Der Verband der Vereine Deutscher Studenten (VVDSt), auch Kyffhäuserverband (VVDSt-KV) genannt, ist ein Korporationsverband mit etwa 40 Mitgliedsverbindungen. Die Mitgliedskorporationen nennen sich Verein Deutscher Studenten (VDSt).

Struktur Die Vereine Deutscher Studenten sind nichtschlagende, farbenführende Verbindungen, in denen männliche Studenten und Akademiker Mitglied werden können, die sich dem deutschen Sprach- und Kulturkreis verbunden fühlen. Letzteres wird weit ausgelegt, de facto werden etwa auch Studenten nicht-deutscher Herkunft aufgenommen. Die Farben der meisten Vereine Deutscher Studenten und des Dachverbandes sind Schwarz-Weiß-Rot, der Wahlspruch des Dachverbandes lautet „Mit Gott für Volk und Vaterland!“

Die Verbindungen gliedern sich in einen Aktiven Bund für die aktiven, studentischen Mitglieder und den dazugehörigen Altherren-Bund, in den der Aktive nach Beendigung seines Studiums als Alter Herr übernommen wird. Oberstes Organ des VVDSt ist die jährliche Verbandstagung.

Der VVDSt ist mit der Verbindung Schleswigscher Studenten (VSSt) und den Vereinen Deutscher Hochschüler (VDH) durch ein Freundschaftsabkommen verbunden. Von 1955 bis 2012 bestand ein Arbeitsabkommen mit der Deutschen Burschenschaft. Zentrales Anliegen des „Heidelberger Abkommens“ war der gemeinsame Einsatz für die Deutsche Wiedervereinigung. Da diese Realität ist und das Abkommen über Jahrzehnte nicht mit Leben gefüllt war, wurde es auf der Verbandstagung 2012 als inhaltlich erfüllt betrachtet und eine Fortführung für nicht sinnvoll erachtet.

Verbandszeitschrift mini|Logo der Akademischen Blätter Seit 1886 besitzt der VVDSt mit den Akademischen Blättern eine eigene Verbandszeitschrift.

Prinzipien Der VVDSt hat seine Grundsätze in sogenannten Prinzipien niedergelegt.

Lebensbundprinzip: Die Mitgliedschaft beginnt in der Regel im Studium und endet mit dem Tod. Schwarzes Prinzip: Farben werden nicht in Band und Mütze getragen. Politisches Prinzip: Die Mitglieder sollen zu verantwortungsbewussten Bürgern erzogen werden. Conventsprinzip: Alle Entscheidungen werden demokratisch getroffen. Männerbundsprinzip: Mitglied in einem VDSt können nur männliche Studenten werden. Toleranzprinzip: Alle Mitglieder sollen sich in gegenseitiger Toleranz üben. Verbandsprinzip: An jedem Hochschulort existiert in der Regel nur eine Mitgliedskorporation, alle Verbandsmitglieder reden sich mit „Bundesbruder“ an, es gilt verbandsweit der Duz-Comment und bei Hochschulwechsel wird ein Aktiver automatisch Mitglied des örtlichen VDSt.

Der Verband ist politisch neutral und konfessionell nicht gebunden.

Ziele Die Ziele des Verbandes sind in der Verbandssatzung des VVDSt festgelegt. Laut dieser Satzung stellen sich die Vereine Deutscher Studenten zur Aufgabe, ihren Mitgliedern politische Kenntnisse zu vermitteln, die persönliche Einsatzbereitschaft zu fördern und kritisches Bewusstsein zu wecken.

Insbesondere sollen die Mitglieder eintreten: für die demokratische Grundordnung, für Recht und Freiheit in allen Bereichen des staatlichen, politischen und gesellschaftlichen Lebens (…), für eine gerechte, um Ausgleich bemühte soziale Ordnung, für die Erhaltung einer lebenswerten Umwelt, für die Pflege der deutschen Sprache und Kultur, für ein politisch und wirtschaftlich geeintes, freiheitlich-demokratisches Europa gleichberechtigter Völker, für die unveräußerlichen und unverletzlichen Menschenrechte sowie die Rechte ethnischer Minderheiten in ihrer angestammten Heimat auf ihre eigenständige Sprache und Kultur, insbesondere für die Verbundenheit mit allen Angehörigen [des deutschen Volkes] durch politische Unterstützung, kulturelle Förderung, soziale Hilfe und menschliche Begegnung.

Couleur Bänder und Mützen werden traditionell nicht getragen. Die Farben werden jedoch von den meisten Mitgliedern als Zipfel geführt. Zu feierlichen Anlässen wird der Chargenwichs getragen. Kneipen und Kommerse werden gefeiert, folgen aber einer über die Generationen stark vereinfachten Form. Weitere Symbolik, die verbandsübergreifend in allen VDSt-Bünden geführt werden kann, besteht aus dem Verbandszirkel und dem Verbandsdreieck.Marc Zirlewagen (Hrsg.): Praktisches Handbuch des Verbandes der Vereine Deutsche Studenten – Kyffhäuser-Verband. 7. Auflage, S. 469. Der Verbandszirkel kann von jedem VDSter zusätzlich zu dem Zirkel oder den Zirkeln des Bundes geführt werden. In der Regel ist es jedoch üblich, dass nur Mitglieder des Vorortes sowie weitere hohe Verbandsamtsträger diesen Zirkel führen. Das Verbandsdreieck fungiert als „Emblem“ des Verbands; es stellt ein Dreieck dar, welches mit Spitze nach unten zu sehen ist und von außen nach innen die Farben schwarz-weiß-rot trägt. Es kann in Form der Verbandsnadel am linken Revers getragen werden und dient somit als Erkennungszeichen, mit dem man sich auch in der Öffentlichkeit als VDSter zu erkennen geben kann.

Geschichte Die ersten Vereine deutscher Studenten gründeten sich im Jahr 1880 in Berlin sowie 1881 in Halle, Leipzig, Breslau, Greifswald und Kiel. Angestoßen wurde diese Bewegung u. a. durch antisemitische Propaganda des Hofpredigers Adolf Stoecker (Christlich-Soziale Partei) und Veröffentlichungen des Historikers Heinrich von Treitschke sowie durch den sog. Berliner Antisemitismusstreit. Den unmittelbaren Anlass bildete eine 1880 unter anderem von Bernhard Förster und Max Liebermann von Sonnenberg initiierte Antisemitenpetition, die den Reichskanzler aufforderte, die rechtliche Gleichstellung der Juden zurückzunehmen. Aus den „Komitees zur Verbreitung der Petition unter der Studentenschaft“ entstanden die Vereine deutscher Studenten, die sich politisch im Sinne antisemitischer Agitation betätigten und gesamtstudentischen Vertretungsanspruch erhoben.Norbert Kampe: Akademische Blätter. In: Wolfgang Benz (Hg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Bd. 8., Nachträge und Register. De Gruyter, Berlin 2015, S. 158.

Unter der Führung von Diederich Hahn und Friedrich Naumann fanden sich am 6. August 1881 etwa 800 Studenten auf dem ersten Kyffhäuserfest zusammen. Anlässlich dieses Treffens schlossen sich die VDSt zum „Kyffhäuser-Verband“ bzw. zum „Verband der Vereine Deutscher Studenten“ (VVDSt) zusammen. Leitideen der Vereine Deutscher Studenten waren Deutschtum, Monarchie und Christentum. Dies manifestierte sich in dem Wahlspruch des VVDSt („Mit Gott für Kaiser und Reich“). Der VVDSt unterstützte die Sozialreform in Sinne Bismarcks und sah in der Kaiserlichen Sozialbotschaft Wilhelms I. vom 17. November 1881 seine Vorstellungen verwirklicht. Diese Verbundenheit wurde durch die Einweihung des Botschaftsgedenksteins auf dem Kyffhäuser auf der 16. Verbandstagung 1896 in Kelbra ausgedrückt. Am Gründungsort des Verbandes wurde 1906 direkt neben der Burgruine Rothenburg eine Bismarcksäule errichtet. Der von Wilhelm Kreis entworfene Turm wurde mit Spenden des Verbandes finanziert.Gunther Mai: »Für Kaiser und Reich«. Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf dem Kyffhäuser. In: Gunther Mai (Hrsg.): Das Kyffhäuser-Denkmal 1896–1996. Ein nationales Monument im europäischen Kontext. Böhlau, Köln 1997, S. 158–160. Bismarck unterstützte den Verein, indem er 1881 über den Kopf und gegen den Widerstand des mehrheitlich liberal besetzten Senats der Berliner Universität die Anerkennung des VDSt durch die Universität anordnen ließ.Nobert Kampe: Studenten und »Judenfrage« im Deutschen Kaiserreich. Die Entstehung einer akademischen Trägerschicht des Antisemitismus. V & R, Göttingen 1988, S. 34–39.

Ende der 1890er-Jahre wandten sich die Vereine Deutscher Studenten vom parlamentarischen Antisemitismus ab und vertraten nunmehr eine nicht nur antisemitische, sondern auch extrem völkische Haltung. Antisemitismus galt dabei als positiver und durch Rassismus scheinbar auch wissenschaftlich begründeter Bestandteil dieser Überzeugung.Werner Bergmann: Völkischer Antisemitismus im Kaiserreich. In: Uwe Puschner, Walter Schmitz, Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Handbuch zur „Völkischen Bewegung“ 1871–1918. K.G. Saur, München 1996, S. 459–460. 1896 wurde in die Satzung des Kyffhäuserverbandes ein Arierparagraph aufgenommen, womit die Vereine Deutscher Studenten nicht mehr nur Juden, sondern auch Studenten jüdischer Herkunft ausschlossen.Helmut Berding: Moderner Antisemitismus in Deutschland. Edition Suhrkamp, Frankfurt/M. 1988, S. 118. Die Vereine Deutscher Studenten förderten die Akzeptanz völkischen Denkens im Bürgertum und bereiteten Organisationen wie dem Alldeutschen Verband den Weg.Rainer Hering: Konstruierte Nation. Der Alldeutsche Verband, 1890 bis 1939. Wallstein, Göttingen 2003, S. 65 f. Viele Alldeutsche, aber auch aktive Gegner der Frauenemanzipation waren als Studenten im VDSt aktiv gewesen oder waren ihm als alte Herren oder Ehrenmitglieder verbunden.Ute Planert: Antifeminismus im Kaiserreich: Diskurs, soziale Formation und politische Mentalität. V & R, Göttingen 1998, S. 128. Mit der völkischen kam auch eine antislawische Ausrichtung hinzu. Mit dem Deutschen Ostmarkenverein, der wie auch die Akademischen Blätter eine Entpolonisierung der deutschen Ostprovinzen forderte, unterhielt der Kyffhäuserverband seit dessen Gründung eine enge inhaltliche und institutionelle Kooperation.Uwe Puschner: Die völkische Bewegung im wilhelminischen Kaiserreich. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-534-15052-X, S. 113. Der Kyffhäuserverband schloss sich außerdem dem Deutschen Wehrverein an und rief zum Beitritt zur Gobineau-Gesellschaft Ludwig Schemanns auf. 1910 konnte der Jurist Karl Kormann (1884–1914) es als Erfolg des VDSt verbuchen, dass „der Gedanke des gesellschaftlichen Antisemitismus [heute] ja so ziemlich ein selbstverständliches Gemeingut aller akademischen Kreise geworden [ist]“.Zit. nach Konrad H. Jarausch: Deutsche Studenten 1800–1970. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1984, S. 90.

Die VDSt verstanden sich als Angebot für politisch interessierte Studenten. Sie wollten keine neue Korporation neben den bereits bestehenden bilden, nicht einen Verein in der Studentenschaft, sondern die deutsche Studentenschaft selbst vertreten. Korporierte und Nichtkorporierte fanden sich in den Vereinen zusammen. So erklärt sich der Name „Verein Deutscher Studenten“, und deshalb wählten die VDSt unter Ablehnung von Band und Mütze die Farben des Reiches „Schwarz-Weiß-Rot“ als Vereinsfarben.

Nachdem die 1881 gegründete Kyffhäuser-Zeitung schon nach wenigen Jahren wieder eingestellt worden war, gründete man im Jahr 1886 auf Anregung des damaligen Vorortsvorsitzenden Rudolf Heinze, der später in der Weimarer Republik Vizekanzler und Reichsjustizminister werden sollte, mit der Zeitschrift Akademische Blätter ein eigenes Verbandsorgan.

Neben den Anfängen und dem Ausbau der Volkstumsarbeit spielte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert ein anderes Problem in der Verbandsgeschichte eine Rolle, die Auseinandersetzung mit der Parteipolitik. Akut wurde diese Frage, als Friedrich Naumann mit seinem Nationalsozialen Verein im Jahr 1896 eine politische Gründung vollzog und unter den VDSt-ern eine nicht geringe Anhängerschaft fand, so dass in der Öffentlichkeit zeitweilig der Eindruck entstehen konnte, als sei sein Nationalsozialer Verein die Fortsetzung des Verbandes im praktischen Leben. Dass diese Auffassung nicht zutraf, wurde auf den Verbandstagungen der Jahre 1897 und 1898 ausdrücklich festgestellt, um so die parteipolitische Neutralität des Verbandes zu wahren. Innerhalb des VDSt entstand so viel Streit zu der Frage der politischen Aktivität Friedrich Naumanns, dass dieser sich entschloss, aus dem VDSt auszutreten (so genannter Naumann-Streit). Eine außerordentliche Verbandstagung im Januar 1907 in Leipzig, auf der sich der Gedanke der parteipolitischen Neutralität erneut durchsetzte und liberale wie konservative Ideen im Verband für gleichberechtigt anerkannt wurden, beendeten schließlich diesen verbandsinternen Streit.

Erster Weltkrieg