mini|Hauptsitz in Karlsruhe

Die EnBW Energie Baden-Württemberg AG ist ein börsennotiertes Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Karlsruhe.

Das Unternehmen ist, gemessen am Umsatz, nach Uniper und E.ON das drittgrößte Energieunternehmen in Deutschland. Darüber hinaus ist die EnBW über das Tochterunternehmen EnBW Telekommunikation GmbH auch bundesweit mit Schwerpunkt NetCom BW in Baden-Württemberg als Telekommunikationsanbieter in der Breitbandbranche tätig.

Geschichte 1989 bis 1999 mini|Altes EnBW-Logo ohne Energiebalken

Ende der 1980er Jahre gab es Bestrebungen, die Energieversorgung im deutschen Südwesten auf eine neue, gemeinsame Basis zu stellen: Die vier großen Energieversorgungsunternehmen in Baden-Württemberg – Badenwerk, Energie-Versorgung Schwaben (EVS), Neckarwerke und die Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS) – gründeten im Februar 1989 die Stiftung Energieforschung Baden-Württemberg. Damals wollte die deutsche Energiebranche angesichts der absehbaren europaweiten Liberalisierung der Energiemärkte effiziente Strukturen bei Produktion, Verteilung und Vertrieb schaffen. In den Folgejahren kam es zu ersten Fusionsverhandlungen zwischen Badenwerk und EVS. Die für 1993 geplante, vom Bundeskartellamt genehmigte Fusion kam aber zunächst nicht zustande, weil der Aufsichtsrat des Badenwerks sie stoppte.

Gleichwohl wurden die Pläne weiterverfolgt, wobei die Regeln für die Ausübung des Stimmrechts der öffentlichen Anteilseigner in den beteiligten Gesellschaften geändert werden sollten. Das führte im Frühjahr 1995 zur Gründung der Stimmbindungsgesellschaft Energieverbund Baden-Württemberg (EBW). Die Fusion wurde im August 1996 auf den Weg gebracht, als die Vorstände von Badenwerk und EVS einige Teams und einen gemeinsamen Steuerungsausschuss bildeten (besetzt mit Vorstandsmitgliedern aus beiden Unternehmen), die sich mit organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Fragen der Fusion beschäftigten und konkrete Pläne zur Umsetzung entwickelten.

Ende 1996 gründeten die Fusionspartner je eine Gesellschaft, in die das jeweilige Betriebsvermögen eingebracht wurde und die die Betriebsführung des operativen Geschäftes übernahm. Der endgültige Beschluss zur Verschmelzung der Unternehmen sollte, so der Plan, am 20. August 1997 in gleichzeitig stattfindenden Hauptversammlungen gefällt und rückwirkend zum 1. Januar 1997 wirksam werden.

Am 13. Dezember 1996 wurden die Fusionsverträge der Neckarwerke und der Technischen Werke der Stadt Stuttgart (TWS) zur Neckarwerke Stuttgart (NWS) unterzeichnet.

Auf außerordentlichen Hauptversammlungen am 27. Februar billigten die Anteilseigner das Fusionskonzept und die vorgenommenen Vermögensumschichtungen und Gesellschaftsneugründungen zur Vorbereitung der Fusion von Badenwerk und EVS.

Die Hauptversammlungen von Badenwerk und EVS beschlossen am 20. August 1997 die Fusion der beiden baden-württembergischen Energieunternehmen. Der Name des neuen Unternehmens lautete Energie Baden-Württemberg AG, abgekürzt EBW. Die Aktien der Badenwerk Holding AG (Verhältnis 1:1) und der EVS Holdings AG (Verhältnis 1:1,58) wurden in EBW-Aktien umgetauscht. Zum Vorstand der neuen EBW wurde u. a. Gerhard Goll berufen.

Der Vorstand teilte im Dezember 1997 die Entscheidungen zur Neuordnung des Konzerns mit: Es sollten als eigenständige Tochtergesellschaften der Holding eine Kraftwerksgesellschaft (EnBW Kraftwerke AG), eine Transportnetzgesellschaft (EnBW Transportnetze AG, seit 2012 TransnetBW GmbH), eine Stromhandelsgesellschaft (EnBW Gesellschaft für Stromhandel mbH) und eine Vertriebsgesellschaft (EnBW Energie-Vertriebsgesellschaft mbH) gegründet werden. Badenwerk und EVS blieben als Regionalgesellschaften bestehen.

Im Januar 1998 wurde aus marketingtechnischen Gründen der abgekürzte Name des Konzerns von „EBW“ in „EnBW“ geändert. Eine erste Werbekampagne unter dem neuen Namen wurde gestartet.

Am 1. Juli 1999 fusionierten die bis dahin noch existierenden Gesellschaften EnBW Badenwerk und EnBW EVS zur EnBW Regional AG (seit Februar 2014 Netze BW GmbH) als Netzbetriebsgesellschaft für die Spannungsebenen von 0,4 bis 110 kV sowie zur EnBW Service GmbH (später EnBW Systeme Infrastruktur Support GmbH) zur Bündelung der zentralen administrativen und kaufmännischen Dienstleistungen für den gesamten EnBW-Konzern. Damit war die Fusion auch im operativen Geschäft abgeschlossen.

Ab 2000 Im Januar 2000 verkaufte das Bundesland Baden-Württemberg seinen Aktienanteil von 25,1 % für 2,4 Milliarden Euro an den französischen Stromkonzern Électricité de France (EDF). Das Land brachte den Erlös in die Landesstiftung Baden-Württemberg ein.

Im September 2001 kaufte die EnBW 29,9 % der Aktien der Stadtwerke Düsseldorf, im Dezember 2005 weitere 25,05 % für 361 Millionen Euro. Mit nun 54,95 % erlangte sie so die Mehrheit an den Stadtwerken Düsseldorf. Im Oktober 2003 erfolgte der Zusammenschluss der EnBW mit der Neckarwerke Stuttgart. Im Juli 2009 beteiligte sich EnBW mit 26 % am Oldenburger Energiekonzern EWE. Der Einstieg erfolgte in Form eines Aktienkaufes und einer Kapitalerhöhung; ursprünglich war geplant, dass EnBW die Anteile der EWE (48 %) an dem Gashandelsunternehmen Verbundnetz Gas (VNG) übernehmen solle. Als dies nicht wie ursprünglich geplant erfolgte, veranlasste EWE im Mai 2013 eine Schiedsgerichtsklage gegen EnBW auf 500 Mio. Euro Schadensersatz.

Deutlich mehr als die Hälfte des Gewinns stammte 2010 aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke. Die Bundesregierung änderte wenige Tage nach dem Beginn der Nuklearkatastrophe von Fukushima im März 2011 ihre Atompolitik radikal: sie beschloss im März 2011 ein Atom-Moratorium, gemäß dem 8 der 17 deutschen Kernreaktoren – auch die beiden EnBW-Kernkraftwerke Philippsburg I und Neckarwestheim I – ausgeschaltet wurden. Sie blieben auch nach dem Ende des Moratoriums ausgeschaltet und verloren durch den deutschen Atomausstieg im August 2011 ihre Betriebserlaubnis. Dadurch brach der EnBW-Gewinn deutlich ein.

Rückkauf von EnBW-Anteilen von EDF durch Baden-Württemberg

Ende 2010 kaufte das Land Baden-Württemberg auf Betreiben des damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus 45 % der EnBW-Anteile für insgesamt 4,7 Milliarden Euro von EDF zurück. Daraufhin kam es zu einer scharfen politischen Auseinandersetzung; in deren Folge und nach dem Regierungswechsel in Stuttgart beanstandete der Staatsgerichtshof Baden-Württemberg im Oktober 2011 die Umgehung des Landesparlaments durch die vorhergehende Regierung beim Rückkauf der EnBW-Anteile gegen die Verfassung. Am 16. Februar 2012 legte der baden-württembergische Finanzminister Nils Schmid Schiedsklage vor der Internationalen Handelskammer (Paris) ein. Mit ihr sollte geklärt werden, ob die EDF einen überhöhten Preis für den Rückverkauf der EnBW-Anteile bekommen hat. Mit einer Widerklage forderte EDF Schadensersatz in zweistelliger Millionenhöhe. Das Gericht wies 2016 beide Klagen zurück.

Konzernumbau Nach dem Regierungswechsel in Baden-Württemberg verschärfte sich Ende 2011 die Diskussion um die Vertragsverlängerung des damaligen Vorstandschefs Hans-Peter Villis; im März 2012 wurde sein Nachfolger Frank Mastiaux ernannt. Infolge des Atomausstiegs und der Energiewende kündigte Frank Mastiaux Ende 2012 einen Konzernumbau an: Demnach sollte bis 2020 der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix von 12 auf 40 % erhöht werden. 2021 lag der Anteil an erneuerbaren Energien bei der installierten Leistung bei 40,1 %, 2023 bei 46,9 %. Bis 2025 plante EnBW mehr als fünf Milliarden Euro in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren Energien zu investieren. Ziel war es, bis 2025 On- und Offshore -Windkraftanlagen mit mindestens 4 GW Gesamtleistung zu betreiben (2023: 2,188 GW). Bis 2030 hat das Unternehmen Investitionen von 40 Milliarden Euro in die Energiewende angekündigt. Mit den Tochtergesellschaften in Schweden und Frankreich setzt die EnBW den Ausbau der Windenergie an Land als Ergänzung zum Kernmarkt Deutschland fort. Bei der Offshore-Windenergie wurde in der Ostsee, neben dem seit 2011 in Betrieb stehenden Offshore-Windpark Baltic 1 mit 21 Windenergieanlagen, der Offshore-Windpark Baltic 2 mit 80 Anlagen im Frühsommer 2015 in Betrieb genommen. Anfang 2020 sind in der Nordsee die Offshore-Windparks EnBW Hohe See und Albatros mit insgesamt 87 Windenergieanlagen für 609 MW in Betrieb gegangen. Der dritte Nordsee-Windpark, EnBW He Dreiht, mit einer geplanten Gesamtleistung von 900 MW, sollte 2025 in Betrieb gehen. Der Bau startete offiziell im Mai 2024. In Taiwan und den USA hat EnBW eigene Büros eröffnet, um an künftigen Offshore-Auktionen teilzunehmen.

Daneben will das Unternehmen das Netzgeschäft ausbauen und sich von Beteiligungen trennen. Ein wichtiger Wachstumsmarkt ist zudem die Türkei, wo EnBW vor allem in Wasserkraftwerke und Windkraftanlagen investiert.

Zum 1. Februar 2014 wurde die EnBW Regional AG in die Netze BW GmbH umgewandelt, um den Vorgaben des Energiewirtschaftsgesetzes zur Entflechtung zu entsprechen. Hierbei wurde gefordert, sich in Namen und Außenauftritt von der EnBW abzugrenzen, um eine Verwechslung zwischen den Aktivitäten von Netz und Vertrieb auszuschließen.

Seit 2017 investiert EnBW in die Themen Elektromobilität und Photovoltaik. Als Infrastrukturanbieter kooperiert es seit März 2017 mit Tank & Rast, um gemeinsam Ladesäulen an Autobahnen zu betreiben und auszubauen. Auch in Photovoltaik und dezentrale Erzeugung wird investiert. Bis 2025 strebte EnBW einen Ausbau der Photovoltaik auf rund 1.200 MWp, mit Schwerpunkt auf Deutschland, aber auch auf ausgewählten internationalen Märkten, an. So baute EnBW mit über 180 MW Solarleistung und einer Fläche von 164 Hektar den größten nicht-subventionierten Solarpark Deutschlands in Brandenburg und hat im März 2018 mit SENEC aus Leipzig einen Hersteller von Stromspeichern zu 100 % übernommen. Im Juli 2024 erfolgte in Gundelsheim (Baden-Württemberg) der Spatenstich für einen Energiepark, der eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage mit 60,5 Megawatt Leistung, zwei Windkraftanlagen sowie einen Batteriespeicher umfassen sollte.

Zudem befasst sich EnBW durch die Entwicklung von Angeboten aus kombinierter Sensor-, Überwachungs- und Barriere-Technik für den öffentlichen Raum mit dem Schutz kritischer Infrastrukturen für Städte, Kommunen und Unternehmen.

EnBW gab im März 2023 bekannt, die Kohlenutzung bis 2028 beenden zu wollen.

Bis 2035 will das Unternehmen klimaneutral sein (bezogen auf die eigenen Emissionen).

Aktionärsstruktur (Stand: 16. Juli 2025)

Anteil Anteilseigner 47,00 % OEW Energie-Beteiligungs GmbH (Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke) 47,00 % Neckarpri-Beteiligungsgesellschaft mbH (zu 100 % im Besitz des Landes Baden-Württemberg) 2,44 % Badische Energieaktionärs-Vereinigung 1,74 % eigene Anteile 0,85 % Gemeindeelektrizitätsverband Schwarzwald-Donau 0,63 % Neckar-Energieverband 0,34 % Streubesitz

Geschäftszahlen Kennzahl 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Stromabsatz 115 Mrd. kWh 122 Mrd. kWh 137 Mrd. kWh 153 Mrd. kWh 107 Mrd. kWh 108 Mrd. kWh 106 Mrd. kWh 81,2 Mrd. kWh 87,9 Mrd. kWh 89,3 Mrd. kWh Gasabsatz 139 Mrd. kWh 250 Mrd. kWh 329 Mrd. kWh 297 Mrd. kWh 442 Mrd. kWh 495 Mrd. kWh 509 Mrd. kWh 547,6 Mrd. kWh 537,8 Mrd. kWh 367,4 Mrd. kWh Umsatz 19.368 Mio. Euro 21.974 Mio. Euro 20.815 Mio. Euro 18.765 Mio. Euro 19.694,3 Mio. Euro 32.147,9 Mio. Euro 56.002,6 Mio. Euro 44.430,7 Mio. Euro 34.524,4 Mio. Euro 34.390,0 Mio. Euro Konzernfehlbetrag/-überschuss −1.797 Mio. Euro 2.054 Mio. Euro 334 Mio. Euro 734 Mio. Euro 596 Mio. Euro 363,2 Mio. Euro 1.738,0 Mio. Euro 1.537,6 Mio. Euro 1.243,7 Mio. Euro −206,8 Mio. Euro Ergebnis je Aktie ausKonzernfehlbetrag/-überschuss −6,64 Euro 7,58 Euro 1,23 Euro 2,71 Euro 2,20 Euro 1,34 Euro 6,42 Euro 5,68 Euro 4,59 Euro −0,70 Euro Mitarbeiter 20.409 21.352 21.775 23.293 24.655 26.064 26.980 28.630 30.391 31.541

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