mini|300px|Blick von oben auf Diepholz mit Schloss im Mittelpunkt

Diepholz (Plattdeutsch Deefholt) ist die Kreisstadt und viertgrößte Gemeinde des gleichnamigen Landkreises im ehemaligen Regierungsbezirk Hannover in Niedersachsen.

Seit 1994 gehört Diepholz dem Städtequartett an, zu dem sich die Städte Damme, Diepholz, Lohne und Vechta zusammengeschlossen haben.

Geografie Lage Diepholz liegt zwischen Bremen (65 km im Nordosten), Oldenburg (70 km im Nordwesten) und Osnabrück (50 km im Südwesten). Es befindet sich nordöstlich der Dammer Berge und nördlich des Dümmers in der Diepholzer Moorniederung. Diepholz ist die viertgrößte Stadt im gleichnamigen Landkreis.

Stadtgliederung Diepholz besteht aus der Kernstadt Diepholz (44,59 km²), welche mehrere Stadtteile umfasst, sowie seit der Gemeindereform von 1974 den eingemeindeten Ortsteilen Aschen (32,01 km²), Sankt Hülfe (15,75 km²) und Heede (12,12 km²).

Nachbarorte Zu den Nachbarstädten und -gemeinden zählen drei Städte und zwei Gemeinden des Landkreises Vechta.

Des Weiteren grenzt Diepholz an Drebber im Norden, Steinfeld im Westen, an Wetschen im Osten sowie im Süden an Lemförde und Hüde.

Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Stadtgebiet von Diepholz gehört zum Einzugsgebiet der Hunte und damit zum Flusssystem der Weser.

Der Dümmer (auch Dümmer-See genannt) in der Dümmerniederung befindet sich knapp außerhalb der Stadtgrenzen. Er ist mit etwa 12–13,5 km² der zweitgrößte See Niedersachsens. Als seichter Flachsee ist er im Mittel nur etwa 1 m tief und maximal rund 1,5 m. Hauptzufluss und -abfluss ist die Hunte. Hydrologisch wichtig ist der Dümmer als Hochwasserrückhaltebecken, ökologisch als bedeutendes Vogel- und Feuchtbiotop sowie touristisch durch vielfältige Wassersportnutzungen.

Mehrere Flüsse strömen aus Richtung Süden, vom Dümmer ausgehend, durchs Moor und anschließend durch Diepholz. Die Stadt wird eingeschlossen westlich von der Hunte und östlich von der Strothe und sie wird von der Lohne durchquert, welche sich im Stadtkern in der Nähe des Rathauses in die Vorder- und die Hinterlohne aufspaltet. Beide Flussarme vereinigen sich nach kurzer Strecke wieder und werden danach Flöthe genannt.

Die Diepholzer Moorniederung ist ein großräumiger Naturraum mit zahlreichen Moor- und Feuchtgebieten. Sie umfasst Hoch- und Niedermoore sowie Feuchtwiesen und Feuchtgrünland. Durch Torfabbau, Entwässerung und landwirtschaftliche Nutzung wurden viele Flächen stark verändert. Seit mehreren Jahrzehnten werden Schutz- und Renaturierungsmaßnahmen umgesetzt, darunter die Wiedervernässung von Mooren und die extensive Nutzung von Grünland. Das Gebiet ist als Feuchtgebiet von internationaler Bedeutung nach dem Ramsar-Übereinkommen ausgewiesen.

Das westlich von Diepholz gelegene Naturschutzgebiet Diepholzer Moor (NSG HA 148) ist Teil der Diepholzer Moorniederung und umfasst eine Fläche von rund 950 ha. Es besteht überwiegend aus Hochmoorflächen und feuchtem Grünland und ist als "FFH-Gebiet 429 Diepholzer Moor" ausgewiesen. Durch Pflege- und Renaturierungsmaßnahmen sind typische Moorlebensräume mit moortypischer Vegetation und Tierwelt erhalten. Das Gebiet ist über den Moorerlebnispfad Diepholz für Besucher erschlossen.https://www.stadt-diepholz.de/info/poi/moorerlebnispfad-903000160-21770.htm

Die Stadt Diepholz ist hydrologisch und ökologisch insbesondere durch ihre Lage in der Diepholzer Moorniederung geprägt. Zentrale Herausforderungen sind schwankende Grundwasserstände, zunehmende Trockenperioden infolge des Klimawandels sowie der hohe Wasserbedarf von Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung, die den regionalen Wasserhaushalt belasten. Ökologisch stehen vor allem die Entwässerung und Degradation ehemaliger Moorflächen sowie der eingeschränkte ökologische Zustand kleiner Fließgewässer im Fokus. Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen sollen den Wasserhaushalt stabilisieren und die Biodiversität der international bedeutenden Moor- und Feuchtgebietslandschaften langfristig sichern.

Geologie Der Boden besteht zum großen Teil aus Sanden, Schluffen, Feinsanden, mit Einschlüssen von Torf in Moorgebieten. In manchen Teilen sind auch Ton oder Mergel vorhanden. In der Diepholzer Moorniederung gibt es große Flächen von Hochmooren („Regenmoore“), die ausschließlich durch Niederschlagswasser versorgt werden. Diese nährstoffarmen Moore sind oft baumfrei und haben Torfböden. Ebenso existieren Niedermoore und Übergangsmoore, die durch Grundwasser oder Mischung der Wasserquellen versorgt werden.

Diepholz liegt in einer sehr wasserreichen Moor- und Niederungslandschaft (Diepholzer Moorniederung). Der Untergrund besteht überwiegend aus Sand, der Wasser gut speichert und leitet. Mehrere Sandschichten liegen übereinander und sind durch Ton- und Schluffschichten voneinander getrennt, die den Wasserfluss bremsen. Das Grundwasser befindet sich teils nahe der Oberfläche, teils in tieferen, sehr ergiebigen Schichten. Es fließt nur langsam und hauptsächlich nach Norden in Richtung der Flüsse Hunte und Große Aue. Frühere Entwässerungen für Landwirtschaft und Torfabbau haben den natürlichen Wasserhaushalt der Gegend deutlich verändert.

Klima In Diepholz herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.

2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen gerechnet werden. Es gibt etwa 1627 bis 2275 Sonnenstunden pro Jahr.

Im Zeitraum 2012–2021 fiel im Raum Diepholz im Durchschnitt 528 mm Niederschlag pro Jahr.https://www.timeanddate.de/wetter/@2937317/klima

Geschichte mini|hochkant|Reste eines vorgeschichtlichen Moorwegs im Aschener Moor

Der Ursprung der Stadt Diepholz geht auf die Edelherren de Thefholte zurück, die im 10./11. Jahrhundert in der Umgebung eine Wasserburg errichteten.

Der Name Diepholz leitet sich vermutlich vom altsächsischen devern (zittern, beben) ab und bezeichnete die schwankende Bewegung des mit Holz besetzten Moorbodens.Carl Heinrich Nieberding: Geschichte des ehemaligen Niederstifts Münster und der angränzenden Grafschaften. Erster Band, 1840, S. 233. Der Name wandelte sich von Thefholte über Deefholt zu Diepholz (siehe auch Grafschaft Diepholz).

1380 verlieh Johann III. von Diepholz seinen Bürgern das Osnabrücker Stadtrecht. 1531 nahmen die Diepholzer Herrscher den Grafentitel an, nachdem sie die Lehnshoheit der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg angenommen hatten. Das Geschlecht der Diepholzer Grafen starb 1585 aus. Deshalb fiel das Gebiet an das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg. Nicht jedoch das Amt Auburg, welches die Diepholzer Grafen schon 1523 den Landgrafen von Hessen-Kassel als Lehen übertragen hatten. Im 18. und 19. Jahrhundert bildete Diepholz zusammen mit der Grafschaft Hoya eine Provinz des Kurfürstentums Hannover, später Königreichs Hannover.

Die Burg war bis zum Tod des letzten Grafen deren Residenz. Erbaut im 10. Jahrhundert, wurde sie im Dreißigjährigen Krieg teilweise zerstört und später durch Herzog Christian-Ludwig von Lüneburg-Celle wieder aufgebaut. Der 43 m hohe Schlossturm ist bis heute erhalten geblieben. Seit 1852 ist die Anlage Sitz des Amtsgerichts.

mini|Alte Münte Diepholz; heute Sitz der Kreismusikschule sowie Jugendfreizeittreff

Ebenfalls von besonderer geschichtlicher Bedeutung ist die Alte Münte Diepholz als ehemalige gräfliche Münzstätte. Es ist nicht gesichert, ob die Münzstätte der Edelherren und der Grafen von Diepholz auch da gestanden hat, wo heute das „Münte“ genannte Gebäude steht. Sicher ist, dass Münzen mit dem Wappen und dem Namen der Grafen von Diepholz geprägt wurden. Sie tragen das Wappen von Diepholz und nennen den Namen des Grafen sowie ihre Herkunft mit MONETA DEPHOLT oder MONETA WESTER (eine Nebenmünzstätte in Wester-Drebber, dem heutigen Mariendrebber).

Die Prägung begann im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts, als Hohlpfennige aus Bremen nachgeahmt wurden. Ab der Mitte des 14. Jahrhunderts wurden Sware geprägt, die Münzen der Bischöfe von Münster zum Vorbild hatten. In einer zweiten Prägeperiode wurden dann Münzen aus Sachsen, Böhmen und der Witte des Wendischen Münzvereins nachgeahmt. Diese Prägeperiode begann etwa um 1490, sie endete etwa um 1530, als der angestellte Münzmeister Lambert Vlemynck Diepholz wieder verließ.

Die 1835 erbaute Synagoge wurde von SA-Mitgliedern am 9. November 1938 in der Reichspogromnacht zerstört. 1933 waren in Diepholz 48 jüdische z. T. sehr angesehene Gemeindemitglieder ansässig. Bis 1942 wurden die letzten von ihnen über Ahlem in das Ghetto nach Warschau oder Theresienstadt deportiert.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt mehrfach Ziel alliierter Bombenangriffe. Nach dem Krieg war ein starkes Bevölkerungswachstum der Stadt zu verzeichnen, da viele Vertriebene aus den ehemaligen Ostgebieten Deutschlands hier angesiedelt wurden.

Über einen langen Zeitraum orientierten sich die Diepholzer als „Hannoveraner“ (im Königreich bzw. im Regierungsbezirk Hannover) in Richtung Osten zum mehr als 100 km entfernten Hannover. Seit ihrem Beitritt zum Städtequartett 1994 und verstärkt nach der Auflösung der Regierungsbezirke in Niedersachsen 2004 versucht die Stadt Diepholz, sich von dem Standortnachteil der großen Entfernung nach Hannover zu lösen, indem sich die zwischen Weser und Ems gelegene Stadt, ihrer geographischen Lage entsprechend, stärker in Richtung Oldenburg, Bremen und Osnabrück orientiert. Diepholz liegt in der Mitte der Eisenbahnlinie zwischen Bremen und Osnabrück. Beide Städte sowie darüber hinaus Oldenburg sind leicht über Autobahnen zu erreichen. Diepholz liegt in der 2005 gegründeten Metropolregion Nordwest.

Der Fund der ägyptisierenden Diepholzer Mumie 2013 sorgte für überregionales Aufsehen.

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Aschen, Heede und Sankt Hülfe eingegliedert.

Politik Stadtrat

Der Rat der Stadt Diepholz besteht aus 32 Mitgliedern. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 15.001 und 20.000 Einwohnern. In: nds-voris.de, abgerufen am 7. Oktober 2022. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Neben den 32 in der Gemeinderatswahl gewählten Mitgliedern ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister im Rat stimmberechtigt.

Aus dem Ergebnis der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung: CDU: zwölf Sitze SPD: neun Sitze FDP: vier Sitze GRÜNE: vier Sitze LINKE: ein Sitz AfD: zwei Sitze (Nur einer konnte besetzt werden.)

Bürgermeister

Am 10. Juni 2018 wurde Florian Marré (parteilos), unterstützt von der CDU und FDP, mit 50,65 % der Stimmen in einer Stichwahl zum Bürgermeister gewählt, als Nachfolger von Thomas Schulze.kreiszeitung.de

Wappen Blasonierung: Die Stadt führt als Wappen auf goldenem Schild einen senkrecht gestellt schreitenden, golden gekrönten, roten Löwen.

Städtepartnerschaften Diepholz hat die beiden Partnerstädten Thouars (Frankreich) und Starogard Gdański (Preußisch Stargard) (Polen).

Kultur und Sehenswürdigkeiten Siehe auch Liste der Baudenkmale in Diepholz (Kernstadt Diepholz 50 Baudenkmale, gesamte Stadt Diepholz 74).

Schloss Diepholz

mini|Schloss Diepholz