mini|S-Bahn-Logo mini|hochkant=1.5|S-Bahn- und Tram-Train-Strecken in Deutschland

In Deutschland gibt es 18 Eisenbahnnetze mit vielfältiger Größe und Struktur, die sich als S-Bahn bezeichnen. Dazu gehören die als erste so bezeichnete S-Bahn Berlin, aber auch aus Regionalverkehrsnetzen hervorgegangene Systeme wie die S-Bahn Rhein-Neckar und verschiedene Regio-S-Bahn-Netze. Des Weiteren bedienen Linien von mehreren S-Bahnen aus Österreich und der Schweiz angrenzende Gebiete in Deutschland.

Geschichte Vorläufer Der zunehmende Lokalverkehr auf den Eisenbahnstrecken in und um Berlin veranlasste die Preußischen Staatseisenbahnen zum Bau von eigenen vom Fernverkehr getrennten Gleisen für den Vorortverkehr. 1882 entstand die Berliner Stadtbahn mit getrennten Gleisen für den Vorort- und den Fernverkehr als Stammstrecke. Die Ringbahn und die Eisenbahnstrecken zu den Berliner Vororten erhielten nach und nach ebenfalls eigene Vorortgleise.

1891 führte die Eisenbahn den vergünstigten Berliner Vororttarif für die Züge der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahn ein, wie diese nunmehr genannt wurde. Dieser Nahverkehrstarif galt nicht in den Fernzügen. Die Vorortbahnen unterschieden sich durch eine zunehmende Verdichtung der Zugfolge mehr und mehr vom Fernverkehr.

Im Jahr 1903 kam es versuchsweise zur ersten Elektrifizierung mit seitlicher Stromschiene. Während sich in den nächsten Jahrzehnten die Wechselspannung-Oberleitung für die elektrische Vollbahn durchsetzte, entschied man sich für die Berliner Vorortbahnen für eine Stromschiene mit der bei der U-Bahn verwendeten Gleichspannung von 750 V. Zwischen 1924 und 1933 wurden alle Vorortstrecken einschließlich der Vorortgleise von Stadt- und Ringbahn mit diesem System elektrifiziert.

Bereits bis 1906 hatte die Hamburger Vorortstrecke der Preußischen Staatsbahn, die Blankenese über den Altonaer Bahnhof (heute: Bahnhof Hamburg-Altona) und den Hamburger Hauptbahnhof mit Hamburg-Ohlsdorf verband, einen vom Fern- und Güterverkehr unabhängigen eigenen Bahnkörper erhalten. Auf dieser Hamburg-Altonaer Stadt- und Vorortbahn wurde am 1. Oktober 1907 der elektrische Betrieb mit 6600 Volt Wechselspannung aufgenommen, der aus einer Oberleitung entnommen wurde. Das System wurde bis 1955 parallel zum 1940 eingeführten Betrieb mit 1200 Volt Gleichspannung aus einer seitlich bestrichenen Stromschiene beibehalten. Letzteres System wird noch verwendet und unterscheidet die Hamburger von der Berliner S-Bahn.

Einführung des Begriffs S-Bahn in den 1930er Jahren 1930 wurde in Berlin der Begriff „S-Bahn“ eingeführt, der das bis dahin geläufige „Berliner Stadt-, Ring und Vorortbahnen“ ersetzte. Der erste S-Bahn-Tunnel wurde in Berlin 1936 teilweise und 1939 vollständig eröffnet.

Das Tarifsystem der Berliner S-Bahn wurde außer auf die elektrifizierten Strecken auch auf eine Reihe von weiteren Strecken in Berlin und im Umland angewandt. Diese Strecken wurden jahrzehntelang als mit „Dampf betriebene S-Bahn-Strecken“ bezeichnet, unterschieden sich jedoch nicht von anderen Eisenbahnstrecken. Erst nach 1990 wurde die Bezeichnung ‚S-Bahn‘ ausschließlich auf das Gleichspannungsnetz bezogen.

Ab 1934 wurde auch das Hamburger System als „S-Bahn“ bezeichnet.

Unter dem Titel Ruhrschnellverkehr wurde ab 1932 begonnen, die vorhandenen Strecken des Ruhrgebietes für einen beschleunigten Verkehr zwischen den einzelnen Zentren auszubauen. Eingesetzt wurden spurtstarke Dampflokomotiven der DR-Baureihe 78 mit Abteilwagen für schnellen Fahrgastwechsel. Der Endausbau kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs entsprach in etwa der Ausdehnung des heutigen Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr. Aus dem Ruhrschnellverkehr wurde nach dem Zweiten Weltkrieg der Nahschnellverkehr.Vom Ruhrschnellverkehr zur S-Bahn, em 6/82

Ab 1933 existierte der elektrische Stuttgarter Vorortverkehr, als auch die Vorortgleise Esslingen–Ludwigsburg bei der Elektrifizierung der Fernbahn von München über Ulm und die Geislinger Steige nach Stuttgart eine Wechselspannung-Oberleitung erhielten. Die nur für Stuttgart 1933 neu beschafften Wechselspannungs-Triebwagen führten einen Betrieb mit vielen Merkmalen einer S-Bahn durch, bekamen aber wegen des fehlenden besonderen Nahverkehrstarifes nicht diese Bezeichnung.

In den 1930er Jahren gab es ferner Planungen, neben Berlin in den Städten München und Leipzig unterirdische Stammstrecken für zukünftige S-Bahn-Systeme zu errichten. Die Bauarbeiten mussten jedoch kriegsbedingt eingestellt werden und wurden in der Nachkriegszeit nicht wieder aufgenommen. Bereits fertiggestellte Teile des Leipziger Tunnels wurden später als Kühlhaus und zur Unterbringung eines Kinos genutzt.City-Tunnel Leipzig - Geschichte des Tunnels, auf citytunnelleipzig.info Der Rohbau des Münchener Tunnels diente nach dem Krieg zunächst als Trümmerdeponie und Pilzzuchtanlage, woraufhin die Strecke später in das U-Bahn-Netz integriert wurde. Beide Städte verfügen inzwischen über einen S-Bahn-Tunnel mit einem anderen Streckenverlauf, der nicht mehr auf den ursprünglichen Planungen basiert.

Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg Nach dem Zweiten Weltkrieg waren viele Eisenbahnstrecken schon mit Oberleitung und Wechselspannung elektrifiziert, sodass dieser Standard für neue S-Bahn-Netze übernommen wurde. Teilweise verkehrten diese mit neuen Zügen auf den bereits elektrifizierten Strecken, wozu nur neue Bahnsteige für den ebenen Einstieg errichtet wurden. Teilweise wurden bisher noch unter Dampf oder Diesel betriebene Strecken für neue S-Bahnen elektrifiziert. Im Gegensatz zur Berliner und Hamburger S-Bahn war dabei der Mischbetrieb von S-Bahn und anderen Verkehren auf vielen Vorortstrecken üblich. Erst mit steigenden Verkehren wurden Strecken mehrgleisig ausgebaut und Verkehre getrennt.

In Berlin wurden nach Beseitigung der Kriegszerstörungen weitere Vorortstrecken elektrifiziert. Bis zum Bau der Berliner Mauer bildete die Berliner S-Bahn in West- und Ost-Berlin ein gemeinsames Netz, das 1961 betrieblich geteilt wurde. Betreiber beider Teilnetze blieb die Deutsche Reichsbahn. Dies hatte zur Folge, dass die S-Bahn in West-Berlin bei weiten Teilen der Bevölkerung unpopulär blieb, durch den S-Bahn-Boykott blieben viele Fahrgäste fern. Nach einem Streik stellte die Deutsche Reichsbahn 1980 den Betrieb auf einem Großteil des Netzes ein. 1984 wurde die West-Berliner S-Bahn von den Berliner Verkehrsbetrieben übernommen, beim Mauerfall waren in West-Berlin nur noch drei Linien in Betrieb. In Ost-Berlin wurde das Netz um eine Reihe von Strecken erweitert. In den Jahren nach 1990 wurden die meisten der 1961 und 1980 eingestellten Strecken wieder reaktiviert.

In Stuttgart setzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg der Bürgermeister Arnulf Klett für den Bau eines Tunnels ein, um die Innenstadt und die südlichen Stadtteile jenseits des Stuttgarter Hauptbahnhofes an den Vorortverkehr anzubinden. Zu einer Umsetzung der Pläne kam es zunächst nicht.

Erst in den 1960er Jahren sah man vor, in weiteren westdeutschen Ballungsgebieten neben Berlin und Hamburg S-Bahn-Systeme einzuführen. Auf separate Gleichspannungssysteme wie in Berlin oder Hamburg wurde verzichtet. Weil München 1972 zum Austragungsort der Olympischen Spiele wurde, zog man den Bau des Münchener Netzes um einige Jahre vor. Die Netze in Frankfurt und Stuttgart eröffneten 1978 fast zeitgleich. Im Ruhrgebiet entstand das S-Bahn-Netz ab 1967.

In der DDR wurde in Ost-Berlin die S-Bahn weiter ausgebaut. Daneben entstanden um 1970 S-Bahn-Netze in den Städten Rostock, Magdeburg, Halle (Saale) und Leipzig. In Dresden wurde 1974 der S-Bahn-Tarif für eine Reihe von Strecken in der Stadt und im Umland eingeführt, offiziell wurde das Netz allerdings erst 1992 als S-Bahn Dresden bezeichnet. In diesen Netzen wurden überwiegend lokbespannte Züge mit Doppelstockwagen eingesetzt, was teilweise bis heute der Fall ist.

Mitte der 1980er Jahre erbrachten die westdeutschen S-Bahn-Systeme mit rund 500 Millionen Fahrgästen die Hälfte des Verkehrsaufkommens im Nahverkehr in der Bundesrepublik. Der Kostendeckungsgrad erreichte bei manchen S-Bahn-Systemen etwa 50 % und lag damit über dem Durchschnittswert des Nahverkehrs von rund 30 %.Deutsche Bundesbahn, Hauptverwaltung (Hrsg.): Die neue Bahn. Wir über uns. Broschüre, 86 A4-Seiten, Frankfurt am Main, Mai 1985, S. 51

Pläne, in weiteren Städten S-Bahn-Netze einzurichten, wurden vorerst nicht umgesetzt. Erst Ende der 1980er Jahre ging die S-Bahn Nürnberg mit einer einzigen Linie in Betrieb, zu der im Lauf der Zeit weitere Linien hinzukamen. Als Fahrzeuge kamen hier Wendezüge mit x-Wagen zum Einsatz.

Die jüngsten neuen S-Bahn-Netze entstanden zwischen 2000 und 2010 in Hannover, im Rhein-Neckar-Gebiet und in Bremen. 2013 ging mit der S-Bahn Mitteldeutschland ein völlig neues Netz in Betrieb, welches das vorherige wesentlich kleinere Netz Leipzig-Halle ersetzte.

Stand 2017 werden in fünf der größten S-Bahn-Netze (Berlin, Hamburg, München, Rhein-Main, Stuttgart) täglich rund 3,2 Millionen Fahrgäste befördert, dies sind 50 % aller Reisenden im DB-Personenverkehr. 6200 Mitarbeiter sind in diesen Netzen beschäftigt und erwirtschaften einen Umsatz von rund 2 Milliarden Euro.

S-Bahn-Netze Bestehende Netze Übersicht S-Bahn Verkehrsgebiet Verbund Eröffnet Linien Netz eingesetzte Fahrzeuge Betreiber Laufzeit Bemerkungen S-Bahn Berlin Berlin, Potsdam, Oranienburg, Hennigsdorf, Bernau, Teltow, Blankenfelde, Strausberg, Königs Wusterhausen, Flughafen BER VBB 1930 16 335,2 km 480, 481, 483/484 S-Bahn Berlin GmbH 2027, 2032 mit Gleichstrom (750 V) und Stromschiene elektrifiziert S-Bahn Bodensee Vierländerregion Bodensee Bodensee-Ticket, diverse 2021 diverse diverse Breisgau-S-Bahn Freiburg im Breisgau, Villingen, zukünftig: Offenburg, Basel, Mülhausen RVF, move zukünftig: TGO, RVL 1997, 2020 6 (+2) 190 km (+110 km) Alstom Coradia Continental, Bombardier Talent 3 Reserve: Stadler Regio-Shuttle RS1, zukünftig: Siemens Mireo SWEG, DB Regio AG2032Diesel nur im Ersatzverkehr Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen Bremen, Bremerhaven, Oldenburg, zukünftig: Wilhelmshaven VBN 2010 6 342 km Alstom Coradia Continental, Stadler Flirt 3 XL NordWestBahn 2036 Regio-S-Bahn Donau-Iller Ulm, Aalen DING, htv, OAM 2020 7242 km 425, LINT 41/54 DB Regio, SWEG2032Dieselverkehr auf 5 Linien S-Bahn Dresden Dresden VVO, VMS 1992 4 166 km 143 + Doppelstockwagen, 146.0 + Doppelstockwagen, Siemens Desiro Classic DB Regio Südost 2027, 2031Dieselverkehr auf einer Linie (S8) S-Bahn Hamburg Hamburg HVV 1934 5 144 km 474, 490 S-Bahn Hamburg GmbH 2033 größtenteils (auf 113 km) mit Gleichstrom (1200 V) und Stromschiene elektrifiziert S-Bahn Hannover Hannover, Paderborn, Hildesheim, Minden GVH, WT 2000 9 (+ 1) 385 km Baureihe 425.5, Stadler Flirt3 XL (BR.3 427) Transdev Hannover 2034 S-Bahn Rheinland (ehem. S-Bahn Köln) Rheinland (Köln, Bonn) VRS 1975 5 239 km 423, Alstom Coradia LINT, 424 zukünftig: Alstom Adessia Stream DB Regio NRW 2032Dieselverkehr auf einer Linie (S23) S-Bahn Mitteldeutschland(S-Bahn Halle-Leipzig) Halle (Saale), , Zwickau, Dessau-Roßlau MDV, VMS, VBB 2013 (1969) 13 830 km Bombardier Talent 2, Alstom Coradia A TER zukünftig: Siemens Mireo DB Regio Südost, Abellio Rail Mitteldeutschland zukünftig: Die Länderbahn 2026, 2030Dieselverkehr auf 1 Linie (S11) S-Bahn Mittelelbe Magdeburg marego 1974 1 130 km 425 DB Regio Südost 2028 S-Bahn München München MVV 1972 9 441 km 423, 420, 424