mini|hochkant=1.2|Marktplatz in Bismark

Bismark (Altmark) ist eine Stadt im Herzen der Altmark, gelegen im Landkreis Stendal im Norden Sachsen-Anhalts, Deutschland. Der mittelalterliche Flecken und Wallfahrtsort schwang sich in der Frühen Neuzeit zur Stadt auf. In der Moderne festigte sie die zentralörtliche Funktion für die umliegenden Ortschaften. Dies führte über die Zwischenstufe Verwaltungsgemeinschaften zur Gründung der Einheitsgemeinde.

Geographie Lage Bismark (Altmark) liegt mittig in der Altmark. Die Entfernung der Kernstadt zur Kreisstadt Stendal beträgt rund 22 km in südöstlicher Richtung, zur Landeshauptstadt Magdeburg zirka 60 km nach Süden.

Stadtgliederung Die Stadt ist in 20 Ortschaften (ehemalige Gemeinden) gegliedert. Zu ihnen gehören gleichnamige und andere Ortsteile mit Wohnplätzen.

Nachbargemeinden

Oberflächenform und Böden Bismark schmiegt sich in eine nach Nordosten öffnende Senke inmitten einer weiten Ebene mit fruchtbaren Böden.Heinz Göschel (Hrsg.): Bismark. In: Lexikon Städte und Wappen der Deutschen Demokratischen Republik. 3. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1985, S. 54.

Geschichte Herkunft und Entwicklung des Ortsnamens Der Ortsname setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen, von denen der zweite, „-mark“, auf den altsächsischen Begriff für Gegend, Gebiet, Grenzland zurückgeht. Für den ersten Wortteil „Bis-“ gibt es hingegen konkurrierende Herleitungen:

So findet sich einerseits die Herleitung aus Biese. Der Flussname stammt vermutlich ursprünglich aus dem Niederländischen und heißt auf Deutsch Binse. Das Wort führten die Einwanderer ein, als sie zur Trockenlegung der Biese von Albrecht dem Bären (* um 1100) um 1100 dort angesiedelt wurden.

Die zweite Herleitung bezieht sich auf die Biscopesmark (‚Bischofsgebiet‘), eine landwirtschaftliche Exklave des Bischofs von Havelberg bei Werben am linken Ufer der Elbe im Bistum Halberstadt. Diese war als Ernährungsgrundlage des Bistums von Havelberg gedacht, wenn es dort zu Unruhen kam und eine geordnete Ernährung nicht möglich war. Dies geht klar aus dem lateinischen Dokument vom 20./21. Oktober 1209 hervor, in welchem Albrecht II., Markgraf von Brandenburg, jenen Besitz Sigibodo, Bischof von Havelberg als Eigentum bestätigt. Eine entsprechende Studie veröffentlichten die Altmark-Blätter, Heimatbeilage der Altmark Zeitung am 15. April 2006.

Im Laufe der Jahrhunderte zeigte der Ortsname die üblichen Variationen. Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375 schrieb ihn in den Formen „Bysmarke“Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. [Tangermündescher Kreis]. Schinne, S. 375–379, Storbeke dabit… plebano in Bysmarke 14 modios siliginis et ordei,…: S. 376. und „Bismark“.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Antiqua marchia. Hii sunt redditus in villis domἱcellorum de Bertensleve, S. 285–330, Rule: Erxleben bei Osterburg S. 293; Klein Möringen S. 323. Dann hieß es 1687 „Biszmarck“ und 1804 „Bismark“. Zur besseren Unterscheidung erhielt die Stadt 1936 den Zusatz „(Altmark)“.Regierungsbezirk Magdeburg (Hrsg.): Amtsblatt der Regierung zu Magdeburg. Magdeburg 10. August 1936, , Nr. 462, S. 144.

Die Familie Bismarck mit ihrem bekanntesten Vertreter Otto von Bismarck entlehnte ihren Namen vermutlich von der hiesigen Ortschaft.Ernst Eichler, Hans Walther: Städtenamenbuch der DDR. 1. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, ISBN 3-323-00007-2, Die Städtenamen der DDR von A–Z. Bismark, S. 56.

Mittelalter mini|hochkant|Straßenzug in Bis­mark Über die Geschichte der Stadt bis 1676 wurde wenig überliefert, da in jenem Jahr eine Feuersbrunst die ganze Ortschaft mit Stadtkirche und Rathaus zerstörte.

Die zukünftige Altmark erfasste im 12. Jahrhundert die Deutsche Ostsiedlung, die hier zunehmend den Charakter eines Landesausbaus der Mark Brandenburg annahm. Während jener hochmittelalterlichen PhaseLieselott Enders: Die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3, A. Politische Geschichte. I. Werden der Region im Mittelalter. 1. Vom Herzogtum Sachsen zur Mark Brandenburg, S. 31–41. entstand an der Straße von Kalbe nach Stendal das Dorf Bismark im Schutz einer Burg. Sie überlieferte keine schriftlichen Spuren. Der zugehörige, kleine Hügel blieb in den Gärten der Häuser Alte Straße 37/38 erhalten (stark abgetragen und verändert, noch 3 bis 4 m hoch, 1753 Reste eines herumgezogenen Grabens erkennbar, Funde von blaugrauen Scherben des 13. Jahrhunderts, Sage von einer goldenen Wiege).Paul Grimm: Die vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle der Bezirke Halle und Magdeburg. Akademie-Verlag, Berlin 1958, Anhang. I. Katalog der vor- und frühgeschichtlichen Burgwälle. Bezirk Magdeburg. Kreis Kalbe. 881 Bismark, S. 356. 1209 stellte Albrecht II. in Biskopesmarck eine Urkunde aus (siehe im Kapitel Herkunft des Ortsnamens).Adolph Friedrich Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis. 1. Haupttheil. 3. Band. In: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. 41 Bände, F. H. Morin, Berlin 1843, XIX. Das Domcapitel zu Havelberg. Urkunden. XII. Der Markgraf Albrecht bestätigt dem Bisthume, Capitel und der Kirche zu Havelberg, alle Verleihungen seines Vaters und Großvaters und legt dem Bisthume mehrere neue Besitzungen in der Altmark bei, im Jahre 1209, S. 89–91, Acta sunt hec Biscopesmarck: S. 91. Das dermaßen benannte Gebiet gehörte dem Bischof von Havelberg. Klaus Werner von Bismarck bezweifelte in o. g. Altmark-Blättern die Gleichsetzung des Ausstellungsorts mit der hiesigen Siedlung. In diesem Fall fand die Ersterwähnung 1263 mit dem Personennamen nicolaus de bismarke statt.

Inzwischen ein Flecken,Berent Schwineköper: Bismark. In: Handbuch der Historischen Stätten Deutschlands. Provinz Sachsen Anhalt. 2. Auflage, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-520-31103-8, S. 43–44. umgab Bismark eine Befestigung aus Wällen und Gräben. Ein- und Auslass gewährten das Kalbesche Tor im Westen, das Stendalische im Osten und das Gardelegensche im Süden. Innerhalb erstreckte sich ein rechteckiger Grundriss mit einer West-Ost-Hauptstraße. Die später ergänzte Parallelstraße leitete vom Stadtkern gen Westen. Zwischen beiden lag der rechteckige Marktplatz mit dem 1413 bezeugten Rathaus. Östlich schloss sich der Kirchplatz mit der Pfarrkirche an. Sie unterstand dem Balsambann genannten Archidiakonat im Bistum Halberstadt.

Dessen Bischof hielt sich laut der Sage von der Goldenen Laus öfter hier auf. Er nahm an der Wallfahrt nach Bismark teil. Sie gebar das Jahr 1350,Ingeborg Drewitz (Hrsg.): Märkische Sagen. Berlin und die Mark Brandenburg. 1. Auflage, Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1979, ISBN 3-424-00658-0, Die Altmark. Die goldene Laus bei Bismark, S. 263. just der Zeitpunkt als der Schwarze Tod in Norddeutschland einzog.Joachim Stephan: Stadt und Bürger. In: Clemens Bergstedt, Heinz-Dieter Heimann, Knut Kiesant, Peter Knüvener, Mario Müller, Kurt Winkler (Hrsg.): Im Dialog mit Raubrittern und Schönen Madonnen. Die Mark Brandenburg im späten Mittelalter. 1. Auflage, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-118-1, Geistliche, Juden und Slawen, S. 245–247, hier S. 246. Vom Kirchhof führte die sogenannte Heilige Straße aus der Befestigung heraus, ein kleines Stück nach Süden zur Wallfahrtskirche zum Heiligen Kreuz. Noch während des Spätmittelalters brach eines Tags aufgrund übermäßigen Bierkonsums eine Massenschlägerei aus. Daraufhin beendete die Kirche mittels Anordnung die Pilgerei für immer.Norbert Gossler: Der Marienberg bei Lenzen. Geschichte einer Gnadenstätte des 15./16. Jahrhunderts zwischen Wallfahrts- und Jahrmarktsgeschehen. In: Jiři Fajt, Wilfried Franzen, Peter Knüvener (Hrsg.): Die Altmark von 1300 bis 1600. Eine Kulturregion im Spannungsfeld von Magdeburg, Lübeck und Berlin. 1. Auflage, Lukas Verlag für Kunst- und Geistesgeschichte, Berlin 2011, ISBN 978-3-86732-106-8, S. 267–272, hier S. 271, Sp. 2.

mini|hochkant|In den Städten wur­de frisches Fleisch nicht auf dem Markt, son­dern ein­zig beim Schlach­ter ver­kauft. An­ge­sichts ih­res Vor­kom­mens in Bis­mark galt die Re­ge­lung schein­bar auch für Flec­ken; Buch­ma­le­rei, un­be­kannt, Ta­cui­num sa­ni­ta­tis, 14. Jahr­hun­dert.Adriaan von Müller: Die Archäologie Berlins. Von der Eiszeit bis zur mittelalterlichen Stadt. Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1986, ISBN 3-7857-0430-5, Fleischer: S. 344.Lieselott Enders: Die Altmark. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8305-1504-3, C. Die städtische Gesellschaft. I. Die Städte an der Wende vom Mittelalter zur Frühneuzeit. 2. Die Mediatstädte. Hauptnahrungszweige, S. 818–819.

Die von Alvensleben erwarben 1324,Joachim Stephan: Die Vogtei Salzwedel. Peter Lang, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54808-7, Der Adel. Adlige Familien mir urkundlich belegten Rechten in der Vogtei Salzwedel. Alvensleben, S. 104–105. ein Jahr nach dem Ende des Brandenburgischen InterregnumsJohannes Schultze: Die Mark Brandenburg. 2. Band. Die Mark unter Herrschaft der Wittelsbacher und Luxemburger (1319–1415). In: Die Mark Brandenburg. 5 Bände, 4. Auflage, Duncker & Humblot, Berlin 2011, ISBN 978-3-428-13480-9, I. Die Mark unter dem Hause Wittelsbach. 1. Der Streit um das Erbe (1319–1323), S. 9–24, hier S. 24. die Vogtei, Burg und Stadt Kalbe sowie im späten 14. Jahrhundert Bismark. Während der Zeit der Wittelsbacher kumulierten einzelne, separate Teile zur Verwaltungseinheit und Landschaft Altmark.Rosemarie Baudisch: Geographische Grundlagen und historisch-politische Gliederung Brandenburgs. In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Landschaften. Altmark, S. 22. Aufgrund der Besitzverhältnisse kam Bismark als Exklave zur Landreiterei Salzwedel vor Perver Tor (späterer Arendseeischer Kreis).Gerd Heinrich (Bearbeitung), K. Bremer, H.-J. Nitschke, Ch. Tolkmitt (Kartographie), G. Preuß (Kartolithographie und Reproduktion): Die Mark Brandenburg 1319–1575. Territoriale Entwicklung. Maßstab 1 : 650.000. Abteilung III, In: Historische Kommission zu Berlin beim Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität Berlin (Hrsg.): Historischer Handatlas von Brandenburg und Berlin. Walter de Gruyter & Co., Berlin 1971.Johannes Schultze: Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Inhaltsübersicht, S. V–VI. Die eben erwähnten SchlossgesessenenJohannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, Beschreibung der Mark Brandenburg 1373, S. 1–5, von Alvensleben: S. 3.Helmut Assing: Die Landesherrschaft der Askanier, Wittelsbacher und Luxemburger (Mitte des 12. bis Anfang des 15. Jahrhunderts). In: Ingo Materna, Wolfgang Ribbe (Hrsg.): Brandenburgische Geschichte. Akademie Verlag, Berlin 1995, ISBN 3-05-002508-5, Die Veränderungen in den Sozialbeziehungen. Neuansätze und Krisensymptome in Wirtschaft, Verfassung und Rechtsprechung, S. 149–157, Schlossgesessene: S. 149. hielten in ihrer Mediatortschaft (Gegenteil von unmittelbar landesherrlich) die Höhere und Niedere Gerichtsbarkeit. Sie gewährten die Gerechtsame zum Abhalten eines Jahrmarkts, belegt durch das 1370 genannte Stättegeld. Die gleiche Abgabe zahlten Bäcker und Schlachter für ihre permanenten Verkaufsbänke. Hauptsächlich lebte das Stedichen aber von Ackerbau und Viehhaltung.