Wildeshausen (plattdeutsch Wilshusen) ist die Kreisstadt des niedersächsischen Landkreises Oldenburg mit Einwohnern. Sie liegt an der Hunte inmitten des Naturparks Wildeshauser Geest.
Geografie
Lage mini|Wildeshausen mit der Alexanderkirche
Wildeshausen liegt an der mittleren Hunte im Bereich des Geestdurchbruchtals der Cloppenburger Geest. Es grenzt im Südwesten an den Landkreis Vechta, während das restliche Stadtgebiet an verschiedene Gemeinden des Landkreises Oldenburg grenzt. Die Stadt ist sowohl von landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen als auch von Wäldern umgeben. Die noch vor einem guten Jahrhundert vorherrschenden Heideflächen sind fast restlos verschwunden.
Wildeshausen ist Kreisstadt des Landkreises Oldenburg und Mittelzentrum der Region. Die nächstgelegenen Großstädte sind Oldenburg im Norden (ca. 30 km), Bremen im Nordosten (ca. 30 km) und Osnabrück im Süden (ca. 70 km). Wildeshausen gehört der Metropolregion Nordwest an. Stadtgliederung Neben dem Stadtkern (Stadt I, II und III) besteht Wildeshausen aus den Bauerschaften der ehemaligen Landgemeinde Wildeshausen, bei denen es sich überwiegend um bäuerlich geprägte kleine Dörfer oder Weiler handelt: (Einwohnerzahlen Stand vom 1. Januar 2017 in Klammern)Stadt Wildeshausen: Bauerschaften Abgerufen am 22. September 2020.: Aldrup (30) Aumühle (287) Bargloy (102) Bühren (52) Denghausen (12) Düngstrup (201) Garmhausen (19) Glane (31) Hanstedt (46) Heinefelde (40) Hesterhöge (57) Holzhausen (165) Kleinenkneten (173) Lohmühle (60) Lüerte (174) Pestrup (17) Spasche (7) Thölstedt (58)
Nachbargemeinden Nachbarorte sind, beginnend von Norden im Uhrzeigersinn, die Gemeinde Dötlingen, die Gemeinden Prinzhöfte, Winkelsett und Colnrade (alle Samtgemeinde Harpstedt), die Gemeinde Goldenstedt, die Gemeinde Visbek, die Ortschaft Ahlhorn (Gemeinde Großenkneten) und schließlich die Gemeinde Großenkneten.
Großenkneten (13 km) Dötlingen (6 km) Prinzhöfte (11 km) Ahlhorn (14 km) Datei:Windrose klein.svg Winkelsett (7 km) Visbek (10 km) Goldenstedt (11 km) Colnrade (8 km) Die Entfernungsangaben beziehen sich auf die Entfernung bis zum Ortszentrum.
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Wildeshausen gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.
Hauptgewässer ist die Hunte, die im nordöstlichen Gemeindegebiet abschnittsweise die Grenze zu Dötlingen und zur Samtgemeinde Harpstedt bildet. Der naturnahe Abschnitt zwischen Wildeshausen und Oldenburg zählt zu den ökologisch wertvollsten Flusslandschaften der Region und bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Zudem dient die Hunte als Erholungsraum mit Paddel- und Radwegen.
Weitere Gewässer sind die Brookbäke, ein etwa 10 km langer Nebenfluss der Hunte, sowie die Visbeker Aue. Ergänzt wird das Gewässersystem durch kleinere Bäche, Gräben, Altwässer und Feuchtgebiete, die für den Wasserhaushalt und die Auenlandschaft von Bedeutung sind.
Nordwestlich von Wildeshausen liegt das Naturschutz- und FFH-Gebiet Poggenpohlsmoor (NSG WE 215, FFH-Gebiet 051), ein ökologisch wertvolles Übergangsmoor mit Moor- und Bruchwäldern.
Das Naturschutzgebiet Pestruper Moor (NSG WE 074) ist ein etwa 35 ha großes Niedermoor mit wiedervernässten Torfstichen und bedeutenden Feuchtbiotopen. In ehemaligen Handtorfstichen haben sich Verlandungszonen entwickelt, die wertvolle Lebensräume für moor- und feuchtigkeitsliebende Arten bieten. Aufgrund der empfindlichen Vegetation darf das Gebiet nur auf ausgewiesenen Wegen betreten werden.
Weitere Moore und Feuchtlandschaften im Naturpark Wildeshauser Geest sind unter anderem das Naturschutzgebiet Huntloser Moor (NSG WE 079) sowie Feuchtwiesen, Bachauen und Hochstaudenfluren entlang der Hunte und ihrer Seitentäler.
Wildeshausen steht vor erheblichen ökologischen und hydrologischen Herausforderungen durch Hochwasserrisiken, Trockenperioden und Gewässerausbau. Begradigungen, Wehre und Staue beeinträchtigen die ökologische Durchgängigkeit, während Moore und Feuchtgebiete durch Entwässerung, Landnutzung und Klimawandel gefährdet sind. Renaturierungs- und Naturschutzprojekte sollen den Wasserhaushalt stabilisieren und die Biodiversität erhalten.
Untergrundverhältnisse Wildeshausen liegt geologisch im Bereich der Wildeshauser Geest, die überwiegend aus sandigen und kiesigen Ablagerungen der Saale- und Weichseleiszeit besteht, örtlich überlagert von Geschiebelehm.
Die durchlässigen Sande begünstigen eine gute Grundwasserneubildung, während in Niederungsbereichen der Hunte auch grundwassernahe, organische Sedimente auftreten. Die Tiefe des Grundwassers variiert stark: In den Auen und Feuchtgebieten liegt es häufig nur etwa 0,5 bis 2 m unter der Geländeoberfläche, während es auf höher gelegenen Geestflächen meist in Tiefen von etwa 5 bis über 10 m ansteht. Der zweite Grundwasserleiter, der zur üblicherweise zur Förderung von Trinkwasser genutzt wird, befindet sich in einer Tiefe von 25–100 m unter der Geländeoberfläche. Die Förderbrunnen des OOWV erschließen hauptsächlich diesen zweiten Grundwasserleiter. Bei Neubrunnen werden laut OOWV Aufschlussbohrungen zwischen ca. 30 m und 80 m durchgeführt.
Nordöstlich (Wildeshausen Fassung D, 03458014103, 23 km²) und südlich (Wildeshausen Fassung A-C, 03458014102, 35 km²) der Innenstadt von Wildeshausen erstrecken sich zwei Wasserschutzgebiete.
Klima
In Wildeshausen herrscht gemäßigtes Seeklima, beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Wildeshausen 8,5–9,0 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.
Die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Zeitraum 2012–2021 betrug 560 mm.
Geschichte Anfänge bis zum Mittelalter Die Umgebung von Wildeshausen wird auch „Quadratmeile der deutschen Vorgeschichte“ genannt.Rudolf Pörtner, Bevor die Römer kamen: Städte und Stätten deutscher Urgeschichte, 1986 S. 212 (snippet-Ansicht)Ernst Schubert: Besprechung des Buches von Albrecht Eckhardt, Wildeshausen. Geschichte der Stadt von den Anfängen bis zum ausgehenden 20. Jahrhundert. In Oldenburger Jahrbuch, Jg. 101 (2001), S. 45 f (digital). Pörtner schränkt seine Bezeichnung etwas ein, dass diesen Rang allenfalls der Hümmling streitig machen kann. Die Kleinenkneter Steine, die Visbeker Braut, das Pestruper Gräberfeld und andere in der Wildeshauser Geest gelegene Grabanlagen aus der Zeit vor Christi Geburt weisen auf eine frühe Besiedlung der Region hin und sind seit deren Einweihung im Mai 2009 Stationen an der Straße der Megalithkultur.
mini|Erinnerung an die „Translatio Sancti Alexandri“ durch Waltbert vor dem Rathaus Wildeshausen Um 800 erfolgt eine Besiedlung im Bereich des heutigen Wildeshausen, erstmals wird Wildeshausen in der Translatio Sancti Alexandri erwähnt. Der Ortsname Wildeshausen ist vermutlich von einem Nachkommen des sächsischen Herzogs Widukind namens „Wigald“ (abgeschliffene Form von „Wigwald“) abgeleitet. Der Ort wurde demzufolge anfangs Wigaldinghus genannt.Hans Friedl u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch zur Geschichte des Landes Oldenburg. Hrsg. im Auftrag der Oldenburgischen Landschaft. Isensee, Oldenburg 1992, ISBN 3-89442-135-5 Artikel „Widukind“. S. 545ff. (PDF-Datei; 10,45 MB). Im Winter 850/851 wurden die Gebeine des Märtyrers Alexander durch Waltbert, ebenfalls Nachkomme Widukinds, von Rom nach Wildeshausen überführt.Albert K. Hömberg: Westfälische Landesgeschichte. Mehren & Hobbeling, Münster 1967, S. 50. Das in dieser Zeit gegründete Alexanderstift wurde in den folgenden Jahren mit Besitzungen reich beschenkt, der Ort gelangte im Mittelalter zu regionaler Bedeutung, verstärkt auch durch die Lage am Hunteübergang der Flämischen Straße von Lübeck über Hamburg und Bremen nach Flandern sowie der Rheinschen Straße über Vechta und Osnabrück in das Rheinland.Karte Münster Nord (um 1616), auf stadt-land-oldenburg.deWerner Klohn: (PDF; 4,29 MB), auf lwl.org.
Der Ort Wildeshausen war 988 KönigshofMax-Planck-Institut für Geschichte, Göttingen, Das Repertorium der deutschen Königspfalzen, Karten, Niedersachsen, abgerufen am 30. Juni 2012, digital für die mittelalterlichen Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, die nicht von einer Hauptstadt aus, sondern durch den persönlichen Kontakt von Königshöfen und Kaiserpfalzen aus regierten (Reisekönigtum). Johann Renner schildert in seiner Chronica, Johann Renner, Transkription von Lieselotte Klink, Chronica der Stadt Bremen, Teil 1 (1995), S. 43 R, digital dass der „Keiser Otto holt ein tidtlank hof to Wildeshusen“. Der achtjährige Kaiser Otto III. war mit seiner Mutter, der Kaiserin Theophanu Anfang März 988 zum Königshof nach Wildeshausen gekommen. Sie trafen dort mit dem hochbetagten Erzbischof Adaldag von Bremen zusammen, dem ehemaligen Kanzler und Notar von Otto I. (HRR). Der Bischof erhielt drei Diplome zugunsten Bremens. Caspar Ehlers, Lutz Fenske, Thomas Zotz, Die deutschen Königspfalzen Repertorium der Pfalzen, Königshöfe und übrigen Aufenthaltsorte der Könige im deutschen Reich des Mittelalters, 2000, S. 206, digital Der Aufenthalt in Wildeshausen diente dazu, eine umfassende Regelung der Fragen vorzunehmen, die das Erzbistum Hamburg-Bremen berührten. Dazu hatte Adaldag eine Anzahl von Urkunden der Vorgänger von Otto III. mitgebracht, die die kaiserliche Kanzlei unter dem Herzog Bernhard von Sachsen überprüfte. Am 16., 18. und 20. März wurden die neuen Diplome, die auf Wunsch des Erzbischofs noch ergänzt wurden, ausgefertigt. In der Abhandlung von UhlitzMathilde Uhlirz, Jahrbücher des Deutschen Reiches runter Otto II. und Otto III, 2. Band Otto III. 983–1002, 1954, S. 92 ff. (Wildeshauser Privlegien), digital wird der Inhalt der 3 Urkunden ausführlich beschrieben. Bemerkenswert ist die Entscheidung, das Treffen auf dem Königshof und nicht am Sitz des Erzbischofs zu veranstalten. Weitere Gründe für den Besuch in Wildeshausen mit Ausnahme der Aushändigung der Diplome sind nämlich nicht erkennbar.Heinrich Schmidt, Oldenburger Jahrbuch Nr. 101(2001), Oldenburger Land um 1000. S. 36 ff, digital. Schmid befasst sich ausführlich mit der Reisetätigkeit und deren Gründe und fragt sich, wie das gesamte Königsgefolge mit Personen von um die tausend Mann, zu denen auch die Kanzlei unter einem Erzbischof gehörte, in der kleinen Ortschaft Wildeshausen angemessen untergekommen ist.
Als Begründer der Wildeshauser Linie des Oldenburger Grafenhauses gilt Heinrich I. (Oldenburg) Während sein jüngerer Bruder Christian I. in Oldenburg residierte, richtete Heinrich I. sein Herrschaftszentrum in Wildeshausen ein, was einer faktischen Teilung der Herrschafts- und Besitzverhältnisse entsprach. Heinrichs Vater Egilmar II. war Vogt des Wildeshauser Alexanderstifts gewesen. Vermutlich hatte Heinrich I. auch bereits die Burg Wildeshausen auf dem Wildeshauser Wittekindsberg errichtet. Nach seinem Tod 1167 übernahm sein Sohn Heinrich II. die Grafschaft bis 1198. Seine Söhne Heinrich III. von Bruchhausen und Burchard von Oldenburg-Wildeshausen übertrugen Burg und Vogtei Wildeshausen an das Erzbistum Bremen, um es von ihm als Lehen zurückzuempfangen. Vorausgegangen war ein Konflikt mit der Oldenburger Linie des Grafenhauses um diverse Besitzrechte. Nach dem Tod von Burchards Sohn Heinrich IV. von Oldenburg-Wildeshausen 1270 fiel Wildeshausen dann als erledigtes Lehen an das Erzbistum Bremen. 1270 erhielt die Siedlung das Bremer Stadtrecht, war aber schon in den 1230er Jahren von Propst und Graf zur Stadt erhoben worden, wie Siegel und Münzen nahelegen.Albrecht Eckhardt: Die Entstehung der Stadt Wildeshausen. In: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 67, 1995, S. 139–151. und ist damit die älteste Stadt im Oldenburger Land. Spätestens ab 1282 war die Stadt von einer Stadtmauer umgeben. 1403 wurde die Schützengilde gegründet.