Die Geschichte Kolumbiens umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Kolumbien von der Urgeschichte bis zur Gegenwart. Präkolumbische Epoche

Als die spanischen Eroberer Ende des 15. Jahrhunderts Südamerika erreichten, betraten sie einen Kontinent, der schon seit Jahrtausenden von Menschen bewohnt war. Allerdings gab es vor Ankunft der Spanier im Gebiet des heutigen Kolumbiens kein Großreich wie etwa das der Inka, das große Teile des südlicheren Südamerikas umfasste. Die präkolumbischen Kulturen bestanden, der geographischen Zerstückelung des Landes entsprechend, aus kleineren und voneinander relativ unabhängigen Volksstämmen.

Die Epoche vor dieser Entdeckung durch Christoph Kolumbus wird präkolumbisch genannt. Sie ist nicht zu verwechseln mit der präkolumbianischen Epoche. Dieser Begriff bezeichnet die Zeit vor der Gründung Großkolumbiens.

Ureinwohner Die Besiedlung Amerikas erfolgte sehr wahrscheinlich von Norden. Die frühesten archäologischen Belege für die Besiedlung Kolumbiens finden sich an der Fundstätte Pubenza 3 (datiert auf 16.400 ± 420 BP), Tibito 1 (datiert auf 11.740 ± 110 BP), die sich durch das Vorhandensein großer Tierreste in Verbindung mit Steinwerkzeugen auszeichnen, sowie El Abra und Tequendama, die auf kalibriert ca. 10.765–10.253 BP (El Abra) und 10.920 ± 250 BP (Tequendama) datiert werden.

Die Funde aus Pubenza 3 im Magdalena-Tal in der Gemeinde Girardot im Departement Cundinamarca gelten mit einer Datierung von 16'400±420 BP als die älteste im gesamten kolumbianischen Staatsgebiet. An dieser Fundstelle wurden Steinwerkzeuge gefunden; einzelne Abschläge, Kerne und Werkzeuge mit aktiver Schneide. Außerdem wurden Überreste von kleineren Tieren und von Megafauna gefunden: Haplomastodon waringi, Glyptodon clavipes und Propraopus magnus (ein ausgestorbenes Riesengürteltier). Auch wenn die Fundstelle auf eine zeitliche Gleichläufigkeit von Mastodonten und Menschen hindeutet, ist ihre Zuverlässigkeit aufgrund der unklaren Zuordnung der Datierungen zur stratigraphischen Abfolge sowie der zweifelhaften Verbindung zwischen den spärlichen Steinwerkzeugen und den Überresten der Megafauna ungewiss.

In den Felsvorsprüngen von El Abra, die im Osten von Zipaquirá liegen, wurden im Jahre 1967 Steinwerkzeuge gefunden. Eine Neubewertung der lithischen Inventare durch Muttillo et al. (2021) ergab, dass die lange akzeptierte Datierung von 12.400 ± 160 BP aufgrund stratigrafischer und archäologischer Unsicherheiten nicht korrekt sei. Als älteste zuverlässige Datierung gilt nach dieser Neubewertung 9340 ± 90 BP (kalibriert ca. 10.765–10.253 BP), wodurch El Abra deutlich jünger einzuordnen ist als zuvor angenommen.

In der Sabana von Bogotá wurden bei Tequendama Werkzeuge aus Stein gefunden, die etwa 1000 Jahre jünger sind. Unter den Werkzeugen befinden sich Pfeil- und Lanzenspitzen, Messer und Kratzwerkzeuge. Sie zeugen von einer aufwendigen Herstellung und weisen auf spezialisierte Jäger hin. Aus der Zeit zwischen 7500 und 6500 v. Chr. wurden nur wenige Objekte gefunden. Diese bestehen zum größeren Teil aus Holz, nur wenige sind aus Stein gefertigt. Außerdem wurden aus dieser Zeit vermehrt Tierknochenwerkzeuge gefunden. Erste komplette Menschenskelette werden auf um 5000 v. Chr. datiert und zeugen von einer anderen körperlichen Statur als die der Muisca, die diese Region später besiedelt haben.

Agrikultur (5000 v. Chr. – 1200 n. Chr.)

Die ersten Hinweise auf Pflanzenproduktion im Gebiet des heutigen Kolumbien befinden sich in der Gegend der Montes de María, die in den heutigen Departamentos von Bolívar, Sucre und Atlántico liegen. Im Atlántico wurden Töpfe und andere Tonobjekte gefunden, die auf die Zeit zwischen 5000 und 4000 v. Chr. datiert werden. Diese ersten Menschengruppen, die sich mit Ackerbau beschäftigten, lösten sich teilweise auf. Man vermutet, dass sie ihr Wissen der Fischerei und Töpferei in die spätere Zenú-Kultur einbrachten als sie in den Norden migrierten.

Erstaunlich war der Fund von agrikulturellen Niederlassungen mit Töpfereien inmitten des Amazonasregion (Arararcuara), die aus dem Jahr 2700 v. Chr. kommen. Die Ausgrabungsstelle Zipacón 1 weist außerdem darauf hin, dass die Pflanzenproduktion in der Gegend von der Sabana de Bogotá bis nach 1320 v. Chr. gepflegt wurde.

Indigene Völker San Agustín

Die Spuren der Besiedlung um San Agustín reichen bis in das 6. Jahrhundert v. Chr. zurück. Der Blütezeit der Kultur von San Augustín fällt in die ersten Jahrhunderte unserer Zeitrechnung. Aus dieser Zeit stammen auch die meisten der noch heute zu besichtigenden megalithischen Statuen, die den Figuren auf der Osterinsel ähneln. Die Erbauer der Statuen lebten im heutigen Departamento Huila und im Norden vom Caquetá.

Die dabei genutzten Bautechniken liegen genauso im Dunkeln wie die Herkunft der ersten Siedler. Die These, dass es sich bei den ersten Siedlern um Mitglieder der Teotihuacán- und Oayaca-Kulturen gehandelt habe, die auf dem Wasserwege oder über Zentralamerika in die Gegend von San Augustín gezogen seien, wird in Fachkreisen weitgehend abgelehnt.

Chibcha

Die Chibcha siedelten vor allem in den Hochebenen, in der im Norden des Landes gelegenen Sierra Nevada de Santa Marta sowie in den kühleren Regionen im Zentrum des Landes. Die Angehörigen der Chibcha-Kultur bildeten die zahlenmäßig größte und am weitesten entwickelte Kultur im heutigen Kolumbien. Sie verfügten über fortgeschrittene Kenntnisse auf dem Gebiet der Mathematik, benutzten für ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten und religiösen Feste einen Kalender und besaßen eine Hieroglyphenschrift. Da sie zerstreut lebten, bildeten sie kein geschlossenes Volk. Die herausragendsten Gruppen innerhalb der Familie der Chibcha waren die Muisca und die Tayrona.

Capulíkultur

Südlich von Pasto ist von 850 bis 1500 in Kolumbien die Capulíkultur fassbar.

Arawak

Die Arawaks bewohnten die Regionen der Flüsse Amazonas, Putumayo und Caquetá. Ihre Kultur war weit fortgeschritten und sie waren spezialisiert auf Ackerbau sowie auf die Verarbeitung von Gold und Baumwolle. Weitere Die Aburra waren bis ins 16. Jahrhundert einer der größten Indianerstämme Kolumbiens.

Kolonialzeit

Nach der Entdeckung Mittelamerikas durch spanische Seefahrer entstanden mit Santa Marta (gegr. 1527) und Cartagena de Indias (gegr.1533) die ersten kolonialen Stützpunkte an der kolumbianischen Karibikküste.

mini|Großkolumbien

Als im Jahr 1537 die ersten spanischen Entdecker unter Gonzalo Jiménez de Quesada in das Andengebiet vordrangen, wurden die Chibcha unterjocht. Die Spanier erbauten einige Siedlungen, die die ehemaligen indianischen Handelszentren ersetzten, so zum Beispiel Santa Fe und Tunja (gegr. beide 1539). Wenig später erfolgte die Gründung einer Provinz, aus der sich das Vizekönigreich Neugranada entwickelte.

Die Audiencia Die eigentliche Kolonialzeit begann 1549 mit der Gründung der Real Audencia (ein Verwaltungs- und Appellationsgericht) in Santa Fe de Bogotá. Die Eroberer hatten gemäß den Bedingungen ihrer Verträge mit der Krone Lokalverwaltungen eingerichtet. Die Krone nahm dann rasch die den Eroberern gewährten weitreichenden Befugnisse zurück und bildete ihre eigenen Institutionen, um das Reich zu regieren. Die Regierungen von Popayán, Antioquia, Cartagena, Santa Marta, Riohacha, dem Neuen Königreich Granada (Bogotá) und die Llanos von Casanare und San Martín wurden der neuen Audiencia unterstellt. Der Präsident der Audiencia war der exekutive Regierungschef, der in Verwaltungsangelegenheiten dem Vizekönig von Peru unterstellt war. Die Reiseschwierigkeiten erschwerten jedoch die Kommunikationen und die zentrale Kontrolle über das Land.

Die indigene Bevölkerung des Gebietes ging durch die Einschleppung europäischer Krankheiten und die wirtschaftlichen Anforderungen an die Indianer zurück. Anpassung und Mischehen zerstörten rasch die meisten kulturellen Besonderheiten der verbliebenen Indianer. Wie anderswo im Spanischen Reich scheint sich der Abwärtstrend der Bevölkerungszahl Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts jedoch umzukehren. Die Wirtschaft basierte größtenteils auf Bergbau und Landwirtschaft, nur in Socorro nördlich von Bogotá, entwickelte sich Mitte des 18. Jahrhunderts eine kleine aber bedeutende Textilindustrie. Sklaverei existierte seit der Eroberungszeit und wurde in den Seifenabbaugebieten des Chocó und des westlichen Antioquia sowie in den landwirtschaftlichen Regionen des Cauca-Tals, des unteren Magdalena-Tals und des Küstentieflandes üblich. Die Indianer wurden wie Sklaven behandelt; ab dem frühen 16. Jahrhundert galt für sie das Encomienda-System (das einen Tribut in Form von Gold oder Arbeitskraft verlangte). Bis 1700 waren die meisten in Privatbesitz befindlichen Enkomienden an die Krone zurückgegangen, und danach wurden sie nur noch selten vergeben; die indianische Bevölkerung wurde jedoch weiterhin ausgenutzt.

Während der Audiencia-Ära von 1549 bis 1740 blieb die Bevölkerung politisch unauffällig. Die römisch-katholische Kirche spielte eine wichtige Rolle, da sie die meisten Wohlfahrtsdienste bereitstellte und die meisten Schulen betrieb. Die Kirche war ein wirksames Instrument der Krone, da diese einen Großteil ihrer Aktivitäten kontrollierte.

Vizekönigreich Neugranada Das Vizekönigreich Neugranada, zu dem das heutige Kolumbien, Panama (nach 1751), Venezuela und Ecuador gehörten, wurde 1717–1723 gegründet und 1740 neu konstituiert, womit eine neue Ära begann. In den nächsten Jahrzehnten führte die Krone politische und wirtschaftliche Maßnahmen ein, um das Reich durch eine stärkere Zentralisierung der Autorität, eine verbesserte Verwaltung und Kommunikation sowie eine freiere Entwicklung und Bewegung des Handels innerhalb des Reiches neu zu organisieren und zu stärken. Die Bevölkerung wuchs, der Handel nahm zu, und der Wohlstand erreichte die kolonialen Untertanen. Karl III., der damalige König von Spanien, autorisierte Milizen als Verteidigungseinheiten in den Kolonien und es entstand das kleine kreolische Offizierskorps. Eine relativ große Gruppe wohlhabender Landbesitzer und Kaufleute schloss sich zu einer Wirtschaftsgemeinschaft zusammen. 1781 begannen die Bauern und Handwerker von Socorro als Reaktion auf Steuererhöhungen den Comuneros-Aufstand; obwohl einige Kreolen halfen, die Rebellen nach Bogotá zu führen, zögerten die meisten, den Aufstand zu unterstützen, oder halfen sogar mit, ihn zu untergraben. Zwischen 1785 und 1810 änderte sich in Neugranada die Sichtweise der kreolischen Ober- und Mittelschicht vom Widerstand gegen politische und wirtschaftliche Veränderungen hin zum Streben nach gezielten Veränderungen der imperialen Politik. Im Jahr 1809 wand man sich dem System der freien Marktwirtschaft, der Abschaffung der Sklaverei und staatlichen Restriktionen und der weltweiten Handelsfreiheit zu.

Bildungsreformen spielten eine wichtige Rolle bei den sich verändernden Perspektiven der granadinischen Kreolen. Erzbischof Caballero y Góngora als Vizekönig (1782–88) machte Bildung zu einem seiner Hauptanliegen. Er modernisierte den Unterricht an den Schulen, eröffnete eine Bergbauschule und initiierte eine große botanische Expedition unter der Leitung des erfahrenen Naturforschers José Celestino Mutis. Ein neues Institut bildete viele der wichtigsten Persönlichkeiten der späteren Unabhängigkeitsbewegung aus. Die ersten Zeitungen und Theater wurden in den 1790er Jahren eingeführt. Im Jahr 1808 blieb die Loyalität der Granadinen gegenüber der Krone bis auf einige wenige Personen unumstritten. Die Loyalität der kreolischen Mittel- und Oberschicht kühlte jedoch unter dem Druck wirtschaftlicher Interessen, Skandale in der königlichen Familie und anhaltender sozialer Spannungen zwischen Kreolen und europäischen Spaniern ab.

Seit den ersten Unabhängigkeitsbestrebungen 1810