Wolfenbüttel [] ist eine an der Oker gelegene Kreisstadt und größte Stadt des Landkreises Wolfenbüttel in Niedersachsen (Deutschland). Mit Einwohnern (Stand ) ist Wolfenbüttel eine selbständige Gemeinde und Mittelstadt. Die Stadt ist als Bischofsstadt Sitz der Kirchenregierung für die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig. Außerdem ist sie Fachhochschulstandort und beheimatet einige mittelständische Unternehmen. Das Stadtgebiet umfasst eine Fläche von über 78 km².
Von 1984 bis 1993 war Wolfenbüttel als Kandidat für die Erhebung zum Weltkulturerbe auf der Tentativliste der UNESCO platziert.
Geographie mini|Wolfenbüttel von Süden, links St. Petrus, rechts BMV Die Wolfenbütteler Altstadt befindet sich auf einer mittleren Höhe von (gemessen am Bahnhof). Als höchster Punkt des Stadtgebiets gilt mit eine namenlose Erhebung im Oderwald südwestlich von Halchter. Auf den Wiesen bei Groß Stöckheim im nördlichen Stadtgebiet wird der tiefstgelegene Punkt gemessen. Als Stadtmittelpunkt gilt der Kirchturm der Hauptkirche „Beatae Mariae Virginis“. In Nord-Süd-Richtung beträgt die größte Ausdehnung des Stadtgebiets etwa 5,2 km (Mascheroder Weg bis Zur Altenau). In Ost-West-Ausdehnung werden etwa fünf Kilometer (Oleanderweg bis Wilhelm-Mast-Straße) erreicht.
Das Stadtgebiet erstreckt sich über eine Fläche von 1447 ha (14,47 km²), einschließlich eingemeindeter Ortschaften umfasst die Fläche 7845 ha (78,45 km²). Mit 1191 ha haben Waldflächen den größten Flächenanteil, gefolgt von Gebäude- und Freiflächen mit 1089 ha. Straßen und Wege nehmen insgesamt 540 ha ein, 186 ha werden als Erholungsgebiete genutzt und auf Flüsse und Seen entfallen 67 ha.
Geographische Lage Wolfenbüttel liegt im Südosten von Niedersachsen zwischen Harz und Heide. Die Kernstadt liegt etwa 12 km südlich der Braunschweiger Innenstadt, rund 60 km ostsüdöstlich von der Landeshauptstadt Hannover und unmittelbar ostnordöstlich von Salzgitter. Weitere Städte in näherer Entfernung sind Bad Harzburg, Goslar, Halberstadt, Hildesheim, Peine und Wolfsburg.
Naturräumlich wird Wolfenbüttel dem Börßum-Braunschweiger Okertal, einem Teilgebiet im Ostbraunschweigischen Hügelland zugeordnet. Die Stadt wird von der Oker durchflossen, die oberhalb bei Halchter die von Osten kommende Altenau aufnimmt. Südlich der Stadt befindet sich der Oderwald, östlich der Naturpark Elm-Lappwald, südöstlich der Höhenzug Asse und die Erhebung Ösel. Etwas weiter entfernt liegt im Südwesten der Salzgitter-Höhenzug. Im Norden grenzen die Waldflächen Lechlumer Holz und Atzumer Busch an das Stadtgebiet an.
Nachbargemeinden und Raumordnung
Folgende Gemeinden grenzen an die Stadt Wolfenbüttel (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Braunschweig, Sickte, Dettum, Denkte, Ohrum, Cramme, Salzgitter.
Die Kreisstadt Wolfenbüttel ist ausgewiesen als Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden des Landkreises. In den Einzugsbereich fallen die Gemeinden Cremlingen und Schladen-Werla sowie die Samtgemeinden Baddeckenstedt, Elm-Asse, Oderwald und Sickte. Aufgrund des niedersächsischen Kommunalrechts hat Wolfenbüttel die Rechtsstellung einer „selbständigen Gemeinde“.
Zum Mittelzentrum Wolfenbüttel zählen sämtliche Ortsteile mit Ausnahme der Ortschaften Adersheim, Ahlum, Atzum, Fümmelse, Leinde, Salzdahlum und Wendessen.
Historisch betrachtet gehörte Wolfenbüttel zum Herzogtum beziehungsweise Freistaat Braunschweig. Heute befindet sich die Mittelstadt Wolfenbüttel im Einzugsgebiet des Großraumes Braunschweig und damit auch in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.
Stadtgliederung Wolfenbüttel setzt sich aus der Kernstadt und den zehn eingemeindeten Ortschaften Salzdahlum, Atzum, Ahlum, Wendessen, Linden, Halchter, Leinde, Adersheim, Fümmelse und Groß Stöckheim zusammen (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden), die einen im Norden offenen Ring um die Kernstadt bilden.
Die Kernstadt wiederum ist untergliedert in sieben Stadtteile oder städtische Bezirke. Im Bereich der Altstadt liegen die Auguststadt (Westen), Heinrichstadt (Zentrum) und die Juliusstadt (Osten). Die Stadtteile Kurzes Holz (Nordosten), Rote Schanze (Südosten), Schwedenschanze (Nordwesten) und Weiße Schanze (Südwesten) umgeben die Altstadt.
Der ursprüngliche Stadtkern ist der heutige Stadtteil Heinrichstadt. 1567 erfolgte die Erweiterung nach Osten (Juliusstadt), und 1652 nach Westen (Auguststadt). Nach Schleifung der Befestigungsanlagen (1804 bis 1834) war die Ausdehnung der Stadt nach Norden (Schwedenschanze und Kurzes Holz) und Süden (Weiße Schanze und Rote Schanze) möglich. Die nächste und bislang letzte Erweiterung erfolgte 1974 mit der Eingemeindung von zehn umliegenden Ortschaften, die bis dahin selbständige Gemeinden waren.
+ Stadtteile der Kernstadt und eingemeindete Ortschaften, mit amtlicher Nummer, Fläche, Bevölkerung und BevölkerungsdichteNr.PDF bei www.wolfenbuettel.de Stadtteile, Ortschaften Flächein haAuskunft Katasteramt Wolfenbüttel (E-Mail vom 7. Oktober 2010)Die Einzelflächen der Stadtteile der Kernstadt wurden mit dem Script Get Area von der Karte gemessen Bevölkerung31. Dez. 2016Bevölkerung der Ortschaften und Stadtteile von Wolfenbüttel Bevölkerungsdichte in Einwohner/km²01–07 Kernstadt: Stadtteile 1.461,17 38.902 2.623,7 01 Kurzes Holz256,30 4.728 1.830,3 02 Juliusstadt164,15 7.923 4.766,4 03 Rote Schanze115,335.327 4.605,0 04 Weiße Schanze412,10 6.619 1.592,6 05 Auguststadt129,67 5.305 4.053,4 06 Schwedenschanze289,40 5.121 1.741,2 07 Heinrichstadt94,21 3.879 3.881,808–17 Ortschaften 6.399,22 14.336 224,0 08 Adersheim 709,53 838 121,1 09 Ahlum 829,21 1.146 139,2 10 Atzum 225,12 222 102,6 11 Fümmelse 753,62 2.674 353,9 12 Groß Stöckheim 298,97 1.401 479,3 13 Halchter 953,36 1.444 152,7 14 Leinde 542,12 717 129,3 15 Linden 342,89 3.628 959,8 16 Salzdahlum 1.337,52 1.597 118,8 17 Wendessen 406,89 1037 241,3 Wolfenbüttel 7.860,39 53.606 670,4
Klima Wolfenbüttel liegt in der gemäßigten Klimazone im Übergangsbereich zwischen ozeanisch und kontinental geprägten Gebieten.
Geologie Im Harzvorland gelegen, sind in Wolfenbüttel Sand-, Ton- und Lehmböden anzufinden. Auch gibt es teilweise Mergelböden in Wolfenbüttel. Die durch Wolfenbüttel verlaufende Oker bildet die Grenzlinie zwischen der Hildesheimer Börde auf der West- und der Magdeburger Börde auf der Ostseite.
Geschichte Namensgebung Der heutige Ortsname Wolfenbüttel setzt sich aus dem Grundwort -büttel und dem Bestimmungswort Wolfen zusammen. Das Bestimmungswort vor -büttel ist nicht – wie anzunehmen – in Verbindung mit Wolf zu setzen, sondern ist ein verschliffener Personenname und geht wahrscheinlich zurück auf einen sächsischen Siedler namens Wulferi bzw. Wulfheri, der sich an einer Furt an der Oker niedergelassen und die Siedlung Wulferis Buttle (Wulferebutele) gegründet haben soll. Das Suffix –büttel stammt von dem altsächsischen Wort bodal und bedeutet „Haus und Hof“ oder „Siedlung“.Vgl. Dieter Lent: Johannes Reiske und die frühneuzeitlichen Anfänge der Historiographie zur mittelalterlichen Geschichte von Wolfenbüttel. In: Ulrich Schwarz (Hrsg.): Auf dem Weg zur herzoglichen Residenz. Wolfenbüttel im Mittelalter. Appelhans, Braunschweig 2003, S. 258–261 (Kapitel Der Name Wolfenbüttel).
Die Verbreitung von Büttel-Orten ist auf den norddeutschen Raum begrenzt. Wolfenbüttel ist die südlichste von über 150 Büttel-Ortschaften. In der Gemeinde Busenwurth im Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein existiert ein weiterer Ort mit dem Ortsnamen Wolfenbüttel.
Stadtgründung mini|Stadtmarkt mit dem Reiterdenkmal von Herzog August
Die vermuteten Ursprünge Wolfenbüttels sind ungefähr im 10. Jahrhundert zu finden, als sich ein Siedler namens Wulferus (Wulferi) an einer Furt in den sumpfigen Okerauen niedergelassen haben soll. Diese Überquerungsmöglichkeit über die Oker zog die ersten Siedler an. An einer frequentierten Handels- und Heerstraße zwischen Rhein und Elbe gelegen, entstand dort die Siedlung Wulferisbuttle. Der Weg führte über das benachbarte Braunschweig, die Bistümer Halberstadt und Hildesheim nach Leipzig.
Eine erste urkundliche Erwähnung stammt von 1118, mit der Nennung als W[u]lferesbutle (auch Wulferisbutle). Zu dieser Zeit baute Widekind von Wolfenbüttel die Siedlung zu einer Festung aus. Die Wasserburg sollte den Kaufleuten und Reisenden in unsicheren Zeiten Schutz bieten. Aus der Wasserburg Wolfenbüttel ging die heutige Stadt Wolfenbüttel hervor.
Entwicklung und Erweiterung der Stadt bis zum 18. Jahrhundert mini|Ehemaliges Waisenhaus in der Auguststadt
Ab dem Jahr 1283 wurde Wolfenbüttel unter dem Welfen-Herzog Heinrich dem Wunderlichen zu einer Residenzfestung ausgebaut, die man seit 1500 ummauerte. Etwa seit 1430 war Wolfenbüttel ständige Residenz der Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg. 1542 zerstörten Truppen des Schmalkaldischen Bundes die Stadt.
Herzog Julius ließ die Dammtorfestung im Bereich der Residenz verstärken und die großzügig angelegte Neue Heinrichstadt im Osten der Stadt errichten. Gleichzeitig schuf der Niederländer Hans Vredeman de Vries in der Heinrichstadt ein verzweigtes Grachtensystem, dessen Reste noch heute im sogenannten Klein Venedig sichtbar sind.
1567 entstand neben der Heinrich-Vorstadt die Julius-Vorstadt als Gotteslager (vom niederdeutschen goods für Güter, also Stapelplatz). Diese Vorstadt war als Händlersiedlung geplant, die – durch herzogliche Gnade gefördert – Braunschweig als Handelsplatz den Rang ablaufen sollte. Im Jahr 1570 erhielt Wolfenbüttel das Marktrecht. 1572 gründete Julius die Herzogliche Bibliothek.
Herzog August der Jüngere ließ 1652 im westlichen Anschluss der Dammtorfestung die Auguststadt errichten. Sie war als Handwerker- und Soldatensiedlung konzipiert, mit der St.-Johannis-Kirche und dem zwischen 1698 und 1704 unter Landbaumeister Hermann Korb vollendeten Waisenhaus als markanten öffentlichen Gebäuden.
Bis 1753 blieb Wolfenbüttel Residenzstadt des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel. Die bedeutendsten Herrscher mit Residenz in Wolfenbüttel waren die Herzöge Julius, Heinrich Julius und August der Jüngere, die von hier aus das Teilfürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel regierten.
Im frühen 17. Jahrhundert war der Komponist und Musikschriftsteller Michael Praetorius als herzoglicher Hofkapellmeister in Wolfenbüttel tätig. Im Sommer 1764, wahrscheinlich vom 12. bis 20. Juli, hielt sich der venezianische Schriftsteller und Abenteurer Giacomo Casanova (1725–1798) in der Herzog August Bibliothek auf, um Material für seine Iliade (Dell’ Iliade di Omero tradotta in ottava rima) zu sammeln, deren erster Band im Jahr 1775 erschien.James Rives Childs: Casanova: die große Biographie. Blanvalet, München 1977, ISBN 3-7645-0683-0, S. 280, 323. In seinen Memoiren (Geschichte meines Lebens) berichtet er später: „Ich kann diese acht Tage zu den glücklichsten meines Lebens zählen“.Giacomo Casanova: Erinnerungen, Band 5, Kapitel 18 (Übers. Heinrich Conrad, Verlag Georg Müller, München/Leipzig 1911). mini|Nathan-Denkmal vor dem Lessinghaus Als Bibliothekare der Herzog August Bibliothek wirkten Gottfried Wilhelm Leibniz (1690–1716) und Gotthold Ephraim Lessing (1770–1781), der hier das Drama Nathan der Weise verfasste. Die Stadt wird daher auch als Lessingstadt bezeichnet.
Wolfenbüttel ist eine typische Renaissance-Residenzstadt mit Schloss, Marienkirche, Johanniskirche, Trinitatiskirche, Zeughaus, Kanzlei und etwa 600 historischen Fachwerkhäusern, die unter Denkmalschutz stehen.
Hexenprozesse