Die EMT International GmbH, vormals Elektronik, Meß- und Tonstudiotechnik (EMT), ist ein Hersteller von professionellem Audio-Equipment mit Sitz in der Schweiz. Seit dem 1. Juli 2018 ist EMT Tontechnik, ein Geschäftsbereich der HiFiction AG, Schweiz, für das EMT Tonabnehmer-Geschäft verantwortlich. Dies beinhaltet Entwicklung, Produktion, Garantie- und Reparaturservice sowie den internationalen Vertrieb. Nur gültig für den EU-Markt: Der Vertrieb für EMT-Studio-Tonabnehmer bleibt bei EMT Studiotechnik Mahlberg, Deutschland. Die Firma EMT wurde 1940 von Wilhelm Franz als Elektromeßtechnik Wilhelm Franz KG in Berlin gegründet.

Geschichte Im Zweiten Weltkrieg stellte die Firma EMT in Berlin Kontroll- und Messinstrumente für die Nachrichten- und Rundfunktechnik her. Der Ingenieur Wilhelm Franz machte sich 1940 nach einer Tätigkeit (seit 1938) als stellvertretender Leiter der Messlaboratorien bei der C. Lorenz AG in Berlin selbständig.Gerätewerk Lahr GmbH – Aus der Geschichte der Firma, Stand 12. September 1973. (PDF; 2,3 MB) emt-archiv.de Er gründete sein „Meßtechnisches Laboratorium“ und befasst sich mit der Entwicklung von elektrischen Messgeräten, außerdem berät er verschiedene Firmen in technischen Fragen. Ab Oktober 1940 wurden in Berlin SW 68, Wilhelmstraße 131/132 Räume gemietet und der erste hauptamtliche Mitarbeiter (Oswin Thrum) eingestellt. Die Firmenbezeichnung lautet „Elektromeßtechnik Wilhelm Franz“. Der Beginn des Gewerbebetriebes ist auf den 1. Januar 1940 anzusetzen. In Einzelfertigung werden Geräte für Messungen an Schwingquarzen hergestellt. Besonders erfolgreich war das im Februar 1941 von Wilhelm Franz entwickelte militärische Einheitsmessgerät der Reichsluftwaffe mit der Bezeichnung „Prüfvoltmeter 62“ (PV 62). Im selben Monat trat sein Bruder Walter Franz als kaufmännischer Leiter in das Unternehmen ein, dieser war ebenfalls bei der C. Lorenz AG im Prüffeld beschäftigt. Die Vorarbeiten und das Anlaufen der Produktion des PV 62 stellten den Betrieb das ganze Jahr über vor eine schwierige Situation, weil der Zulieferer in Konkurs ging. Erst im Herbst 1941 konnte die Produktion des PV 62 beginnen, nachdem eine Lösung für den fehlenden Zulieferbetrieb gefunden worden war. Die Räumlichkeiten wurden stark erweitert, im Dezember 1941 hatte die Firma 30 Mitarbeiter. Das PV 62 war bis Kriegsende Haupteinnahmequelle des Unternehmens, es wurde als „kriegswichtig“ eingestuft, Wilhelm Franz wurde deshalb unabkömmlich (UK) gestellt und musste damit keinen Kriegsdienst leisten. Ab dem 1. Januar 1943 wurde das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft umgewandelt, die Firmenbezeichnung lautete nun „Elektromeßtechnik Wilhelm Franz KG“.

Wegen der zunehmenden alliierten Bombenangriffe auf Berlin zog das Unternehmen 1943 auf Anordnung der Behörden an den Fuß des Schwarzwalds nach Schuttertal bei Lahr und kurz danach nach Dingelsdorf am Bodensee um. Während des Krieges sind insgesamt 25.000 Messgeräte gebaut worden, vom Prüfvoltmeter PV 62 über Frequenzzeiger und Widerstandskontroller bis zu großen Normalfrequenz-Anlagen. Vor dem Zusammenbruch bei Kriegsende beschäftigte die Firma 100 Mitarbeiter; sie hatte inzwischen eine Entwicklungsabteilung mit mehreren Ingenieuren. 1945 zog das Unternehmen wieder nach Lahr in die Kaiserstraße 68 um. Im September 1945 wurde Wilhelm Franz von der französischen Besatzungsmacht als Leiter einer Forschungsstelle in Wasserburg am Bodensee dienstverpflichtet, er musste dort bis 1948 arbeiten. Die Räumlichkeiten wurden von der Besatzungsmacht beschlagnahmt, darunter auch die meisten Sachwerte. Alle Außenstände und Guthaben wurden eingefroren und gingen später verloren. Unter schwierigen Bedingungen nach einer demontagebedingten Pause nahm EMT seine Produktion ab März 1948 vorerst in notdürftigen Räumlichkeiten schrittweise wieder auf. Zunächst wurde unter Mitwirkung von Wilhelm Franz ein neues Fabrikationsprogramm mit Messeinrichtungen für die Deutsche Bundespost aufgebaut, um Verbindlichkeiten restlos zu tilgen. Es wurden Normalgeneratoren, Dämpfungszeiger und Erdungsbrücken hergestellt.

Neben der Fabrikation von Tonstudiobedarf ab 1949 entdeckte Wilhelm Franz 1950/51 mit der Konstruktion und Herstellung hochwertiger Plattenspieler für Rundfunkanstalten eine Marktlücke. 1953 wurden die beschlagnahmten Räume in der Kaiserstraße 68 in Lahr wieder frei. Die Firma zog um und hatte bessere Arbeitsbedingungen. 1956 übertrug Wilhelm Franz die Leitung im damals neu errichteten EMT-Gerätewerk Lahr an seinen Bruder Walter Franz. Bereits 1959 wurde in Wettingen bei Zürich die Schweizer Niederlassung EMT Wilhelm Franz GmbH gegründet. Das Vertriebsunternehmen sollte den Export der von Wilhelm Franz maßgeblich entwickelten Rundfunkplattenspieler, Studioeinrichtungen und Messgeräten ausweiten. Ebenfalls entstand eine Zusammenarbeit mit Willi Studer und dessen Produkten, bis 1975 war EMT der Vertriebspartner für Studer in Deutschland. Das Absatzpotential der Studio-Plattenspieler EMT 927 und 930 wurde von Wilhelm Franz bei den Rundfunkanstalten überschätzt, da diese immer mehr mit Tonbändern arbeiteten. So wurde das recht große Gerätewerk Lahr nicht ausgelastet. Im Juli 1965 erfolgte der Übernahmevertrag über das „Phonocord“ Plattenspieler- und Verstärker-Programm des Herstellers Georg A. Henke Apparatebau aus Tuttlingen. Phonocord wird damit eingetragenes Warenzeichen und Besitz des Gerätewerks Lahr. 1966 konnte Wilhelm Franz durch einen Zufall die Lizenz-Fertigung von Thorens HiFi-Plattenspielern im Gerätewerk Lahr zusätzlich übernehmen. Nach dem frühen Tod von Wilhelm Franz im Jahr 1971 wurde das Familienunternehmen von seiner Frau Hildegard Franz und dem Geschäftsführer Erich Vogl in Kippenheim bei Lahr weitergeführt, dort wurde die Straße vor dem neuen Werk nach Wilhelm Franz benannt. Die ursprüngliche Firma Elektromesstechnik Wilhelm Franz KG wurde im Jahre 1972 in FRANZ Vertriebsgesellschaft mbH., Lahr, umgewandelt und firmierte seit 1979 als EMT FRANZ GmbH.

1989 wurde die EMT an den Belgischen Konzern Barco verkauft. 2003 verkaufte Barco die EMT, inklusive der Markenrechte, an Walter Derrer, der 2007 bei einem Flugzeugunglück verstarb. Seither führt sein bisheriger Chefentwickler, Produktmanager und Marketingleiter Jules Limon die Firma. Die EMT Studiotechnik GmbH in Lahr/Mahlberg war seit 2016 ein Unternehmen der EMT International GmbH (Schweiz), welche die exklusive und weltweit eingetragene Inhaberin der Marke EMT ist. Im Zuge dieser Umstellung wurde die Produktion in die Schweiz verlagert. Ende 2018 wurde die EMT Studiotechnik GmbH als Zweigniederlassung der EMT International GmbH aufgehoben. Innerhalb der EU werden von nun an Produkte der traditionellen T-Serie von EMT Tontechnik, Mahlberg (Deutschland) vertrieben, ein Unternehmen der HiFiction AG, Schweiz.

Historische Produkte

Bei der Entwicklung der professionellen Schallplattenspieler war nicht der Klang an sich das Thema (im Gegensatz zu den Consumer-Geräten für HiFi-Zwecke), sondern Neutralität, keinerlei Beeinflussung des Signals. Weder elektrischer Natur im bei allen Geräten seit 1955 eingebauten Entzerrer-Verstärker, noch mechanischer Natur bei der Abtastung. Die Maschinen sollten unverfälscht den Frequenzgang und die Dynamik wiedergeben, welche auf dem Tonträger Schallplatte aufgezeichnet war, quasi ein Klang wie vom Masterband bzw. abhängig von der Pressqualität und Aufnahme. Darüber hinaus musste die Wiedergabe mit einem Minimum an geometrisch bedingten Abstastverzerrungen erfolgen. Die Konstruktion musste außerdem sehr robust und zuverlässig sein, damit sie dem täglichen Dauerbetrieb beim Rundfunk bzw. den hohen Ansprüchen standhielt. Dazu war ein erheblicher elektromechanischer Aufwand notwendig und vor allem eine hohe Präzision. EMT-Plattenspieler hatten Weltruf – sie standen in zahlreichen namhaften Rundfunkanstalten, Tonstudios und Schallplattenfirmen im In- und Ausland, auch Übersee. Am meisten verbreitet war der EMT 930. Anfangs lieferte die dänische Firma Ortofon speziell für diese Geräte abgestimmte Tonarme (RF- und RMA-Serie) und Mono-Tonabnehmersysteme (O-Serie) zu, später entwickelte und konstruierte EMT diese Teile selbst. Der ab 1965 in Handarbeit gefertigte, dynamische Stereo-Tonabnehmer TSD 15 (EMT-Werksbezeichnung „Tondose“) gehörte zu den weltbesten professionellen Tonabnehmern. Dieser wird noch in der Gegenwart in verschiedenen Ausführungen hergestellt.

EMT 927 mini|EMT R35, erster professioneller Plattenspieler von EMT, eingeführt 1950/51 mini|EMT 927A Bj. 1954, mit Ortofon-Tonarm RMA 297 (Stereo) und Tondose TSD 15, ohne Entzerrer-Verstärker Nach Ende des Zweiten Weltkrieges entwarf Franz in Kooperation mit dem Institut für Rundfunktechnik in Hamburg (IRT), geleitet von Dr. Ing. Walter Kuhl (1914–1985), den EMT R35, der 1950/51 eingeführt wurde. 1952 folgte der EMT R80, welcher später Schallplatten-Abspielgerät EMT 927, auch als Große Schallplatten-Abspielmaschine EMT 927 bezeichnet wurde. Der Plattenteller mit einem Durchmesser von 44 cm und ein abtastgeometrisch passender, langer 12"-Tonarm waren ursprünglich notwendig, um zum Beispiel die damals von den alliierten Soldatensendern im Nachkriegs-Deutschland wie BFN oder AFN verwendeten 16″ (40 cm)-Azetat-Schallplatten (sogenannte Transcription discs) abspielen zu können, die komplette Sendungen enthielten. AFN strahlte noch bis 1998 Hörfunksendungen für die im westlichen Mitteleuropa stationierten US-Streitkräfte auf solchen 16"-Azetat-Schallplatten aus. Ein weiterer Punkt für den großen Plattenteller war die Schallplattenproduktion, die geschnittenen Folien und Zwischenschnitte zur Schallplattenpressung passten auf das Gerät, eine spezielle Version des EMT 927 mit sehr engen Fertigungstoleranzen (EMT 927D) war deshalb bei fast allen Schallplattenfirmen zu finden.

Der schwere Hauptplattenteller mit hoher Massenträgheit bot einen exakten Gleichlauf und wurde am Innenrand über ein in der Höhe verstellbares, am Außenrand gummiertes Zwischenrad (Reibrad) von einem stark überdimensionierten Dreiphasen-Netz-Synchronmotor mit den Drehzahlen 78, 45 und 33⅓ Umdrehungen pro Minute angetrieben, die dritte Phase erzeugte man mit einem großen Kondensator. Da man beim Rundfunk sehr kurze Hochlaufzeiten zum Start eines Musikstücks benötigt und der schwere Hauptteller aber mehrere Sekunden zum Hochfahren braucht, konstruierte man einen leichten Plattenteller aus Acrylglas dazu, der abgebremst direkt auf dem sich schon drehenden Hauptteller liegt. Dieser sogenannte Hilfsplattenteller und eine elektromagnetische Feinregelbremse dienten dazu, einen schnellen Hochlauf von knapp 0,5 Sekunden bei 33⅓ Umdrehungen pro Minute zu ermöglichen. Beim Lösen dieser Bremse wird der Hilfsplattenteller durch Friktion quasi „mitgerissen“. Die Bremse konnte auch ferngesteuert werden („Remote-Betrieb“). Eine grüne Kontroll-Lampe über dem Bremsschalter, „Pilotlampe“ genannt, signalisierte die Umschaltung auf Fernsteuerung, abgebremst. Vom Mischpult des Technikers aus konnte die Maschine nun durch Hochziehen eines Reglers gestartet werden („Faderstart“, im Regler befand sich ein Schaltkontakt). Während der Hochlaufphase war das Niederfrequenz-Signal mit Hilfe eines Relais stummgeschaltet. Dieses Relais zog beim Lösen der Bremse mit einer Verzögerung von 0,5 Sekunden an und schaltete das Niederfrequenz-Signal nebengeräuschfrei zum Ausgang durch. Das ermöglichte einen silbengenauen Start und unterdrückte gleichzeitig das unvermeidliche Hochjaulen (Hochlauf-Stummschaltung). Im äußersten Rand des Hilfsplattentellers war eine Stroboskopanzeige eingebaut, um die Geschwindigkeit mit der Feinregelbremse korrekt angleichen zu können. Gleichzeitig diente der Rand dazu, den Hilfsplattenteller von Hand bei abgesenktem Tonarm vorwärts und rückwärts so zu drehen, um die gewünschte, exakte Stelle des Musikstückes anzufahren – unter Berücksichtigung der Hochlaufzeiten („cue“).