Gleisdorf ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Weiz in der Oststeiermark, rund 21 km östlich von Graz. Gleisdorf (vormals Gerichtsbezirk Gleisdorf) liegt im Gerichtsbezirk Weiz. Am 1. Jänner 2015 wurde Gleisdorf im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark mit den Gemeinden Labuch, Laßnitzthal, Nitscha und Ungerdorf zusammengeschlossen. Die neue Gemeinde führt den Namen „Gleisdorf“ weiter.

Geografie Gleisdorf liegt im Tal der Raab, an der Mündung von Laßnitz und Rabnitz in diese, sowie mit Ortsteilen auch in der umgebenden Hügel- und Riedellandschaft der Oststeiermark. Gleisdorf ist ein regionales Zentrum mit entsprechender Infrastruktur und aufgrund seiner Lage wichtiger Verkehrsknoten sowie Wohnort mit kontinuierlichem Zuzug.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet umfasst folgende zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand ):

Die Stadt besteht aus den Katastralgemeinden Arnwiesen, Gamling, Gleisdorf, Kaltenbrunn, Labuch, Nitscha, Ungerdorf, Unterlaßnitz und Urscha.

Nachbargemeinden

Geschichte

Römerzeit

Im Gebiet des heutigen Gleisdorf entstand um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. eine römische Siedlung (Vicus), die bis in das 3. Jahrhundert bestand. Der antike Name des Ortes ist nicht überliefert. Auch die genaue Provinzzugehörigkeit ist in der Forschung nicht abschließend geklärt: Während Gleisdorf traditionell der Provinz Noricum zugerechnet wird, wird aufgrund archäologischer Parallelen auch eine Zugehörigkeit zu Pannonien diskutiert. Im ersten Fall wäre Flavia Solva, im zweiten Savaria das zuständige Verwaltungszentrum gewesen.

Die Siedlung lag am linken Ufer der Raab, des antiken Arrabo, und entstand am Schnittpunkt mehrerer römischer Verkehrswege. Durch Gleisdorf verliefen wichtige Verbindungen zwischen dem Raum von Flavia Solva, dem Murtal und Pannonien. Aufgrund der verkehrsgünstigen Lage sowie der Handwerks- und Handelstätigkeit entwickelte sich der Vicus zu einem regionalen Zentrum. Die frühe Bebauung bestand überwiegend aus Holzhäusern; ab dem 2. Jahrhundert wurden zunehmend Stein- und Fachwerkbauten errichtet.

Archäologische Untersuchungen weisen Wohngebäude, ausgedehnte Gräberfelder und ein Handwerksviertel nach. Im Bereich der heutigen Jahngasse und des ehemaligen Gasthauses Römerhof wurden Brennöfen, Schlacken, Schmelztiegel und Halbfabrikate gefunden, die auf Metallverarbeitung und möglicherweise Glasverarbeitung hinweisen. Importierte Terra Sigillata, hochwertige Glasgefäße und Schmuckstücke belegen zugleich die Einbindung Gleisdorfs in überregionale Handelsnetze. Im Bereich des heutigen Friedhofs wurden hochwertige Mauerzüge und ein mehrteiliges Gebäude mit Resten bemalter Innenwände nachgewiesen; dort wird das Zentrum des Vicus vermutet.

Besondere Bedeutung besitzt das bei der ehemaligen Ziegelei Strobl entdeckte Amphitheater. Es war vermutlich überwiegend in Holzbauweise errichtet und ist neben jenem von Flavia Solva das einzige bislang nachgewiesene römische Amphitheater in der Steiermark. Unmittelbar daneben befand sich ein großes Gräberfeld mit 46 Grabbauten und 104 Flachgräbern. Grabinschriften und weitere Funde zeigen eine Bevölkerung, die großteils aus romanisierten Kelten bestand. Insgesamt hatte das römische Gleisdorf nach Einschätzung der archäologischen Forschung eher kleinstädtischen als dörflichen Charakter. Für eine Besiedlung in der Spätantike fehlen bislang eindeutige archäologische Nachweise.

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Nach dem Ende der römischen Siedlung fehlen für mehrere Jahrhunderte sowohl schriftliche als auch eindeutige archäologische Belege für Gleisdorf. Die älteste erhaltene Urkunde, in der der Ort namentlich erwähnt wird, stammt vom 17. September 1229. Darin erscheint der Name in der Form Glitstorf beziehungsweise Glitstorf. Zugleich ist damit auch die Existenz der dem heiligen Laurentius geweihten Kirche belegt. Wann die Laurentiuskirche gegründet wurde, ist nicht eindeutig geklärt.

Am 23. Juli 1284 wird Gleisdorf erstmals ausdrücklich als Markt bezeichnet. Der genaue Zeitpunkt einer förmlichen Verleihung des Marktrechts ist jedoch nicht bekannt; möglicherweise bestanden entsprechende Rechte bereits früher. Die Bedeutung des Marktortes beruhte wesentlich auf seiner Lage an mehreren nach Osten führenden Verkehrswegen. Über drei Jahrhunderte gehörte Gleisdorf zur Herrschaft Riegersburg. Nach dem Übergang der Herrschaft an die Familie Stadl wurde der Markt 1570 aus dem Riegersburger Herrschaftsverband gelöst und der näher gelegenen Herrschaft Freiberg unterstellt.

Während des Rückzuges des osmanischen Heeres unter Sultan Süleyman I. durch die Steiermark erreichte dieses am 10. September 1532 Gleisdorf. Die Einwohner verschanzten sich im befestigten Tabor rund um die Pfarrkirche und setzten Häuser in dessen unmittelbarer Umgebung selbst in Brand, um die Verteidigung zu erleichtern. Den Osmanen gelang es nicht, den Tabor einzunehmen; die übrigen Gebäude des Marktes wurden jedoch weitgehend zerstört. Bereits 1534 bestätigte Ferdinand I. die bisherigen Gleisdorfer Marktprivilegien sowie Wochen- und Jahrmärkte.

1588 wurde der Markt durch einen Großbrand schwer beschädigt, wobei auch Urkunden über ältere Marktprivilegien verloren gingen. 1611 bestätigte Erzherzog Ferdinand von Innerösterreich die bisherigen Freiheiten und Jahrmärkte erneut. Die Region blieb auch in den folgenden Jahrhunderten wiederholt von Epidemien, militärischen Bedrohungen und wirtschaftlichen Krisen betroffen. Seit dem frühen 16. Jahrhundert verlief zudem eine Postverbindung von Graz über Gleisdorf in Richtung Wien; spätestens im 18. Jahrhundert entwickelte sich Gleisdorf zu einer regulären Poststation.

19. Jahrhundert und Aufstieg zum Verkehrszentrum

Die Revolution von 1848 brachte grundlegende gesellschaftliche und administrative Veränderungen. Mit der Aufhebung der Grunduntertänigkeit wurden die Bauern Eigentümer des von ihnen bewirtschafteten Bodens und von Robot, Zehent und weiteren grundherrschaftlichen Lasten befreit. 1849 entstanden selbstständige Ortsgemeinden mit kommunaler Selbstverwaltung. In Gleisdorf wurde bereits im März 1848 eine Nationalgarde zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung aufgestellt.

Die entscheidende wirtschaftliche Veränderung brachte der Eisenbahnbau. Am 17. September 1872 erreichte erstmals eine Lokomotive den Gleisdorfer Bahnhof; die durchgehende Verbindung der Ungarischen Westbahn zwischen Graz und Raab/Győr wurde am 1. Mai 1873 eröffnet. Damit war Gleisdorf an ein leistungsfähiges überregionales Verkehrsnetz angeschlossen. Am 28. Juli 1889 wurde zusätzlich die Lokalbahn von Gleisdorf nach Weiz in Betrieb genommen, wodurch Gleisdorf zum regionalen Eisenbahnknoten wurde. Die bessere Verkehrsanbindung förderte insbesondere Handel und Obstexport; in den 1880er-Jahren entwickelte sich Gleisdorf zu einer der wichtigsten Obstexportstationen der Steiermark.

Am 9. Juli 1883 besuchte Franz Joseph I. Gleisdorf im Rahmen einer Reise durch die Steiermark. Sein Hofzug hielt rund 40 Minuten im Ort; der Kaiser legte unter anderem den Schlussstein des damals fertiggestellten Armenhauses. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts setzte ein deutliches Bevölkerungs- und Siedlungswachstum ein, das Gleisdorf zunehmend die Funktion eines regionalen Zentrums verlieh.

1914 bis 1945

Der Erste Weltkrieg brachte auch für Gleisdorf erhebliche soziale und wirtschaftliche Belastungen. Lebensmittel und andere Güter wurden zunehmend knapp und rationiert. Zeitweise waren Flüchtlinge und Kriegsgefangene im Raum Gleisdorf untergebracht; etwa 270 russische Kriegsgefangene gelangten zu unterschiedlichen Zeitpunkten in die Umgebung und wurden unter anderem in der Landwirtschaft eingesetzt. Besonders in den letzten Kriegsjahren verschärfte sich die Versorgungslage erheblich. Aus der Gleisdorfer Pfarre fielen während des Ersten Weltkriegs insgesamt 244 Männer.

Nach dem Ende der Monarchie veränderten sich auch die politischen Verhältnisse grundlegend. Das allgemeine und gleiche Wahlrecht ersetzte das frühere Kurienwahlrecht; damit erhielten erstmals auch Frauen das aktive und passive Wahlrecht auf kommunaler Ebene. Am 8. Juni 1920 beschloss der Kabinettsrat der österreichischen Staatsregierung die Erhebung Gleisdorfs zur Stadt. Einen entsprechenden Antrag hatte der Gemeindeausschuss bereits am 30. Mai 1914 beschlossen, dessen Umsetzung sich durch den Weltkrieg verzögert hatte. Gleisdorf war damit die erste steirische Stadt, die in der Ersten Republik in den Stadtrang erhoben wurde.

Die zunehmende politische Polarisierung der Zwischenkriegszeit erfasste auch Gleisdorf. Nach der Ausschaltung des Parlaments 1933 und der Errichtung des autoritären Ständestaates wurde die kommunale Demokratie schrittweise beseitigt. Während der Februarkämpfe 1934 blieb es in Gleisdorf selbst ruhig; dennoch wurden 17 ortsansässige Sozialdemokraten vorübergehend festgenommen. Der 1932 gewählte Gemeinderat wurde 1934 aufgelöst und Karl Sobernig als Regierungskommissär mit der Leitung der Stadt betraut.

Unmittelbar betroffen war Gleisdorf vom nationalsozialistischen Juliputsch am 25. Juli 1934. Im Stadtzentrum versammelten sich putschbereite Nationalsozialisten; im Hof eines Kaufhauses in der Weizer Straße wurden Waffen an SA-Angehörige ausgegeben. Bei einer Konfrontation mit der Gendarmerie kam es zu einem Schusswechsel, bei dem der örtliche SA-Führer August Brunotte tödlich verwundet wurde. Die Gendarmerie nahm anschließend 28 Personen fest und stellte unter anderem zwei Maschinengewehre sicher.

Im Frühjahr 1938 zeigte sich auch in Gleisdorf die zunehmende Stärke der Nationalsozialisten in Form großer Kundgebungen und Fackelzüge. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 besetzten Angehörige von SA und SS das Rathaus und entwaffneten die dort stationierte regierungstreue Miliz. Die bisherige Gemeindeführung wurde ersetzt; neuer Bürgermeister wurde der Rechtsanwalt Rupert Weidacher. Bereits am 15. März wurden der Florianiplatz in Adolf-Hitler-Platz und der damalige Dr.-Dollfuß-Platz in August-Brunotte-Platz umbenannt. Diese Umbenennungen wurden 1945 rückgängig gemacht.

Während des Zweiten Weltkriegs führten Einberufungen, Rationierungen und Truppeneinquartierungen zu zunehmenden Belastungen. Gleisdorf war aufgrund seiner geringen industriellen Bedeutung kein vorrangiges Ziel des alliierten Luftkriegs; angegriffen wurden vor allem Bahn- und Straßenverbindungen. Der erste Luftalarm wurde am 13. August 1943 ausgelöst. Bei einem Luftangriff am Faschingsdienstag 1944 wurden 36 Bomben abgeworfen und zwei Gebäude zerstört. Gegen Kriegsende wurden auch Arbeitskräfte aus Gleisdorf für den Bau des Südostwalls herangezogen und jüngere sowie ältere Männer zum Volkssturm eingezogen.

Seit Herbst 1944 wurden vor allem ungarische Juden unter unmenschlichen Bedingungen als Zwangsarbeiter beim Bau des Südostwalls eingesetzt. Beim Herannahen der Front wurden sie auf Todesmärschen nach Westen getrieben; ein Teil der Routen führte über den Raum Gleisdorf. Seit 2008 erinnert am Rathausplatz ein Mahnmal an diese Ereignisse. Der Zweite Weltkrieg forderte unter den Angehörigen der Gleisdorfer Pfarre 493 Gefallene; hinzu kamen sechs zivile Opfer, mehrheitlich infolge des alliierten Luftkriegs.

Am Nachmittag des 8. Mai 1945 erreichten Einheiten der Roten Armee das Gleisdorfer Stadtzentrum. In den folgenden Tagen kam es zu Plünderungen, Bränden und Gewalttaten. Die sowjetische Ortskommandantur wurde im Gebäude der Sparkasse eingerichtet. Damit endete die nationalsozialistische Herrschaft in Gleisdorf.

Seit 1945