Aulendorf ist eine Stadt am Westrand des Schussentals im Landkreis Ravensburg im Südosten von Baden-Württemberg. Die ehemalige Residenzstadt und Eisenbahnerstadt ist ein Kurort.

Aulendorf war ursprünglich ein Marktflecken und Residenzort der Grafen zu Königsegg-Aulendorf. Aulendorf wuchs im 19. Jahrhundert als Eisenbahnknoten stark an, erhielt 1950 die Stadtrechte und wurde 1972 im Rahmen der Gemeindereform nochmals vergrößert. Aulendorf ist ein Kneippkurort und verfügt über mehrere Kliniken sowie ein Thermalbad.

Geographie mini|Schloss Aulendorf mini|Aulendorf von Südosten Geographische Lage Aulendorf liegt zentral in Oberschwaben nordnordwestlich des Altdorfer Walds und erstreckt sich im Schussenbecken, das im Volksmund Schussental genannt wird.

In der Nähe (bei Bad Schussenried) befindet sich der Schussenursprung, die Quelle der Schussen, an der Aulendorf liegt. Das Stadtgebiet erstreckt sich von 540 bis . Die höchste Stelle bildet ein Punkt im Wald zwischen der Hohkreuzkapelle und Ebisweiler.

Nachbargemeinden An die Stadt Aulendorf grenzen im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden: Bad Schussenried (Landkreis Biberach), Ingoldingen (Landkreis Biberach), Bad Waldsee, Wolpertswende, Altshausen und Ebersbach-Musbach (alle Landkreis Ravensburg).

Stadtgliederung mini|Kapelle St. Joseph in Tannhausen mini|Haslacher Weiher Das Stadtgebiet Aulendorfs besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten Gemeinden Blönried, Zollenreute und Tannhausen.

Diese drei Stadtteile bzw. Stadtbezirke sind zugleich Ortschaften im Sinne von §§ 67 ff. der Gemeindeordnung, das heißt, sie haben jeweils einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl direkt zu wählenden Ortschaftsrat, mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden. Die Zahl der Ortschaftsräte beträgt in allen Ortschaften neun. Zum 1. Januar 2006 wurden die Ortschaftsverwaltungen in allen drei Teilorten aufgelöst.

Zu einigen Stadtteilen gehören weitere räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die oft sehr wenige Einwohner haben, oder Wohngebiete mit eigenem Namen, deren Bezeichnung sich im Laufe der Bebauung ergeben haben und deren Grenzen dann meist nicht genau festgelegt sind. Im Einzelnen handelt es sich um folgende Gebiete: zu Blönried: Steinenbach, Münchenreute, Halderhof, Multer, Lohren zu Zollenreute: Rugetsweiler, Schindelbach, Esbach, Vogelsang, Vogelplatz, Poppenmaier, Geiger-Röschen, Röhren, Wallenreute, Unterrauhen, Oberrauhen, Spiegler, Faßmacherhof zu Tannhausen: Tannweiler, Haslach mit dem gleichnamigen Weiher, Tiergarten, Geblisberg, Spiegler, Lippertsweiler, Allgaierhof

Ebisweiler, Kapellenhof, Laubbronnen, Steegen und Blumenau gehören direkt zu Aulendorf.

Klima

Geschichte Frühzeit Das Gebiet um Aulendorf weist eine lange Siedlungsgeschichte auf, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. Die ersten nachgewiesenen Siedler waren jungsteinzeitliche Bauern, deren Spuren in Form von Pfahlbauten am Grund des Steegersees gefunden wurden. Ein bronzezeitliches Ganzscheibenrad deutet auf eine Moorrandsiedlung in dieser Epoche hin.

Vor den Römern wurde das Land von keltischen Vindelikern genutzt.

In den ersten nachchristlichen Jahrhunderten befand sich an dieser Stelle ein römischer Gutshof, dessen Existenz durch feste Mauerwerksreste und den Flurnamen „Am Römerbad“ belegt ist. Die eigentliche Ortsgründung von Aulendorf erfolgte durch die Alemannen, die sich im ausgehenden 6. oder beginnenden 7. Jahrhundert niederließen und ein Dorf errichteten.mini|Schloss Aulendorf, Gemälde von Albert Emil Kirchner, 1860 mini|Bahnhof um 1900

Mittelalter und Neuzeit Aulendorf wurde im 11. Jahrhundert als Aligedorf erstmals urkundlich erwähnt. Zunächst war es welfischer Besitz, dann staufisch, seit dem späten Mittelalter unter den Herren von Königsegg, danach unter den Grafen zu Königsegg-Aulendorf und ab 12. Juli 1806 württembergisch. 1682 erhielt Aulendorf Marktrechte, nachdem 1681 die neu gebildete Linie Königsegg-Aulendorf hier ihren Sitz genommen hatte. Im Königreich Württemberg gehörte der Ort zum Oberamt Waldsee erst von 1806 bis 1934, danach Kreis Waldsee von 1934 bis 1938.

Seit dem 26. Mai 1849 liegt Aulendorf an der Bahnstrecke Ulm–Friedrichshafen, mit Inbetriebnahme der Bahnstrecke Herbertingen–Isny am 25. Juli 1869 wurde der Ort zum Eisenbahnknotenpunkt. Die Lokstation Aulendorf, die bis 1910 noch mit Torf befeuerte Lokomotiven zum Einsatz vorbereitete, wurde nach dem Ersten Weltkrieg zu einem Bahnbetriebswerk erweitert.

Bei der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Aulendorf 1938 zum Landkreis Ravensburg.

Aulendorf war nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Französischen Besatzungszone und geriet somit 1947 zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, das 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Im Jahr 1950 wurde Aulendorf zur Stadt erhoben, 1956 das Progymnasium und 1974 das voll ausgebaute Gymnasium eröffnet.

Eingemeindungen Am 1. Februar 1972 wurden die bis dahin selbstständigen Gemeinden Blönried, Tannhausen und Zollenreute nach Aulendorf eingemeindet. Im Jubiläumsjahr 2025 veranstaltete die Stadt Aulendorf einen Festumzug und eine Leistungsschau anlässlich ihres 75-jährigen Jubiläums.

Religionen In Aulendorf bestehen sowohl eine römisch-katholische als auch eine evangelische Kirchengemeinde (Kirchengemeinde Aulendorf). Zudem ist auch die neuapostolische Kirche in der Stadt vertreten. Im Gemeindeteil Blönried gründeten der katholische Orden der Steyler Missionare 1925 das Studienseminar St. Johann zur Ausbildung von Ordensnachwuchs,Peter Eitel: Oberschwäbische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts, Band 3, Thorbecke-Verlag Ostfildern 2022, S. 124f. das 2013 endgültig geschlossen wurde.

Politik mini|hochkant=1.1|Schlossplatz mit Maibaum neben der Sparkasse Aulendorf Gemeinderat Der Gemeinderat in Aulendorf besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 34,43 6 34,2 6 FWV Freie Wählervereinigung 25,02 5 16,9 3 BUS Bündnis für Umwelt und Soziales 24,45 4 32,9 6 SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 16,09 3 16,1 3 gesamt 100,0 18 100,0 18 Wahlbeteiligung 60,14 % 54,8 %

Bürgermeister 1954–1968: August Kink 1968–1988: Heinz Lang (CDU) 1988–2004: Johannes Heinzler (CDU) 2004–2008: Georg Eickhoff (CDU) 2008–: Matthias Burth (parteilos)

Georg Eickhoff (CDU) erklärte am 27. Mai 2008 überraschend seinen Rücktritt. Seit dem 1. Oktober 2008 ist der am 31. August 2008 gewählte parteilose Matthias Burth im Amt, der zuvor Kämmerer in Talheim war. Burth wurde 2016 und 2024 wiedergewählt.

Verschuldung Die Stadt Aulendorf hatte 2008 bei 10.000 Einwohnern rund 64 Millionen Euro Schulden. Sie war damit die am höchsten verschuldete Gemeinde in Baden-Württemberg. Die Schulden rühren vor allem aus einer verfehlten Kurpolitik in den 1990er Jahren und städtischer Misswirtschaft.

Die unter Bürgermeister Johannes Heinzler (CDU, 1988–2004) errichteten Kurkliniken samt Thermalbad konnten von Anfang an nicht profitabel betrieben werden. Die anfallenden Defizite wurden durch die Stadt gedeckt. Durch fehlende Jahresabschlüsse, gefälschte Verträge und Buchungstricks konnte man die Finanzprobleme gegenüber den Aufsichtsbehörden jahrelang vertuschen.Pannen, Pech und eine Riesenpleite. Badische Zeitung, 8. Juli 2008. Ende 2004 betrug der offizielle Schuldenstand Aulendorfs 20 Millionen Euro. Heinzler wurde 2008 vom Amtsgericht Bad Waldsee wegen Untreue zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hatte städtische Grundstücke unter Wert verkauft., 16. Juli 2008.

Der Bürgermeister von 2004 bis 2008, Georg Eickhoff (CDU), privatisierte die Klinik und das Altenheim. Außerdem legte er ein Haushaltssicherungskonzept vor, das die Schließung von Ortschaftsverwaltungen, Streichung von Vereinszuschüssen, Einführung von Hallengebühren und Einsparungen bei Reinigungsleistungen vorsah. Dennoch stieg die Schuldenlast unter seiner Ägide auf 64 Millionen Euro an. Sechs Millionen Euro gingen der Stadt verloren, weil sie Kanal- und Klärbeiträge bei Hauseigentümern nicht erhob. Eickhoff warf dem Landrat des Landkreises Ravensburg Kurt Widmaier vor, in den Jahren während der Amtszeit seines Vorgängers seine Aufsichtspflicht gegenüber der Gemeinde verletzt zu haben und damit eine Mitschuld an dem Schuldenberg in Aulendorf zu haben.Memorandum zur Haftung für die Verschuldung der Stadt Aulendorf an das Land Baden-Württemberg, die Gemeindeprüfungsanstalt, den Gemeindetag, und den Gemeinderat der Stadt Aulendorf. Der Gemeinderat beschloss am 27. Dezember 2007, das Land Baden-Württemberg als Rechtsaufsicht des Landkreises Ravensburg auf 22,3 Millionen Euro zu verklagen. Die Klage wurde am 25. August 2008 vom Gemeinderat zurückgezogen. Schwäbische Zeitung

Die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) kam im Juni 2008 zu dem Schluss, dass sich die Stadt alleine nicht mehr des Schuldenberges entledigen kann. Sie machte eine intransparente Darstellung der tatsächlichen Finanzkraft, fehlendes Gegensteuern und Mängel in der Aufbau- und Ablauforganisation der Verwaltung zum Vorwurf. stadt-aulendorf.de Bürgermeister Eickhoff trat kurz vor der Übergabe des GPA-Berichts von seinem Amt zurück.

Im Jahr 2009 beschloss der baden-württembergische Ministerrat ein Maßnahmenpaket, das bei gleichzeitigen drastischen Einsparungen der Stadt Aulendorf finanzielle Hilfen in Höhe von 39,2 Millionen Euro bis zum Jahr 2016 vorsah. aulendorf.de Aulendorf ist die einzige Stadt in Baden-Württemberg, die finanzielle Zuwendungen vom Land erhält.

2014 lag Aulendorf bei der Schuldentilgung über den Zielvorgaben des mit dem Land Baden-Württemberg geschlossenen Finanzhilfevertrags. Die Gesamtverschuldung lag nur noch bei knapp 24 Millionen Euro. Die Schuldenlast wurde von 2010 bis 2014 um rund 34 Millionen gesenkt. Bis zum Auslaufen des Finanzhilfevertrages mit dem Land im Jahre 2016 standen noch 3,23 Millionen Euro zur Tilgung an.Paulina Stumm: Aulendorf soll sparen statt Schulden tilgen, Artikel vom 4. Juli 2017 in der Schwäbischen Zeitung, (online: schwaebische.de), aufgerufen am 27. August 2024

Zum Jahresende 2018 sollte die Verschuldung der Stadt bis auf 13 Millionen Euro geschrumpft sein. Zugleich plante die Gemeinde, dann über Rücklagen in Höhe von 8,6 Millionen Euro zu verfügen.

Der Schuldenstand per 31. Dezember 2019 belief sich auf unter 10,5 Millionen Euro.

mini|hochkant|Gedenktafel zum 40-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Conches

Wappen

Patenschaften Von 1969 bis zur Außerdienststellung 2005 hatte Aulendorf die Patenschaft für das U-Boot U 12 der Bundesmarine. Zuvor hatte es auch schon 1967/68 die Patenschaft über das Binnenminensuchboot Holnis. Auf Grund dieser Patenschaften entstand in Aulendorf der Marinechor.

Städtepartnerschaft Die Stadt Aulendorf unterhält seit 1960 eine Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Conches-en-Ouche in der Normandie.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Aulendorf liegt an der Oberschwäbischen Barockstraße und der Schwäbischen Bäderstraße, die beide an zahlreichen Sehenswürdigkeiten vorbeiführen.

Museen Ein Medialer Erlebnisparcours macht die Geschichte rund um das Schloss Aulendorf in Form einer kostenlosen App für Android/iOS erlebbar. Filmsequenzen mit Schattenfiguren führen an verschiedenen Stationen zurück in frühere Zeiten. Wer mag, vertieft sein Wissen auf zusätzlichen Leseebenen.Türen auf im Schloss Aulendorf – Mit Tablet und Smartphone Geschichte(n) entdecken. Abgerufen am 1. Dezember 2018. Das Bürgermuseum im Alten Kino präsentiert einen Rundgang durch die Stadtgeschichte.

Bauwerke