Pferdingsleben ist eine Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue im thüringischen Landkreis Gotha.

Geografie Der Ort liegt im flachen Tal der Nesse zwischen Friemar im Westen und Nottleben im Osten. Die Kreisstraße K 4 verbindet die Gemeinde mit der etwa 2 km südlich verlaufenden B 7 (Erfurt – Gotha). Der tiefste Punkt der Gemarkung liegt mit 281 m Höhe u. NN in unmittelbarer Nähe von Friemar bei der Riethquelle, die nach wenigen Metern ihr Wasser in die Nesse leitet. Der höchste Punkt liegt mit 325 m Höhe ü. NN im Osten von Tröchtelborn. Die Ortsmitte bei der Kirche hat eine Höhe von 290 m ü. NN. Außer der Nesse verfügt die Ortslage nur noch über ein Rinnsal als fließendes Gewässer, das aus dem Gehrenfeld kommt, einer Flur im Nordosten der Gemeinde.

Geschichte Wie die anderen auf „leben“ endenden Orte der Region weist der Name Pferdingsleben auf eine Siedlung aus der Zeit um 300 n. Chr. hin. Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird Pferdingsleben in einem Verzeichnis der von Erzbischof Lullus († 786) von Mainz für das Kloster Hersfeld von Freien verliehenen Gütern erstmals urkundlich als Pertikeslebo erwähnt. Der Ort gehörte als Exklave zur oberen Grafschaft Gleichen, welche unter Landeshoheit des Herzogtums Sachsen-Gotha-Altenburg stand.

Pferdingsleben entwickelte sich als Haufendorf, das durch eine Mauer mit drei Toren und einen umlaufenden Graben geschützt war. Die Landwirtschaft, insbesondere der Waidanbau, machten das Dorf wohlhabend. So konnte es sich auch eine repräsentative Kirche leisten. Es gibt im Ort noch schöne Hoftore und ursprüngliche Fachwerkgebäude.

mini|links|Ev. Kirche St. Wigbert mini|links|Waidmühle mini|links|Die Waidmühle im Jahre 1908 Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember): 1994 – 418 1995 – 419 1996 – 434 1997 – 450 1998 – 454 1999 – 442 2000 – 432 2001 – 424 2002 – 427 2003 – 424 2004 – 420 2005 – 416 2006 – 403 2007 – 405 2008 – 405 2009 – 400 2010 – 412 2011 – 408 2012 – 406 2013 – 404 2014 – 401 2015 – 387 2016 – 387 2017 – 396 2018 – 388 2019 – 398 2020 – 386 2021 – 371 2022 – 380 2023 – 379 2024 – 366 Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Wappen Im 1997 genehmigten Wappen der Gemeinde sind die Symbole für die letzte in Mitteleuropa an ihrem Standort erhaltene Waidmühle (Waidmühlstein), die Ersterwähnung im Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld (Hersfelder Kreuz) sowie die Traube als Attribut des heiligen Wigbert zu sehen.

Sehenswürdigkeiten Dorfkirche St. Wigbert

Waidmühle In Pferdingsleben befindet sich eine der wenigen erhaltenen Waidmühlen (kleine Waidmühle) in Mitteleuropa. Sie ist Eigentum der Gemeinde. In historischer Zeit wurde sie von Zugtieren betrieben, die den senkrecht stehenden Mahlstein im Kreis über das in der Mühlpfanne liegende Mahlgut zogen. Sie ist eine von ehedem mindestens drei Waidmühlen des Ortes. Eine zweite (die große Waidmühle) wurde nach 1896 auf das Gelände der heutigen ega in Erfurt umgesetzt. Eine dritte Waidmühle stand an Tümpels Haus, ihr Verbleib ist ungeklärt. Die steinernen Säulen der Waidmühlen, in deren Gabel der Mühlstein-Tragebalken lagerte, diente oft nach Einstellung des Mühlbetriebs als Steg über Bäche, zur Befestigung von Toreinfahrten, Zaunpfähle, Mauerabschlusssteine u. ä. Ein Mühlstein findet sich als unterster Stein der Nordwestecke der Kirche in Eschenbergen. Alle Mühlen lagen am damaligen nördlichen Ortsrand am großen und kleinen Angergarten (heute das Gebiet der Angerstraße), also an öffentlichen Rasenflächen in der Nähe eines Wasserlaufs, dem Mollbach. Der Mollbach entspringt im NSG Alacher See und mündet (heute) am nordwestlichen Ortsrand von Nottleben in die Nesse. Der letzte Pferdingslebener Waidbauer, Ernst Reinhardt, lieferte seine Produktion von etwa 2 to Ballenwaid an den Waidhändler in Erfurt, Stadtrat Freund. Die Waidmühle verkam nach und nach. Sie wurde als touristisches Denkmal in den 1950er Jahren wiederentdeckt, rekonstruiert und als Kulturdenkmal gestaltet. 1974 erfolgte eine erneute Rekonstruktion, die letzte Sanierung und Neugestaltung der Anlage geschah anlässlich der 1. Internationalen Waidtagung im Frühjahr 1992.Infotafel am Denkmal, Autor: Eberhard Brandt (Siehe auch: Waidanbau in Thüringen)

Persönlichkeiten Ernst Koch (1819–1894), Kammersänger und Musikpädagoge, geboren in Pferdingsleben

Literatur Ines und Frank Baumert: Ortsfamilienbuch der Ortschaft Pferdingsleben in Thüringen von 1609 bis 1795. Pro Business, Berlin 2008, ISBN 978-3-86805-065-3.

Einzelnachweise

Weblinks

Gemeinde Pferdingsleben bei der Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue

Kategorie:Ort im Landkreis Gotha Kategorie:Haufendorf Kategorie:Ersterwähnung im 9. Jahrhundert