mini|Gunter Sachs (1978) rahmenlos|zentriert|class=notpageimage skin-invert-image|Unterschrift Gunter Sachs deutsch-schweizerischer Industriellenerbe Fritz Gunter Sachs (* 14. November 1932 in Mainberg bei Schweinfurt; † 6. Mai 2011 in Gstaad), früher auch Gunter Sachs von Opel genannt,Gunter Sachs: Die beste Partie. In: Der Spiegel. 26. September 1962. war ein deutsch-schweizerischer Industriellenerbe, Bobfahrer, Fotograf, Dokumentarfilmer, Kunstsammler und Astrologe. Sein extravertierter Lebensstil machte ihn in den 1960er und 1970er Jahren besonders als Prototyp des Gentleman-Playboys bekannt.
Leben mini|Schloss Mainberg bei Schweinfurt, die Geburtsstätte von Gunter Sachs
Gunter Sachs war der jüngere Sohn des deutschen Industriellen Willy Sachs, der 1932 Alleininhaber der Fichtel & Sachs AG in Schweinfurt wurde. Sein Großvater väterlicherseits war der Geheimrat Ernst Sachs, Erfinder des Fahrrad-Freilaufs und der Rücktrittbremse sowie Mitbegründer des Unternehmens. Der Großvater mütterlicherseits, Wilhelm von Opel, war der Sohn des Opel-Gründers Adam Opel.
Die ersten Lebensjahre verbrachte Gunter auf Schloss Mainberg. Noch vor seinem dritten Geburtstag trennten sich die Eltern. Die Mutter Elinor von Opel, im Gegensatz zu ihrem Ex-Mann eine Gegnerin der Nationalsozialisten, versuchte mit beiden Kindern in die Schweiz auszureisen. Sie wurde jedoch an der Grenze festgenommen. Die Kinder kamen für einige Zeit ins Erziehungsheim Plänkis, wo sie gut behandelt wurden. Nach einem Rechtsstreit der Eltern, an dem sich NS-Größen wie Hermann Göring und das Schweizer Außenministerium beteiligten, durfte Gunter bei der Mutter in der Schweiz leben. Der erstgeborene Bruder Ernst Wilhelm verbrachte einige Monate beim Vater in Deutschland, bevor auch er zu Mutter und Bruder in die Schweiz ausreisen durfte.
Gunter Sachs besuchte das St. Galler Internat «Auf dem Rosenberg». sowie das Internat Lyceum Alpinum Zuoz im Oberengadiner Dorf Zuoz. Er studierte Mathematik und Wirtschaft in Lausanne und absolvierte eine Feinmechaniker- und eine Banklehre. Zudem erwarb er ein französisches Dolmetscherdiplom.Gunter Sachs ist tot. In: Süddeutsche Zeitung. 8. Mai 2011.
Willy Sachs litt laut Gunter Sachs unter Depressionen.Im Interview: Gunter Sachs „Auch Playboys werden weiser“. In: Süddeutsche Zeitung SZ.de. 1. März 2008. Nach dem Suizid seines Vaters im November 1958 wurde sein älterer Bruder Ernst Wilhelm stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Sachs-Gruppe in Schweinfurt (bis 1967). Gunter Sachs trat als stellvertretender Vorsitzender in den Aufsichtsrat ein, dem er, über den Unfalltod seines Bruders (1977) hinaus, bis Mitte der 1980er Jahre angehörte.
mini|Gunter Sachs und Brigitte Bardotim März 1967 in Italien
Ebenfalls 1958 kam seine erste Ehefrau Anne-Marie Faure durch einen Narkosefehler ums Leben. Aus dieser Ehe stammt sein Sohn Rolf Sachs, der sich als Möbeldesigner und zuletzt als Bühnenbildner einen Namen machte. In den 1960er Jahren wurde Gunter Sachs in den Medien als Playboy populär. Er hatte in der ersten Hälfte des Jahrzehnts mehr als fünf private Begleiterinnen, mit denen er sich in der Öffentlichkeit medienwirksam zeigte. Später wurde Sachs als Fotograf, Kunstsammler und Dokumentarfilmer bekannt. Nachdem seine Liaison mit der persischen Ex-Königin Soraya im Sommer 1962 Schlagzeilen gemacht hatte, verfolgten ihn die Fotografen auf Schritt und Tritt. Er machte den kleinen Hafenort Saint-Tropez bekannt und propagierte die freie Liebe. In: Merkur.de. 8. Mai 2011. Seine Ehe mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot bestand von 1966 bis 1969. Kurz nach der Scheidung heiratete er 1969 Mirja Larsson (* 1943),Gunter Sachs in Geneall. ein schwedisches Model. Dieser Ehe, die bis zu seinem Tode hielt, entstammen zwei Söhne: Gunnar und Alexander.
Nachdem 1972 der Bau eines von Sachs mitinitiierten Museums für moderne Kunst in München gescheitert war,Das Modern Art Museum in der Villa Stuck. verlegte er seine Aktivitäten als Kunstförderer nach Hamburg. In seiner „Galerie an der Milchstraße“, als deren Geschäftsführerin er die Fotografin Angelika Platen einsetzte, widmete er am 6. Oktober 1972 die erste Ausstellung Andy WarholPlayboy mit Kunstverstand. In: Hamburger Abendblatt. 10. Mai 2011. – der auch zur Vernissage anwesend war –, mit dem ihn eine langjährige Freundschaft verband.Gesine Borcherdt: Weil es ihm unangenehm war, dass keiner Warhols Arbeiten haben wollte, kaufte er ein Drittel der Exponate heimlich selbst, um den Künstler nicht zu enttäuschen.
1974 war Gunter Sachs der Fotograf des offiziellen Plakats der Photokina, der wichtigsten internationalen Messe für Fotografie, die ihn für seine Arbeiten mit einem Obelisken auszeichnete. Zahlreiche große nationale (Berlin, Hamburg, Leipzig) und internationale Ausstellungen (Rom, Zürich, Stockholm, Paris, St. Petersburg, Moskau) seiner Werke folgten.
1995 gründete Sachs das Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehaltes der Astrologie in Bezug auf das Verhalten von Menschen und deren Anlagen (IMWA) und veröffentlichte den Bestseller Die Akte Astrologie.
Weniger bekannt geworden ist sein Engagement für die medizinische Grundlagenforschung, seine Unterstützung des Salk Institute in San Diego sowie seine Mitgliedschaft im Kuratorium des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie, dessen Forschung er auch finanziell förderte. Einen Großteil der Erlöse seiner Aktivitäten spendete er der Mirja-Sachs-Stiftung für Kinder in Not.
Seit 1976 besaß Sachs die schweizerische Staatsbürgerschaft. Er war in Surcuolm, dem späteren Mundaun, Kanton Graubünden, heimatberechtigt.Kommt ein reicher Mann daher… In: Der Spiegel. 9/1977, 21. Februar 1977.Der Besuch des jungen Playboys. In: Tages-Anzeiger. 10. Mai 2011. Sachs lebte an verschiedenen Orten in der Schweiz, Frankreich, den USA, England, Kärnten, Tirol und Oberbayern.
In der Autobiografie Mein Leben (2005) ging Sachs nur sehr kurz auf seine Herkunft ein.Wilfried Rott:
In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai 2011 starb er im Alter von 78 Jahren durch Suizid; er erschoss sich in seinem Haus in Gstaad.Gunter Sachs hat sich das Leben genommen. In: Welt Online. 8. Mai 2011.Gunter Sachs gestorben. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. Mai 2011. In seinem Abschiedsbrief begründete er seinen Suizid mit dem Hinweis auf die vermutete Erkrankung an Alzheimer:Gunter Sachs Abschiedsbrief: Die „ausweglose Krankheit A.“ In: Stern.de. 8. Mai 2011. „In den letzten Monaten habe ich durch die Lektüre einschlägiger Publikationen erkannt, an der ausweglosen Krankheit A. zu erkranken. […] Der Verlust der geistigen Kontrolle über mein Leben wäre ein würdeloser Zustand, dem ich mich entschlossen habe, entschieden entgegenzutreten.“ Er habe bei sich entsprechende Symptome festgestellt.Der Abschiedsbrief von Gunter Sachs. In: FAZ.NET. 8. Mai 2011. Darüber hinaus erklärten seine Vertrauten, dass er unter Depressionen litt.Dokumentation: Der Abschiedsbrief von Gunter Sachs. In: Focus Online. 8. Mai 2011.
Die Trauerzeremonie für Gunter Sachs wurde am 13. Mai 2011 im Kreis der Familie und Freunde, darunter seine engste VertrauteAbschied: „Mein Freund Gunter Sachs“ – Fürstin Manni Sayn-Wittgenstein war die Letzte, die mit dem Ex-Playboy telefonierte. In: Oe24.at. 15. Mai 2011. Marianne Sayn-Wittgenstein-Sayn,Im engsten Familienkreis. Gunter Sachs beigesetzt. In: n-tv.de. 13. Mai 2011. begangen. Sie fand in der evangelischen Kirche Saanen im Kanton Bern statt. Die Urne wurde später auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.
Den Grabstein ziert ein Zitat mit folgender Inschrift:
Tätigkeitsfelder Unternehmen Als eigenständiger Unternehmer im Einzelhandel machte Sachs ab Mitte der 1960er Jahre auf sich aufmerksam. Er baute mit Micmac eine internationale Kette von Modeboutiquen auf, die zum Zeitpunkt ihres Verkaufs an eine japanische Gruppe im Jahr 1981 über 400 eigene Verkaufsstellen verfügte. 1970 gründete Sachs in St. Moritz zusammen mit ein paar Freunden zunächst den „Dracula’s Ghostriders Club“. 1972 ließ er das Gebäude des Dracula-Clubs, der am 14. Februar 2013 mit einem Fest seinen vierzigsten Geburtstag feierte, erstellen. Geführt wird der Club von seinem Sohn Rolf Sachs, welcher seit 2015 mit Mafalda Prinzessin von Hessen liiert ist. Prinzessin Mafalda ist die Schwester des Oberhauptes des Hauses Hessen, dem Ehemann von Floria Gräfin von Faber-Castell.
Ab 1976 veräußerten die beiden Brüder den Sachs-Konzern in mehreren Aktienpaketen. 1987 übernahm die Mannesmann AG die Aktienmehrheit am Unternehmen. Seit 2001 gehört es zu 100 % der ZF Friedrichshafen AG. Das Vermögen von Sachs belief sich laut Manager Magazin auf geschätzte 500 Millionen Euro.Sven Michaelsen:
Sport mini|hochkant|Streckenplan der Bobbahn in St. Moritz
1959 gewann Gunter Sachs als Mitglied des St. Moritz Bobsleigh Club den Junioren-Europameistertitel im Zweierbob. Zehn Jahre später übernahm Sachs das Präsidentenamt des St. Moritz Bobsleigh Club, dem er bis zu seinem Tod vorstand. Im Februar 2009 wurde er für sein 40-jähriges Dienstjubiläum geehrt. Zu seinen Ehren wurde der Platz oberhalb der Bobbahn in Plazza Gunter Sachs umbenannt.Anm. Plazza, rätoromanisch = Platz (de.glosbe.com).
Kunstsammlung mini|links|Point of view: Wohnung von Gunter Sachs im Schlosshotel Velden
Seine Sammlung zeitgenössischer Kunst baute Sachs schon in jungen Jahren auf, begünstigt durch persönliche Kontakte zu Malern und Bildhauern wie Jean Fautrier, Andy Warhol, César, Arman, Yves Klein, René Magritte, Salvador Dalí, Roy Lichtenstein, Tom Wesselmann und Allen Jones. Viele dieser Künstler waren 1969 an der Gestaltung der legendären Pop-Art-Wohnung im Turm des Palace-Hotels in St. Moritz beteiligt, die in der Kunstwelt nachhaltig Beachtung fand. Von 1967 bis 1975 war Gunter Sachs gemeinsam mit Konstantin von Bayern Präsident des von ihm mitgegründeten Vereins Modern Art Museum München (MAM), der sich für den Bau eines umfassenden Museums für zeitgenössische Kunst in München einsetzte und in der Villa Stuck zahlreiche Ausstellungen zeigte. Jeden Monat stellte das MAM einen neuen Künstler aus oder auch mehrere derselben Schule vor. Victor Vasarely, Georg Baselitz, Heinz Edelmann, Christo, Cy Twombly, Alexander Calder, Heinz Mack, Jean Tinguely, Roy Lichtenstein, Gotthard Graubner oder Hermann Glöckner fanden so ihren Weg in die Räume des Museums. Von 1972 bis 1975 unterhielt Sachs eine Kunstgalerie in der Milchstraße 28 in Hamburg-Pöseldorf. Diese war mit einer Andy-Warhol-Ausstellung eröffnet worden. Sie wurde von der Fotografin Angelika Platen geleitet.André Chahil: Warhol in der Milchstraße. Gunter Sachs Ausstellung in Hamburg, 1972. 11. Februar 2015.
Bei einer Versteigerung im Mai 2012 erzielten die Werke seiner Sammlung mit über 35 Millionen Pfund unerwartet hohe Preise, ein Selbstporträt von Andy Warhol zum Beispiel 5,4 Millionen statt geschätzter 2–3 Millionen Pfund.Ergebnisübersicht der Sotheby’s-Auktion am 22. Mai 2012. Sotheby’s, 18. September 2021.
Film Mit dem Filmen beschäftigte sich Gunter Sachs schon Ende der 1950er. Damals kümmerte er sich zwei Jahre lang um die sehr kranke Freundin Brigitte Laaf, die nach der Diagnose US-amerikanischer Ärzte als unheilbar an Krebs erkrankt galt: „Eine furchtbare Zeit. Um zwischendurch auf andere Gedanken zu kommen, habe ich auf den Rat eines Freundes zur Filmkamera gegriffen. Ich wollte einen Dokumentarfilm drehen – über das kleine Fischerdorf am Genfer See, in dem wir damals lebten. So war ich nie zu weit vom Haus entfernt.“ Zwei Wochen hatte sich Sachs von dem Kameramann Kurt Hasse das Nötige zeigen lassen, dann hatte er gleich alles selbst gemacht – Drehbuch, Regie, Kamera, Ton, Kommentar.Playboy-Legende im Interview: Gunter Sachs über die Liebe mit Brigitte Bardot. In: WiWo.de. 27. September 2008.