Die Energie-Versorgung Schwaben AG (EVS) war ein Energieversorgungsunternehmen mit Sitz in Stuttgart. Es wurde 1935 als Energie-Versorgung Württemberg gegründet und 1939 in Energie-Versorgung Schwaben umbenannt. Sein Versorgungsgebiet umfasste große Teile Württembergs bzw. des württembergischen Teils des späteren Bundeslands Baden-Württemberg. Die Landeshauptstadt Stuttgart selbst sowie einige Gebiete um sie herum wurden nicht von der EVS, sondern durch andere EVUs (TWS, Neckarwerke, KAWAG) beliefert. 1997 fusionierte sie mit dem Badenwerk zur Energie Baden-Württemberg (EnBW), die regionale Stromversorgung beider Unternehmen wurde erst 1999 zusammengeführt.
Eine Besonderheit der EVS war ihre Unternehmensstruktur: Da sich Württemberg, anders als das benachbarte Baden, lange Zeit nicht an einer flächendeckenden Elektrifizierung des Landes beteiligen wollte, übernahmen diese in der Anfangszeit private und kommunale Unternehmen, indem sich Kreise und Gemeinden zu Zweckverbänden zusammenschlossen. 1918 bzw. 1923 kam es zur Gründung zweier, untereinander konkurrierender Gesellschaften, von denen eine als größtenteils in Reichsbesitz staatlich und eine privatwirtschaftlich-kommunal unter Beteiligung des Landes Württemberg dominiert war. In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zum 1. Januar 1935 zur Vereinigung beider Gesellschaften zu einer Energie-Versorgung Württemberg, zu der 1939 der größte württembergische Elektrizitäts-Zweckverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke beitrat und beide zur Energie-Versorgung Schwaben fusionierten. Auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Struktur der Gesellschaft auf Grundlage der Gemeinde- und Bezirksverbände als Hauptaktionäre, zusammen mit einer geringen Beteiligung des Landes Baden-Württemberg, beibehalten. Die Kraftwerke waren also in erster Linie Eigentum des jeweiligen Gemeindeverbands bzw. Überlandwerks, genauso wie das bis zur Unternehmensgründung errichtete Leitungsnetz. Ab den 1960er Jahren baute die EVS ein eigenes Hoch- und Höchstspannungsnetz auf, das in seiner Struktur dasjenige des RWE ergänzte.
Geschichte Elektrifizierung in Württemberg Die erste kommerzielle Elektrizitätserzeugung in Württemberg geht auf das Jahr 1882 zurück, als der Stuttgarter Unternehmer Paul Reißer eine Demonstrationsanlage errichtete.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 125ff Zu dieser Zeit kam es im Stuttgarter Raum zur Ansiedlung zahlreicher Unternehmen auf dem damals neuen Gebiet der Elektrotechnik.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 151ff 1889 plante die württembergische Portland Cement AG in Lauffen am Neckar die Versorgung der nahegelegenen Stadt Heilbronn mit der selbst erzeugten elektrischen Energie. Auf der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung 1891 in Frankfurt am Main wurde 1891 die weltweit erste erfolgreiche Drehstromübertragung von Lauffen nach Frankfurt durchgeführt.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 190f Zum 16. Januar 1892 wurde der Generator in Lauffen dann für die Versorgung Heilbronns als weltweit erste Stromfernversorgung der Welt genutzt.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 193f Im Februar 1892 wurde dann in Stuttgart eine elektrotechnische Ausstellung abgehalten,Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 200f ehe 1895 in Stuttgart und Ulm die ersten Elektrizitätswerke gegründet wurden und daraufhin in beiden Städten eine elektrische Straßenbahn fuhr.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 202f
Die rasche Elektrifizierung Württembergs wurde bis 1914 durch ca. 300 Elektrizitätswerke bewerkstelligt. Dabei handelte es sich zunächst ausschließlich um private, später auch um kommunale Gesellschaften. Bei den Stromnetzen handelte es sich teils um Gleich-, teils um Drehstromnetze.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 45 Letztlich setzte sich Drehstrom nicht nur in Württemberg, sondern auch weltweit als Standard durch. Den privatwirtschaftlich geführten Elektrizitätswerken und Überlandzentralen folgten ab 1906 Bezirke und Gemeinden – ab diesem Jahr regelte die württembergische Gemeinde- und Bezirksordnung die Zusammenarbeit von Gemeinden und Bezirksverbänden die Zusammenarbeit von Gemeinden, Bezirksverbanden und Oberämtern. Grundsätze waren die Dienstleistung für die Allgemeinheit und die Gemeinnützigkeit. Das erste kommunale Überlandwerk Württembergs auf genossenschaftlicher Grundlage war noch 1905 die „Elektrische Kraftübertragung Herrenberg eGmbH“.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 74f Ab 1909 kam es zur Gründung weiterer Überlandwerke und Gemeinde-Elektrizitätswerke. Der württembergische Staat zeigte in dieser Anfangsphasen noch kein Interesse an einer Beteiligung, sondern überließ diese Aufgabe Bezirks- und Gemeindeverbänden. Der Anreiz für private Kapitalgeber war im ländlichen Württemberg wegen der wirtschaftlichen und geografischen Verhältnisse ohnehin gering.Dr.-Ing. Georg Boll: Entstehung und Entwicklung des Verbundbetriebs in der deutschen Elektrizitätswirtschaft bis zum europäischen Verbund. Verlags- und Wirtschaftsgesellschaft der Elektrizitätswerke m.b.H. Frankfurt/Main 1969, S. 22ff.
In Oberschwaben sah man das größte Potential in der Nutzung der Wasserkräfte der Iller sowie einiger weiterer kleinerer Flüsse. Auf Basis des 1892 gegründeten Elektrizitätswerk Argen AGWolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 169ff planten die Bezirksräte von Ravensburg, Tettnang und Wangen ebenfalls den Bau von Kraftwerken an der Argen. In Rißtissen gründete sich auf Initiative Franz Schenk von Stauffenbergs eine Betriebsgenossenschaft um ein 1903 errichtetes Elektrizitätswerk. Die geplante Nutzung der Wasserkraft der Donau durch die Baumwollspinnerei Ehingen und das Vorhaben der Wasserkraftnutzung der Iller bei Dietenheim durch die Gebrüder Otto veranlasste örtliche Bezirksämter zur Gründung einer Genossenschaft. Dies umfasste die Oberämter Biberach, Blaubeuren, Ehingen, Laupheim, Leutkirch, Münsingen, Riedlingen, Saulgau und Waldsee. Zum 20. Dezember 1909 wurde auf Initiative der beiden Gruppen der Bezirksverband Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW) gegründet.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 180ff Neben den zahlreichen württembergischen Oberämtern schlossen sich auch die preußischen Oberämter Gammertingen, Hechingen und Sigmaringen vertraglich an. Bis 1918 traten weitere Stadtwerke, Gemeindeverbände und Elektrizitätswerke bei.
Die Württembergische Landeselektrizitäts-AG Der 1912 gegründete Zweckverband Landeswasserversorgung plante eine Trinkwasserversorgung des Großraums Stuttgart aus den Donauauen bei Niederstotzingen und eine Hauptwasserleitung über die Schwäbische Alb. Die Stromversorgung der hierfür benötigten Pumpwerke sollte ursprünglich durch die OEW bewerkstelligt werden, jedoch wollte die Stadt Stuttgart, die über diese Leitung versorgt werden würde, die Elektrizitätslieferung der Versorgungsanlagen selbst durchführen.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 274f Die Stadt sah hierin auch eine Möglichkeit, mit ihrem städtischen Elektrizitätswerk außerhalb des Stadtgebiets zu expandieren. Zugute kam ein Erlass aus dem Jahr 1911, mit dem alle Durchleitungsverbote für fremde Energieversorgungsunternehmen gekippt wurden – die 1899 gegründeten Neckarwerke expandierten von Altbach aus immer weiter ins Stuttgarter Umland. Die Genehmigung für die Leitung von Stuttgart nach Niederstotzingen wurde am 24. September 1914 durch das königliche Ministerium der Innern erteilt, der Bau allerdings aufgrund des Ersten Weltkriegs vorerst zurückgestellt.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 278
1917 wurden die Verhandlungen für den Bau der Leitung über die Alb wieder aufgenommen. Zum Bau und Betrieb der Hochspannungsleitung sollte eine gemeinsame Gesellschaft in Form einer GmbH gegründet werden, an der anliegende Städte und Elektrizitätswerke beteiligt werden sollten.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 281ff Die Stadt Ulm und das OEW zogen sich sehr bald zurück, sodass an der Gründung der neuen Gesellschaft am 12. Oktober 1918 Anteil hatten: Stadt Stuttgart Verband Württembergischer Industrieller Neckarwerke AG Alb-Elektrizitätswerke Der Name der Gesellschaft war zunächst „Württembergische Elektrizitäts-Gesellschaft mbH“, ab 1919 firmierte sie unter „Württembergische Landeselektrizitäts-GmbH“, kurz WLG. Der Zweck der Gesellschaft wurde im Gesellschaftsvertrag wie folgt angegeben:Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,2. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 283
Im Juni 1919 trat das Deutsche Reich der Gesellschaft bei und hielt 10,6 % der Anteile. Ab Dezember 1919 waren es dann 95 %. Die erste württembergische Hochspannungsleitung mit 110 kV Spannung von Stuttgart-Obertürkheim nach Niederstotzingen ging 1921 in Betrieb.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 363 Ende 192 gaben die Stadt Stuttgart und die Neckarwerke ihre Anteile an der WLG ans Reich ab, jedoch zeigte Württemberg nach wie vor kein Interesse an einer Unternehmensbeteiligung.Wolfgang Leiner: Geschichte der Elektrizitätswirtschaft in Württemberg, Band 2,1. Energie-Versorgung Schwaben AG, Stuttgart 1985, S. 364 Anders als etwa die benachbarten Energieversorgungsunternehmen in Baden (Badenwerk) und Bayern (Bayernwerk) hatte die WLG keine eigene Energieerzeugung, sondern beschränkte sich ausschließlich auf den Stromtransport. Eine Verlängerung nach Osten zum Bayernwerk sowie nach Westen zum Badenwerk waren in Planung, woraus sich im Endausbau ein süddeutsches Verbundsystem ergeben sollte.
Durch einen „Neckar-Donau-Staatsvertrag“ beteiligte sich die WLG 1922 an der Gründung der Neckar AG, die den Bau von Staustufen und Wasserkraftwerken entlang des Neckars zwischen Plochingen und Mannheim initiierte. Hierdurch sollte der Neckar zur Großschifffahrtsstraße ausgebaut werden. Zum 3. Februar 1923 wurde die WLG in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmierte fortan als Württembergische Landeselektrizitäts-AG, kurz WLAG. mini|Netzgebiet der Elektrischen Kraftübertragung Herrenberg (EKH) mit Anschlussleitung der WLAG Obertürkheim–Sindelfingen, 1925