mini|Julius Echter von Mespelbrunn (Ölgemälde, 1586), unbekannter Maler, Martin von Wagner MuseumStefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 588 und 605 f. Julius Echter von Mespelbrunn (* 18. März 1545 in Mespelbrunn; † 13. September 1617 auf der Festung Marienberg in Würzburg) war ein römisch-katholischer Theologe, Domdekan und Politiker. Vom 4. Dezember 1573 bis zu seinem Tod war er Fürstbischof von Würzburg und somit auch Herzog von Franken. Er gilt als großer Bauherr und Verwaltungsreformer, unter anderem des Gerichtswesens im Hochstift Würzburg. Er war ein bedeutender Vertreter der Gegenreformation, was mit der Vertreibung von Protestanten, der Rekatholisierung des Bistums Würzburg und der Wiedergründung der Universität Würzburg im Jahre 1582 einherging. Er gründete in Würzburg 1579 das nach ihm benannte Juliusspital und die gleichnamige Stiftung und war damit auch der Stifter der heutigen Julius-Maximilians-Universität Würzburg.
Familie und Herkunft mini|Wappen von Julius Echter, mit dem Echter-Wappen (3 Pferderinge), dem fränkischen Rechen (als Herzog von Franken) und dem Rennfähnlein des Würzburger Hochstifts
Julius Echter war der zweite Sohn des Peter Echter von Mespelbrunn (* 1520, † 21. Januar 1576 in Mainz), kurmainzischer Rat und Amtmann zu Stadtprozelten und Dieburg, und dessen Frau Gertraud, geb. von Adelsheim (* 1525, † 1583 in Wiesentheid). Er hatte vier Brüder und vier Schwestern: Adolf (30. April 1543 – 1600), Dr. iur. utr., kurmainzischer Rat, Amtmann von Stadtprozelten, Nachfolger des Vaters als Schlossherr von Mespelbrunn (Grabmal im Würzburger Dom), verheiratet seit 1566 mit Clara von Frankenstein Sebastian (8. März 1546 – 7. November 1575), kurmainzischer Rat, Amtmann zu Orb und Hausen, verheiratet mit Sophia von Seckendorf Valentin (21. Mai 1550 – 24. September 1624), würzburgischer Amtmann zu Aschach, Kissingen und Volkach und Reichshofrat (Erbauer von Schloss Aschach und der Pfarrkirche von Gaibach, wo er begraben liegt), verheiratet seit 1579 mit Ottilia Rau von Holzhausen (12 Kinder) Dietrich (1554–1601), fürstlich würzburgischer Rat und Amtmann zu Rothenfels (begraben in der Pfarrkirche zu Büchold), Vater des Domherren Julius Ludwig (1578–1609) Margarethe (4. Februar 1549 – 1611), verheiratet seit 13. Juni 1564 mit Hans Heinrich von Ehrenberg (Mutter des späteren Fürstbischofs von Würzburg Philipp Adolf von Ehrenberg) Maria (21. November 1552 – 1553) Magdalena (15. Mai 1556 – 1598), verheiratet seit 1574 mit Hans Fuchs von Dornheim zu Wiesentheid und Mainsondheim (Mutter des späteren Bamberger Fürstbischofs Johann Georg II. Fuchs von Dornheim) Kordula (8. Oktober 1559 – 1597), verheiratet seit 1581 mit Stephan Zobel von Giebelstadt zu Darstadt und Messelhausen, fürstlich würzburgischer Rat und Amtmann in Arnstein (Grabmal in der Wallfahrtskirche Maria Sondheim)
Ausbildung Seine Kindheit verbrachte er auf Schloss Mespelbrunn, wo er von Hauslehrern unterrichtet wurde. 1554 wurde er Stiftsschüler in Aschaffenburg. Ab 1557 war er Kanoniker in Würzburg, wo er die Domschule besuchte. 1559 wurde er Domschüler in Mainz und ging dann an das Jesuitengymnasium in Köln. Es folgten Studien 1561 an der Universität Löwen, 1563 an der Universität von Douai, danach in Paris, Angers und Pavia. Auch Rom hatte er besucht.Robert Schwab: Über die Bedeutung des Juliusspitals für die Entwicklung der Inneren Medizin. In: Das Juliusspital Würzburg in Vergangenheit und Gegenwart: Festschrift aus Anlaß der Einweihung der wiederaufgebauten Pfarrkirche des Juliusspitals am 16. Juli 1953. Hrsg. vom Oberpflegeamt des Juliusspitals. Würzburg 1953, S. 14–24, hier: S. 15. Er beschloss seine Studien mit dem Licentiat.
Kirchliche Laufbahn mini|hochkant|Alte Universität Würzburg mini|hochkant|Neubaukirche Würzburg mini|hochkant|Juliusspital Würzburg mini|hochkant|Epitaph im Würzburger Dom mini|hochkant|Juliusdenkmal in Würzburg
Am 10. November 1569 wurde Julius Echter Domkapitular in Würzburg, 1570 auch in Mainz, und 1571 in Bamberg. Schon 1570 wurde er Domscholaster und Rat der bischöflichen Regierungskanzlei, und am 4. August desselben Jahres Domdechant. Nach dem Tod Friedrichs von Wirsberg am 10. November 1573 wurde er am 1. Dezember 1573 zum Fürstbischof von Würzburg gewählt. Die Priesterweihe erhielt er am 20. Mai 1575, die Bischofsweihe folgte zwei Tage später.
Nach dem Tod des Mainzer Erzbischofs Daniel (22. März 1582) galt Echter, der weiterhin Domherr in Mainz geblieben war, als aussichtsreicher Nachfolger. Im ersten Wahlgang am 19. April 1582 erhielt er 12 Stimmen, Dompropst Wolfgang von Dalberg 11. Echter verzichtete vor dem zweiten Wahlgang am 20. April, und Dalberg wurde daraufhin einstimmig gewählt. Versuche in den Jahren 1601 und 1604, Erzbischof von Mainz zu werden, scheiterten ebenfalls.
Julius Echters wichtigstes Unternehmen war die Durchführung der GegenreformationVgl. auch Alfred Wendehorst: Die Juliusspitalpfarrei und ihre Bedeutung für die Gegenreformation. In: Friedrich Merzbacher (Hrsg.): Julius Echter und seine Zeit. Gedenkschrift zum Anlaß des 400. Jahrestages der Wahl des Stifters der Alma Julia zum Fürstbischof von Würzburg am 1. Dezember 1673 im Auftrag der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität. Echter, Würzburg 1973, S. 349–374. im Hochstift Würzburg, wozu die Förderung der Katholischen Liga gehörte.
Universitätsgründung Bekannt wurde er auch als Gründer der Universität Würzburg 1582 und des Juliusspitals 1579, eines Hospitals für Arme und Waisen, das noch heute als Stiftung Juliusspital besteht.
Hofbibliothek Sofort nach seinem Regierungsantritt begann Echter mit dem Um- und Neubau seines Regierungssitzes, der Festung Marienberg zu einem repräsentativen Schlossbau. Dort richtete er auch seine neue Hofbibliothek ein. Die alte Bibliothek war 1572 bei einem Brand vernichtet worden. Echter ließ auf den Buchmessen Neuerscheinungen erwerben, die als Druckbogen geliefert und vom jeweiligen Hofbuchbinder vor Ort gebunden wurden. Die Hofbuchbinder kamen größtenteils aus Sachsen, und so wurde der sächsische Einbandstil prägend für die Würzburger Einbände, speziell die der Hofbibliothek. Zumindest bis 1590 waren deren Einbände gleichartig gestaltet aus hellem Schweinsleder, das mit dem eingeprägten und farbig gestalteten fürstbischöflichen Wappen als Supralibros verziert wurde. Es gibt davon drei Varianten, rund, eckig und eckig mit zusätzlichem Rahmen, der die Ahnenwappen Echters in dekorative Renaissanceornamentik integrierte. Auf dem grünen Vorderschnitt wurden bei den größeren Bänden Titel, Name des Besitzers („Julius Dei Gratia Episcopus Wirceburgensis Et Franconiae Orientalis Dux“) und Bindejahr mit goldenen Lettern eingeprägt. Die Hofbibliothek, die etwa 3.000 Bände umfasst haben könnte, wurde 1631 bei der Eroberung Würzburgs durch die Schweden zur Kriegsbeute. Heute sind noch ca. 1600 Bände nachweisbar, davon ca. 1200 in der Universitätsbibliothek Uppsala, der König Gustav II. Adolf sie geschenkt hatte. Die übrigen sind über ganz Europa verstreut; ein größerer Bestand befindet sich in England, 43 Echter-Bände in der Universitätsbibliothek Würzburg sowie weitere fünf in der Staatsbibliothek Bamberg.
Baukunst In den von ihm initiierten Renaissancebauten wurden oft bewusst gotische Formelemente integriert. Dieser Stil wird daher auch als Echtergotik bzw. Echter-Stil oder Juliusstil bezeichnet und ist eine Form der Nachgotik.
Das Juliusspital (1576), errichtet im Norden der Stadt Würzburg zwischen dem Pleichacher und Hauger Viertel auf dem Gelände des ehemaligen jüdischen Friedhofes (Juden und das Domkapitel protestierten gegen den Affront des Bischofs)Olaf Przybilla: Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 3–5 und 31. und die samt Kirche 1591 fertiggestellte Julius-Universität (gegründet 1582) sind die ersten weltlichen Monumentalbauten mit weit ausgedehnten Gebäudebereichen.Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 13. Die 1588 nach einem Entwurf von Georg Robin fertiggestellte Gebäudeanlage des Juliusspitals ist im 17. und 18. Jahrhundert durch Neubauten ersetzt worden. Das 1572 durch Brand teilzerstörte Schloss (die fürstbischöfliche Residenz) der Festung Marienberg ließ Julius Echter wieder aufbauen und erneuern.Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 588–596.
Große Leistungen waren auch der Bau zahlreicher Kirchen (mit den bekannten Echtertürmen) und Schulen, die Erneuerung des staatlichen Rechtswesens und eine Verwaltungsreform, die gekoppelt mit einem strengen Sparkurs und der Einbeziehung von weltlichem und geistlichem Vermögen das Bistum aus der Verschuldung führte, ohne die Steuern zu erhöhen. Dabei verband Echter mit den Bauvorhaben auch politische Ziele. Vor allem die Wiederbelebung der Wallfahrt nach Dettelbach und der Neubau der Kirche Maria im Sand ab 1608 sind bereits im Lichte der Gegenreformation zu betrachten.
Politisches Wirken Umstritten in der katholischen Kirche und im Reich war Julius Echters Rolle im sogenannten Fuldaischen Handel. Nachdem 1576 der Fürstabt von Fulda Balthasar von Dernbach von der lutherischen Ritterschaft und dem Stiftskapitel Fulda zur Abdankung gezwungen worden war, ließ sich der Würzburger Fürstbischof Julius Echter zum Administrator des Stifts wählen. Papst Gregor XIII. drohte mit dem Kirchenbann, falls er Fulda nicht wieder zurückgäbe. Durch Eingaben an den Papst und an Kaiser Maximilian II. versuchte Balthasar von Dernbach, in Fulda wieder an die Macht zu kommen. Nach einem Prozess vor dem Reichshofrat, der sich 26 Jahre hinzog, musste Julius Echter von Mespelbrunn am 7. August 1602 das Stift Fulda wieder zurückgeben und außerdem Schadensersatz leisten und die Prozesskosten zahlen. Diese Geschehnisse wurden als Fuldaische Händel bekannt.
Großen Wert legte der Bischof darauf, dass fähige Beamte sein Bistum verwalten. Deren Bildung und Arbeitseifer waren ihm wichtiger als deren Herkunft. Das führte dazu, dass viele Bürgerliche in Leitungspositionen aufrückten, was dem landständigen Adel, dem diese Stellen bisher vorbehalten waren, missfiel. In einer Beschwerdeschrift protestierten sie 1581 dagegen, dass Männer, die „keinen Stecken“ von ihren Eltern geerbt hatten, zu hohen Würden berufen würden.Franz Hettinger: Aus Welt und Kirche. Bilder und Skizzen, Band 2: Deutschland und Frankreich. Herder, Freiburg, vierte Aufl. 1897, S. 502.
Julius Echters gegenreformatorische Maßnahmen führten dazu, dass konversionsunwillige Protestanten in großem Umfang auswandern mussten. Echter gab die Zahl der Konvertiten 1586 mit 53.000 an, die der Ausgewanderten hingegen nur mit 34. Die Jesuiten sprechen von 62.000 Bekehrten. Nach Rom lässt Echter 1590 (das Jahr der neuen, fürstlich-absolutistischen, Würzburger StadtordnungWilhelm Engel in: Willy Schmitt-Lieb, Wilhelm Engel: Würzburg im Bild. Mit einem Geleitwort von Oberbürgermeister Franz Stadelmayer. Wisli-Mappe, Würzburg 1956, S. 13.), zum Abschluss seiner Gegenreformation, die Zahl 100.000 melden.
Hexenprozesse