Minimaler Radius:80 m60 m (Hochschneeberg alt–neu) Die Zahnradbahn auf den Hochschneeberg ist eine von drei noch existierenden Zahnradbahnen in Österreich und stellt als Fortsetzungsstrecke einen Teilabschnitt der Schneebergbahn dar. Sie wird seit dem 1. Jänner 1997 von der Niederösterreichischen Schneebergbahn GmbH (NÖSBB) betrieben. Die NÖSBB vermarktet seitdem mit dem Namen Schneebergbahn nur den ihr zugehörigen Zahnradbahnteil der Strecke.
Die Zahnradbahn System Abt mit einer Spurweite von einem Meter verkehrt seit dem 25. September 1897 auf den Schneeberg in Niederösterreich. Sie ist mit 9,8 km die längste Zahnradbahn Österreichs und hat mit dem auf 1796 m gelegenen Endbahnhof Hochschneeberg den höchstgelegenen Bahnhof Österreichs. Die Talstation liegt auf 577 Meter Höhe, der überwundene Höhenunterschied beträgt 1219 Meter und die maximale Steigung liegt bei 197 Promille.Film: Der neue Salamander
Geschichte mini|links|Ausweiche Baumgartner in der Frühzeit der Schneebergbahn, ca. 1900 mini|links|Zwei Dampflokomotiven vor dem alten Heizhaus in Puchberg, 1977
In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam der Bergtourismus in Mode. Die ersten Schutzhütten im Schneeberggebiet zählten schon in jener Zeit um die 10.000 Besucher pro Jahr. Der Bau einer Zahnradbahn war ein naheliegender Schritt. Bereits 1872 gab es die ersten Pläne, eine Zahnradbahn auf den Schneeberg zu errichten. 1885 erhielt der Wiener Ingenieur Josef Tauber eine Vorkonzession für die Eisenbahnstrecke von Wr. Neustadt nach Puchberg am Schneeberg und konnte den Wiener Neustädter Bürgermeister Carl Haberl als Unterstützer für das Projekt gewinnen. Auf Basis der Concessionsurkunde vom 25. September 1895, für die Localbahn von Wiener-Neustadt auf den Schneeberg mit Abzweigung nach Wöllersdorf (Schneebergbahn) begann am 9. Dezember 1895 unter der Leitung des Wiener Ingenieurs Leo Arnoldi der Bau des Bahnhofs in Puchberg. Der erste Streckenabschnitt bis Baumgartner wurde am 1. Juni 1897 eröffnet, die übrige Strecke bis Hochschneeberg am 25. September 1897.
Am 1. Jänner 1899 übernahm die k.k. privilegierte Eisenbahn Wien-Aspang (EWA) die kompletten Anlagen sowie die Betriebsführung. Am 18. Juni 1902 besuchte Kaiser Franz Josef I. die Schneebergbahn und fuhr mit ihr auf den Hochschneeberg. Er besichtigte das 1898 eröffnete, gleichnamige Hotel in der Nähe der Endstation, sowie die Elisabethkirche. Das Hotel besteht heute noch unter dem Namen Berghaus Hochschneeberg.
Am 1. Juli 1937 wurde der Betrieb der bankrotten EWA durch die Österreichischen Bundesbahnen (BBÖ) übernommen (was „die Abänderung einiger Bestimmungen der Konzessionsurkunde vom 25. September 1895“ nach sich zog), doch die Anlage blieb im Besitz der EWA. Nach ihrer Eingliederung in die Deutsche Reichsbahn 1938 wurde der Betrieb der Schneebergbahn ebenfalls von dieser übernommen. Am 1. Jänner 1940 wurde die Zahnradbahn verstaatlicht und durch den Reichsverkehrsminister ohne Entgelt an die Aktienbesitzer dem Besitz der Reichsbahn zugeschlagen.
Nach Kriegsende 1945 führten die Staatseisenbahnen die Schneebergbahn weiter. 1947 übernahmen die wieder gegründeten Österreichische Bundesbahnen (ÖBB) den Betrieb und führten ihn nahezu unverändert, also ausschließlich mit Dampflokomotiven, bis Ende 1996.
hochkant=1|mini|links|Dampfzug auf den letzten Metern vor der Bergstation, 1998 Am 1. Jänner 1997 wurde eine Partnerschaft zwischen der Niederösterreichischen Verkehrsorganisations-Ges.m.b.H (NÖVOG) und den ÖBB gegründet, die den Betrieb der Zahnradbahn übernahm. Der neue Name des Unternehmens lautete Niederösterreichische Schneebergbahn GmbH (NÖSBB). Nur die Infrastruktur blieb im Besitz der ÖBB.
Im Oktober 1998 wurde am Bahnhof Puchberg ein neues Werkstättengebäude errichtet. Noch im gleichen Jahr wurden Neubaufahrzeuge bestellt. In der Saison 1999 kamen am 24. Juli erstmals neben den traditionellen Dampflokomotiven die neuen Dieseltriebzüge zum Einsatz. Am 11. September 1999 wurden diese bei einem Festakt getauft und die neue Werkstätte offiziell dem Betrieb übergeben. Um die Infrastruktur für das Berghaus Hochschneeberg zu verbessern, wurde mit dem Bau der Wasserversorgung und Abwasserbeseitigungsanlage am Berg begonnen (die bis dahin ausschließlich mit der Bahn erfolgte), sodass bis zum Jahr 2003 alle Hütten entlang der Trasse an die Kanalisation und an die Wasserversorgung angeschlossen werden konnten.Wasser- und Abwassergenossenschaft Schneeberg auf der Seite des Österreichischen Touristenklubs Neunkirchen, abgerufen am 13. August 2010. Im Zuge dessen wurde ebenfalls eine neue Stromleitung und Glasfaserkabel zwischen Puchberg und dem Berghaus Hochschneeberg installiert. Somit entfielen die Wasser-Versorgungs- und -Entsorgungsfahrten, die die Bahn bis dahin in der verkehrsfreien Zeit durchgeführt hatte. Bis zum Jahr 2009 konnten auch das Damböckhaus und die Fischerhütte angeschlossen werden. Seit 2003 kann man Fahrkarten der Schneebergbahn auch via Internet bestellen.
Im Dezember 2010 wurde im Rahmen eines Infrastrukturübernahmepaktes die Infrastruktur der Schneebergbahn vom Land Niederösterreich übernommen. Am Bahnbetrieb hatte dies jedoch keine nennenswerten Änderungen zur Folge.
Seit 2012 befindet sich die Bahn zu 100 % im Besitz der NÖVOG.Schneebergbahn auf Erfolgsschiene auf ORF vom 7. April 2012, abgerufen am 7. April 2012.
Strecke mini|Die vierte Zugskomposition am Kaltwassersattel Die Fahrt auf den Schneeberg beginnt im Bahnhof in Puchberg am Schneeberg (577 m). Nach rund einem Kilometer kommt die Bahn zur Haltestelle „Hengsttal“. Diese Station wurde im Jahr 2008 neu errichtet und der Name von Schneebergdörfl in Hengsttal umgeändert. Der Anlass war die Eröffnung der Galerie des Künstlers Voka in der Nähe der Station. Nach der Station „Hengsttal“ erklimmt die Bahn den Berg „Hengst“, den Vorberg des Schneebergs.
Nach rund einem Drittel der Strecke folgt die Haltestelle Hauslitzsattel, eine Betriebsausweiche. Die Weichen sind heute funkgesteuert und von der Lok aus zu bedienen. Als ausschließlich Dampfzüge im Einsatz standen, befand sich an dieser Haltestelle auch ein Wassertank, welcher mangels Bedarf abgebaut wurde.
mini|links|Die Zahnstangen der Schneebergbahn Nachdem fast die Hälfte der Strecke zurückgelegt wurde, erreicht die Zahnradbahn die Station „Hengsthütte“ auf einer Seehöhe von 1012 m. Die nahe an der Station gelegene Hengsthütte ist ganzjährig bewirtschaftet.
Nach der Station „Hengsthütte“ befindet sich bei Streckenkilometer 5.0 die Wasserstelle „Am Hengst“. Hier wurde am 4. September 1989 eine Betriebsausweiche mit einer nutzbaren Gleislänge von 60 Metern eröffnet, die für eine einfachere Betriebsabwicklung sorgte.
Bei 5,9 km befand sich von 1951 bis 2013 die Haltestelle „Ternitzerhütte“ auf einer Höhe von 1.231 Metern. Bei günstigen Sichtverhältnissen eröffnet sich den Fahrgästen beim Köhlerhaus einer der schönsten Ausblicke auf das Schneebergmassiv mit dem 1888 m hohen Waxriegel. An dieser Stelle wechselt auch die Bahn den Berg: Vom Hengst geht es über einen Damm hinüber auf den Schneeberg.
Nach 7,3 km erreicht die Zahnradbahn die Station Baumgartner auf einer Seehöhe von 1397 m. Der fünfminütige Aufenthalt wird von vielen Fahrgästen genutzt, um sich mit den bekannten Buchteln des Hüttenwirts zu stärken. Die Station dient als Ausweiche und ist die einzige noch genutzte Wasserstation für die Dampfzüge. Obwohl die Dieseltriebzüge hier kein Wasser fassen müssen, ist der traditionelle Aufenthalt auch bei diesen Zügen beibehalten worden.
hochkant=1|mini|Blick auf das Schneebergmassiv Unmittelbar nach der Station Baumgartner fährt die Bahn über einen als „Hohe Mauer“ bezeichneten steinernen Bahndamm, der den Anfang des steilsten Teiles der Strecke markiert, welcher fast vollständig in der Maximalsteigung von 197 Promille liegt. Die Bahn durchfährt hier eine der wichtigsten Trinkwasserressourcen Österreichs, das Quellgebiet der Kaiserbrunnenquelle im Höllental, die die I. Wiener Hochquellenwasserleitung speist. Deshalb wurde der gesamte Schneeberg zum Wasserschutzgebiet erklärt. Nach dem Überwinden der Baumgrenze auf einer Seehöhe von 1660 m dringt die Bahn in die hochalpine Zone des Schneebergs ein. Bei klarer Sicht eröffnet sich dem Fahrgast das Panorama von Krummbachstein und Rax.
mini|links|Ausfahrt aus dem zweiten Kehrtunnel Die beiden Kehrtunnel wären aufgrund der geringen Überdeckung auch als Einschnitt ausführbar gewesen, allerdings mit entsprechend hohem Aufwand bei der Schneeräumung. Deshalb sind sie mittels mehrfach umgebauter Galerien noch entsprechend verlängert ausgeführt, bei Tunnel 1 aktuell auf eine Gesamtlänge von ca. 199 m und bei Tunnel 2 von ca. 212 m. Besonders in diesem Bereich können Schneewächten eine enorme Höhe erreichen.
Mit jedem Meter, mit dem der Zug an Höhe gewinnt, eröffnet sich dem Fahrgast ein immer weiter gehender Ausblick auf die umliegende Landschaft bis zum Semmering und zur Schneealpe. Schließlich, nach dem Durchqueren des zweiten Kehrtunnels, erreichte die Zahnradbahn nach 9,67 km die alte Endstation Hochschneeberg auf einer Seehöhe von 1795 m. Von hier führte bis in die 1980er-Jahre ein kurzes Feldbahngleis zum Berghaus Hochschneeberg, auf dem die Fracht des Berghauses mit einer händisch geschobenen Lore transportiert wurde. Dieses wurde durch eine Verlängerung des Zahnradbahngleises ersetzt, wodurch die Streckenlänge auf 9,85 km anwuchs und die erreichte Höhe auf 1796 m anstieg. Mit dem Bau des neuen Endbahnhofs wurde die Strecke wieder etwas verkürzt.
Oberbau mini|Windschutzsicherungsschienen auf der „Hohen Mauer“ mini|Detailansicht des Wildschen Windmessers Die Spurweite beträgt einen Meter, die Schienen sind auf Stahlschwellen montiert. Der Zahnstangenoberbau System Abt hat ein Gewicht von 138,5 kg/m. Lange Zeit lag auf der Strecke der Oberbau aus der Bauzeit der Bahn, mittlerweile kam es durch die NÖVOG zu einer umfassenden Modernisierung des Gleiskörpers, im Zuge derer u. a. neue fernsteuerbare Zahnradweichen der VOEST Alpine mit elektrischem Antrieb verbaut wurden.
Windschutz Die Abschnitte zwischen den Streckenkilometern 6,830 bis 6,896 (Kaltwassersattel) und 7,633 bis 7,751 (Hohe Mauer) wurden mit Windschutzsicherungsschienen ausgestattet. Diese Abschnitte befinden sich in einer exponierten Lage, wodurch bei einer starken Windgeschwindigkeit die Gefahr bestand, dass die mit rund 5 Tonnen Eigengewicht leichten zweiachsigen Personenwagen aus den Schienen gehoben würden. Der Beginn der Abschnitte ist mit einer quadratischen Signalscheibe – in diagonaler Teilung schwarz und weiß gestrichen – gekennzeichnet. Darauf folgt der sogenannte Wildsche Windmesser, eine an einer Stange angebrachte Blechtafel die bei Windstille durch die Schwerkraft abwärts hängt und bei Wind nach oben gehoben wird. Mittels acht angebrachten Stiften für die Skalierung kann die jeweilige Windstufe abgelesen werden:
Stufen 1 bis 4: Keine Maßnahmen erforderlich. Stufen 5 bis 6: Verwendung der Windschutzvorrichtung. Stufen 7 bis 8: Keine Durchfahrt erlaubt.
Im Zugführerabteil des Personenwagens befindet sich neben der Signalleine zur Lokomotive und der Handbremse auf der linken Seite das Handrad für die Windschutzvorrichtung. Zeigt der Wildsche Windmesser die Stufen 5 oder 6 an hält der Zug vor der Windschutzstrecke an. Die Handbremsen des Zuges werden angezogen und das Handrad betätigt, wodurch mittels Schraubenspindel eine Fangeinrichtung an der Unterseite des Personenwagens abgesenkt wird die bei der Weiterfahrt in die Windschutzsicherungsschiene greift.