mini|hochkant=1.1|Historische Packungen für Leibniz-Kekse Die Bahlsen GmbH & Co. KG ist ein deutsches Familienunternehmen der Backwarenbranche mit Sitz in Hannover. Das Unternehmen wurde 1889 von Hermann Bahlsen (1859–1919) gegründet.
Unternehmensdaten Bahlsen produzierte 2020 ca. 130.000 Tonnen Gebäck. Produziert wird in den Werken in Barsinghausen nahe Hannover, im friesischen Varel, in Berlin sowie in zwei Werken in Polen (in Skawina und Jawornik).
Zwischen 1996 und 1999 gehörte das Unternehmen den drei Gesellschaftern Werner Michael Bahlsen, Lorenz Alexander Bahlsen, dem späteren Gründer der The Lorenz Bahlsen Snack-World, und Andrea von Nordeck († 1998) zu gleichen Teilen. Von 1999 bis 2018 war Werner Michael Bahlsen alleiniger Gesellschafter und zugleich Geschäftsführer. Er ist heute Verwaltungsratsvorsitzender. Der seit 2020 tätige und für die Neuausrichtung zuständige CEO Phil Rumbol verließ 2022 das Unternehmen. Als Interimslösung übernahm ein Management-Team, dem auch die Tochter von Werner M. Bahlsen, Verena Bahlsen, angehörte. Alexander Kühnen übernahm zum 1. Januar 2023 die Position des CEO.
Produktidee und Markenstrategie Leibniz-Cakes hochkant|mini|Leibniz-Keks mit 52 Zähnen Bahlsen nannte 1891 seine Kekse mit Buttergeschmack (Butter Cakes) in der Art der bereits 1886 von Lefèvre-Utile in Nantes produzierten Petit Beurre LU nach dem langjährigen hannoverschen Hofbibliothekar und Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716), der seinerzeit bei der Suche nach einer haltbaren Verpflegung der Soldaten auf Zwieback gestoßen war.
Der Werbeslogan für Bahlsens Butterkekse lautete 1898:
TET-Markenzeichen mini|hochkant|Das Logo mit TET aus dem Jahr 2009 mini|hochkant|TET-Warenzeichen Im Jahr 1903 wurde das seit 1896 als Markenzeichen eingetragene springende Pferd durch das TET-Zeichen ersetzt, das der Grafiker Heinrich Mittag entworfen hatte. Die ägyptische Hieroglyphe ḏt (dschet, von Bahlsen „tet“ transkribiert), zusammengesetzt aus den Zeichen I10 (Kobra), X1 (Brotlaib) und N16 (Land, Erde, Ewigkeit) der Gardiner-ListeI10:X1:N16 bedeutet „ewig dauernd“, ein Hinweis auf die durch Verpackung in Wachspapier noch gesteigerte Haltbarkeit des Dauergebäcks. Die Idee dazu hatte der hannoversche Museumsdirektor Friedrich Tewes von einer Ägyptenreise mitgebracht. 1904 kam die erste TET-Packung mit Leibniz-Cakes für 30 Pfennig (das entspricht heute etwa Euro) auf den Markt. Ab 1954 wurde die thermoplastische Steifverpackung verwendet, eine in der Beschichtung verschweißte Aluminiumfolie.
Künstlerische Reklamemarken (1912–1914) mini|hochkant|Bahlsen-Reklamemarken von Änne Koken, 1913 Ein besonderes Element der Werbung bildeten die künstlerischen Reklamemarken, die von Bahlsen in den Jahren 1912 bis 1914 herausgegeben wurden. Es gab insgesamt acht Serien von Künstlermarken, die von verschiedenen Künstlern, wie Heinrich Vogeler oder Otto Obermeier, gestaltet wurden. Änne Koken entwarf zwei Serien.Babette Kaiserkern: Änne Koken – Einführung in Leben und Werk. Vortrag vom 17. Juni 2007 im Historischen Museum, Hannover. Die Serie C von Änne Koken vom Januar 1913 (siehe Foto) erzählt in zwölf Bildern das Erfolgsgeheimnis der Bahlsenkekse:
Die Reklamemarken waren beliebte Sammelobjekte. Weitere Künstler für Bahlsens Reklamemarken waren Karl Bernhard, Heinrich Mittag und Lucian Bernhard.
Hauptperson und Erzähler der Bildergeschichte auf den Marken ist ein geflügelter Putto. Die Marken dieser Serie zeigen die erforderlichen Zutaten, den Herstellungs- und Verpackungsprozess und die weltweite Verbreitung des Produkts. Die Reklamemarken wurden den Kunden gegen Einsendung von Gutscheinen, die den Kekspackungen beigefügt waren, zugeschickt. Für zwölf Gutscheine gab es zwölf Künstlermarken.
Künstlerische Feldpostkarten (1914–1916) Während des Ersten Weltkriegs gab Bahlsen insgesamt 64 Feldpostkarten heraus. Auch hierfür konnte er renommierte Künstler gewinnen: Änne Koken (3), Ferdinand Spiegel (3), Walter Georgi (25), Josse Goossens (16), Ludwig Hohlwein (9) Carl Otto Czeschka (6) und Julius Diez (2).
Markenauftritt der Marke Bahlsen Zwischen 2014 und 2025 veränderte Bahlsen insgesamt drei Mal den Auftritt sowie die Verpackungsdesigns der Marke Bahlsen. So wollte man 2014 nach Aussage des Unternehmens das „Oma-kommt-zu-Besuch-Image loswerden“, sieben Jahre später sollte mit einer weiteren Veränderung das Design als hochwertiger angesehen sowie eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden. Laut Geschäftsführer Alexander Kühnen fänden Kunden das neue Design jedoch „zu elitär und distanziert“, weshalb bereits 2023 eine weitere Überarbeitung der Verpackungen angekündigt wurde, die im Juni 2025 eingeführt wurde.
Fabrikations- und Verwaltungsgebäude 1911 entstanden rund um die ältere Fabrikanlage im hannoverschen Stadtteil List ein Verwaltungsgebäude an der Podbielskistraße sowie ein Fabrikationsgebäude an der Lister Straße. Die Gebäude gehören zu den besten architektonischen Leistungen des Jugendstils in Hannover.
Im Verwaltungsgebäude gibt es neben dem Foyer den kleinen und den großen Sitzungssaal, die dekorativ im Jugendstil ausgestattet sind. Darunter befinden sich ein farbiger Wandfries von Georg Herting, eine über fünf Meter hohe, farbige Fensterfront von Adolf Hölzel sowie ein Bilderfries von Julius Diez mit dem Titel Die Göttin TET auf ihrem Thron.
Mehrfach tauchen an der prunkvoll gearbeiteten Natursteinfassade aus Langensalzaer Travertin die Darstellungen des Leibniz-Kekses auf. Heute werden am ursprünglichen Firmensitz keine Backwaren mehr produziert. Der große Gebäudekomplex ist renoviert und umgewandelt worden. Neben der Bahlsen-Verwaltung finden sich dort der Podbi-Park, ein Geschäftsviertel mit Büros, ein Hotel, städtische Einrichtungen (Bürgeramt, Stadtbibliothek) und eine Einkaufspassage.
Die Hauptverwaltung zog 1974 in ein neues Bürogebäude an der Podbielskistraße Ecke Eulenkamp, das nach Plänen von Jörn Köhnke, Dieter Bahlo und Klaus Stosberg errichtet wurde.Köhnke, Körn. In: Allgemeines Künstlerlexikon online. (ID _93b04400-f4d2-4351-9a39-ea5a5109263d). Es fiel durch seine Wabenarchitektur auf. Im Jahr 2000 wurde die Verwaltung wegen Asbestbelastung in den früheren Hauptsitz zurückverlegt. Das Gebäude Podbielskistraße/Eulenkamp wurde 2001 abgerissen.
Im Jahr 2018 wurde nach mehr als 80 Jahren eine seit der Zeit des Nationalsozialismus versteckte und dadurch gerettete Statue von Bernhard Hoetger, die TET-Göttin darstellend, aufgefunden und wieder am Bahlsen-Stammhaus in Hannover angebracht.
Unternehmensgeschichte Entstehung und wirtschaftlicher Erfolg mini|Bahlsen-Keksfabrik um 1900 mini|Bahlsen-Werbefahrzeug bei einem Charity-Keksverkauf vor dem Opernhaus Hannover mini|Keksdose entworfen von Emanuel Josef Margold für Bahlsen, 1917 1889 wurde die Hannoversche Cakesfabrik durch Übernahme des Fabrikgeschäftes engl. Cakes und Biscuits gegründet und hatte zu dem Zeitpunkt zehn Mitarbeiter. 1891 wurde der Leibnizkeks erfunden und 1894 auch in den USA hergestellt. 1893 erhielt Bahlsen für seine Produkte auf der Nahrungsmittelausstellung in Brüssel eine Goldmedaille, im selben Jahr wurde ihm bei der World’s Columbian Exposition in Chicago für seine Kekse eine Goldmedaille verliehen.
1899 hatte das Unternehmen 300 Mitarbeiter, und 1905 fand die erste Fließbandproduktion in Europa statt. 1912 wurde die Firma in H. Bahlsens Keksfabrik umbenannt. 1913 beschäftigte Bahlsen rund 1.700 Mitarbeiter.
In den Jahren 1916 und 1917 ließ Bahlsen Pläne für eine Retortenstadt unter der Bezeichnung TET-Stadt in Hannover entwickeln, die nicht verwirklicht wurde. Sie sollte zugleich Wohn- und Arbeitsstätte für die Beschäftigten der Bahlsen-Werke werden.
Am 6. November 1919 starb Hermann Bahlsen, und Hans Bahlsen übernahm das Unternehmen. Zum ersten Mal nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Leibniz-Kekse wieder nach dem Original-Rezept produziert. 1922 hatte die Firma nur noch 633 Mitarbeiter.
Zeit des Nationalsozialismus mini|Keksdose entworfen von Ella Margold für Bahlsen, 1915 mini|Keksfertigung 1938/39 Die Zeit des Nationalsozialismus ging für das Unternehmen mit wirtschaftlichem Erfolg einher. Vor allem die 1933 eingeführte Express-Blechdose mit einem Pfund Gebäck für eine Reichsmark wurde zum Verkaufsschlager. 1935 brachte Bahlsen die Salzlette neu auf den Markt. Die Salzstange gab es bis dahin nur in den USA. 1935 plante das Unternehmen, ein Foto von Adolf Hitler mit einer TET-Kekspackung auf Werbepostkarten „für unsere Propagandazwecke“ (im Sinne von Werbung) zu nutzen. Das Innenministerium zog die Karten wegen der Vermarktung von Hitler ein.
Infolge der Rohstoffknappheit wegen des Zweiten Weltkrieges wurde das Sortiment auf elf Artikel reduziert. Als Bahlsen zum „kriegswichtigen Betrieb“ und damit zum Rüstungsbetrieb ernannt wurde, stellte es Notverpflegungen für deutsche Soldaten her und produzierte Knäckebrot sowie Zwieback.
Ab 1940 mussten mindestens 200 Zwangsarbeiter aus sieben Ländern im Bahlsen-Werk arbeiten, vorwiegend Polinnen und Ukrainerinnen, die zwangsweise in Barackenlagern lebten. titel thesen temperamente, 4. November 2019 Diese waren aufgrund der damaligen Vorschriften u. a. bei der Bezahlung benachteiligt, standen aber auch auf anderen Ebenen hinter der deutschen Belegschaft zurück. 60 Entschädigungsklagen ehemaliger Zwangsarbeiter gegen Bahlsen wurden im Jahr 2000 vom Landgericht Hannover wegen Verjährung abgewiesen.
Zudem kooperierte Bahlsen offenbar mit der SS und verwaltete im besetzten Kiew eine Keksfabrik. Während des Rückzugs der Deutschen (Ende 1943) nahm die Firma Bahlsen alle Ausrüstungen, Anlagen und Materialien der Fabrik mit nach Deutschland. Der Spiegel recherchierte 2019, dass die Unternehmensleiter Hans, Werner und Klaus Bahlsen Mitglieder in der NSDAP gewesen waren und die SS gefördert hatten.
Im Jahr 2019 wurde Kritik an Unternehmenserbin und Anteilseignerin Verena Bahlsen laut, nachdem sie sich in der Bild-Zeitung zu den Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg geäußert hatte: „Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt.“ Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit ergaben, dass die Aussage über die Höhe der Zwangsarbeiter-Entlohnung falsch war. Der zu damaliger Zeit übliche durchschnittliche Bruttowochenlohn eines deutschen Arbeiters betrug 44 Reichsmark. Den Bahlsen-Zwangsarbeitern wurden, laut Auswertung von Bahlsen-Lohnkarten, lediglich fünf bis zehn Reichsmark pro Woche ausgezahlt.