mini|180px|Funakoshi Gichin, 1924 Funakoshi Gichin (jap. ; * 1868 in Naha, damals Königreich Ryūkyū, heute Präfektur Okinawa, als ryūkyū ; † 1957 in Tokio) war Meister und Begründer des Karatedō-Kampfstils Shōtōkan-ryū und gleichzeitig „Vater des modernen Karatedō“ in Japan. Als einer der letzten Karatemeister des inkorporierten Königreichs Ryūkyū war Funakoshi der Erste, der die Kampfkunst von Okinawa ins Kernland Japans auf die Hauptinsel Honshū brachte und wurde bis zu seinem Tod als Ehrenvorsitzender – – der 1949 gegründeten Japan Karate Association geehrt.
Leben Aufgewachsen in Tomari, Shuri auf Okinawa – ein Stadtteil in Naha – im ehemaligen Königreich Ryūkyū (1429–1879) zur Meiji-Zeit (1868–1912) – bis zur Inkorporation der Ryūkyū-Inseln (1879) durch das japanische Kaiserreich – gilt Funakoshi als Begründer des heute bekannten japanischen Karatedō (das er in Anlehnung an das Judo seines Vorbildes Kanō Jigorō so benannte). Spätere Schüler benannten das von Funakoshi entwickelte Karate nach dem damaligen Trainingsort Shōtōkan (Shōtō – – war Funakoshis Pseudonym für Gedichte und Kalligrafien, Kan bedeutet Übungshalle) – als erste Organisation wurde als Vereinigung das Shōtōkai (Kai – – bedeutet „Vereinigung“) gegründet, um ihm für seine Lehrtätigkeit in Tōkyō ein kleines Auskommen zu sichern.
Obwohl er nach eigenen Aussagen in der Kindheit eher klein und kränklich war, fing er im Jugendalter unter Meister Asato Yasutsune, einem Karate- und Schwertkampfmeister der Jigen-ryū, und unter Meister Itosu Yasutsune an, Okinawa-Karate zu erlernen. Funakoshi war beruflich als Hauptschullehrer tätig. Trotzdem stellte Karate einen wichtigen Lebensinhalt dar. Er war sehr um die Verbreitung des Karate bemüht. Ihm gelang es, diese Kampfkunst in den Sportunterricht an der Schule zu integrieren, wie es Vorgänger wie Itosu und Higaonna bereits um 1900 angeregt hatten. 1913 veröffentlichte Funakoshi seinen ersten Artikel über Karate.
1922 reiste Funakoshi im Auftrag der Präfektur Okinawa allein nach Tokio und stellte dort Karate der japanischen Öffentlichkeit vor. Aufgrund offenbar größer werdenden Interesses blieb er in der japanischen Hauptstadt, um weiter zu unterrichten. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er in Tokio als Hausmeister, Gärtner und Reinigungskraft. Erst nachdem es ihm gelungen war, Karate in Japan bekannter zu machen, konnte er auch von seiner Tätigkeit als Karatelehrer leben – mittels verschiedener Universitätskurse und durch seine Schüler, die sich in der Vereinigung Shōtōkai organisierten.
Dabei hielt Funakoshi mit seinen Karate-Kollegen aus Okinawa weiterhin Kontakt und fand Unterstützung bei seinen Kollegen Mabuni Kenwa, Gründer des Shito-Ryu, in Osaka und Miyagi Chōjun, Gründer des Gōjū-Ryū, in Kyōto ab Mitte der 1920er Jahre.
Die von ihm vertretene Stilrichtung des Karate wurde von seinem Künstlernamen Shōtō („Pinienrauschen“), unter dem er Gedichte schrieb, und seinem ersten richtigen Dōjō Shōtōkan („Haus des Shōtō“) abgeleitet, das 1938 in Tokio erbaut wurde. Ab 1939 wurde seine Karate-Richtung u. a. als Shōtōkan-ryū bezeichnet.
Am 27. April 1957 starb Funakoshi in Tokio wohl an „Altersschwäche“. Sein Grab befindet sich in Kawasaki, Japan. 1968 errichteten ehemalige Schüler Funakoshis ihm zu Ehren einen Gedenkstein in Kamakura.
Seine Einteilung der Formen – Kata – nach historischen Ursprüngen in Shorin- und Shorei-Ryū fand nicht überall Zustimmung. Insbesondere in Okinawa musste sich Funakoshi Kritik stellen. Zudem war er durch den japanischen Nationalismus Anfang des 20. Jahrhunderts gezwungen, Schreibweisen und Namen der Formen und Techniken zu „japanisieren“. So benannte er diverse Kata um (z. B. ryūkyū Naifanchi – jap. Tekki) und vereinfachte Schrittformen oder stellte Reihenfolgen aus didaktischen Gründen um (, ryūkyū Pinan – jap. Heian). Auch führte er wohl auf Drängen seiner japanischen Schüler zunehmend Partnerübungen ein (Kumite) wie sie es aus dem Schwertkampf gewohnt waren. So wurden auch japanische Begriffe (Shu-Ha-Ri – ) und Strategien (Sen-no-Sen – ) eingeführt, die im okinawanischen Karate nicht üblich waren.
Zeit seines Lebens folgte Funakoshi einem strengen Ehrenkodex. So lehnte er es zum Beispiel ab, „schmutzige“ Worte wie Socke oder Toilettenpapier zu benutzen. Auch war Funakoshi ein sehr friedfertiger Mann, der versuchte, den Kampf wann immer möglich zu vermeiden. So gab er zum Beispiel einmal Dieben den Kuchen, den er als Opfergabe für seine Ahnen vorgesehen hatte, nur um den Konflikt mit den beiden ihm wahrscheinlich unterlegenen Männern zu vermeiden. Auch Funakoshi-Senseis Familienangehörige sind oder waren exzellente Karateka wie z. B. Funakoshi Yoshitaka oder die Schauspielerin, Sängerin und Geschäftsfrau Funakoshi Fane.
Shōtō-Niju-Kun 180px|mini|Funakoshi (l.) und Yasuhiro Konishi, Japan 1930 Die Shōtō-Nijû-Kun (), auch als Karatedô-Nijû-Jô () bekannt, sind zwanzig von Funakoshi aufgestellte Verhaltensregeln und vermitteln das Grundprinzip des Karatedō („Weg der leeren Hand“, ). Sie sollen der Charaktervervollkommnung dienen.
Karatedo wa rei ni hajimari, rei ni owaru koto wo wasuruna.Vergiss nie: Karate beginnt mit rei und endet mit rei. (rei bedeutet: Respekt, Höflichkeit) Karate ni sente nashi.Im Karate gibt es kein Zuvorkommen. (Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.) Karate wa gi no tasuke.Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit. Mazu jiko wo shire, shikashite ta wo shire.Erkenne dich selbst zuerst, dann den Anderen. Gijutsu yori shinjutsu.Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik. Kokoro wa hanatan koto wo yosu.Lerne, deinen Geist zu kontrollieren, und befreie ihn dann von Unnützem. Wazawai wa ketai ni shozu.Unheil entsteht durch Nachlässigkeit. Dojo nomi no karate to omou na.Karate ist nicht nur im Dojo. Karate no shugyo wa issho de aru.Die Ausbildung im Karate umfasst Dein ganzes Leben. Arayuru mono wo karate-ka seyo, soko ni myomi ari.Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst. Karate wa yu no gotoshi taezu netsudo wo ataezareba moto no mizu ni kaeru.Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig wärmst. Katsu kangae wa motsu na makenu kangae wa hitsuyo.Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie du nicht verlierst. Teki ni yotte tenka seyo.Wandle dich, abhängig von deinem Gegner. Tatakai wa kyojitsu no soju ikan ni ari.Der Kampf hängt von der Handhabung deiner Treffsicherheit ab. Hito no te ashi wo ken to omoe.Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor. Danshi mon wo izureba hyakuman no teki ari.Wenn man das Tor der Jugend verlässt, hat man viele Gegner. Kamae wa shoshinsha ni ato wa shizentai.Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Einsteiger, später gibt es den natürlichen Zustand. Kata wa tadashiku jissen wa betsu mono.Übe die Kata korrekt, der echte Kampf ist eine andere Angelegenheit. Chikara no kyojaku, karada no shinshuku, waza no kankyu wo wasuruna.Vergiss nicht, dass man die Kraft stark und schwach einsetzen, den Körper strecken und zusammenziehen und die Technik schnell und langsam ausführen kann.(Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.) Tsune ni shinen kufu seyo.Denke immer nach und versuche dich ständig am Neuen.
Quelle: bzw. , siehe unten
Anmerkung
Galerie
Werke
Gichin Funakoshi: Einführung in das Karate, aus dem Japanischen von Henning Wittwer, Niesky 2020 Gichin Funakoshi: Karate-Dô Nyûmon. schlatt-books. 2000, ISBN 978-3-937745-05-3.
Literatur
S. Noma (Hrsg.): Funakoshi Gichin. In: Japan. An Illustrated Encyclopedia. Kodansha, 1993. ISBN 4-06-205938-X, S. 430.
Henning Wittwer: Shōtōkan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen (Band I), Selbstverlag, Niesky 2007 Henning Wittwer: Shōtōkan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen Band II, Selbstverlag, Niesky 2012 Henning Wittwer: Shōtōkan – überlieferte Texte & historische Untersuchungen. Band III, Selbstverlag, Niesky 2018
Weblinks
Karate-Dō – Mein Weg – Übersetzungsprobleme in Funakoshis Biografie – am 15. Februar 2017. In: gibukai.de
Einzelnachweise
Kategorie:Karateka (Japan) Kategorie:Königreich Ryūkyū Kategorie:Japaner Kategorie:Geboren 1868 Kategorie:Gestorben 1957 Kategorie:Mann