitten. Die Südwestseite des Plateaus war schon immer starker Erosion ausgesetzt da dessen Fuß der Iller als Prallhang diente. Es war daher nur an seiner Ostseite leicht zugänglich. Die Reste des Kastells liegen im westlichen Teil des Ortskerns von Kellmünz und sind fast vollkommen überbaut. An seiner ehemaligen Südostecke erhebt sich heute die römisch-katholische Kirche St. Martin.

Die Anbindungen an das regionale römische Straßennetz und die Streckenführung der im Itinerarium Antonini angeführten, von Nord nach Süd verlaufenden Hauptstraße von Camboduno/Kempten – Celio Monte/Kellmünz – Guntia/Günzburg sind noch weitgehend unbekannt. Wahrscheinlich verlief letztere im hochwassergeschützten Bereich, streckenweise vermutlich auf dem östlichen Illerhochufer oder im hügeligen Hinterland, wie z. B. der Abschnitt Kempten – Memmingen, oder vielleicht auch im Rothtal.Michael Mackensen 1994, S. 149.

Name Der antike Name wird in der Notitia dignitatum als Caelio überliefert, abgeleitet von Caelius, dem Namen eines der sieben Hügel Roms. Auch der heute gebräuchliche Ortsname könnte auf ihn zurückzuführen sein.ND Occ. XXXV 8, 30.

Funktion Das Lager gehörte zum spätrömischen Donau-Iller-Rhein-Limes, einer Linie von Grenzfestungen, die nach dem Fall des Obergermanisch-Rätischen Limes um 300 n. Chr. an den Ufern dieser Flüsse entstand. Seine Besatzung war für die Nachrichtenweitergabe, Kontrolle und Sicherung der Reichsgrenze im unteren Illertal zuständig. Eventuell führte dort auch eine Brücke über den Fluss, die es ebenfalls zu überwachen galt.

Forschungsgeschichte Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts wurden beim Bau der ersten öffentlichen Wasserleitungen von Kellmünz römische Mauerzüge aufgedeckt. Planmäßige Ausgrabungen von großen Teilen der steinernen Wehrmauer fanden erstmals zwischen 1901 und 1913 durch den historisch interessierten Kellmünzer Kaufmann Roman Linder mit Hilfe seiner drei Söhne statt. Ihnen stand der Archäologe Paul Reinecke (1872–1958) beratend zur Seite. Sein ältester Sohn, Johann Linder, verfasste danach auch mehrere Aufsätze über das spätantike Kellmünz.

Im Laufe dieser Untersuchungen wurde eine Vielzahl von teils handwerklich hochwertigen Spolien aus dem spätantiken Mauerwerk (Türme der Ostmauer) geborgen, darunter Architekturteile von Monumentbauten sowie vor den Einbau passend zurechtgehauene Marmorstatuen. Es handelte sich um mittelkaiserzeitliche Architektur- und Gebäudefragmente, wie z. B. Säulenschäfte und -basen sowie Säulen- und Pilasterkapitelle aus Marmor, Tuff (Molassesedimente) und Jurakalkstein. Vermutlich wurden sie nicht aus Kempten hierher verschleppt. Sie stammen wohl eher aus der Nekropole eines herrschaftlichen Gutshofes in Kellmünz selbst oder in dessen näherer Umgebung. In den ersten Jahren wurden die Grabungen hauptsächlich durch den Verkauf dieser Spolien an das Bayerische Nationalmuseum in München finanziert.Michael Mackensen 1996, S. 141 und S. 135–136 (im Speziellen die Abb. 127–129)

Eduard Anthes hielt 1917 das Kastell – wegen des unregelmäßigen Grundrisses und der an dieser Stelle ebenfalls angenommenen mittelkaiserzeitlichen Siedlung – für eine befestigte Stadt. Auch Hans-Jörg Kellner sah 1957 die Befestigung: „… nicht als reines Kastell …“ an, sondern ging neben der militärischen Besatzung auch von der ständigen Anwesenheit von Zivilpersonen im Kastell aus. 1959 konnte N. Walke den nördlichen Flankenturm des Kastelltores – vor seiner endgültigen Zerstörung durch den Straßenbau – noch einmal genauer in Augenschein nehmen.

Zwischen 1986 und 1993 führte die Universität München im Auftrag der Spätrömischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften eine Ausgrabung durch (Leitung Michael Mackensen). Hierbei wurden große Teile der Festungsmauern, darunter das Haupttor sowie die Zwischen- und Ecktürme der Ostmauer und der Nordwestmauer sowie im heute nahezu vollständig überbauten Innenbereich Teile der antiken Bebauung untersucht. 1987 wurde auch beim südlichen Flankenturm des Osttores, der durch die Anlage eines Hohlweges und Steinraub fast vollständig zerstört worden war, im Bereich der Friedhofsböschung nachgegraben und seine Reste dabei teilweise freigelegt. Die jüngsten römerzeitlichen Schichten des Kastells waren zwar zerstört, und spätantike Funde haben sich nur in geringem Ausmaß erhalten, doch ließ sich eine römische Siedlungstätigkeit aufgrund der vorgefundenen rollstempelverzierten Argonnensigillaten noch bis in die ersten Jahrzehnte des 5. Jahrhunderts nachweisen. Die ältesten, um 300 n. Chr. datierbaren Besiedlungsschichten hatten sich innerhalb des alten Friedhofs erhalten. Vereinzelte Streufunde der Mitte und der zweiten Hälfte des 4. oder des frühen 5. Jahrhunderts repräsentierten die jüngeren Siedlungsschichten des Lagers, die aber durch die Ausschachtung von mittelalterlichen und (früh-)neuzeitlichen Gräbern ebenfalls fast vollständig zerwühlt wurden.

1995 wurden die Grabungen beendet. Im Anschluss daran wurde der Archäologische Park Kellmünz eingerichtet, in dem die noch erhaltenen Kastellreste konserviert und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind. Auf dem Parkgelände wurde die Westmauer mit zwei Rundtürmen restauriert und konserviert. Das untere Mauerwerk ist noch original römisch, die oberen Lagen wurden zwischen 1993 und 1994 teilweise aus kleinen Tuffsteinquadern ergänzt. Zugleich wurde das gesamte Gelände unter Denkmalschutz gestellt.

2001 fand am nordöstlichen Eckturm eine Notgrabung der Kreisarchäologie Neu-Ulm statt.Michael Mackensen 1996, S. 151–153.

Entwicklung Die Besiedlung der Kellmünzer Region setzte um ca. 1500 v. Chr. ein. Auf den Fuchsbühl wurde ein bronzezeitliches Hügelgrab aus dieser Zeit entdeckt. Am Illerufer kam 1927 ein bronzenes Schwert bei Kanalbauarbeiten zum Vorschein (ca. 1200 v. Chr.), Gräber aus der Hallstattzeit (Am Brenner) konnten auf das Jahr 800 v. Chr. datiert werden. Ab 600 v. Chr. nahmen die Kelten (Vindeliker) das Land um Kellmünz in Besitz. 15 v. Chr. eroberten schließlich die Römer nach harten Kämpfen ihr Gebiet und gliederten es als Provinz Raetien in ihr Reich ein. Danach wurde die Region durch die systematische Ansiedlung von römischen Veteranen wirtschaftlich erschlossen, indem sie Straßen bauten, Städte (civitas), Dörfer (vici) und Bauernhöfe (villa rustica) gründeten.

213 n. Chr. durchbrachen alamannische Scharen erstmals den rätischen Limes, gelangten dabei jedoch nicht sehr weit ins Hinterland. Dies gelang ihnen erst zwanzig Jahre später und war nur deshalb möglich, da die meisten Einheiten der römischen Grenzarmee an Rhein und Donau im späten 3. Jahrhundert größtenteils auf den östlichen Kriegsschauplatz, zum Kampf gegen die Sassaniden, abgezogen worden waren. Die Grenzgarnisonen waren dadurch in ihrer Abwehrkraft erheblich geschwächt. Die Bevölkerung am obergermanisch-rätischen Limes wurde von der Regierung in Rom sich selbst überlassen, was schon bald alamannische Plünderer anlocken sollte. Ihre Einfalle hatten aber noch keine Landeroberung, sondern nur Brandschatzung und Plünderung der reichen, vollkommen ungesichert auf dem Land liegenden Städte und Gutshöfe zum Ziel. Hatten die Alamannen einmal die – auf weiten Strecken unbewachte – Grenze überwunden, bot ihnen das gut ausgebaute römische Straßennetz die Möglichkeit, rasch ins Limeshinterland vorzustoßen. Kaiser Maximinus Thrax (235–238) konnte zwar den rätischen Limes wieder stabilisieren, aber bereits unter seinen Nachfolgern Valerian (253–260) und Gallienus (253–268) brach die Grenzverteidigung in Rätien erneut zusammen. Infolgedessen konnten die Alamannen wieder ungehindert die Provinz verheeren, dabei Augsburg und Kempten zerstören und sogar bis nach Mailand/Mediolanum vordringen. Einmal mehr trafen diese Raubzüge vor allem die am Limes ansässige Zivilbevölkerung besonders hart. Das Dekumatenland war jetzt nicht mehr zu halten und wurde von Armee und Verwaltung geräumt (siehe Limesfall). Zwischendurch vermochten aber einzelne Soldatenkaiser trotzdem energisch durchzugreifen und konnten damit den Grenzprovinzen eine kurze Atempause verschaffen. Unter Kaiser Probus (276–282) wurde schließlich zu deren wirksameren Schutz eine neue Kastellkette vom Bodensee bis zur Illermündung aufgebaut. Anstatt der wesentlich größeren Anlagen der mittleren Kaiserzeit errichtete man hier aber nur kleinere Befestigungen, die so weit wie möglich den örtlichen Geländestrukturen angepasst wurden. Ähnliche Anlagen entstanden unter anderem in Kempten (Cambodunum) auf der Burghalde, Isny (Kastell Vemania) und Gundremmingen (Bürgle).