Die Alster ist ein 56 Kilometer langer Nebenfluss der Elbe und fließt durch Süd-Holstein und Hamburg. Der bekannteste und prägnanteste Teil der Alster ist der Alstersee, der im innerstädtischen Gebiet Hamburgs durch die Binnen- und Außenalster gebildet wird. Die Bebauung um die Binnenalster herum ist vielfach von weißen Fassaden und kupfergedeckten Dächern gründerzeitlicher Büro- und Geschäftshäuser geprägt.

Name Das Gewässer wird in der ältesten überlieferten Urkunde vom Ende des 11. Jahrhunderts Alstra genannt. In der Folgezeit finden sich in den Urkunden verschiedene Schreibweisen; Alster taucht erstmals im 15. Jahrhundert auf. Der Name beruht auf einer indogermanischen Wurzel mit der Bedeutung „Gewässer“, „Fluss“.Wolfgang Laur: Die Orts- und Gewässernamen der Freien und Hansestadt Hamburg, Neumünster 2012, S. 63, ISBN 978-3-529-02816-8; Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein, 2. Aufl., Neumünster 1992, S. 120, ISBN 3-529-02726-X

Verlauf (Ober-)Alster mini|links|Eisenplatte an der Alsterquelle in Henstedt-Ulzburg Die Alster entspringt auf dem Gebiet der Gemeinde Henstedt-Ulzburg. Ihre Quelle befindet sich im Norden des Ortsteils Rhen. Zur Sicherstellung des öffentlichen Zugangs kaufte der Hamburger Alsterverein das Grundstück mit der Quelle 1906 von einem privaten Eigentümer. 1940 wurde die Stadt Hamburg Eigentümer.Wilhelm Eggert, An der Alsterquelle, Jahrbuch des Alstervereins von 1954, S. 11–14

Von der Quelle verläuft der teils stark mäandrierende Fluss zunächst nach Norden und knickt wenige hundert Meter weiter flussabwärts in Richtung Osten ab. Nach Passieren von Wakendorf II und der von Norden kommenden Rönne auf Höhe der Bauerschaft Naherfurth sowie dem Unterqueren der B 432 (südlich von Nahe) wendet sich der Fluss Alster schließlich nach Süden. Dabei durchfließt bzw. berührt die Alster – überwiegend in südlicher Richtung – die Gebiete von Bargfeld-Stegen, wo bei Gut Stegen die von Nordosten kommende Alte Alster einmündet, Kayhude (hier beginnt der Alsterwanderweg) und Tangstedt-Rade. Kurz vor der Rader Schleuse mündet die von Osten kommende Sielbek in die Alster ein.

Die Oberalster-Niederung zwischen Wakendorf II im Kreis Segeberg und Tangstedt im Kreis Stormarn ist aus der Verlandung eines in der Weichsel-Kaltzeit gebildeten flachen Eisstausees entstanden. Die Oberalster wurde im 15. Jahrhundert während des Bauens des Alster-Beste-Kanals (auch: Alster-Trave-Kanal) zur Schaffung eines direkten Wasserweges zwischen Hamburg und Lübeck kanalisiert.

Die Alster erreicht kurz nach ihrem Passieren von Wulksfelder Schleuse und Gut Wulksfelde das Hamburger Stadtgebiet, namentlich die Stadtteile Duvenstedt und Wohldorf-Ohlstedt. An der Wohldorfer Schleuse mündet die von Osten kommende Ammersbek ein. Der Fluss windet sich dann durch die Endmoränenlandschaft des Alstertals. Bis zur Mellingburger Schleuse in Lemsahl-Mellingstedt münden in mehreren Naturschutzgebieten die Drosselbek, Bredenbek, Rodenbek, Horstbek und Saselbek ein. In Poppenbüttel folgt ein Wehr auf Höhe der einstigen Poppenbütteler Schleuse und der Burg Henneberg. Die Alster erreicht anschließend Wellingsbüttel und fließt am Herrenhaus Wellingsbüttel vorbei. Sie erreicht in Ohlsdorf ein Wehr auf Höhe der ehemaligen Fuhlsbüttler Schleuse als letzte Wasserstandsregulierung vor der weiter flussabwärts gelegenen Außenalster.

Alsterkanal (Streek) Der Alsterabschnitt von Ohlsdorf bis Einmündung in die Außenalster wird gelegentlich als Streek (niederdeutsch für Gegend) bzw. Alsterstreek bezeichnet. Der Verlauf ist in diesem Abschnitt des Flusses künstlich begradigt. Der alte Flussverlauf führte durch Ringkanal, Brabandkanal und Leinpfadkanal. Parallel hierzu führen der Skagerrakkanal und der Inselkanal Richtung Süden.

Nach dem Bau der Fuhlsbüttler Schleuse (1913, 2011 abgebrochen und ersetzt durch ein Wehr) legte der Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher ein Konzept zur Kanalisierung der Alster unterhalb der Schleuse bis nach Eppendorf vor. Sein Konzept sah eine streng architektonische Fassung durch Böschungsmauern, Terrassen und Becken vor. Das Ingenieurwesen der Stadt Hamburg hingegen bevorzugte eine naturnahe Fassung des Flusses Alster. Die entgegengesetzten Entwürfe wurden kontrovers diskutiert, Schumachers Ansatz fand Anklang, schließlich wurden seine Ideen teilweise umgesetzt. In Eppendorf münden die Tarpenbek und an der Grenze zu Harvestehude der Isebekkanal ein. Die Krugkoppelbrücke bildet schließlich die Grenze zur Außenalster.

Alstersee mini|hochkant=1.44|Außen- und Binnenalster aus der Luft gesehen Der Alstersee entstand 1235 unter Graf Adolf IV. von Schauenburg und Holstein durch Anstauung des Flusses mit einem Damm, um als Mühlenteich für eine (später mehrere) große Kornmühle(n) zu dienen. Die unbewohnten Alsterwiesen wurden dabei großflächig überschwemmt. Nach dem späteren Mühlenpächter Reese erhielt der Damm den Namen Reesedamm, aus dem nach weiteren Verbreiterungen der heutige Jungfernstieg wurde. Erst mit der Errichtung der Hamburger Wallanlagen 1616 bis 1625 wurde der Mühlenteich in Außen- und Binnenalster getrennt. Der Durchfluss der Alster erhielt eine Holzbrücke, mit einem schwimmenden, an Ketten gesicherten Baumstamm als Sperre (Alsterbaum). An dieser Stelle wurde später die Lombardsbrücke und 1953 nördlich davon die Neue Lombardsbrücke (seit 1963: Kennedybrücke) gebaut.

Außenalster mini|links|Blick auf die Außenalster von Süden Die Außenalster, die etwa 164 Hektar groß und bis zu 4½ Meter tief ist, ist der größere nördliche Teil des Alstersees. Sie wird von der Alster im Norden sowie Osterbek und Wandse im Osten gespeist. Sie fließt im Süden in die Binnenalster ab.

An die Außenalster grenzen – beginnend im Norden im Uhrzeigersinn – die Stadtteile Winterhude, Uhlenhorst, Hohenfelde, St. Georg, Rotherbaum und Harvestehude.

Rund um die Außenalster liegt der Alsterpark, dessen westlicher Teil (Alstervorland) zur Internationalen Gartenbauausstellung (IGA) 1953 ausgebaut wurde. Hier hat man – mit wenigen Ausnahmen – einen freien Blick auf die Alster. Dies ist besonders reizvoll beim alljährlich stattfindenden großen Feuerwerk aus Anlass des Kirschblütenfestes der japanischen Gemeinde in Hamburg. Erstmals fand dieses Feuerwerk im Jahr 1968 zur Erinnerung an die Pflanzung von rund 5000 Kirschbäumen im Stadtgebiet statt, gestiftet von in der Hansestadt ansässigen japanischen Firmen.

Rund um diesen Stausee ziehen sich Fuß- und Radwege, die bei den Hamburgern zu Erholung und Jogging sehr beliebt sind. Der fast durchgehend direkt am Ufer gelegene Weg wurde für die Läufer mit Halbkilometersteinen markiert und ist 7,4 Kilometer lang. Die Außenalster selbst wird vor allem zum Segeln und Rudern als auch zum Tretbootfahren und für Stand-Up-Paddling genutzt. Als Segelrevier gilt sie als nicht ganz einfach, da die durch die Randbebauung und die einmündenden Straßenzüge häufig wechselnden Windbedingungen einiges Geschick der Segler erfordern – außerdem gilt hier auf dem Wasser grundsätzlich „rechts vor links“ (Alsterschiffe ausgenommen, die Berufsschifffahrt hat immer Vorrang).

An der Außenalster liegen einige der begehrtesten Wohnlagen Hamburgs, unter anderem Harvestehude im Westen und die Straßen Bellevue (Winterhude) und Schöne Aussicht (Uhlenhorst) im Nordosten. Auch das bekannte Hotel Atlantic (St. Georg) liegt hier am südöstlichen Ufer.

Die Lombardsbrücke markiert den alten Verlauf der Stadtbefestigung, die die Außen- von der Binnenalster trennt. Da diese Brücke den Straßenverkehr nicht mehr allein bewältigen hat können, ist bereits 1953 nördlich der alten Querung die Neue Lombardsbrücke hinzugekommen, die 1963 zu Ehren John F. Kennedys nach dessen Ermordung in Kennedybrücke umbenannt worden ist. Auf ihrem Gehweg (Nordseite) ist der 10°-Meridian im Pflaster gekennzeichnet.

Die beiden Brücken sind für den innerstädtischen Fahrzeugverkehr sowie für den Eisenbahn-Nah- und Fernverkehr (Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn) von großer Bedeutung. Die Alster teilt die Stadt in Ost und West und stellt den Nahverkehr vor ein Problem. Es gab bereits mehrere Planungen für Verkehrsgroßprojekte, die die Außenalster in einem Tunnel unterqueren sollten. In den 1920er Jahren sollte eine U-Bahn-Strecke (Alsterhalbring) mit Alsterquerung zwischen Hallerstraße und Mundsburg gebaut werden. In der Nachkriegszeit war im Zuge einschneidender Straßenbauprojekte die Realisierung eines Schnellstraßentunnels zur Nordumfahrung der Innenstadt sowie der Alsterbrücken angedacht, ebenso der Bau einer dritten Lombardsbrücke als kreuzungsfreie Verbindung zwischen Wallringtunnel und Esplanade.Sven Bardua, Gert Kähler: Die Stadt und das Auto. Wie der Verkehr Hamburg veränderte. Dölling und Galitz, München/Hamburg 2012, ISBN 978-3-86218-030-1.

Binnenalster Die Binnenalster ist mit einer Fläche von etwa 18 Hektar der kleinere südliche Teil des Alstersees. Sie wird von der Außenalster im Nordosten gespeist und fließt in der südlichen Ecke unter der Reesendammbrücke über die Kleine Alster in Richtung Norderelbe ab. Privater Motorschiffs-Verkehr ist auf der Binnenalster – abgesehen von wenigen Ausnahmen – nicht zugelassen.

In der Mitte der Binnenalster, auf einem schwimmenden Ponton verankert, befindet sich seit 1987 die (von privaten Mäzenen finanzierte) bis zu 60 Meter Höhe speiende Alsterfontäne; die damit verbundene Einbringung von Luftsauerstoff hat inzwischen zu einer deutlichen Verbesserung der Wasserqualität beigetragen. In der Weihnachtszeit wird diese Fontäne durch einen beleuchteten Weihnachtsbaum ersetzt, und in den restlichen Wintermonaten dann nicht weiter betrieben.

Rund um die Binnenalster liegen zahlreiche Geschäftsgebäude, unter anderem der Firmensitz der Hapag-Lloyd AG, das Hotel Vier Jahreszeiten, das traditionsreiche Kaufhaus Alsterhaus sowie der nicht minder berühmte Alsterpavillon. Neueste Attraktion ist seit Herbst 2006 die nicht unumstrittene Europa Passage.

Am Südwestufer, dem Jungfernstieg, liegt die Hauptanlegestelle für die „weiße Flotte“ der Alsterschiffe (Ausflugsschiffe), die von hier sowohl die Alster mit ihren Kanälen als auch die Hamburger Fleete befahren und zeitweise bis nach Bergedorf verkehren. Direkt an der Anlegestelle befindet sich ein Zugang zum U- und S-Bahnhof Jungfernstieg. Die Bahnsteiganlagen der City-S-Bahn-Linien S1 und S3 sowie der U-Bahn-Linien U2 und U4 und deren Verbindungsgänge liegen kreuzweise in mehreren Ebenen unter der Binnenalster bzw. Kleinen Alster, die der älteren U1 unter dem namensgebenden Jungfernstieg.

Für die Bebauung rund um die Binnenalster bestehen mit der Binnenalsterverordnung strenge Bauvorschriften, die unter anderem gewährleisten sollen, dass beim Blick von der Lombardsbrücke das Panorama mit den Türmen der fünf Hamburger Hauptkirchen (Michel, St. Nikolai, St. Petri, St. Katharinen und St. Jacobi) sowie des Rathauses nicht beeinträchtigt wird. Zudem ist vorgeschrieben, dass die Dächer der angrenzenden Gebäude wegen der angestrebten Grünspanbildung als Kontrast zu den hellen Fassaden kupferbeschlagen sind, ferner ist Fassadenwerbung nicht gestattet.§ 2 Abs. 1 lit. e) Binnenalsterverordnung vom 3. Mai 1949, zuletzt geändert durch Rechtsvorschrift vom 21. Februar 1978 (HmbGVBl. S. 61)

Jährlich an einem verlängerten Wochenende Ende August hat von 1976 bis 2018 rund um die Binnenalster das sog. Alstervergnügen auf den unmittelbar angrenzenden Straßen stattgefunden. Besonderer Höhepunkt ist dabei seit 1994 das jeweils über drei Abende hin ausgetragene internationale Feuerwerksfestival, initiiert und bis zu seinem Tode moderiert von Carlheinz Hollmann, gewesen.

Kleine Alster Die Kleine Alster in der Innenstadt ist heute nur noch ein knapp 200 Meter langer und etwa 40 m breiter Abschnitt des Flusses, der die Binnenalster mit dem Alsterfleet verbindet. An dieser Stelle wird die Alster durch die Rathausschleuse gestaut. Die Kleine Alster wird begrenzt: